Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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schlossen habe. Die Mehrheit des Vorstandes habe tiachträglieh .sein Verhalten gebilligt. Dr. Levy und Dr. Victor wandten sich scharf gegen den Standpunkt dges Vorsitzenden; ihnen schlossen sich Dr. Pinkus und vati.Cleef an, während Dr. Huldschiner. Stichel und Dr. Blau das Kompromiss billigten. Die teilweise sehr erregte Debatte, an der sich noch Dr. Kesser und Peter mann beteiligten, schloss! ohne dass ein Beschluss .gefasst wurde. Auf einen Antrag Dr. Pinkus wurde die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die über die Frage der Ausgestaltung der RUNDSCHAU eine Denkschrift־ für das Zentral- Komitee ausarbeiten soll. _ _ Dagegen wurde ein zweiter Antrag Dr. Pink us”wegen der Reichstagsrede des Abg. Lieberntanu von Sonnenberg eine grosse öffentliche Protestversammhing einzuberufen, gegen Mitternacht mit 20 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Der Vorstand hat beschlossen, unserem Präsidenten David W 0 4 ff Sohn anlässlich seiner silbernen Hochzeit den Betrag von 300 A\ark aus den Nationalfoudgcldcrn der Ortsgruppe zur Verfügung zu stellen. Hamburg. Die zionistische Frauengruppe, die 75 Mitglieder zählt und I־!tägige Versammlungen abhält, be־ handelte unter Vorsitz von Frau Huldschiner in ihrer letzten Sitzung das Thema: .,Zionismus und Staatsbiirgcrtum". Referentin war Frau Constanze M a 111 i a s 0 n. Fs wurde beschlossen, vier Arbeitsgruppen zu bilden: für nationale Literatur (unter Vorsitz von Frau Ta r lau), für soziale Fürsorge (Frau Dr. Fink), für nationale Kindererziehung (Frau Dr. Ch wo lies), für Nationalfonds-Propaganda (Frl. Hcdw i g L f! b k e). Zu der am 27. Dezember im Logenhcim stattiindenden Makkabäerfeicr für Kinder bat Fräulein Stltna Veilchen!‘cid den Vortrag, Frau Dr. Michel soll n die Leitung übernommen. Itzehoe. Am 12. Dezember hielt im hiesigen Literaturverein Herr Dr. F d c 1 s t c i n aus Bonn einen überaus fesselnden Vortrag über Zionismus. Ausgehend von den russischen Greueltaten, entrollte Redner ein ergreifendes Bild von dem Leidensgange unseres Volkes, das seit jener Zeit, da Roms eiserne Faust unser•■:•nationale Selbständigkeit gebrochen und unser Heiligtum in Flammen aufgcfien liess, überall zu Hause Ist und nirgends eine Heimat finde. Die Hoffnung und der süsse Traum der Assimüantcn erweise sich immer mehr als ein eitles Wahngebilde, dessen sicherste Frucht Nacbahmungssucht und Glaubcnsabtall ist. Darum trete jetzt mehr denn sonst die grosse Idee des Zionismus in den Vordergrund, über, die sich Herr Dr. Fdclstcin in ebenso eingehender, wie packender Weise verbreitete. Der Eindruck dieses, aus jüdischen! Herzen und jüdischer Seele kommenden, nach Form und Inhalt gleich ausgezeichneten Vortrages war ein sichtlich tiefer, und nicht nur allgemeiner Beifall, sondern auch eine sehr anregende Diskussion, in welcher für und gegen den Zionismus gesprochen wurde, lohnten den Redner. Wurzburg, den 15. Dezember. Unser erster Diskussionsabend fand am letzten Dienstag statt, zu dem sich meistens Studenten der hiesigen Universität eingefunden hatten. Unter den Einwänden, die von Seiten der Gäste gemacht wurden, ist eigentlich nur der zu nennen, dass das absolute Hervorheben der Nationalitäten eine vorübergehende Erscheinung sei, m׳it deren Verschwinden der Zionismus ohne weiteres sich auflösen würde, Die Unrichtigkeit dieser Behauptung wurde ebenso von Gesinnungsgenossen bewiesen wie die irrige Meinung, dass der Zionismus noch nichts erreicht habe. Am Schlüsse der Sitzung wurde der Bericht über das verflossene Jahr gegeben, aus den! hervorgellt, dass die Ortsgruppe unter Leitung ihres tüchtigen Vorsitzenden ihr Möglichstes getan hat. In Anerkennung seiner Verdienste stiftete die Ortsgruppe ihrem ersten Präsidenten Dr. Pinczowcr. der auch in diesem Winter dasselbe Amt versieht. 6 Bäume. Nationalfondsammlung. L. D. L Regensburg. Am 10. d. Mts. sprach in unserer Vereinigung Dr. Blocde aus Nürnberg, über das Thema: ״Die russ i s c 11 e h J 1! d e n m a s s a k r c s und was nun?” Redner kommt zunächst auf das Leber! der Juden in Russland zu sprechen, zeigt, wie sie von allen Seiten bedrängt werden, wie ihnen in jeder Weise die Lebensexiste11z_ unterbunden wird und wie sic bei aller Hingabe, für ihr Vaterland, so im russisch-japanischen Kriege, schlecht“ belohnt werden. — Aus der Manschurei beispielsweise, für die auch die Juden ihr Blut vergossen hätten, würden sie weggeia&t. Auf die jüugsten Greueltaten näher einzugehen, halte er für überflüssig, nachdem solche durch die Zeitungsberichte bekannt seien und Aufregung in allen Judenkreisen hervorgerufen hätten. — Eines wolle er aber bemerken, dass die Schildcruogen, so ־ entsetzlich sie waren, bei weitem der Wirklichkeit, in der ungeheuerlichen Bestialität der entmenschten Horden nicht entsprechen. Das Traurigste an der Sache wäre aber, da?s vorherrschend der arme Jude den Leiden ausgesetzt sei. Verantwortlich für das schwere Unheil sei das ganze russische Volk und mit schuldig die Jüdische ״hante finance”. Der Vorwurf, der den Juden gemacht werde, als ob sie die Revolution in Russland hervorgebracht hätten, sei ein ganz ungerechtfertigter und durch nichts bewiesen. — Die Meuterei auf den Schiften, wo kein Jude sein darf, sgrechc wolil deutlich für den wahren Sachverhalt. Wenn wirklich unter den Juden Revolutionäre seien, so dürfe man doch nicht das Gesamtjudentum dafür verantwortlieh machen. Bei den Juden werde eben alles generalisiert; so sei dies auch in jüngster Zeit bei einem höchst bedauerliehen Vorfall in einer Münchner Protestversammlung vorgekommen. Et.:c gewiss zu verurte lende Aeusserung eines an sich ganz unbedeutenden, völlig gleichgültigen jungen Manncs. werde dem Zionismus zum Vorwurfe gemacht, trotzdem der betreffende der Organisation nicht angchört. —' Gegen derartige Unterschiebungen müsse man sich energisch verwahren und wir alle müssen dagegen Front machen. Die letzte traurige Zeit habe wieder bewiesen, dass wir uns selbst helfen müssen und das kann nur durch den engen Zusammenschluss aller Juden. Die Tage von Kischlnew, Homd. Odessa usw. seien noch nicht beendet und so lange die Juden in Russland verbleiben müssen, möge man ihnen die Mittel zur Verteidigung geben. — Das zu erstrebende Endziel sei jedoch, sie aus diesem Barbarenlar.de entfernen zu können, aus der Stickluft ihres jetzigen Aufenthaltes in die freie Luft einer ernstlich gesicherten, eigenen Heimstätte, wo ihnen die Möglichkeit gegeben ist, sich zu.einer höheren Kultur aufzuschwingen. Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen von warmen Pathos getragenen Ausführungen. Der 1. Vorstand. Herr Weiner, spricht dem Redner den Dank der Vereinigung ans und bemerkt weiter, dass die Geldaristokratic jetzt neben ihren Spenden auch noch gute Ratschläge bcrc=t habe. Für die grossen wc tausblickenden Ziele des Zto• nismuä habe sie aber kein Verständnis. Es werde ihr nicht klar, dass der Jude überall und doch nirgends zu Hause ist und sie sei an der Spitze unserer Gegner. Wir wollen immer mehr den Beweis erbringen, dass wir unsere Zeit richtig eriasst und wollen den Zionismus und mit ihm das neu entstandene Judentum unterstützen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Meyer, der sodann das'Wort nimmt, bemerkt zunächst, dass er zwar der Zionistischen Bewegung nicht aktiv angehöre, aber dieselbe in jeder Weise unterstütze. Sobald die religiöse Richtung in derselben sich bemerkbar mache, werde er keinen Augnblick zögern, beizu- .treten. — Der Zionismus habe bewiesen, djss die Juden auch in der Zerstreuung ein Volk geblieben seien. Sehr erfreulich sei es, dass derselbe praktisch zu arbeiten beginne und je mehr wir in Palästina oder den Nebenländcrn als namhafte Minoritäten auftreten, desto eher näherii wir uns dem erstrebten Mittelpunkt einer jüdischen Gemeinscbait. Warm trete er für den Zionismus ein. — Rauschender Beifall! Sammlung für den Nationalfonds ca. 17 Mark. München. Die hiesige Gemeinde ist ihren Prinzipien treu geblieben. Hat sie im Jahre 1897 gegen die Abhaltung des I. Kongresses in München protestiert und zwar mit Erfolg, so versucht.sie jetzt, die zionistischen Redner in ihren Versammlungen mit freier Diskussion am Reden zu verhinder». Mittwoch, den 13. Dezember,' fand eine Versammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus statt, Th welcher Herr Prof. Dr. Günter (an der technischen Hochschule) über Entstehung und Geschichte des Antisemitismus, besonders in Deutschland, referierte und zum Schlüsse gelangte, wenn auch fiir die nächste Zeit keine Aussicht' auf eine Besserung der Lage der Juden bestehe, so müssten die Juden warten, nach den! Spruche: arbeiten und nicht verzweifeln, ln seinem Referat hatte er cs sich nicht nehmen lassen, gegen jüdische Studentenverbindung•) und Zionismus Front zu machen. Besonders die obige Ansicht begestcröe miseren Münchener Rabbiner so sehr, dass der Kulturrabbi D r. Cos man 11 Werner unter überschwänglichen Hymnen dem Referenten zustimmtc. Hierauf ״ergriff R.-A. Dr. Elias Straus zur Verteidigung der jüdischen Verbindungen und des zionistischen Gedankens das Wort, wobei er fast nach •) Später hat er sich dahin rektifiziert, dass'die Juden, so lange sic nicht in christliche Verbindungen aufgenomtnc-ii. würden, eigene Verbindungen begründen dürften. (Eine Charakterisierung dieses — Standpunktes versagen wir uns, um dem Herrn Professor nicht zu nahe zu treten). N, יי«ו w