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Jüdische Rundschau · 1906-05-04 · Heft 18 (4.5.1906) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite?60 JÜDISCHE und arische Bankiers sich bei diesem merkwürdigen Geschäft brüderlich die Hand reichen. Man müsse unterscheiden, zwischen Juden und jüdischen Bankiers. Es sei gut, wenn man diese Unterschiede deutlich hervorhebt.‘* (Stürmischer Beifall.); Ein Aufruf Ein Komitee von Sozialpolitiken! wendet sich in einem Aufruf an die Oefientlichkeit, in dem es unter eingehender Darlegung der Verhältnisse vor der Anteilnahme an der Subskription auf die russische Anleihe warnt. Der Aufruf trägt die Unterschriften folgender Persönlichkeiten: Direktor Dr. Aristides Brezina. Hofrat Dr. Max Burckhard, Advokat Dr. Adolf Daum. Auguste Fickert. Dr. Friedrich Erev. Dr. Emil Kitter v. Fürth. Dr. Hugo üolgscheid. Universitätspioicssor Dr. Karl Grünberg. Dr. Michael Hainisch. Dr. Gustav Harpncr. Rudolf Hawel, Paul Freiherr v. Hock, Hütrat Professor Dr. Viktor v. Lang. Universitätsprofessor Dr. E. Uppmann. Arnoid Lotz. Dr. Julius Ofner. Hofrat Professor Dr. Ernst Mach. Rudolf Springer. Hofrat Professor Doktor Weichselbäum. Dr. Siegmund Wolf-Eppinger. Ernst Viktor Zenker, Dr; Moritz. Zwcybrück. Ein Aufruf jüdischer Emigranten aus Antwerpen ״Die Hilfe für die Emigranten liegt in ihren Händen selbst!״) Brüder und Schwestern! Getrieben von allen Seiten, fahren unsere Brüder durch die Welt und suchen ein Stückchen Heim. Halbtotgeschlagcn von dem wilden Pogromgesinde!, iliichteit wir aus Russland, um einen freundlicheren Ort auizusuchcn. Einen langcii und schweren Weg haben wir zu gehen. Aber wievieie Ausbeuter und Blutsauger erwarten uns unterwegs auf Schritt und *I ritt. Unsere Eltern und Verwandten, die ebensoviel gelitten haben wie wir, haben niebis getan, um die bittere Lage der später Kommenden zu verbessern, nichts dafür, dass man den Emi* grauten wie einen Menschen behandle. Allerdings. — sie haben gemeint, dass sic die letzten Emigranten seien und dass es nicht lohnt, mit den Ausbeutern erst einen Kampf zu eröffnen um der paar Tage willen, die sie im Hafenplatz, z. B. hier in Antwerpen, verbringen müssen. Es ist endlich an der Zeit, besonders jetzt, wo die Zahl der Durchwaudcrcr von Tag zu Tag wächst, Abwehrmittel zu suchen gegen die Aussaugerbanden. Im folgenden zeigen wir an. was jeder tvon uns zu wissen und zu fordern bcrechtigt und verpflichtet ist: 1. Wir müssen wissen, dass man uns absolut nichts schenkt. Darum müssen wir für unsere Geldleistungen verlangten, dass man uns wie Menschen behandelt. 2. Wir fordern, dass die Transportfirmen unser Gepäck von der Bahn zutn Hotel und wieder zurück, wie bedüngen, auf ihre Rechnung transportieren. 3. Wir müssen fordern, dass jeder von uns für sich eine Schlafstelle erhält. 4. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass fremde Männer und Frauen gezwungen werden, in einem Raum zu schlafen. 5. Wir fordern, dass man uns nicht auf Dachböden und in Kellern nächtigen heisst. 6. Wir dürfen unbedingt die brutale Behandlung der Km• der nicht mehr zulft'sscn. Niemand darf sic schlagen. 7. Wir dürfen es nicht dulden, dass die Hotcldiener unsere Frauen anrühren. 8. Wir müssen verlangen, dass man uns wenigstens bis 11 Uhr ins und aus dem Hotel lässt. 9. Wir müssen verlangen, dass Bekannten nicht der Zutritt zu uns im Hotel verwehrt wird. 10. Wir müssen genügend Brot und frisches Essen fordern. 11. Wir müssen verlangen, dass man' uns. wenn wir cs brauchen, kaltes und warmes Wasser bringt. 12. Wir müssen verlangen, dass man uns für unsere Briefe einen Platz und Feder und Tinte im Hotel gibt. *) Die WELT gibt extenso den Aufruf jüdischer Emigran ten wieder. Sie hat indessen auch weitere Zuschriften von Emigranten erhalten, die siel! wiederum gegen andere Schilifalirtsgesellschaftcn und andersgeartete Quälereien wenien. Die WELT hat diese Zuschriften zur Prüfung weitergegeben. Es ist jedenfalls sicher, dass zurzeit die jüdischen Emigranten an den Grenzen und auf den Schiffen In unerhörter Welse ausgebeutet und brutalisiert werden. Wann aber werden sich die fälschlich Judcnblättcr genannten Zeitungen he •neilasseh, dieser Ausbeutung und Vergewaltigung aller Art entgegenzutreten? RUNDSCHAU ____ ____N0J8 13. Wir müssen fordern, dass mau uns die