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Jüdische Rundschau · 1906-02-09 · Heft 6 (2.2.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 6 (2.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 85 und die Huligans drangen auch in das Haus von Dr. Salkind, des Obmannes der Selbstwehr, ein und wollten ihn ermorden. Als sic* ihn aber nicht zu Hause fanden, plünderten sie sein Haus und erschossen eine in demselben Hause wohnende arme Frau. Die Opfer des Pogroms waren diesmal hauptsächlich die reichen Juden. — Am Samstag dauerten die Brände und die Plünderungen fort. Die Häuser und Läden in der Rumjanzewstrasse, auf dem Bazar, im Kaufhof und in vielen anderen Strassen wurden eingeäschert. Im ganzen wurden 150 Läden und י!1־ Häuser ver nichtct. Uber die Tätigkeit .der Polizei und des Militärs vc! lautet nichts. Auch die Sclbstschutzorganisation tat wenig, dennoch gab es Tote und Verwundete, deren Zahl noch nicht ermittelt worden ist. Ani Samstag traf der Vizegouverncur Podsedtewitshc ein. Die Stimmung blieb höchst erregt, aber gegen 5 Uhr nachmittags trat eine gewisse Stille ein. Der Gouverneur von Mohilcw ist nach Hornel zur Untersuchung gekommen. Ausserdem hat der Minister des Innern den Ministerialrat Sawitsch nach Hornel entsandt, damit er die Ursachen der dortigen Brände und Unruhen feststelle. Und doch ist Russland ein christlicher Kultur- Staat und die Türkei ein ungläubiges Barbaren- I a n d. Alter Glaube — schmutziges Hemd! Aus Petersburg kommt d:e wichtige Nachricht, dass öräiin Mathilde Witte, die Frau des Ministerpräsidenten, vom Protestantismus zur orthodoxen Kirche übergetreten ist und dabei den Namen Maria angenommen hat. Bekanntlich ist die Gräfin ursprünglich Jüdin, die mm also zum zweiten Mal ihren ״Glauben“ wechselt. Wer an die Judenfreundlichkeit oder auch mir an einige Schonung für die Juden durch Graf Witte glauben möchte, der möge sich merken, dass es niemals ärgere Feinde gibt als Renegaten. Die getaufte iudeufrau als Gattin ist allein Grund genug zum Judenhass und Judcuunterdrückung. Unwetter in Persien Jede Revolution betrifft bekanntlich am schwersten die AHcrsehwächstcn. und seit der Zerstörung des jüdischen Staates in Palästina waren die Allerschwächsten immer d:e Juden. Schwer sind daher die Besorgnisse, dass sich augenblicklich in Pers'en, das auch in ruhigen Zeiten seinen Juden keine ruhigen Tage lässt, eine Revolution von langer Hand vorbcreitet. Ein Kurier aus Teheran überbrachte die ersten sicheren diplomatischen Meldungen über diese revolutionäre Bewegung in Persien. Obwohl der Kurier vom 20. Januar datiert ist, enthält er nichts über eine Verleihung der Konstitution und die Einberufung des Hauses der Gerechtigkeit. Dasselbe wird als. ein nach Europa gekabelter Bluff betrachtet. An der Spitze der revolutionären Bewegung stehen die Mollahs. sowie die Meditehdes. die hohe Priesterkastc. ■Ihnen schloss sich anfangs Januar ein grosser Teil der Kaufmannschaft an. Der Beweggrund für die Kaufleute ist nicht politischer, sondernkommerzieller Natur. Die in Persien durch die Revolution in Russland eingetretenen hohen Preise auf Zucker und sonstige Vcrbrauchsartikcl in Verlnidimg mit dem vom persischen Zollminister gchandhabten strengen Zollsystem haben wesentlich mitgewirkt. Die Hauptführer der Revolution sind in dem 16 Kilometer von Teheran entfernten heiligen Orte von Abdul Azltn, woselbst der Vater des jetzigen Schahs ermordet wurde. Sie fordern vom Schah erstens die Sicherheit aller bei der Revolution beteiligten Personen, zweitens d e Absetzung des Oouverneurs von Teheran ’Alä-ad-Daula, drittens die Absetzung des Zollministcrs. viertens die Restitution der Medressen (muliammcdanische Schulen, in denen das islamische Recht und die Religion gelehrt werden), und Moscheen, sowie der Wohltätig• kcitsanstalten, welche die Regierung jüngst konfiszierte, und fünftens ein auf dem K 0 r ä 11 basiertes Gesetz, wonach alle Gerichte des Landes ausnahmslos zu urteilen haben. Die Bewegung trägt einen fanatischen, schi’itisehcu Cliarakter und wir dürften bald neben der akut gewordenen russisehen Judenfrage eine ebensolche in Persien haben, um so mehr, als die Perser immer noch alle derartigen Kuhuriort• ־ schritte von den Russen gelernt haben. £□ Sprechsaal Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die prcssgeseuliche Verantwortlichkeit. Sehr geehrter Herr Redakteur! In