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Jüdische Rundschau · 1906-03-02 · Heft 9 (2.3.1906) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 9 JÜDISCHE RUNDSCHAU Organisation sprechen. Diese anrutühren. kann jedoch nicht Zweck dieser Zellen sein, aber auf einen Qrund möchte ich Hinweisen, der Herrn Gostynski sicherlich cinlcuchtcn wird. Wenn durch die Gründung einer jüdischen Organisation nur herbeigeführt wird, dass eine Anzahl Kollegen, die aus irgend einer Veranlassung sich den bestehenden Vereinen nicht anschlossen wollen, sich organisieren, so kann dies einem jeden, der für Organisation überhaupt ist, nur recht sein. Und nun zum Schluss noch einmal der Schaden, der den jüdischen Handlungsgehilfen durch die starke Betonung des Judentums erwachsen würde. Ich habe gefunden, dass man als Mensch und als Jude stets am besten gefahren ist, wenn man jederzeit mit freier Stirn selbstbewusst und offen sein Judentum bekannt hat, und darum lasse ich folgenden Grundsatz gelten: ״Bewusst in der Wahrnehmung von Berufsintercsscn, bewusst »m Judentum, beidcsjcdoch gemeinsam inder jüdischen Handlungsgehilfe norganisatio n." Posen, den 13. Februar 1906. Leopold Lcsscr. Die Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU hält mit diesen mehrfachen Für und Wider die Frage für genügend erörtert und schliesst für jetzt diese Diskussion, uns so mehr, als im Augenblick, wo es wichtig ist. die zionistischen Kräite in grossen Organisationen zusammenzufassen, jede neue Gründung ohne zwingende Notwendigkeit anstatt zu der gewollten Vcrcinigung zur Zersplitterung führt. Die Freunde des Projektes werden sich damit trösten, dass ja aufgeschoben noch nicht aufgehoben ist. —^ Aus den Ortsgruppen ן— Berlin. Am Mittwoch, dem 21. Februar 1906. abends 9 Uhr. hielt Herr Dr. Hans Gideon Heymann im Rcstaurant Roscnthal, Leipzigerstrasse, einen Vortrag über das Thema: ״Warum Ist nur Palästina unser Ziel.“ Mit grossem Interesse folgte das anwesende Auditorium der klaren und sachlichen Auseinandersetzung des Vortragenden, welcher mit Eifer und scharfer Logik seinen Standpunkt vertrat. Wir werden dauernd die Worte des Herrn Dr. Heymatm unserem Gedächtnisse cinprägcti: ״Die Renaissance des vertriebenen Jüdischen Volkes kann nur im jahrtauscndaltcn Vaterland Palästina zur schönen Blüte gelangen.“ Berlin. In der Jüdisch nationalen Frauen vereinigung findet am Montag, dem 4. März, nachmittags zwischen 5—8 Uhr im Schloss-Hotel (früher Cassel). Burg- Strasse 20, wieder ein geselliges Beisammensein statt Zionistinnen. auch Nichtmitglieder, sind frcundlichst dazu cingeladen. Am Mittwoch, dem 7. März, abends 9 Uhr, spricht in denselben Räumen Herr Rabb. D r. Emil Lcvy über ״Feminismus und J u d e n t u m." Zu diesem Vorträge sind Herren und Damen als Gäste herzlich willkommen. Berlin. Der Jüdische Turnverein Bar Kochba, Berlin, veranstaltet am Dienstag, dem 6. März, 9 Uhr, im grossen Saale der M u s i k c r - Bö r sc. Kaiser Wilhelmstrassc 18, eine öffentliche Propaganda-Versammlung. Thema: Die körperliche Regeneration des Jüdischen Volkes. Referent: Dr. Israel Auerbach. Kattowltz O.-Schl. Für zionistische Bestrebungen fehlte in unserer Gemeinde bisher die Resonanz. Trotz historischer Erinnerungen — die 1. Konferenz der Chowewe-Ziön fand im Jahre 1882 hier statt — trotz der aufopfernden Wirksamkeit von Moritz Moses schon seit den Kinderjahren des politischen Zionismus, blieb sic von der Bewegung fast ganz unberührt. Die im allgemeinen günstigen wirtschaftlichen Vcrhältnissc der hiesigen Juden, die anerkannte soziale Stellung (com grano salis verstanden!), die sie sich durch Förderung kultureller und politisch-fortschriuUchcT Bestrebungen vcrschafft haben, vermehrten die Nciming zur Assimilation und hinderten nationale Inspirationen. Und so erscheint cs nicht verwunderlich, wenn wiederholte Anregungen zur Bildung einer zionistischen Zentrale — die letzte anlässlich eines Vorträges von Elias Auerbach im Jahre 190-4 — auf wenig empfänglichen Boden fielen. Zwar sind die Verhältnisse bisher nicht anders und die Schwierigkeiten nicht geringer geworden; doch In jüngster Zeit fand sich ein kleiner Krc:s von Ocsinnungsgenossen zusammen, die in lebhaftem Drang nach zionistischcr Betätigung an die Gründung einer Gr״ope herangehen wollten. Seite 135 Herr Rechtsanwalt,Stcinitz (Gleiwitz) übernahm es, in einem Vorträge, der am 20. dieses Monäts vor ungefähr 100 Personen stattfand, die Kenntnis unserer Ideen weiteren iüdi- sehen Kreiseij zu