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Jüdische Rundschau · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 24 JÜDISCHE RU den Senator Kusminsky zu der Ueberzeuguug brachte, dass die Odcssacr Polizei nicht nur mit dem Pogrom sympathisierte, sondern auch an ihm ak-tiv beteiligt \\a r. Der Herr Senator hält es für unmöglich zu sagen, dass die Polizei den Pogrom provoziert hat. aber nur deshalb, weil er nicht gewillt ist, unnötig scharfe Bezeichnungen zu verwenden. Sc■ nator Kusminskv hat Fälle festgestellt, wo die Polizei direkt an den Mordtaten und Folterungen teilgenommen hat. Alle Rangstufen der admimstrativen Behörde haben glcichmüssigcrwcisc nichts gegen die Inszenienmg des Pogroms getan. Aus eigener Machtvollkommenhei: hat Senator Kusminsky 42 Pokzeibeanite dem Gericht übergeben, davon •I Prislaws (Aufseher). 7 Pristawgehilfen, 12 Stadtviertelaufseher und 19 Schutzleute. Da aber in Odessa jetzt .der Kriegszustand proklamiert ist. so ist es aus ״p rak■ tischen Rücksichten“ nicht möglich, all die Schuldigen sofort vom Dienste zu entlassen. Sie werden vom Stadthauptmaiui General Grigorjew. der nach der Versicherung des Senators das Vertrauen der ganzen Bevölkerung. (?!), gemesst nach und nach entlassen werden. Was den iriiheren Stadthauptmann Neidhart betrifft, so hat der Senator in seinen Handlungen den vollkommenen Bestand eines Verbrechens festgestellt. In diesem Sinne hat der Senator dem Oberprokurator des Senators ein Gutachten vorgelegt, da es ausserhalb seiner eigenen Kompetenz lag. Neidhardt den Gerichten zu übergeben. Zum Schulgesetz Der am 27. Dezember In Kassel stattgehabte Vertretertag des allgemeinen ״Kurhessischen Lehrerverbandes“ fasste die Resolution: ״Die jüdischen Volksschulen sind nicht bcsonders zu behandeln; für sie gilt dasselbe Recht wie für die christlichen Volkschulen.“ — Die 38. Jahresversammlung des Verbandes der israelitischen Lehrer des Regierungsbezirks Kassel nahm am 3. Januar Stellung zum neuen Schulgesetzentwurf. Die Versammlung erkannte an, dass der hessische Volksschullchrerverein entschieden für die Gleichberechtigung der jüdischen Lehrer eingetreten ist. Die die jüdischen Schüler und Lehrer betreffenden Bestimmungen des F.ntwurfs müssen als ungerecht entschieden bekämpft werden; zu diesem Zwecke beschloss man, eine Kommission zu wählen, die gemeinsam mit sämtlichen Vorsteherämtern des Regierungsbezirks Kassel in einer Eingabe an das Abgeordnetenhaus die Schäden des Entwurfs für die jüdischen Volksschulen dartun und geeignete Vorschläge machen soll, die den Wünschen der jüdischen Eltern und des Lehrerstandes Entgegenkommen. Der Verein der israelitischen Lehrer von Rheinland und Westfalen hat eine Protestversanmilung auf nächsten Sonntag nach Essen einberufen. Am 3. Januar d. J. trat in Bromberg eine Anzahl jüdischer Lehrer des Regierungsbezirks behufs Gründung eines ״V e r ־ eins jüdischer Lehrer des Regierungsbezirks Bromberg“ zusammen. Kleine Mitteilungen Berlin. Am Sonnabend, dem 23. d. Mts. Abends 6 Uhr, fand in dem festlich erleuchteten Genesungsheim zu Lehnitz Am 23. Dezember fand im Genesungsheim zu Lehnitz und im Beisein einer grösseren Zahl von Vorstandsmitgliedern des Vereins ״Jüdisches Genesungsheim” eine schöne Chanukahfeier statt. Das Heim soll den ganzen Winter hindurch geöffnet bleiben, da gerade in dieser Zeit durch die geringere Belegung jedem einzelnen Pflegling noch eingehendere Aufsicht und besondere Pflege zugewendet werden kann. Die Pflege der Insassen wird durch den Anst,׳»b«arzt, Herrn Dr. Wolff, sowie durch die Schwester Hermine des Vereins für jiid. Krankenpflegerinnen in sorgsamster .Weise ausgeführt Berln. .Der Verein ehern. Schüler der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (E. V.) feiert sein Stiftungsfest am Sonnabend, dem 13. Januar, abends 8Vi Uhr, in der Philharmonie, Bernhurgerstr. 