Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1906)
- Date
- 1906-03-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 1 I I I fc. A 1 . 4 ,1: Seite 15S JU DJ S C H E versorgen. Es wäre wünschenswert. warn Allianz und Hillsverein statt in Deutschtum und Franzosciitum, in Judentum mit einander weiteifern wollten. Lektüre für Judenbekehrer Noch einiges vom letzten Pogrom in Hornel. Die eigentliche Metzelei begann am 20. An diesem Tage, gegen 4 IJlir nachmittags, wurde In einer Kirche geläutet ־ es war dies ein Signal: gleich darauf erschien aut der Rumiaiizewsknia Strasse der Bankbeamte Sch w and t (ei:1 Deutscher)'mit noch einem Huligan und begann mit einem Säbel die Scheiben in den benachbarten!.fielen eitiztischl.igcii. sein Begleiter gab einige Rcvolverschiissc ab. Per ganze Vorgang war auch früher verabredet, denn auf die Schüsse kamen sofort Tscherkessen herbei und begannen die Strasse entlang zu schiessen. Mau bürte weder die üblichen Rufe: ,.Schlagt de Juden", noch das Pfeifen und J״hkn der Strassenjimgcii. man salt keine zerrissenen Federbetten, es fehlten alle Merkmale der ..gc\v״hnliel1en" Judc.mietzelciui, Als erstes Opfer hatten sich die Tscherkessen die Bucbaudlung von Ssyrkin ausersehen: Bücher wurd.u zerrissen, die Ladeneinrichtung klcingeschlagen. das Ganze mit Naplita ühergossen und angezündet. Dasselbe Schicksal ereilte noch mehrere Geschälte, wobei cs auch Verwundete und Getötete gab. ln derselben Zeit begab sich eine Abteilung Dragoner zum Arzt Dr. Salkind, der weit abseits von der Rumjanzewskajastrasse wohnt und als freiheitlieli gesinnter Mann bekannt ist. Die Soldaten bcgannen sein Maus zu beschlossen und töteten dabei einen dort - wohnhaften Schumacher. Wenn nicht der Befehl eines bcnachbarten Obersten zum Rückzüge gekommen wäre, so wäre das Haus samt seinen Einwohnern vernichtet worden. Ein anderer Arzt, Dr. Sacharin!, war nicht so glücklich: als er. ungefähr um dieselbe Zeit, eine Abteilung Soldaten 11־ft einen! Offizier au der Spitze kommen sab. flüchtete er sieb mit seiner Eamilie zu seinem Nachbar, einem Christen. Die angekomniencu So!־ daten fanden in der Wohnung des Dr. Saeliarjin nur ein Christliebes Dienstmädchen, das, von den Soldaten mit dem Tode bedroht, ihnen den Zufluchtsort ihres Herrn entdeckte. Sofort begab sich der Offizier mit vier Mann dabin und verhaftete Sacharjin, die übrigen Soldaten plünderten unterdessen die W ohnung, eigne teil sich alles Wertvolle an. das übrige wurde kurz und klein geschlagen, ln derselben Zeit begaben sich einige tscherkcssische Soldaten nach einer kleiucn Synagoge, brachen die Türen gewaltsam auf, misshandelten furchtbar . einen vierzehnjährigen Juden, der sich dort versteckt hatte, zertrümmerten alle Lampen, die gerade mit Oel angeiiillt waren, zündeten au und begaben sieb ruhi״ weiter au ihre ״Arbeit". Der Junge entkam mit Mühe und Not aus dem brennenden Hause. In der Rumjanzewskaja ging das Brennen, Morden und Plündern weiter vor sich: die Einwohner befanden sich in einer schrecklichen Lage: blieb man im Hause, wurde man vorbräunt bei lebendigem Leibe; ging man auf die