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Jüdische Rundschau · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · page 21

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 21)
Language
German
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b.»«8־ JUEDISCHE RUNDSCHAU*»«־־ Aus der zionistischen Bewegung m .. ן,., mc——■»!«■«!■leesgüsgaisgüggsggüg^ Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Wir bitten die Herren Vertrauensmänner u!n baldige Erledigung unseres Zirkulars No. 15, betreffend Agitation für den Shareklub. In den Monaten November und Dezember 1905 sind 1512 Sharemarken und 17 Shares verkauft worden. Ausserdem wurden 129 Sharebüelicr neu verausgabt und 4 volle Bücher umgetauscht. Diese Zahlen lassen sich wesentlich steigen!, wenn alle Ortsgruppen Mitarbeiten würden. Wir bitten Sic daher, der Angelegenheit die grösste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Gleichzeitig fordern wir alle diejenigen, welche sich für den Absatz von Sharemarken und Shares intercssicren, auf, sich unverzüglich an Herrn Moritz Gold- Schmidt, Hamburg, Stadthausbrücke 12/14, zu wenden Makkabaertum und Zionismus (Festrede zur Makkabftcrfeier der Zionistischen Ortsgruppe in Lübeck am 2*. Dezember 1903.) Von Dr. Landau- Lübeck. (Schluss.) Die Zionisten prägten diesen ungesprochenen Mahnruf tief ihren trauernden Herzen ein und sctz.tcn alle Kraft daran, das Werk des toten Meisters zum Ilci'e des jüdischen Volkes fortzubaucn. Aber es war ihrer nur eine geringe Zahl: 10 Mill otten Juden verharrten in Untätigkeit und hatten für den Notschrei ihrer geknechteten Brüder nur Tränen und A'iuosen. — Da brach wie ein furchtbarer Orkan ein vernichtendes Unheil über das jüdiscl’c Volk herein, wie cs In der scluncrzensrctcheu Geschichte des jüdischen Volkes kaum senr-s Gleichen hatte. Ganze Gemeinden wurden hingemordet, Manner, Weiber und Kinder. Und der Himmel verschloss seine Tore dem Jammer des jüdischen Volkes. Denn nur dem Mutigen und Beherzten hilft Gott! — — — Es Ist den Zionisten der Vorwurf gemacht worden sie beuteten die russischen Greuel agitatorisch für Ihre Zwecke aus. Dieser Vorwurf ist ebenso einfältig, wie er gehässig tsL Wenn der Arzt zu einem Kranken gerufen wird, gibt er ihm ’die Medizin, von der er sich nach seinem besten Wissen Heilung verspricht. Er würde eine schwere Schuld auf sich laden, wenn er das Heilmittel nicht anwendete. Der Zionismus steht am Krankenlager des indischen Volkes, und da sollte er schweigend Zusehen, wie der Patient sich quillt und!e׳dct während er ein wirksames Mittel zu wissen vermeint, das dem Leidenden mach seiner Uebcrzeugung retten könnte? Sch!, meine Verehrten, wir Zionisten müssen cs denen, die es hören wollen, und denen, die es nicht hören wollen, zurufen: In ehrlichem, heissent Ringen nach Erkenntnis haben wir die felsenfeste Ucherzeugung gewonnen, dass es für das jüdsebe Volk keine andere Rettung gibt, als die nationale W׳cdcrgehnrt. Die grossherzigste Wohltätigkeit kann niemals etwas anderes sein, als eine unzulängliche Augenhlickshilfc; -sie kann nur die Wunden notdürftig vcntecUcn, nicht aber auch heit«!! oder gar neue Wunden verhüten. Der Zionismus will seinen wegmüden Brüdern Pflug und Spaten reichen, dass sie für si .11 und Weib und Kind auf eigener Scholle eine neue. schüt/״nde Heimat schaffen In ehrender Arbeit, anstatt von demütigendem Bettelbrot ein freudloses Dasein zu fristen. Wir kämpfen keinen Kampf für Parteiinteressen, ein heiliger Kampf ist cs dem wir unser Fühlen und Denken, unser ganzes Sein geweiht haben, den wir mit unserm ganzen Herzen und mit unserer ganzen Seele und mH unserem ganzen Vermögen durchführen werden: ein Kampf für die Erlösung unseres Volkes aus Not und Tod und Schande. Wir handeln getreu dem Prophetenwort: ״Bahnet, bahnet, räumet den Weg, hebet Jedes Hemmnis aus dem Wege meines Volkes!