22/23. Der Überschuss ist für die Opfer der Judenverfolgungen in Russland bestimmt. Berlin. Der BaueinerneuenSynagoge im Westen Berlins ist von der jüdischen Gemeinde im Prinzip beschlossen worden. Es ist auch bereits ein passendes Grundstück in der Fasanenstrassc gekauft worden. ' München. Die hiesige jüdische Kultusgemcinde hat in einer Generalversammlung die Mittel zum Neubau einer Synagoge genehmigt. Auch in Bamberg wurde der Neubau einer Synagoge beschlossen. Basel (Schweiz). In der Generalversammlung der Jftdii '*4*1 **״׳ -w1■*׳־ ■׳ >w- ,! [D.S CH AU___ No- 2 sehen Gemeinde wurde der Neubau einer Synagoge beschlossen. Kosten ca. 300 000 Mark. Hchensalza (d. i. Inowrazlaxv, Posen). Der lange erörterte Synagogen-Neubau ist beschlossen worden. Mit dem Bau — Kosten etwa 130 000 Mk. — soll im Frühjahr begonnen werden. Frankfurt n. M. Am •!. Januar wurde mit einer stimmungsvollen Feier die neue Turnhalle der Israel. Volksschule in Gegenwart eines geladenen Publikums und der SclTulc ihrer Bestimmung übergeben. Grcsswardcln. Hier wurde ein neues jüdisches Spital, das modern und mit dem Komfort der Neuzeit eingerichtet ist, eröffnet. Berlin. Die Berliner Jüdische Gemeinde hat ihren Bureaubeamten je 100 Mk., den Kassenboten je 50 Mk. T e u e r u 11 g fl z 111 a g e n gewährt. Frau Koiirrrerzicnrat Julie Get«on-Liebcrma1m hat dem Verein fiir jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin einen Bctrag von 15 000 Mark zu einer ״Louis Oerson-Stiftung“ mit der Massgabe überwiesen, die Zinsen dieser Stiftung für solche Vcreinsschwestem zu verwenden, die bei ausserordentlichen Ungliicksfällen.!!angwicrigen Erkrankungen oder eingctrctcncm Siechtum auf besondere Beihilfen angewiesen sind. Personalien Ein wackerer Gesinnungsgenosse, der Religionsorofessor Dr. Jakob Spinner, ist unerwartet am 17. Dezember v. J. an einem Herzschüag vtrsch'edcn. Der Verblichene absoKicrte die philosophischen utd theologischen Studien in Berlin und Prag und fungierte seit Beginn des laufenden Schuljahrcs als Rcligionslchrer an Leniberger Mittelschulen, wie auch als Dozent am RcligionslehreiSeminar. Ehre seinem Andenken! Fürsorge für Blinde i Der Vorstand des Dcutsch-lsra.sMtiscf.en Gemeindcbim-; des verstandte kürzlich ein Zirkular, das sich auf י die Fürsorge für die jüdischen Blinden und Geistesschwachen bezieht. Um seinem Zwecke, auf diesem Gebiete Erspricssliebes zu leisten, nahe zu kommen, bedarf d:r D. J. G. B. ausgibiger Unterstützung. Dahin gehört vor allem auch die . Beantwortung der gleichzeitig mit den Z־rkularen versandten Fragebogen. ~ Unsere Freunde würden der Sache einen grossen Dienst leisten können, wenn (sie für die sachgemässc Bantwortung der in den Fra״״bogcn gestellten Fragen Sorge ן tragen wollten. Das Zirkular lautet: i Sehr geehrter Vorstand! j In Anschluss an unsere beifolgende Enquete bezüglich der Schwachsinnigen unter den deutschen Juden, möchten wir sie bitten, zur Lösung einer anderen Aufgabe, die sich mit einem anderen, unter unseren Glaubensgenossen nicht seltenen Gc-; brechen beschäftigt, beizutragen. Wir meinen die B 1 i n-! denfürsprge. I Die von uns eingesetzte Kommission zum Studium dieser : Angelegenheit verfolgt nicht bloss theoretisch-wissenschaftliche Zwecke, sondern will, sofern sich die Vermutung bestätigt, dass ein Bedürfnis vorliegt, praktische Abhilfe zu schaffen suchen. Die meisten vorhandenen Anstalten weisen zwar jiidisehe Blinde nicht prinzipiell ab. sind aber auf streng kontessioncller Grundlage errichtet. Dies ist wohl auch die Ur- Sache, dass nur ausnahmsweise jüdische Insassen in diesen lnstitu*cn zu finden sind. Nach unserer En.ucte befinden sich in all 11 deutschen Anstalten zusammen nur 22 Blinde jüdischer Konfession. Die Notwendigkeit, gerade Blinde in Anstalten unt.rzuhringen. ist fiir higend'iche Blinde in allen Fällen als absolut anzuselicii. fiir Erwachsene auch m sehr vielen Fällen. Auf dies»; ti i c h t I n Anstalten befindlichen Per s o rt e n bezieht sich unsere Anfrage. Sie wollen uns , .eefl. die Anzahl der in Ihrer Gemeinde oder Umgehung leben-! den jüdischen Blinden mitteilcn und fiir jeden einzelnen eines י (l־.r beifolgenden Fragehlätter ausniillen. Der dortige Herr ׳ Lehrer oder Kiiltusbeamtc wird sicherlich bereit sein. Sie ln dieser wichtigen Angelegenheit zu unterstützen. Ferner ersuchen wir einen vcrchrlichen Vorstand noch urn Mitteilung etwaiger Zurückweisung iiidischer Blinder aus allgc" meinen Blindenanstalten oder von unangenehmen Erfahrungen in solchen. : En Briefumschlag fiir den g.fl. Bescheid liegt bei. Fiir die freundlichst baldige Erfüllung unseres Anliegens sagen wir Ihnen im voraus verbindlichsten Dank. Hochachtungsvoll Der Ausschuss des Deutsch-Israelitischen Getneliidebundcs, 1 Prof. Dr. M. Philippson, geschäftsfiihrender Vorsitzender. T

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