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Jüdische Rundschau · 1906-03-23 · Heft 12 (23.3.1906) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 176 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 12 ferat knüpfte sich eine lange and lebhafte Debatte. In der die Gegensätze zwischen Sozialismus und Zionismus zum Ausdruck kamen. Der geschäftliche Teil war von einem gemütliehen Beisammensein gefolgt, bei dem nationale Lieder ge- «mgen wurden. Im Jüdischen Dlskutlcrklub erweckte das Thema des letzten Vortrages am vergangenen Donnerstag. ״Die Juden ir. Frankreich am Ende der grossen Revolution", gehalten von Herrn Dr. Kassel ein ganz besonderes Interesse. Eine ungewöhnlich grosse Besucherzahl war zu verzeichnen; es waren ca. 100 Personen im Saale anwesend, andere mussten aus Mangel an Platz unverrichteter Sache zurQckgeh.cn. Der Vor• tragende behandelte in eingehender Weise die Bedeutung Napoleons I. für die Juden und gewährte einen genauen Einblick in das Leben und Treiben der Juden Frankreichs in jener Zeit. Der Redner wies nach, dass Napoleon zwar ernstlich bestrebt war. den Juden zu helfen. Wenn dies auch nach einem Plane geschehen sollte, der dem grossen Manne, dessen Kopf er ent- Sprüngen war. entsprach und welcher vielleicht der grossartigste dieser Art zu nennen ist so haben sich seine Pläne, die die Judenfrage durch Assimilation lösen wollten, dennoch nicht bewährt. Die Erfolglosigkeit solcher Bestrebungen habe uns die Geschichte zur Genüge bewiesen. Reicher Beifall lohnte dem Redner für seine vortrefflichen Ausführungen. Neuer Turnverein Posen. In Erfüllung eines alten Wunsches der Mitglieder des Vereins ist vom Vorstand nunmehr die Einrichtung von Fechtkursen (Sabel) beschlossen. Eigenes vollkommenes Paukzeug ist angeschafft: mit den Uebungen wird in nächster Zeit begonnen werden. Für die Leitung ist eine bewährte Kraft gewonnen. Der Kursus wird zunächst nur einer kleineren Zahl von Personen zugänglich sein. Es sollen aber zugleich Mitglieder so weit auscebildct werden, dass sie ebenfalls Kurse selbständig leiten können. J. Hamburg. In der Sitzung der Ortsgruppe vom 15. März er. referierte unser Mitglied Moritz Goldschmidt, der Leiter der Deutschen Sliareklub-Zentralc. über die zionistischen Institutionen. Er gab insbesondere ein interessantes Bild unserer Kolonialbank, deren finanzielle Lage und geschäftliche Massnahmen er eingehend schilderte. Mit Recht wies er darauf hin, dass die Bank bei den Gesinnungsgenossen in Deutschland bisher nicht die Beachtung gefunden habe, die sie als finanzielles Instrument der Bewegung unbedingt verdiene, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Bank sich bald derselben Popularität erfreuen möge, wie der Nationalfond. Hierauf berichtete Dr. Victor über die Ereignisse der letzten Wochen, wobei er zunächst die Kämpfe unserer Brüder in Russland und Oesterreich für die politische und nationale Gleichberechtigung erörterte. Er bezeichnetc cs als eine bedeutungsvolle Wendung, dass in be'den Ländern unsere Gesinnungsgenossen auch an der inneren Politik regen Anteil nehmen und den zionistischen Prinzipien getreu für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht eintreten. Im Anschluss hieran geisselte der Redner als unjüdrsch und überdies taktisch verfehlt das Verhalten einer grösseren Anzahl Hamburger Juden, die trotz der politischen ״״d *es^llschaftlichen Zurücksetzung bei den herrschenden W ahlrechtskämpfcn für die Verschlechterung des bereits bcstehenden Dreiklassenwahlrechts zum Hamburger Parlament eingetreten sind. Zum Fall Perlmann-Königsberg übergebend, sprach der Referent seine Verwunderung darüber aus. dass der Hufsverein deutscher Juden bisher nicht den Mut gefunden habe. Herrn Perlmann öffentlicli zu desavouieren. An der lebhaften Diskussion beteiligten sich Dr. Franck. Michael Rosemann, Dr. Besser und Holländer. b. Braunschwelg. Auf Anregung der hiesigen akademischer Zlonfstcngruppe wurde hier fn ״Schrader’s Hotel” am 11. er. eint grosse Purlm-Peicr veranstaltet. Neben den Vertretern dei Zionistengruppe. Herrn Cand. ehern. Ingmann und stud. Tsche•?u enWarcnjm Veranstaltungs-Komitee die Herren Bioemen• danl, Donys, Emmanuel und Lamm. Trotzdem von manche! Seite versucht wurde, das Unternehmen zu vereiteln und *di< Veranstalter mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten gelang es ihnen, das Fest zu einer Imposanten Feier zu gc׳ stalten, die von über 250 Personen von der Stadt und Um ycbuug besucht war. Eingcleitct wurde die Feier mit einen ProJog. In dem in kurzen aber gefühlvollen Worten Esther der Heldin des Tages, gehuldigt w׳urde. Darauf entwickelt« Herr Landesrabbiner Dr. Rülf in längerer Rede die geschieht liehe Bedeutung des Tages. Der Rede folgte eine von Frai Rosanowskv meisterhaft arrangierte Kinder-Svniphonie. dam noch verschiedene musikalische Vortrüge von Frl. Moses. Frl Rosenbaum und Herren Bioemendahl und ein Lustspiel. Sämt liehe Piicen waren grossartig ausgefülirt und fanden