Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1906)
- Date
- 1906-02-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 71 wo wir nicht Tag und Nacht zum Wöhle und Nutzen des Landes! gearbeitet hatten? Und wie hat man es uns vergolten? Sie j wollen wiederum jüdische Energie, jüdischen Enthusiasmus, י jüdische Sparsamkeit, jüdisches Geld und jüdisches Blut vergeudeu für ein Land, aus dem wir wiederum als Fremde ver, bannt werden können? Ist das der Weg. um unser Volk zu retten? Ist das die Hilfe? Und was wird der Erfolg sein? Angenommen, wir haben die Kolonie gegründet. Wie und in welcher Weise würde diese Kolonie das Schicksal der übrigen Judenhcit beeinflussen? Welchen Einfluss würde sic auf die politische, ökonomische und soziale Stellung der Juden haben? Durch eine autonome Kolonie können wir keinen direkten Einiluss In politischen Fragen gewinnen. Weder Australien, noch Südafrika, noch Kanada, so gross sie *auch sind, geben den Ausschlag bei der britischen Regierung, wenn es s!ch um grosse Reichsfragen handelt. Diese stehen immer im Vordergrund. Glauben Sie nun, dass unser auswärtiges Amt sich von den Wünschen einer entlegenen jüdischen Kolonie bewegen lassen würde? . . Aber wie stcht’s um Palästina? Sind denn dort nicht dieselben Schwierigkeiten vorhanden? Die Frage ist falsch gestellt. Unsere Ziele sind verschieden, unsere Mittel sind verschieden. Unser Ziel Ist ein nationales; es geht daliin. das ganze jüdische Volk zu einer Nation zusammenzuschliessen. das jüdische Bewusstsein und die jiuiisehe Solidarität zu heben und zu stärken, uns von der Vormundschaft der Reichen zu befreien und aus eigener Kraft gcrettet zu werden. Wir hängen nicht von grossen Massen ab, und die Schwierigkeiten in Palästina trägen bloss einen poütisehen Charakter. Sie können viel leichter behoben werden, als diejenigen, d:e sich uns in den Weg stellen, wenn wir eine Lösung der ökonomischen Frage anstreben. Eine viel kleinere Sicdelung der Juden in Palästina würde für ein Moment genügen, um alles, was ich meine, dass wir austrclcn sollen, der Ausführung nähcrz/ibringcn . . . Alles steht vor uns offen, und wenn wir einmal in Palästina sein werden, so werden Wir auf den grossen Heeresstrassen des Welthandels und der Wcltmdustrie und im Zentrum des politischen Lebens stehen. Dann haben wir in unseren Händen den Schlüssel der grossen Routen, die vom Osten nach dem Westen, vom Süden nach dem Norden führen — Europa, Asien und Afrika begegnen sich da. Wir sind da am Tore des Suez- Kanals, und der indische Ozean umspiilt das Hinterland. Unsere Stimme w:rd dann eine mächtige sein. Von dort aus können wir zum Schutze unseres’Volkes in den Ländern ihrer Zer- Streuung beitragen und es weithin bemerkbar machen, dass wircifl •nationales.Zentrum haben, das seine Stimme erheben könnte zum Schutze rechtlicher Ansprüche — eine Notwendigkeit, die wir nie so sehr gefühlt haben wie jetzt. Während wir hier sprechen, ist im Zeitclas der englischen Freiheit der Sand schon fast abgelauten. Die Fahne der Freiheit Ist gesenkt worden, und längs der Häfen von England wird die gelbe Flagge der Quarantaine aufgezogen. Ja.es ist eine S c 11 n: a c h! Und die Schmach falle auf unsere jüdischen M i t b ü 1 g e r. die sich nicht gepanzert und geharnischt haben gegen jede Möglichkeit der Durchführung solcher Bills. Und d;e Schmach falle auf die d i e i h r e Stimme einem Konscrvative n g'cb.c.nf Der Zionismus hat immerhin diesen Anspruch bei unserem Volke, dass er die Juden ihren Wert als nationale Einheit gelehrt und den Weg gebahnt hat für das erste jüdische Parlament. Die Saat, die m unsere Herzen gesät wurde, hat neue Kraft und jüdischen Manncsmut in uns gelegt, für uns einzustehen, für unsere Rechte und unsere Freiheit zu kämpfen. DE JOÖDSCHE WÄCHTER, das offizielle Organ des Nederlandschcn Zionistenbonds, bringt eine Uebersicht der jetzlgen Judcnlagc, der Lage des Judentums. ״Haben wir denn kerne Philanthropen, keine genialen Gelehrte keine grossen Künstler?" fragt der Autor. Und er