“ Und jetzt ist es die höchste Zeit zu tatkräftiger Arbcat, denn das Blut Tausender schreit zu uns und klagt uns an. Wir haben für die drohende Gefahr, die sich jetzt mit furchtbarer Oewalt über unsern russischen Brüdern entladen hat, nichts gehabt, als Almosen und ein mitleidiges Herz. Dem! wir waren ja satt! Sie aber riefen und flehten: ״Gebt ui s cm Land, g'ebt uns ‘die Heimat!“ Dieser Notschrei verhallte ungehört. oder er rief ein mitleidiges Lächeln hervor, wo er gehört wurde. E'm Land, eine Heimat für das Jüdische Volk? Törichtes Verlangen, uferlose Utopie! Mit trockenen Zahlen kam man und klug getüfteften Beispielen, oft auch mit allerhand Spnsschen, und wies haarscharf nach, dass die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gcsicherten Heimstätte eine hirnverbrannte Unmöglichkeit sei. 0, ihr Ueberklugen und neunmal! Weisen! Freilich, es ist heauem und auch wohl recht amüsant daheim in der warmen Stube, am gedeckten Tische behaglich 'die Schwierigkeiten aaszutüfteln, die der Ausführung des zionistischen Ideals enfgeg'enstehen. und dann kurzerhand zu erklären: Lassen wir das. es ist unmöglich! Not, Verzweiflung. Hunger und Entsetzen seelisches und physisches Leid lassen logischer argumentieren. Sie fragen, gibt es eine Möglichkeit, das Ziel zu erreichen? Und wenn auch nur‘ eine Möglichkeit winkt, sorgen sie nicht lange um die Schwierigkeiten und Hemmnisse. Mit der Riesenkraft die Ihnen die Verzweiflung gibt, gehen sie ans Werk, die Möglichkeit zur Wirklichkeit zu gestalten. Und mehr afs eine Möglichkeit darf das zmnlstiscbe Programm für sich In Anspruch nehmen. In der Weltgeschichte haben sich unter ungleich schwierigeren Verhältnissen weit grössere Wandlungen vollzogen. Und alle grossen. Momente in dem Lehen der Völker hat *die Theorie, oder besser, der Idealismus emgclcitet. Herzl erinnert mit Recht an die Schaffung des einigen Deutschen Reiches. Als in dar Sturm- und Drangiahren unseres Vaterlandes die deutschen Patrioten für die Einheit des Reiches mit Wort und Schrift eintraten, da kamen auch die klugen Männer der praktischen Vernunft und verlachten und verhöhnten die Schwärmer, die den viclstaatigen deutschen Landen die Einheit bringen wollten. Aber die Schwärmer und Phantasten Hessen sieb nicht beirren, obwohl man Ihnen mit Kerker und Tod drohte. Sie setzten ihr Werk fort, und ihr Ringen ward herrlich belohnt. Auch das mfichtige Deutsche Reich ist aus farbigen Fähnchen und Kokarden, aus Hurralischreicn, Träumereien und bunten Versen geschmiedet worden. Nicht die bedächtigen Rechenmeister hatten die Sachlage richtig erfasst: die Schwärmer. d:e Idealisten, die hingen Stürmer und Dränger, denen das Hell des Vaterlandes und des Volkes alles galt, sic haben Recht behalten! Und gteifen wir auf unsere eigene Geschichte zurück, so lehrt der Freiheitskampf der Makkabäer uns das Gleiche! Auch damals fehlte es nicht an Zaghaften und allzu Vorsichtigen. die vor einem Kampfe gegen den übermächtigen Feind warnten und Oefahr auf Gefahr vorrechncteu. Aber das kleine Häuflein mannhafter Makkabäer tiess sich nicht durch sie beirren. Unerschrocken nahm es den ungleichen Kampf auf, opferwillig setzte es Gut und Blut an die goldene Freiheit, und der Sieg heftete sich an seine Fahnen! —

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