Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-03-02 · Heft 9 (2.3.1906) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651457--03319-2660242
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

t Beilage I I JUEDISCHE RUNDSCHAU**«:*־:■ Aus der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Der Distriktstag des Gruppenverbandes für Posen und Westprcussen, über den in der letzten Nummer der RUNDSCHAU ein eingehender Berieht gebracht worden ist, ist überaus befriedigend verlaufen und hat der Organisation in 7 verschiedenen Städten neue Anhänger zugeführt. Wir ersuchen sämtliche übrigen üruppctiverbände, das gegebene Beispiel zu befolgen und ihrerseits ebenfalls Distriktstage einzutcrufen. Ucbcr die Ausgestaltung derselben sind wir zu jeder näheren Auskunft gern bereit. 2. Im Anschluss an die Versendung der neuen Gesehäftsanweisimg für die Matcrialiensammlimg zu Gunsten des Nationalfonds bitten wir dringend, die bisher gesammelten Materialien noch im Laufe des Monats M ä r z cinzusenden. Insbesondere ist die Sammlung und Absendung von St an i 01 dringend notwendig, da die Staniolpreise bereits wiederum um 20 ft gestiegen sind. 3. Sämtliche I50U N a t i o!1 a 1 f o 11 d s b ü c h s e n der Zionistischen Vereinigung für Deutschbnd sind nun• mehr ausgegeben. Wir bitten daher diejenigen Ortsgruppen, welche etwa jzuvid Büchsen bestellt haben, so dass sich bei ihnen eine grossere Anzahl von Büchsen befindet, die zur Zeit keine Verwendung finden, dieselben umgehend an Herrn Max Wollstciner. Berlin N.W. 23, Holsteiner Ufer 10, zijrückzuschicken. *1. Die Palästinakonnnission veranstaltet in der Zeit vom 25. bis 28. April d. J. einen Orientierienkursus am Städtischen Friedrichspolytechnikum in Cötlicn i. Anh. * Der Stundenplan umfasst täglich 6—7 Stunden. Es lesen die Herren: Rektor Eberhardt, Dr Leopold Kahn, A. Kaiser, D r. Klee, Dr. Franz Oppenheimer, Said Ru etc, Dr. A. Sandler D r. S. S 0 s k i n und Professor W a r b u r g. Das Honorar beträgt nur 10 M. Nähere Auskunft erteilt der Akademische ״Tcftlol! hi Cötlicn 1. Anh. Gründungeinesjüdlschen Palästinavereins Zur Gründung eines Vereins zur wirtschaftlichen Er- Schliessung Palästinas ruft Dr. Moses in Mannheim auf. Die Brüsseler Konferenz habe inbezug auf die Erforschung des Orients zu jüdischen Kolonisationszweckcn einen Beschluss gefasst, bei dessen Ausführung sicher der zionistischen Fachkomniission eine hervorragende Rolle Zufällen müsse. Angcsichts .dieser Wendung der Dinge, die in ihren Folgen heute noch kaum zu übersehen ist, wird es zur Ehrensache der Zionisten, für die wirtschaftliche Erforschungsarbeit ihrer PaläsUuakommisstau die Mittel in cinigcrmassen ausreichender Hohe zur Verfügung zu stellen. Die Zentralkasse würde eine höhere Dotation in der nächsten Zeit nicht leisten können. Da liege der Gedanke nahe, dass inan durch Bereitstellung frei williger Gaben die offizielle Dotation, welche die Komniission von der Bewegung erhält, ergänze. Eine Koim mission, welche nach wissenschaftlichen Prinzipien und nach methodischen Humen arbeite, müsse ein einigermassen stabiles Budget haben. Da bleibt ab Ausweg hui übrig: die Organisation 1'reiwilliger Gaben zu regelmässigen Jahresbeiträgen in Form eines Vereins ־zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas. Durch den Verein werde die Stellung der Palästinakommissiun in und zu der Bewegung nicht im geringsten tangiert. Die Kommission werde nach wie vor von dem Zionistenkongresse gewählt, erstatte ihm ihren Bericht und werde von ihm dotiert Der Verein habe keinerlei Einfluss weder auf die Zusammen- Setzung noch auf die Arbeiten der Kommission. Es wird gegründet, um Jahresbeiträge zu sammeln, die der letzteren zu ihren