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Jüdische Rundschau · 1906-04-20 · Heft 16 (20.4.1906) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 16 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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foo. 16 Seite 231 JÜDISCHE RUNDSCHAU rissen ein Bild politischer Gegenwartsarbeit in Oesterreich. ,Was es national und politisch ifir die Juden bedeutet, wenn sie jüdische Vertreter Im Parlamente erhalten werden, die sich nur zum jüdischen Volke und zu keinem anderen bekennen werden, liegt auf der Hand. Und es bedarf nicht ausführlicher Begründung, dass ein sehr grosser Vorteil auch für die ziohistisclie Siche daraus erwächst, wenn die Zionisten die Parlamcntstribiine für die z.innistisclie Arbeit erobern. Die oster־ retchischen Zionisten haben eine beachtenswerte Probe ihrer Energie und Agitationskraft gegeben und habcii bewiesen, dass mit praktischer, nüchterner Arbeit, wenn nur das reale •Ziel vorhanden ist. viel mehr zu erreichen ist, als mit allen theoretischen Diskussionen, die sie in den letzten Jahren so sehr erfüllt und von praktischen Arbeiten ferngehalten haben. Daran ändert auch nichts der Umstand, dass einige Leute, in ihrer Eitelkeit gekränkt, alles Mögliche versuchen, um der Leitung Prügel z.wischen die Pässe zu werfen. Diese Herren befinden sich in einer sehr komischen Situation. Sie haben anfangs alles Mögliche getan, um die politische Arbeit nutzlos zu machen, und jetzt, da sic den Erfolg greifbar vor sich liegen sehen, satteln sic um. Aus den Ortsgruppen Berlin. Donner stag. den 26. April, abends 9 Uhr. spricht Herr Dr. Leopold Kahn-Wien Im grossen Saal des Berliner liandwerkervcrcins. Sophiciistr.!5 .in einer öffentlichen Volks- ,ersammlung über das Thema Zionismus und Diaspora. Haste sind willkommen. Königsberg I. Pr. In der Zionistischen Vereinigung hielt um Sonntag Abend im Artushof Dr. med. S and 1 e r ־ Breslau einen Vortrag über die Jude u ff a g e u n d d i e B r ii s $ e l c r k o n f e r e h z. Er ging dabei auf d'c Entstehung und Ziele der zionistischen Bewegung ein. schilderte anschaulich die Phasen, die die Bewegung bis jetzt diirchgcmaelit, und kam dann auf die Beschlüsse der Brüsseler Konferenz zu sprechen, in der über die Lage der Juden beraten worden und — abweichend von den sogen. Tcrritorialisten — Palästina und seine Nachbarländer, wie Cypern. Syrien und El-Arisch, als zur Kolonisation für die ausw undernden Juden geeignet erklärt worden sind. Da die russischen Judenverfolgungen noch nicht als abgeschlossen zu betrachten seien, wandern immer noch Tausende von Juden ans Russanu aus. Man stehe dem Massenelend ohnmächtig gegenüber, ja man müsse die Juden in Russland sogar warr.en, ihr Land zu verlassen, weil man ihnen ein anderes nicht ajtweisen könne, da England und Amerika jetzt den russischen Auswanderern jüdischer "Natiunalität verschlossen seien. So habe man endlich anerkannt, dass eine Ausicdlung in einem Lande unter jüdischer Autonomie eriolgen müsse. Redner beschäftigt sich eingehend mit den zu diesem Zwecke in Betracht kommenden Ländern und legt dar. auf welche Weise die dort ruhenden Bodenschätze gehoben und das Land der Kultur erschlossen werden könnte. Es sei die höchste Zelt, mit der Besiedelung von Palästina zu bcginnen, da England und Frankreich in Begriii wären, die Konzessionen in Palästina in ihre Hände zu bringen. Mit einem Appell au die Versammelten, an der Arbeit der Zionisten mitziihelicn, schloss der Redner seine von starkem Beifall belohnten Ausführungen. Königsberg I. Pr. In der hiesigen Zionistischen Verein!