Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2*1 ..Klm SClIt: der russischen R e ß i c r u 11 e k e in Geld!־' Die russisehe Regierung habe keine Verbindung mit ihrem \ olkc. Menu die jüdischen Bankiers Kuropas nicht begriffen, dass sic Russland Geld nur zur Organisation von Judenhetzen geben wurden, so käme ihr Verbrechen ihrer Habsucht gleich. Jetzt verstiinunele und beschmutze man vor den Augen Kuropas die ^celc eines Krossen Volkes, uie hciiiKc Suittc der lebendigen Gottheit. Gebt kein Geld in die Hände der Barbaren, deren politischer Standpunkt den Kulturstronningeu Kuropas entgegensteht, nie werden sie es Kucli zuriiekerstatten. Russland ist durch sic ausgepliindert. Pie Kauualugkeit des Volkes ist gering. Seine Industrie ist unentwickelt und das I and ausgesogen. Pein Lande steht ein langer schwerer innerer Kampf, ein Bürgerkrieg bevor, sobald Ihr der Regierung Geld zum Kampfe gegen das russische Volk geben werdet. Interessenpolitik— Realpolitik Die katholische KÖLNISCH!: VOLKZKITUNG bringt einen tür uns beachtenswerten Artikel über Die Zukunft der deutschen Interessen In Palästina. In dem von unterrichteter Seite stammenden Aufsatze über das neue deutsche Hospiz auf dem St. Paiilusplatzc zu Jerusalem in Nr. 203 der KÖLNISCHEN VOLKSZEITUNG ist mitgetcilt. dass bei Ankauf des Grundstückes im August 1S99 der Vorstand des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande in Köln von dem Gedanken geleitet gewesen sei. an dieser Stelle ausser einem dringend nötigen grossen Pilgerhause auch eine grössere Knabenschule, eine Handwerkcrscliule und ein Lehrerseminar zu errichten. In weiterer Erörterung dieser Krage erhalten wir von einem genauen Kenner der Zustände in Palästina die nachstehende Darlegung zur Veröffentlichung übersandt. Auf Grund der langjährigen Erfahrungen, die der Verein gemacht hat. gilt die Schule in Jerusalem augenblicklich als sein wichtigstes Werk im Heiligen Lande. Spitäler. Hospize und auch sog. Waisenhäuser sind einstweilen genug in Palästina vorhanden; ja vielfach herrscht darin eine ungesunde Ueber- Produktion. Und dann haben alle diese Anstalten für die Ausbrcitnng und Befestigung unserer heiligen Religion nicht jene Erfolge gehübt, die man nach den gebrachten Miiheu und Opfern hätte erwarten dürfen. Pas haben die Russen schon lange erkannt und sind deshalb auch viel zielbewusster vorgegangen. Dieselben haben in ganz Palästina und Syrien nur in Jerusalem ein Spital für ihre eigenen Leute; desgleichen hesitzen sic kein einziges Waisenhaus, daiiir aber 15U Schulen, und zwar nicht allein in den Städten und an den gewöhnlichen Pilgerstrasscn. sondern im ganzen heiligen'Lande zerstreut bis in die kleinsten Dörfer hinein. Welche Erfolge sie damit erzielt haben, konnte man daraus erkennen, dass während des russischjapanischen Krieges die eingeborenen Christen, die Katholiken ebensogut wie die Schismatiker, fanatisch auf Seite der Russen standen. An manchen Orten, wo sie Schulen hatten, haben die Bewohner sogar Geld für den Krieg gesammelt, ohne dass jemand sie dazu angeregt hätte. Wer weiss. wie sehr der Orientale am Gelde hängt, der weiss auch, was das zu hedeuten hat. Wollen wir zu ähnlichen Ergebnissen gelangen und ich sollte meinen, dass wir Deutsche das noch besser können als die Russen - dann müssen w ir gleichfalls Schulen gründen und abermals Schulen und nochmals Schulen, und zwar ganz gewüliulichc Elementarschulen. Die Waisenhäuser und sögenannte interne Schulen haben im Orient jene Nachteile, die ähnliche Institute bei uns haben, und auch noch einige mehr. Bevor wir aber zur Gründung von solchen Schulen übergehen können, muss zuerst die Schule in *Jerusalem fertiggestellt werden; denn dort sollen die Lehrer dafür hcrangebildet werden. Es muss als ein Zeichen von Rückständigkeit im heiligen Lande auf katholischer Seite bezeichnet werden, dass bisher noch niemand an die Gründung eines katholischen Schullehrer- Seminars gedacht hat. Die Russen, die deutschen, englischen und amerikanischen Protestanten besitzen solche schon lauge. Uns deutsche Katholiken trifft aber keine Schule; denn wir sind die Jüngsten in Palästina. Kindet der Plan des deutschen Vereins vom heiligen Lande für ein solches Werk in Jerusalem tatkräftige Unterstützung, dann wird diesem Mangel bald abgeholfen werden. Wir haben augenblicklich in Jerusalem den richtigen Manu tür dieses Werk, nämlich den bekannten P. Schmidt. Er ist ein wirklicher Schulmann in der besten Bedeutung dieses Wortes und hat - wenn auch unter obwaltenden Verhältnissen in kleinerem Massstabe - treffliche Proben in der Hospizschule davon abgelegt. Seine Schule ist die beste in ganz Jerusalem, und wiederholt ist seine Tätigkeit nicht allein von der weh* liehen Behörde, bekanntlich sogar