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Jüdische Rundschau · 1906-03-23 · Heft 12 (23.3.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWiPC? 1?CfW! .r in h d'by/1 u o /j WübL Abonnementspreis •Intchllessllch LITERATURBLATT vltritljihrnch: 1. durch die Expedition: a) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus* wtrti 1,— Mark, c) filr das Ausland 1,50 Mark. I, In Peitabonnement 1,25 Mark. .י Allgemein e Jüdische Zeitung Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag JOdiiehe Rundschau, E. O. m.b. 11״ Berlin N.64, Augustslrasta 49a. Insertionsprefs 41• viergespaltene Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig. BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon:!1, 3387. deschlttsstusden der Expedition täglich (ausserSabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Ut־־. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestatte;. Nummer 12 Berlin, 26. Adär5666— 23. März 1906 XI. Jahrgang An unsere Leser ־ Die vorliegende Nummer ist die vorletzte des ersten Quartals vom elften Jahrgang unserer Zeitung. Wie wir wohl ohne Selbstüberhebung sagen dürfen, ist der Weg der JUEDISCHEN RUNDSCHAU immer nach vorwärts gegangen. Und diese Richtung soll auch weiter beibehalteu werden. Wie bisher, und mehr noch, soll die JUEDISCHE RUNDSCHAU auch weiter ein Organ sein, dem nichts Jüdisches fremd ist; wie bisher soll sie auch fernerhin der Ausbreitung und Vertiefung unserer erhabenen Idee dienen, soll sie das Progranmi vertreten, das wie kein Jüdisches zuvor, einzig ist in seiner historischen und kulturellen Geschlossenheit und Einheitlichkeit, das Baseler Programm der Zionistischen Bewegung. Mehr als je haben sich auf lösende Bewegungen im Judentumc gezeigt und sogar nicht vor der Einheits- Partei des Jüdischen Volkes Halt gemacht. Diese Krise ist überwunden. Die Krankheitsstoffc sind ausgeschieden und die zionistische Partei, die einzig jüdischnationale Gruppe, geht ihrer Gesundung entgegen. Die Aussenarbeit hat wieder begonnen und zeitigt täglich neue Eriolge. * Nur im ständigen Zusammenwirken mit unseren Lesern werden wir auch weiter das Vertrauen rechtfertigen können, das uns bisher in so dankenswerter Weise entgegengebracht worden ist. Unsere Zeitung vertritt die Einheit der Gesamtjudenheit. Sic kämpft für jüdische Ehre und Selbstachtung, für jüdische Solidarität und jüdisches Wissen. Wir halten die Fahne des Judentums hoch und arbeiten, dass das Judentum auch eine Zukunft haben soll, die seiner grossen Vergangenheit würdig ist. Um diese Fahne des Judentums wollen wir die Juden, ganz besonders abeT die Jungen Juden sammeln! Verlag und Redaktion der JUEDISCHEN RUNDSCHAU l Der ״Jüdische Voüisverein“ in Berlin und die Auswanderer Vor etwa einem Jahre schlossen sich in Berlin die auswärtigen Juden, besonders aus Russland, zusammen,. um gemeinsam aus eigener K r a 1' t ihre wirtschaftliche Lage zu bessern und sich diejenigen Er־ rungenschaften der Kultur anzueignen, welche ihnen in ihrer östlichen Heimat verschlossen waren. Da der' Verein das Prinzip der Brüderlichkeit auf seine Fahne geschrieben hatte, so nahm er die Pflicht für sich in Anspruch, den armen russischen Flüchtlingen aui ihrer Durchreise beizustehen. War die Fürsorge bisher nur als Wohltat gehandhabt worden, so sollte sie jetzt Bruderpflicht sein. Es sollte nicht gegeben, sondern geteilt werden. Dieser schönen Aufgabe haben sich unsere hiesigen russischen Stainniesgenosscn in einer Weise unterzogen, die uns nicht so wohl mit Hochachtung als mit Trauer darüber erfüllen muss, dass so ritterlich vornehm denkende, ethisch so überragende Menschen durch die Ungunst materieller und politischer Verhältnisse in so bescheidenen Grenzen wirken müssen. Was könnte für die Gesamtmenschheit geleistet werden, wenn diese intelligenten und edlen Menschen am richtigen Platze arbeiteten! Wenn je uns Juden der Vorwurf gemacht wurde, wir wären ein zur Staatenbildung untaugliches, asociales Element, so dürfen wir hiuweisen aui die Organisation und die Leistungen der Bahnhofswache, auf die russischen Juden, die ihren Schlaf opferten, damit die Flüchtlinge in der fremden Stadt von Brüdern empfangen würden; auf die braven Studenten, die ihre enge Kammer manche Nacht mit so vielen der Aermsten teilten, dass sie selbst auf den Schlaf verzichten mussten; auf die Arbeiter, die sich selbst das Essen versagten, um hungernde Brüder zu speisen. Aber schöner noch als diese Taten selbst ist die Art, wie sie geleistet werden. Mit unendlich feinem Takt wurde den Armen das Gefühl genommen, dass sic Wohltaten empfangen. In der anderen Umgebung, in dem fremden Lande, unter der Wucht unzähliger gewaltiger Sinneseindrücke waren die armen Flüchtlinge in dem Getümmel der Grossstadt früher verlassener als der Wanderer in der einsamen Wüste. Wie oft geschah es, dass die Familienmitglieder auf dem Wege von einem Bahnhofe zum andern einander verloren * um nie wieder zusammenzutreffen; wie oft wurden sie ihres bischen Gepäckes bestohlen, das sie achtlos für einige Augenblicke an die Strassenecke ge-

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