vermitteln. Mit gediegener Sachlichkeit gab er einen Uebcrblick über die historische Entwicklung der Bewegung legte ihr Wesen und ihre Ziele dar und schloss mit orientierenden Bemerkungen über ihre Institutionen. Die Kosten der scharfen Diskussion, die zu später Nacht erst ihr Ende fand, bestritten von gegnerischer Seite die Herren Dr. Braun- Schweiger und Rechtsanwalt R c i c 11. Während ersterer die ideelle Bedeutung des Zionismus für das Judentum atierkannte, seinen praktischen Wert jedocli problematisch fand, iiililte sicli letzterer als unentwegter Kämpe für assimilatorische Bestrebungen verpflichtet, eigene nationale Regungen unter den Völkern zu kennzeichnen. Objektiv und leidenschaftslos, unter Verzicht auf jede suggestive Wirkung, vcrtrtt der Referent den zionistischen Standpunkt und erhöhte dadurch für den Urteilsfähigen den inneren Wert seiner Ausführungen. Etwa 20 Damcu und Herren traten sofort der neuen Ortsgruppe bei, deren endgiitige Konstituierung in einer demnächst einzuberufenden Versammlung vor sich gehen w׳ird. Ein Restiltat. das im Hinblick auf den starken Besuch des Abends nicht glänzend zu nennen ist, doch in den Schwierigkeiten der Situation seine Erklärung findet. Breslau. Die Breslauer Zionistische Vereinigung hielt am י\ Februar eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab, in der Herr Referendar Dr. Auerbach -Pose 11 über de Situation im Z i o 11 i s m u $ referierte. Dem utmangreichen Referat, in dem Redner zu allen wichtigen Ereignissen im jüdischen Leben der letzten Zeit Stellung nahm, folgte eine lebhafte Debatte, die sich ,-־l hinzog. Einen grossen Ted der Debatte nahmen die Erörterungen über die von dem Posencr Distriktstagc angenommene Resolution ein. die wohl inzwischen in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU veröffentlicht worden ist. Der Vorstand der Vereinigung legte der Versammlung eine Resolution vor. die nach längerer Debatte modifiziert wurde und schliesslich in folgender Form zur Annahme gelangte: ״Die Breslauer Zionistische Vereinigung erklärt die die Brüsseler Konferenz betreffende Resolution des Posencr Distriktstages für deplaziert und ihre Einbringung und Annahme für einen taktischen Fehler.“ Der Vorstand begründete die Resolution damit, dass die in der Posencr Resolution geschehene Hervorhebung der zionistischen Initiative bei der Einberufung der Konferenz sowie ganz besonders einer angeblichen Konzession des offiziellen Zionismus an den! Standpunkt der (früher sögenannten) politischen Zionisten eine schwere Gefahr für die soeben in Brüssel erzielte Einigung sowohl zwischenden Parteien innerhalb des Zionismus, wie zwischen Zionismus und den nicht-zionistischen Gesellschaften bedeute. Der Vorstand ist zwar der Meinung, dass die sub II der Posencr Resolution ausgesprochenen Behauptungen sachlich unrichtig seien, legt aber auf die Betonung dieser Tatsache in der Resolution keinen Wert. Denn unsere Resolution soll nicht den Sinn einer Kontrcresohition haben, die nur einen anderen als den Posencr Standpunkt festlcgcn will. Wäre sie das. so würde sie im Verein mit der Poscner den Anfang einer grossen Serie von ״Posener" und ..anti-Poscner“ Resolutionen der deutschen Ortsgruppen darstellen. Dieses unerquickliche Schauspiel soll eben gerade durch die Breslauer Protestresolution verhütet werden. Nicht eine andere Auffassung als die Posener soll sie zum Ausdruck bringen, sondern sie soll nur gegen den in Posen unternommenen Schritt (der leicht einen Schwarm ähnlicher Resolutionen Hervorrufen könnte), derartige Fragen und Auffassungen überhauot in Resolutionen zu behandeln. Protest einlcgen. Ein solcher Schritt ist ein schwerer taktischer Fehler, denn eine derartige Resolution, wie die Posencr. provoziert hei denienieen Ortsgruopcn. die in puncto II anderer Ansicht s’nd. die Fassung neuer Resolutionen, in denen die in Posen konstatierte Konzession des offiziellen Zionismus bestritten wird, und gefährdet so die eben mühsam geschaffene Einigkeit sowie d:e kooperative Tätigkeit der verschiedenen Gruppen. — Nationalfond — Sammlungen für den Nationalfond und andere zionistische Zwecke lind lediglich au senden an den Schatzmeister des Zentralburcaus, Herrn Max Wotlstetner. Berlin NW. >j, an.;״.״״׳״:״ל״׳״.Holsteiner Ufer 10. .=::::■!־.״;■: Geschw. E x i n e r, Berlin, gratulieren Rabbiner Dr. Emil Cohn, Berlin, zu seiner Wahl zum Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin . . . 1Mk.

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