• gung sprach am '22. v. Mts. Herr Kowner über Pcrez. Smolc.'sky und die Anfänge der jüdisch-nationalen Bewegung. Redner entwarf ein anschauliches Bild dieses hervorragenden Dichters der neuhebräischen Literatur, des Denkers und Kämpfers der!iidisclicii Renaissance. In gedrängten Zügen schilderte er dim Lebens- und Bildungsgang dieses Mannes, der mit dichterischer Seele die sich jetzt vollziehende Wiedergeburt des jüdischen Stammes voraiisgealmt hat. Smolcnsky, der 1812־ zu Montryieeze, ü״uv. Mohicw. geboren, war von frühester Jugend an mit der Sorge aufs innigste vertraut. Im Alter von 11 Jahren wunderte er zu Euss nach Klow, um dort in der .Jeschibkah’־ die höchste Ausbildung im Talmud, w ie in dr!! nichttuhnudischcii Schriften zu erhalten. Diese Art von Schuten, welche 7.w2eit Meudclsohns noch in Berlin vorhanden waren, sind heute noch im Osten Europas zu finden und befinden sich auch dort auf dem Aussterbeetat. Smolcnsky hat in seiner erfolgreichsten Erzählung ..Irrfahrten des Lebens״ eine naturgetreue Schilderung des Jeseliibhahlebeus gegeben, da's dem modernen Juden freilich etwas unsympathisches und unbegreifliches ist. Kinder von 10—12 Jahren kommen fast ganz mittellos in die Stadt, mit keiner andern Empfehlung als ihrem Wissen vorselien. Zeigt cm Kind Begabung uuu Elciss, so werden ihm in wohlhabenden jüdischen Familien Freitische gewährt, und cs wird auch für notdürftige Unterkunft gesorgt. Als Mendelsohn Dessau verliess. um seinem Lehrer Eriinkcl zu folgen, erhielt er sich in der Hauptstadt Prcussens nach der gleichen Methode: er ״uss Tiig'" wie der Jesehibhah-Ausdruck lautet! und bekam von der Wohltätigkeit reicher StammcsgenosseM gerade genug, um die Miete für ein Dachkänimcrchen zu erschwingen. Das bereits erwähnte grössere Merk Smolcnsky? ,.Irrfahrten des Lebens*' ist ein echter sozialer Roman und enthält eine scliaric, schneidende Kritik des jüdischen Leben?» S. ist der erste Realist im neuliebrüisclieti Schrifttum; er liat es zum ersten Maie gewagt, jüdisches Leben der unmittelbaren Gegenwart ungeschminkt darzustellen. Es gibt In der Judenheit kaum eine einzige Schicht, die in diesem Roman nicht dargestellt wurde. Arm und reich, hoch und niedrig. Unwissende und Gebildete. Betrogene und Betrüger — sie alle ziehen kaleidoskopartig vor uns vorüber. Das Buch war und ist noch in jedem Hause zu finden, wo man die Sprache der Bibel ver steht. — Ausser den ״Irrfahrten des Lebens״ hat Smolcnsky noch eine Reihe kunstvoller und formvollendeter Novellen ge* schrieben, und einige von ihnen sind ii! mehrere Sprachen übersetzt worden. Die eigentliche Rolle, die S. kraft seiner* Au• lagen, seiner Gewandtheit im Stile, seiner Ergebenheit irn Kampfe für Ideen in der hehr. Literatur zu spielen trennen war, fiel ihm mit der (irfmdung des bedeutenden ״Ha$chacl1ar (Die Morgenröte) zu. als er sich 1808 in Wien niedcrliess. Diese Zeitschrift hat zur Entwicklung der י hebräischen Sprache und Literatur