antwortet: ״Sicher, die Juden haben Gelehrte und Philanthropen, aber das Judentum hat bitter wenig davon." ״Ich frage mich selbst und die anderen Juden allen Ernstes, was hat das Judentum in dem letzten Jahrhundert durch eigene Kraft gewonnen? Nichts" . . . Und weiter führt der Artikel eine interessante Parallele durch: zwischen dem Belgier Joris, der einen Anschlag auf den Sultan machte und von den türkischen Richtern zum Tode vorurteilt wurde und dem jüdischen Volke: ״Belgien ist ein Land, ein kleines Land, aber ein selbständiges Land. Und deshalb konnte cs durchsetzen. dass an Joris als Belgier das Todesurteil nie!*» vollzogen werde. Aber Juden sind keine Jorissc. Und •unoch dürfen Juden gemordet werden ohne Recht und Untersuchung, und ohne dass ein Hahn darnach kräht. Warum? Weil sic niemand verteidigt . . . Weil sic sich selbst nicht verteidigen können. . . . Weil sic in aller Welt zerstreut sind, überall ein Vaterland haben, nirgends c;!1 eigenes Land." י In der von den burschenschaftlichen Turnvereinen herausgegebenen AKADEMISCHE TURNZEITUNQ findet sich in den letzten drei Nummern eine Artikelserie eines Herrn Eber- 11 a r d t (Alter Herr der Cibria), betitelt ״V 0 m Z i o n i s tn u s", der mit Sachkenntnis und nicht geringer Sympathie geschrieben ist. Kleine Mitteilungen London. Joseph Israels, der berühmte holländische Maler, und Salomon J. Sa 1 onto 11 s, — beide in dem Werke ״Jüdische Künstler" in ihrem Leben und Wi־Jkcn dargestcllt — sind zu Mitgliedern der englischen königl. Akademie gewählt worden. Joseph Israels ist Zionist, Salomons war stets Gcgncr des Zionismus und ist jetzt Vorstndsmitglied der JTO. In Alsfeld weihte dieser Tage die israelitische Gemeinde ihre im romanischen Stile neu erbaute Synagoge in An- Wesenheit der Vertreter des Kreises und der Stadt ein. Der Neubau präsentiert sich in seinem Acusscren als ein stilvolles Bauwerk, das der Stadt zur Zierde gereicht. / Vereinsnachrichten Berlin. In der Generalversammlung des Jüdischen Turnvereins ״Bar - Kocliba“ vom 21. Januar wurde Dr. Israel Auerbach zum Vorsitzenden gewählt. Schriftführer des Vereins ist Erich Burin, Crefclderstr. 5. Strassburg I. E. Unter grosser Beteiligung der Strassburger Bürgerschaft, vieler Gönner und Freunde, einer stattliehen Anzahl A. H. A. H.. sowie fast der ganzen Aktivitas des V. J. St. Freiburg feierte Samstag. 2ö. Januar, der Verein jüdischer Studenten sein IV. S t i f t u n g s i e־s t. Der Fcstkommers wurde eingeleitet durch einen Salamander auf Se. Maj. den Kaiser, kommandiert vom Pi äsidenten Herrn cand. med. Aronson. der hierauf die Festteilnehmer willkommen hicss. Mit grossem Beifall wurde die Tendenzrede des Herrn stud. jur. Edgar W c i 1 aufgenonimen. Desgleichen ernteten Beifall Herr stud. jur. Arnold Lion mit seiner Philisterrede und Herr cand. med. Karl Meyer mit seiner Damenrede. Im Namen des Freiburger V. J. St. sprach Herr cand. med. Moses, der dem Wunsche Ausdruck gab. dass die Beziehungen der Strassburger Bürgerschaft zum V. J. St. immer inniger werden möchten. Im Verlaufe des anschliessenden Balles wurde Dr. Herzl's Einakter: ״In» Speisewagen" mit gutem Erfolge aufgefiihrt. Eine Berichtigung Die Verbindung Bavaria (Heidelberg) im K. C. schreibt uns als Berichtigung: ״Innerhalb der K. C. ist nie von einer Kartell• Verbindung der Antrag gestellt worden, die Zionisten auszuschliesscn." Hierzu schreibt uns unser Gewährsmann: ״Wie die Verbindung im'K. C. Bavaria mitteilt, stellte die Verbindung Liearia keinen Antrag beim K.C. die Zionisten aus dem Verbände äuszuschlicssen. Das ändert nichts an der Tatsachc, dass sich die genannte Verbindung mit Herrn Dr.-Holländer an der Spitze, die redlichste Miige gegeben hat, dem Zionismus eins zu versetzen. Einen ähnlichen Zweck mochte auch ein, leider uns nur d c m S i n n e n a c 11 bekannter Antrag, der übrigens von den Sehwesterkoporatiouen nicht überall gutgeheissen wurde, verfolgt haben. Ben Abraham. wi»f«|,wy 9*w* MF J II!■׳Ml■,■. I., 11׳ *ייייי .,iimpii■ »׳»! f * $ י ««■״» m ■!»»#