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Jüdische Rundschau · 1906-02-02 · Heft 5 (2.2.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT vkrteljihriich: 1. durch die Expedition: a) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus- *Irt« I.— Mark, c) für das Ausland 1.» Mark. 2. In Petlabonnement 1,23 Mark. Allgemein e «Jüdische Zeitung’ Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag jüdische Rundschau, E. G. m.b.H., - Berlin 54 .א, Auguststrasse 49a. Insertionspreis die viergespaltene Petit-Zeile deren Raum 25 Pfennig. oder BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse Telephon: II, 3387. 4. Geschiftsstundea der Expedition täglich (ausser Sabbat and Sonntag) vor- .. mittags 10—1, nachmittags 3—7 UH m Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellcnangtbe gestattet. Nummer 5 Berlin, 6. Schebat5666— 2. Februar 1906 XI. Jahrgang Die Brüsseler Konferenz (Originalbericht.) I. ־ Sonnabend Nacht kamen bereits viele Mitglieder der Konferenz an, so dass schon seit Sonntag früh im Hotel M e n g e 11 e, in dem die Konferenz zusammentritt, lebhaftes Treiben herrschte. Die Verhandlungen begannen am Sonntag Mittag mit einer Sitzung des Qrossen Aktionskomitees. An sie schloss sich eine Besprechung sämtlicher D e 1 e - gierten aus Russland an. Abends 8 Uhr eröffnete der Präsident des Aktionskomitees die V 0 r k 0 n ־ ferenz, die bereits von fast sämtlichen Delegierten besucht war. Für die Konferenz selbst sind bisher 83 Delegierte gemeldet. Unter ihnen sind sämtliche sieben Mitglieder des Engeren Aktionskomitees, viele Herren vom Qrossen Aktionskomitee, die Herren S p i e 1 m a n n und Kisch (Anglo Jewish-Association), Dr. Paul Nathan, Dr. Hirsch Hildesheimer und L. Bergel- Berlin (Hilf sve re in der deutschen Juden), Dr. Bernhard Kahn (Jüdisches Aus wänderungsbureau-Berlin), ferner zahlreiche Vertreter der 11o, sowie der grossen russischen Gemeinden Odessa (Barbasch), Wilna (Neu schu 1), Kiew (Professor Mandelstamm, sodann Dr. Franz Oppenheimer -Berlin, Professor Dr. Simonscn-Kopenhagen, Moser- Bradford u. a. Präsident Wolffsohn eröffnete die Konferenz mit einer Ansprache, in der er insbesondere hervorhob, dass eine grosse Anzahl berufener Vertreter unserer Brüder in Russland erschienen sind. Andererseits sprach er seine Verwunderung darüber aus, dass die Herren der Ica, die doch ein dem Jüdischen Volke vermachtes Vermögen verwalteten, und der Alliance Isradlite Universelle, die sich als eine aligemein jüdische Vereinigung bezeichne, bei der Beratung fehlten. Er betonte ausdrücklich, dass der Gegenstand der Konferenz nicht die Lösung der Judenfragc sei. Diese sei nur In Palästina, im Lande unserer Väter, möglich. Hier handle es sich um die Not von heute unddieOefahr von morgen. Um dieser zu begegnen, habe das Aktionskomitee alle jüdischen Organisationen zusammenberufen. Der Präsident schliesst mit der Hoffnung, dass au! der Konfewnz der Orundstein für eine gedeihliche Zusammenarbeit a LI e r jüdisch« Organisationen gelegt Werde. Die Versammlung schritt sodann zur Wahi des Bureaus. Als erste Redner haben sich zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung gemeldet: Allgemeine Lage: Professor Mandelstamm. Oekonomische Lage: Dr. Nossig. Ursache und Wirkung: L.Motzkin. Kampf um die Öleichberechtigung: Dr. Schemarjah L e w i n. Auswanderung: Redakteur S0k010w. Brüssel, den 29. Januar 1906. In das Präsidium der Konferenz wurden die Herren David Wolffsohn als Präsident, Dr. Paul Nathan, Dr. Hirsch Hildesheimer, beide Berlin, Mr. Kisch London, Professor Simonsen- Kopenhagen, Professor Dr. Mandelstamm, Kiew, und Dr. Kohan-Bernstein, Charkow, gewählt. Di• Eröffnungsrede des*Präsidenten wurde mit grossem Beifall aufgenommen. Auch die Referate fanden lebhaftes Interesse. Dr. Mandelstamm -Kiew entwarf in glänzenden Worten ein Bild der russisch-jüdischen Verhältnisse. Die Lösung der Judenfrage, so führte er aus, innerhalb Russlands ist eine Unmöglichkeit. Wollte man die russischen Juden auf die innerpolitische Entwicklung Russlands verweisen, so hicsse das von ihnen verlangen, sie sollten sich erst abschlachten lassen, um dann russische Vollbürger zu werden. Es bleibt nur ein Mittel: Auswanderung in ein freies Land. Traurig ist die unendliche Zerklüftung unter den Juden selbst und ihre politische Unreife. Noch immer gibt es Leute, welche teils, als gemässigte Liberale, teils als radikale Revolutionäre alles Heil von der russischen Freiheit erwarten. Neben ihnen kämpft der ״Bund“, der zwar nach dem Muster der deutschen Sozialdemokratie organisiert ist, der aber aus politisch vollständig ungeschulten jungen Leuten besteht, wahren Makkabäern mit Jakobinermützen. In ihrer vollständigen Verkennung der russischen Verhältnisse werden sie nur eins erreichen: die weitere Verelendung der jüdischen Massen. Der Redner schloss mit der Erklärung: Die russische Konstitution wird uns keine Freiheit, best e.n falls eine rumänische bringen. Die Aufgabe, Russland die Zivilisation zu bringen, ist für uns zu schwer. Wir sind nicht die Herkulesse, die den russischen Augiasstall reinigen können. Auswanderung in ein freies Land — dieses Ziel Ist zwar schwierig, aber es kann erreicht werden und wir müssen es erstreben, da wir k e i n e ander« Wahl haben. \

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