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Jüdische Rundschau · 1906-03-02 · Heft 9 (2.3.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sic sind gaüzische Juden und. dürfen als solche mildernde Umstände für sich in Anspiuch nehmen. Denn die galizischcn Juden haben zwrr immerhin einiges von dem Stamineswesen der Hebräer noch bcibehaltcn. Aber im wesentlichen tragen sic die Merkmale der polnischen Herrschaft an si 11. Cie polnische Herrschaft hat aber nirgends schlimmer gewirtschaftet, als in dem Lande, in dem bis hefte de Szlachta zum Unglück der Völker und auch der polnischen Nation die Herrs haft in Händen hat. Das polnische Adelstum, das stets an dem Marke d s polnischen und nicht minder des jüdischen Vokes gesogen hat, hat Galizien zu einem Parad e c dieser Szlachta, zu einer Hölle für Juden, Ruthenen und nicht minder der nichtad'igen und nichtreichen Polen gemacht.. Ganz besonders die Juden wurden von diesen Polen dazu auscrschen, an ihren die eigene Höhe möglichst gross messen zu können. Die Juden, denen inan dafür bezahlte, dass sie mit zusammengebundenen Bärten den polnischen Adligen das hebräische Lied ״Ma Jofis” Vorsingen mussten, denen man aber wohlweislich vorher in das Getränk nux vomifera hineingemischt hatte, sind die Ahnen jener polnischen Hofjudcn, die heute in den Kultusvors änden und in den Parlamenten offiziell die jüdis:hen lnteres.cn zu vertreten haben. Sie vertreten diese wie ihre Ahnen auf Kommando und nach Weisung ihrer polnischen ״Herren“. Das ist ihr ״Ma Jofis“. D:r polnische Adlige hat seine Juden, die ihm die Geschäfte besorgen müssen, die er nicht gern in die Hand nimmt, weil er sich dazu zu vornehm dünkt. Diese Drohnen des polnischen Volkes, dem dadurch nicht nahe ge• treten werden soll, und das wahrlich etwas besseres verdiente, als diese Adelsherrschaft, haben den Juden ihres Landes mehr getan, als alle die Tyrannen, die den Juden an die Leiber gingen. Denn sie haben ihnen die Seele geraubt. Es sind also dem Abgeordneten dieser Art mildernde Umstände unbedingt zuzubilligen. Ein grosser Teil von dem, wozu er sich hergibt, sind doch nur Handlangerdienste fiir die polnische Herrschaft, bei der er 111 Diensten steht. Er verrichtet dabei sein Werk als Hof-. jude. Er muss den Hass auf sich nehmen, den die polnischen Herren zu vornehm sind, auf sich zu laden. Diese Abgeordneten sind die sicheren Trabanten der Szlachta, um die Juden zu verhindern, ihr eigenes Interesse wahrzunchmen. Das galizischc Hoijudeutum hat das nationale Ehrgefülil, wie es ihm die Polen und die Jahrhunderte ancizogen haben. Dass den westeuropäischen Juden und auch allen, die nicht Hoiiuden in Galizien sind; dieses nationale Ehrgefühl nicht genügt, ist eine andere Sa 11c. Dafür ist doch beileibe nicht Herr Byk verantwo tli h zu machen, der ja für unsere Gefühle dieser Art gar kein Verständnis hat, auch gar nicht haben kann. Denn seine Seele ist bei der polnischen Szlachta in Ver- Währung und sie bewahrt sie sorgfältig und hü*et sich sehr wohl, sie ihm herauszugeben. Zu dieser Szlachta gehört freilich auch der Führer der polnischen Sozialdemokratie, der aus seinem juden- und iudentumsferdliehen Herzen niemals eine Mördergrube ma hte und eben deshalb bei allen assimilationssüchtigcn E'cmcntcr. unseres Volkes anerkannt wird als der unvergleichliche polnischnationale Kämpfer der Sozialdemokratie. Dass die polnische Szlachta kein Interesse daran hat, —* auch nicht ihr sozialdemokratischer Flügel, -״- zu erkennen'zu geben, dass nicht einmal die Hälfte von dem polnischregierten Galizien wirklich polnisch ist. war vorauszusehen. Freilich ist sie zu vornehm d zu selbst sich in den Kampf mit dem jüdischen Volksclement einzulassen. Dazu hat sie ihre Hoijuden unter dem Kommando ihres Oberhoijtiden. Die Wahlrechtsbewegur.g. die auch die jüdische Bevölkerung Galiziens ergriffen hat. die endlich einen Rettungsanker zu sehen glauben in der Bedrängnis, in der sie gezwungen werden, gegen ihr eigenes Interesse zu wählen, wie der Pan und sein iüdls.her Moszko kommandieren, ist den polnischen Herren unbequem Ist sie doch eine jüdischnationale Bewegung, d. h. eine Bewegung, die den Juden die Seele widergeben w.ll, die ihnen von der Adelsherrschaft widerrechtlich verenthalten w ird. Ist sie doch die einzige Bewegung, die jüdischnational ist ausser dem Zionismus und ihm nicht zuwiderläuft, sondern mit ihm an einem Slrange zieht. Sic ist der vernünftige Kampf des Juden um das Territorium, auf dem er sitzt und das er nicht zu suchen und nicht zu entdecken braucht, der Grund und Boden, mit dem seine Interessen verbunden sind, in dem die Leichen seiner Väter ruhen, und in dem er seine Geschichte hat. wenn auch keine ruhmreiche Geschichte.

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