Freiheit hisst, unsere Sachen dort zu kaufen, wo wir wollen. Brüder und Schwestern! Vor den Hotcldieucrn sollt ihr keine Angst haben, sie können uns nichts anhaben. Wenn man uns Unbill zufiigt. müssen wir uns dringend an den hiesigen Verein ..Esra“ und au die hiesigen Juden wende!., deren Pflicht es ist. uns beizustchen. Sprecht nicht, wie cs die Emigranten vorher getan haben, dass cs nicht lohn!, wegen einer I.eiJensw uciie erst viel Aufhebens zu machen. Hätten sie damals sich zur Wehr gesetzt, wir mmsten heute nicht mehr so viel leiden. Und wenn wir auch nicht alles auf einen Schlag erreichen werden, mit der Zeit wird man unsere Forderungen erfüllen müssen, und die naelikonimenden Emigranten werden nicht mehr zu leiden haben. Brüder und Schwestern! Lasst keinerlei Unrecht schweigend über euch gehen!" Der Aufruf wirft ein interessantes Schlaglicht auf das humane christliche Europa! Jüdische Auswanderung aus Russland Aus Bialystcck wird gemeldet, dass in dieser Gegend eine gewaltige Auswanderungsbewegung entstanden ist. Ls wandern hauptsächlich jüdische Arbeiter und kleine Kauf'cute aus. Aus Bialvslock allein sind in der letzten Zeit gegen JUUÜÜ Menschen ausgew•ändert. Der Auswamlerimgsstrom richtet sich hauptsächlich nach Amerika und Afrika. £ Im Laufe des Monats März I. J. sind nach London 5971 jüdische Einwanderer gekommen, von .der.cn 3>S in 1:1!:,.׳and blieben. Zw׳ei Auswanderer wurden von der Enn'״jall;1!־,- bchörde auf Grund der Satzungen der Aliens-Act zur Land:.1׳;g nicht?.!!gelassen. Das Verbot ist aber in zweiter lns:;rx aufgehoben worden. Wie holländische Zeitungen melden, hat sich die anieri- Iranische Regierung an die holländischen Scliiiialirlsgc wll-. schäften gewendet und sie aut die Verschärfung der Linwmtdcrungsvorschriftcn in Amerika aufmerksam gemacht. . Ls ist dies somit eine formelle Aufforderung an die Schiff; b:Ugescllschaften. bei der Aufnahme der Auswanderer vorsichtig, zu sein. Wie berichtet wird, hat die Durchwanderung jüdischer Emigranten durch Hamburg in der letzten Zeit das bishetige. Höchstmass bedeutend überschritten. Aus Palästina Einem orthodoxen territorialistisehen Blatte wird aus־ Jerusalem folgendes geschrieben: ..Line Folge der Wirren üi Russland ist cs. dass die armen hier lebenden Juden, die von der russischen Chalukkah unterstützt wurden, grosse Kot ie'iden. da die Chalukkahbeilräge aus Russland in letzter Zeit nur äusserst spärlich einliefen.‘‘ Der wahre Grund ist derselbe, der in allen Jahren die gleiche Wirkung hervorrtiflnämlich jene laudsmaunschaftliclic Verteilung, die den wohlhabenden und reichen deutschen Juden alljährlich Tausende von Franken aus den gesammelten Armengeldern zusclian/.t, während die Zchntausende von armen und ärmsten Juden im bitter!! Elend darben müssen. Wann endlich wird dieser Wirtschaft ein Ende gemacht. Will man denn durchaus warten, bis das Geld vo:1 den Behörden beschlagnahmt wird? Übrigens hat das Mcschullachini-Uiiwesen wieder von neuem begonnen. Da kann man nur warnen. Bei dieser Gelegenheit bemerken wir. dass in letzter Zeit ernstlich mit einer Reform und Reorganisation der türkischen Zollverhältnissc begonnen wurde, was wohl dtrauf zurtickzu־ führen ist. dass der türkische Zollsatz von 8 Prozent auf 11 Prozent erhöht werden sollte, und dass die Zustimmung der Mächte hierzu nur unter der Bedingung erfolgte, dass das türkische Zoihvcsen einer durchgreifenden Reform unterzogen werde. Die türkischen Zeitungen bringen längere Artikel über die Ausbildung resp. Auswahl der nötigen Beamten, Verbesserung der Lager Verhältnisse usw. Die Reform ist int Interesse des Landes und der Juden in der Türkei sehr zu begrüssen. Die ״Palästina-Pioniere Das Odessa'.r Organisations-Komitee der jungen Pioniere die nach Palästina gehen wollen, teilt folgendes mit: Auf den Aufruf des Komitees haben sielt Hunderte junger Leute gemeldet. Bis zum 19. März, hat das Komitee über *100 Zuschriften aus verschiedenen Orten Russlands und Ga- Hziens erhalten. Alle Briefe sind eriiillt von Begeisterung und Feuer. Ls meldeten, sich ganze Gruppen von 30. 20 und 10 Personen aus Akcrman. Bialostok. Nikoktjew, Uiuan, Borissow. Lcnkowetz. Warschau, Nischui-Nowgorod. Smargon etc. Unter denen, die sich als Pioniere melden, stehen 86 Personen

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