No. •I Ihres geschätzten Blattes bringen Sie einen Aufruf eines Herrn Erich Salomon an die jüdischen Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen, ich setze daher voraus, dass Sie auch mei'ic Lntgcgnung veröffentlichen werden. Ich selbst bin Zion'st und erkenne die Notwendigkeit an, das jüdische Nationalbewusstsein der Jugend zu heben; dazu haben wir aber db zionistische Vereinigung und ähnliche Vere:ne. In die Berufsorganisationen derartige Momente hineintragen, wäre für die Handlungsgehilfen ein grober Fehler. Was wir beim Deutschnationalen Handliingsgehilfenverband bekämpfen, wäre genau so tadelnswert bei einer jüdiscli-natioaalen Vereinigung. Die Ziele der Berufsorganisation können nur durch gemeinschaftliche Arbeit sämtlicher Handlungsgeiiilfcü in Deutschland erreicht werden, daher wäre eine weitere Spaltung wir haben leider Handlungsgehilfenvereinc mehr als genug — ein Verbrechen an der Handlungsgchiltenbewegung. Wir haben doch einige Organisationen, die unabhängig und politisch wie religiös neutral sind, in der Juden und Christen sitzen und gemeinschaftlich, und zwar im besten Hinveriiehttien. die Interessen ihrer Berufskollegen in wirksrnister Weise vertreten; cs sind dies der Venein der Deutsehen Kaufleute und der ״Kaufmann. Verband für weibliche Angestellte". Erstercr wird wegen seiner Bekämpfung antisemitischer Ideen in Handlungsgehilfcnkreiscn vom Deutschnationalen Handhingsgehilien-Vcrband ״der kleine Cohn“ genannt. In beiden Organisationen nehme!! Juden leitende Stellungen ein. Ausserdem existiert noch der sozialdemokratische Zentral-Verband. Da jeder jüdische Kollege und jede Kollegin in diesen Verbanden willkommen sind und ihre Vertretung linden, wozu denn eine Neugründung, die d.esc Vereine uui zwingen würde, dieselbe ebenso zu bekämpfen, wie die antisemitische Bewegung. Wir würden das Schauspiel erlebet!, dass national-jüdisch gesinnte Handlungsgehilfen, wie sie im Verein der Deutschen Kaufleute zahlreich organisiert sind, sich mit denen im jüdisch-nationalen Verein.aufs heftigste bekämpfen und so den Antisemiten kein schönes Bild der jüdischen Einigkeit geben würden. Ferner scheint s׳ch das .,national-soziale“ jüdische Komitee noch nicht klar darüber geworden zu sein, welchen Schaden es den jüdischen Gehilfen zunigen würde. Während heute schon sehr viele jüdische Prinzipale, auch sogar solche, deren Geschäfte atn Sabbath geschlossen sind, möglichst keine Juden, dafür aber Dcutschnationalc anstcllcn, würde dann wohl selten e'u Chrst einen jüdischen Gehilfen anstelle!!. Wenn irgendwo die jüdische Vereinigung, eine Forderung auistellcn würde, hätten alle jüdischen Handlungsgehilfen darunter zu leiden, ge- 1!au so wie die sozialdemokratische Bewegung den Juden in die Schuhe geschoben wird, weil die Begründer derselben in Deutschland, Lassalle und Marx, Juden waren. Wenn das Komitee den Deutschnationaicn den Gefallen tun will und die Juden aus dem Staude verdrängen, dann mag cs bei seiner Absicht stehen bleiben. Für uns Juden muss der Grundsatz gelten: .,National-jüdisch in Vertretung unserer Rechte als Staatsbürger, neutral in der Berufsvercinigung. wie es unsere Prinzipale auch sind.“ Hermann G o s t y 11 s k », Gcneralratsmitglied des ״Vereins der Deutschen Kauileutc“, Allensteinerstr. 321. . .1 ■ ־ Ei I"־־־ ..- j Briefkasten der Redaktion I I "" " * H. Sch. Nein, wir haben die Drucksachen der Brüsseler Konferenz für die Nationalbibliothek nicht erhalten. Zionsgruss. Ae. B. in H. Zu uuserm Bedauern können w׳ir von den cingesandtcn Gedichten keinen Gebrauch machen. Dr. J. in P. Die Bczugssteile und der Preis der Althebräischen Gesänge von Prof. Fleischer sind uns nicht bekannt. M, I.evy. Strassburg. Das betr. Material über M c y e r b e c r utul H a l c v y ist uns unbekannt. Geschäftliche Mitteilungen Schwindsucht ist heilbar. Zwar wird immer eine klimatisch-diätetische Kur und Beseitigung der Schädlichkeiten. Staub etc. die Hauptsache bleiben, dabei ist aber eine medikamentöse Behandlung nicht zu vernachlässigen. Den ersten Rang dabei nehmen immer noch die Buchenteerpräparate ein. Es ist aber durchaus nicht gleicligibig. welches der vielen Mittel man anwendcn will. Die entscheidenden Vorzüge, absolute Ungiftigkeit, sichere Dosierung, beste Wirksamkeit neben vor- 11m״B1!|»׳»!11,׳y וווייייול׳ »Bf•»*»1■■ ■»JHfl׳—' •יי יי* mwm W t*

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