Strasse,, wurde mar» niedergesehossen.!Man entkam durch Hintertüren, kletterte auf die Dächer uudzficss sich von da auf Stricken heruntcr. man brach Löcher in die Mauern und rettete sich auf diese W'eisc durch H&'e und Gärten. Auf den Strassen sieht man Soldaten. Tscherkessen. Kosaken mit verschiedensten Waren bepackt ganze Wagen voll geraubter Sachen werden fortgebracht, ein Jeder, der den Plünderern Widerstand entgegensetzt oder sie nur genauer ansieht, um sie sich zu merken. wird niedergesehossen. Der Brand verbreitet sielt allmählich auf andere Strassen: die Tscherkessen versuchen den Laden von Ljubin anzuzünden, von da aus konnte das Feuer ins ärmste Stadtviertel himibergreifen, aber mit Hilfe von sechs Rubeln gelingt es. den Laden zu retten. Nach Mittcrnacht stellt die hallte Stadt in Flammen, die besten Strassen, die reichsten Magazine lodern. Das Löschen ist unmöglich, jeder, der es wagt, wird niedergesehossen; Feuerwehr ist nicht da. die Polizei lässt sie nicht zur Brandstätte heran. Erst gegen Morgen gelingt es den Arbeitern vom Depot der Eisenbahn mit einer Dampfspritze. dem Feuer Einhalt zu tun. Am folgenden Tage bietet die Stadt ein trauriges Bild: der beste ־Stadtteil ist verwüstet: auf den Strassen sieht man nur Kosakeu und Soldaten. Jeder Eisenbahnzug führt Hunderte von Hemeler Einwohnern aus diesem Schreckensorte fort. Um 5 Uhr ist die Stadt wie ausgcstorV.cn. niemand wagt sich in die Scisscn, der blnsse Name des (i euer als Orloff, der zur ״Ruhc"stiftung in der armen geplünderten und beraubten jüdischen Bevölkerung nach Hornel gekommen ist, erweckt Schrecken in jedem: man we'ss ja. auf welche W'eise er in den Baltischen Provinzen ,.R u h e" gestiftet hat . . . Aus Russland Der Kongress des Allrussischen Bundes, der besonders agrarische Rechte vertritt, fasste folgende Resolution: .,ln Anbetracht der Feindseligkeit, welche die Judenheit in ihrer RUNDSCHAU 1*; Gesamtheit den Gesetzen des Reiches, in dem s:c lebt, sowie allen jenen gezeigt hat. welche nicht Juden sjnd. beantragt der Kongress des Allrussischen Bundes der Landwirte, dass, da die Gleichberechtigung der Jud.n zu den Dumawahlen eine Gefahr bedeutet, die Rechte der Juden beschränkt werden." Und ferncr: ״In Anbetracht des schädlichen Einflusses, den die Jüdisehe Jugend auf d:e übrigen Schüler ausübt, hält der Kongress is fiir wünschenswert. Juden überhaupt niUit an russischen Schulen zuzulassen, und ihnen arkeimzustcllen. auf e i g e 11 e Kosten jüdische Schulen und Universitäten zu begründen." Kleine Mitteilungen Bcrl'11. Von 10,Sd OberLhrern au Gymnasien. Realschulen, technischen Mittelschulen und Realgymnasien..die kürzlich zu Prnies.sorcii ernannt wurden, sind 15 tmgetaufte Juden. Vier davon• waren an rein j ii d i s c!1 e 11 Anstalten, die übrigen zum grossen Teil au Berliner Mittelschulen tätig. Berlin. Am Mittwoch. 