ungetei! ten Beifall Die Kaffeetafel eröffnete Og. Jungmaun mit elnci längeren Rede, in der er besonder!! die nationale Bedeutuni des Tages unterstrich. Er wies dann auf den hier herrschenden Partikularismus und das Fehlen jeglichen Zusammenhaltes unter der hiesigen Judenschaft hin. indem er letztere mit einem verdorrenden Baum verglich, von dem die Blätter einzeln allmählich abfallcn. Dem alten Stamme, sagte er, müssen neue Kräfte, frische Säfte zugeführt werden, damit er nicht vor Altersschwäche vergehe. Er forderte die Anwesenden auf, ein Zentrum für die hiesige jüdische Jugend zu schaffen, zur Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins und Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls. Die Rede fand allgemeine Ancrkennurig und wurde mehrfach durch Zustitnmungsrufe unterbrochen. Die Worte fielen auf fruchtbaren Boden und bald bildete sich eine Gruppe der Anwesenden, die sich die Pflege des jüdischen Einigkeitsgedankens zum Ziel stellte. Nach der Tafel begann der Ball. Im Saale war eine ..National-Pos*" errichtet. Es wurden jüdische Ansichtskarten und Nationalfondmarken verkauft. ״Befördert" wurden nur solche Briefe, die mit Nationalfondmarkcn versehen waren. Bis zum nächsten Morgen dauerte das fidclc Fest, welches den Braunschwefgcrn lange in Erinnerung bleiben wird. — Der Reinertrag der Feier wird dem Nationalfond zugewiesen. Frankenthal, 17. März. Am Sonntag, den 3. März, hielt in Frankenthal in der Pialz Herr Gericlitsassessor Dr. Friedemann aus Wiesbaden einen überaus interessanten Vortrag über Palästina ״Land und Leute” mit Lichtbildern. Die gut besuchte Versammlung folgte den Ausführungen des vortreffliehen Redners mit dem lebhaftesten Interesse und spendete reichen Beifall. Innerhalb ganz kurzer Zeit wurden hier drei Vorträge gehalten und der letztere hatte auch den erwünschten Erfolg. Es gelang uns. ca. 16 Herren zu einer Ortsgruppe zu vereinigen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich der Ortsgruppe Mannheim, die mit grossem Eifer an die Sache heranging, den tiefgefühltesten Dank aussprechen. Kattowftz O.-S. In der konstituierenden Versammlung der hiesigen Gruppe am 13. d. M. sprach im Anschluss an die Wahl des Vorstandes, den die Herren Arnold Wiener. Heinrich F r c y 11 a n, Eugen Mittwoch. Adolf Zweig und Siegm. Rappapor t bilden. Herr D r. Kass e 1 (Raribor) über Die Pi lichten des Zio niste n." Er gab eine Synthese des nationalen Judentums, mit feiner Satire Mauschel vom Juden unterscheidend, kennzeichnete die gerade auf jüdischer Seite beliebte Verwechslung von Konfession und Nationalität und widerlegte in kurzen Darlegungen die häufigsten Argumente gegen den zionistischen Gedanken. Er sprach von der Grösse der Idee, die die Wiedergeburt des jüdischen Volkes bedeute, und verlangte von ihrem Anhänger das Bewusstsein des Kämpfers. Er präzisierte die Aufgaben des Zionisten und wies nachdrücklich auf die Pflichten hin, die sich für ihn aus der Bedeutung des Nationalfonds für die Verwirklichung de- Ziele der Bewegung ergeben und schloss mit dem stimmungsvollen Wort Elias Auerbachs: Dass das Empfinden, unter Gleichgesinnten zu sein, dem Zionisten Zion symbolisiere.” .Herr Freyhan brachte den Dank dcrVersammelten zum Ausdruck. Die Wesensart des Vortrages, die Perspektive mancher Gedanken wiederzugeben, verbietet der Rahmen dieses Berichts. Die Gruppe gewann 5 neue Mitglieder: in einer Nationalfond-Sammlung eab sic der zionistisehen Ocffentlichkeit das erste Lebenszeichen. Namslau f. Schl Am Purimabend versammelten sich die Mitglieder der Svnagogenecmeinde Namslau zu einem Vortrage, den Herr Zahnarzt Schachtel aus Breslau im Hotel ..Zur goldenen Krone” hielt. In trefflicher Weise entledigte Hugo Schachtel sich seines Vortrages und erzielte ganz besonders dadurch den Beifall seiner Zuhörer, dass er sich nur an Tatsachen hielt. Seinem Vertrage Ist cs zu danken, dass sich eine Ortsgruppe bildete, die bisher 22 Mitglieder zählt. Besonderes Verdienst gebührt noch den Herren Mcfdncr und Tischler. . ... . _._ Glclwitz. Wenn wir uns weniger häufig in der Zeitung hören lassen, so geschieht das nicht deshalb, weil bei uns nichts getan wird. Im Gegenteil. Ich glaube, dass hier tu Ober- Schlesien an ruhiger, stiller Arbeit verhältnismässig viel geleistet wird. Ich will damit zwar nicht sagen, dass \Vi.r hier bereits auf der ganzen Linie gesiegt haben, aber es ist ein stetiger, erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Wir haben, und das will schon viel sagen, am hiesigen Ort einen festen Stamm von älteren Gesinnungsgenossen, wir haben unter den jüdischen Studenten. Gymnasiasten und jungen Kaufleuten festen Fuss gefasst. Wir sind hier über die Zeit der Flugblätter und aufklärenden Agitationsvcrsammlungcn hinaus. Wir haben jetzt im wesentlichen zwei Aufgaben: die eine besteht darin, die Gemeir.deorganc zu gewinnen, d. h. Rabbiner. Lehrer. Kantoren. Repräscntantcnvcrsanunlung; die andere ist kul■:

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