von allerhöchster Stelle, lobend anerkannt worden, sondern auch von der kirchlichen vUNDS C H A U _ _Na Mi Behörde. Auch hat er sich aus seinen eigenen Mitbrüdern einen Stab junger Männer herangebildet, die einst imstande sein werden, sein Werk in würdiger Weise weiterzuführen. Die Wallfahrt nach den» heiligen Lande wird in diesem Jahre für den Deutschen Verein vom heiligen Lande uud^ sem Wirken in Palästina von besonderer Wichtigkeit s.ein. Zwar verfolgt der Verein keine politischen Zwecke; aber die eigentiimlichen Verhältnisse in Palästina drängen doch in der gegenwärtigen Zeit zu einigen Erwägungen. .Krankreich, das früher unter allen christlichen Nationei; Europas hier das meiste Ansehen genoss, hatte schon seit einiger Zeit viel davon eiligebüsst. Durch die Trennung und Kirche hat es sich selber den Todesstoss versetzt. Russland war in der letzten Zeit an seine Stelle getreten. Aber durch den unglücklichen Ausgang seines Krieges mit Japan hat auch dessen Ansehen einen gewaltigen Stoss erhalten. Mit der Reise unseres Kaisers im Jahre 1S9S hat Deutschlands Ansehen beständig zugenommen, und damit ist uns deutschen Katholiken die Pilicht auferlegt, die gegenwärtige günstige Lage zur Hebung und Verbreitung der katlmlisclieu Religion im heiligen Lande recht auszuniitzen. Den Teilnehmern au der diesjährigen Wallfahrt wird durch persönliehe Kenntnisnahme ein tieferes Verständnis dieser Verhältnisse im heiligen Laude vermittelt werden“ So die KÖLNISCHE VOLKZKITUNG. Alle Nationen und und Religionen sichern sieh Einfluss und Besitz in Palästina. Nur die Juden vertrösten sich bestenfalls auf die Zeit, wo die reife Erucht von selbst vom Baume fallen wird. Die ..reife Krucht־' wird anderen Zufällen, wenn wir andere in Palästina ..arbeiten“ lassen, und selbst Wolkcnkukuksheimpoütik treiben. Wir gebrauchen Boden unter den Küssen, den Boden Palästinas. Phantastereien führen uns fort von Palästina. Realer Arbeit bediirien wir. ■ (nicht irgendwo , sondern in dein Lande, wo wir die reife Erucht erwarten, wenn wir uns nicht selbst belügen wollen. Videant connsules. Bus Gsinsiüilsii 1!1!:1 Perelnsa Jüdische Strafgefangene Durch die Erlasse des Kgl. Preuss. Ministeriums des Tunern vom 20. Mai lind 6. Oktober 1S97 war hinsichtlich der religiösen Eursorge iiir die jüdischen Strafgefangenen eine wesentliche Verschlechterung eingetreteu. Kriihcr kamen iiir die jüdischen Zuchthausgefangenen mir die Anstalten zu Ra witsch. Inster b u r g und Köln in Betracht. Durch die Aufhebung des Zentraiisierungssystems beim Strafvollzug wurde in den meisten Käilfu eine Berücksichtigung der religiösen Bedürfnisse gemacht, da eine vom Staate bezahlte Seelsorge nur dann zulässig war. wenn die Durchschnittszahl der jüdischen Strafgefangenen mehr als 10 betrug. Dieser naturgemäss von Jahr zu Jahr wachsende Missstand lmt den D.I.G.3. seit längerer Zeit beschäftigt. Das durch •eine bei Gemeinden und jüdischen Geiangenenpredigern veranstaltete Enquete beschaffte Material wurde in einer Denkschrift zusammeagefnsst, in der auch die amtlichen Publikationen benützt wurden. Vor allem aber wurde auf die den Gemeinden und Seelsorgern solcher Orte, an denen sich Strafanstalten befinden, aufgebiirdete ungerechtfertigte Belastung und aut die Nachteile hingewiesen, die dem Gemeinwohl hi'den'Füllen erwachsen, in denen Gemeinden und Seelsorger für die kostenlose Ucbernahme der religiösen Kürsorge nicht vorhanden oder geneigt sind. Als Ideal wurde die Rückkehr zum alten Zentralisationssystem ancmpfohlcn und nach dieser Richtung praktische Vorschläge gemacht. Nachdem der gesehäitsiülireiide Vorsitzende des D.l.G.B. bei Ueberreiclmng der Denkschrift an den Dezernenten iiir das üefangeneuwesen Herrn Geh. Ober-Regicrungsrnt Dr. Krolme ein weitgehendes Entgegenkommen gefunden hatte, haben die in- /.wischen mit der genannten hohen Stelle fartgeiülirten Verhandlungen zu einem Resultat geführt. Nunmehr werden in den dem Preuss. Ministerium des Innern unterstellten Strafanstaltcu und Gefängnissen eine Konzentration der jüdischen Gefangenen in dem Sinne in die Wege geleitet ist. dass einerseits die Zuchtliausgdangeneu und andererseits die mit einer Gefängnisstrafe von mindestens 0 Monaten bestraften Juden jedes Oberlandesgerichtsbezirkes in je einer einzigen Anstalt an solchen Orten ziisnmnieugebraclit werden wo ein jüdischer ..Seelsorger“ seinen Sitz hat. Es wird dadurch die für eine staatseitige Beteiligung an der Besoldung der Seelsorger erforderliche Mindestzahl in den meisten Eüllen bald erreicht sein. Bezüglich derjenigen Juden, die sich in den dem preussisehen Justizministerium unterstellten Gefängnissen befinden, ist eine religiöse Eiirsorge weniger dringlich, weil es sich hier meist um kurzfristige Strafen handelt. d i g ty.