Arbeiten zur Verfügung gestellt werden. Der jährliche Mindestbeitrag soll gleichkomnien der Höhe des Schekels in dem betreffenden Lande, in Deutschland also eine Mark betragen. An dem Vorschläge des Dr. Moses ist vielleicht im einzelnen einiges zu modifizieren, aber jedenfalls gibt er neue Gelegenheit zu der unendlich wichtigen Gegenwartsarbeit für und in Palästina. Eine wichtige Erucitcrung seines Progranimes würden wir in der Einbczichjtng der wissenschaftlichen (historischen und archäologischen) Forschung sehen. Der Verein wird hieriür viel leichter grosse Mittel bewilligt erhalten, als für die gewiss ungleich wichtigeren praktischen Aufgaben der Palästinakommission. Aber durch das Hand in Hand Arbeiten der beiden Zweige wird auch der rcinwirtschaftlichcn Forschung mehr au Muttein zuteil werden, als ihr so zufällt. Damit aber würde sich, in gewisser Beziehung der Vorschlag des Dr. Moses mit jenem decken, der schon vor Jahren wiederholt in der WELT und in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU zur Gründung eines jüdischen P a 1 ä s t i n a v c r c i 11 s gemacht wurde. Immer wieder tritt von den verschiedensten Seiten dieser Vorschlag spontan au uns heran und beweist durch das stete Wiederkehren desselben Vorschlages die längst bestehende und immer mehr empfundene Notwendigkeit der Gründung eines jüdischen Palästinaverc ins. Ist ein Verband jüdischer kaufmännischer Angestellter als Wirtschafts-Organisation lebensberechtigt? Immer neue Wege werden gesucht, um die Juden zur.Rückkehr zum Judentum zu veranlassen, und jeder selbstbewusste - Jude wird d'ese Bestrebungen mit Freuden begrüssen. AVie aber jeder Bewegung, und zumal einer jung-nationalen, leicht . chauvinistische Ucbcreriife unterlaufen, was nur natürlich ist, . so befinden sich diejenigen Zionisten, welche die Gründung eines ״jüdisch-nationalen Handlungsgehilien-Verbandes" anstreben, auf solch einem falschen, die eesnnPcn jüdischen Hand-' lungsgeh'ltcu und die jüdische Kaufmannschaft durchaus schüdigetidcn Wege. Soll der ״Verband jüdischer Handelsangcstcllten“ in der. Hauptsache d:e Pilegc des Judentums unter den Handlungsg'ehilfen zur Aufgabe haben, dann ist er lebcnsbercchtigt, keinesfalls aber darf er als Handlungseehilfen-Organisation gedacht sem dessen Aufgabe cs ist, die wirtschaftliche Lage der Handhmeseehilfen zu verbessern. Um die wirtschaftliche Lage eines Standes zu heben, muss vor allem die Möglichkeit vorhanden se:n. dass sich alle Berufskollegen gemeinsam orgairsieren können, um als geschlossene Masse für ihre berechtigten Interessen eintreten zu können, wenn ein Erfolg dieser Be- Strebungen gewünscht und erwartet werden soll. Es muss also eine solche Oreämsatmn unabhängig sein und vor allem einen neutralen Boden haben, wo jedwege nationalen, konfessirinellcu und parteipolitischen Momente ausgeschieden s!nd. damit sich auf demselben aPe BrufskolI״gcn sammeln können. S'itd doch die bestehenden Mängel und Beschwerden im kaufmänuiseheu Beruf dieselben für Jude. Chr׳'st oder Mohamcdaner. ob mau deutscher, indischer oder türkischer NaVon ist. ob Zcntrurnsmann oder Sozialdemokrat, wozu da die Kräfte zersplittern, wo nur Frspriessliches geleistet werden kann, wenn man als einige, geschlossene Masse vereint ist. «• Und wenn man darauf entgegnet, dass man getrennt marschieren, jedoch vereint schlagen kann, so sprechen dagegen die Erfahrungen auf d'csem Gebiete, und man sieht, wie schwer es ist. die bestehenden Verbände bei gemeinsamem Vergehen unter einen Hut zu bringen. Nirgends ist wohl das bekannte Sprichwort ״Viele Köche verderben den Brei** so zut Wahrheit geworden, wie in der Handlungsgchilfenbewegung. ' Wozu r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.