21. Auirz, findet im Kaffee Gartner am Holsteiner Uier eine Versammlung des Vereins der Sabbathfreunde statt. Wir weisen auf das Inserat in dieser Nummer hin. Frankfurt a. Alain. Die im vergangenen Jahr in Wiesbaden gestorbene Frau Elisabeth Sichel, geborene Goldsclunidt. vermachte der hiesigen israelitischen -Gemeinde 101»Ut:0 Alark. Die Zinsen sollen armen Gemeiiidemitgliedgru. die nach iiberstandener Krankheit noch einer besonderen Pflege bedürfen, zu gute kommen. Bückeburg. Der scliaimibtirg-üppisclie Landtag beschältigte sic!! mit einem Anträge des Abgeordneten Wippermann, welcher die Betäubung sämtlicher Schlachtticre, mit Ausnahme •י Federviehes mittels Sehlagmaske vor dem Schlachten verlangte. Das Ministerium wurde zunächst ersucht, Erhebungen anzustellen über die mit Betäubungsapparaten gemachten Erfahrungen, namentlich auch in bezug auf die Haltbarkeit des Fleisches der nach vorangegaiigener Betäubung getöteten Tiere. Der GENERALANZEIGER 1 LR DIE GI ־SA M TIN Ti;RES- SEN DES JUDENTUMS hat gelegentlich des Puriinfestes seine Nummer als eine würdige Nachfolgerin des leider entschlafenen SCHEEMIEE herausgegeben. Mit meisterhaftem Humor bat .Imigmann wieder einmal die GMusschw hohen und Assimilantenblüten verspottet. Auch von Gronemann ist eine recht gelungene Verarbeitung der Brüsseler Konferenz gegeben, ln einem Feuilleton ״In der Holde des Löwen" bat SCHLEMIEL auch unsre Redaktion vor. und wenn er uns auch sehr bös mituinnnt. wir haben über den reizenden Humor recht herzlieh lachen müssen und können nur wünschen, dass noch recht viele sich an der grossartig gelungenen Nummer eine gute Purinistimmung versehaiien, die ja auch nach Purim keineswegs zu verwerfen ist. St. Petersburg, 13./26. Februar. Der Herausgeber der neuen offiziösen geitung RUSSKOJE GOSSUDARSTWO, Herr Gurjew, wollte einen Redakteur des SSLOW'O, namens Malac 11 0 w s k i, als Mitarbeiter bei seinem Blatte gewinnen. Aber das Ministerium des Innern strich den Namen dieses Herrn von der Liste der Mitarbeiter mit der Motivierung, dass er — Jude sei. Melitcpol (am Asowschcn Meer). 10. März. Hier hat der Prozess wegen der Judcnmctzekien begonnen. Angcklagt sind 10־ Personen, darunter neun, die in der jüdischen Organisation zur Sclbstwehr hervortraten. Sie sind ״wegen Angriffs auf die russische Bevölkerung" angeklagt. Unter den M׳tgliedern der Selbstwehrorgaiiisation sind zwei deutsche R e i c h s a n g c h ö r i g e. Unsere Freunde bitten wir trcundlichst beachten zu wollen, dass von heute ab die ״Jüdische Rundschau״ a u f sämtlichen B a 11 n h ö f e n und S t a d t b a It n It 01 e n Berlins und der Vororte käuflich zu erhalten Ist. Verlag ,Jüdische Rundschau", E. G. ni. b. H., . Berlin N. 54, Auguststrasse 49 a. r■1 ׳׳ —...י * In—» »■■׳ 1 ■ ו■!-.- l Briefkasten der Redaktion ־-"-־-—י—י—יl f————יייי-יי■mmmmmmmmmtmmmmmmm 1■ — J I--- -_, ״ ״Anonym". Auch dieses Gedicht beweist uns nur. dass Sie mit der Zeit lernen werden, eine gute Prosa zu schreiben. Gefühle allein machen noch keine Poesie. J. K. in L—g. Ihr Gedicht ist so zarter Natur, dass wir es sorgfältig vor Druck bewahren müssen. Wenn Sie uns wieder Gedichte cinseuden wollen, verwenden Sie. bitte, lieber das Porto fiir den Nationalfond. M. B. in Strassburg. Angaben für die Nationalfond־ Quittungen bitten wir ausschliesslich an Herrn Max Wollsteincr zu senden. Zlonsgruss. יוי" ־יייייייו׳ ייוייוי ■itirym.y