in hohem Masse belgctragcn. Line ganze Reihe jugendlicher Schriftsteller erhielt von ihm die Anregung zuni arbeiten. S. hat es verstanden, jedes neue Talent, das Znkuuftskeime in sich trug, zu erziehen und für seine Bestrebungen zu gewinnen.. Smolcnsky verkündete zuerst den modernen jüdischnationalen Gedanken mit voller Klarheit und allen seinen Konscquenzen. Die denkende jüdische Jugend scharte sich begeistert um seine Fahne, auf die er die Wiedergeburt des jüdischen Volks schrieb. In Petersburg, wie in Moskau, wo er ISS! weilte, bereitete ihm die studierende Jugend einen begeisterten Empfang. Smolcnsky war auch der Begründer der yrsteii jüdisch-nationalen Studentenverbindung ״Kadi!nah" in Wien. Er gab ihr den Namen Kadimal!, weil dieses hebräische Wort doppelte Bedeutung hat: ostwärts, vorwärts. Smolcnsky war es leider nicht vergönnt, die wahre Morgenröte des Judentums zu scheu. Er wurde an einem trüben Januartag 1885 in Meran vom Tode ereilt. Als er starb, war er 39 Jahre alt. Sein Tod war ein unersetzlicher Verlust nicht nur iür die neuhebräisehe Literatur, sondern auch für die gesamte Judenheit. Auf Smolcnsky könnte man die Bytonsclien Worte anwendeu: ״The nature tnight stand up and say to all the world, this was a man!•־ (Die Natur selbst könnte atifstelicn und der ganzen Welt verkünden: das war ein Mann!) Königsberg I. Pr. Zu der Erklärung des Vorsitzenden def Königsberger Ortsgruppe zum Lalle Perlmaiiii, die in voriger Nummer zum Abdruck kam, ist noch folgender Absatz nadbziH tragen: ״Was uns Zionisten antangt. so hat wohl niemals ein Zweifel darüber bestanden, dass uns die Zugehörigkeit 7.1׳ einer politischen Partei nicht als Grund erscheinen darf, liilfsbedürftigen Flüchtlingen den notwendigen Schlitz vorztientlialten. Selbstredend darf auch den Bundisten gegenüber von diesem Prinzip niplit abgewiclien werden, obwohl der Bundismus sich stets in bewussten schärfsten Gegensatz zum Zionismus gestellt hat. Nach der erwähnten Zuschrift des Sehutzkomitecs halten wir von unserer Seite die Angelegenheit für erledigt. Dabei bemerke ich, das* wir diese Erklärung veröffentlichen werden.״ (Durch ein Verseilen hei der Korrektur war dieser Absatz ausgefallen. Red.) Duisburg. Die Zionistische Vereinigung veranstaltet einen Morris Roscnield-Abcnd zu gunsten des Dichters. Hamm I. W. Der Verein für jüdische Geschichte und Lite, rattir veranstaltet einen Morris Rosenield-Abend. Die Einnähme wird in den R״se11feld-Bond abgeführt. Duisburg. Nachdem in der (1 e 11 e r a I v c r s a m in hi 11 g der Zionistischen Vereinigung der Leitung der Ortsgruppe über ihre Untätigkeit im vergangenen Winter ׳*.׳.י.* •i'ehtvro» Seiten heitige Yorwiirio gemacht worden waren, legte der gesamte Vorstand, bestehend aus den Hirnen Sieginund L e v y, Salomon L c v y , Eduard Gelber und Rechtsanwalt Cohn fRtihrort) sein Amt nieder. Bis zur Auberaumtmg einer zweiten Generalversammlung wurde Herr L 11 r y a mit der provisorischen Leitung der Geschäfte beauftragt. Gleiwltz. Sonnabend, den 7. April fand hier in dem grossen grossen Saale des Theater- und Konzerthauscs ein von der ..Vereinigung oberschlesischer V.J.Ster" (einer Eerienvereinigung von Mitgliedern der Vereine Jüdischer Studenten) ein

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