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Jüdische Rundschau · 1905-12-08 · Heft 49 (8.12.1905) · page 19

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 49 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
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I / No. 49 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 657 gelangt. : UebcraK, -wo Juden wohnen, überall, wo man getroffen ist von den Schrecken־ des Oolus und sich freut, in besseren Ländern zu wohnen, werden auch Judencltern sein, welche Kinder zu sich nehmen wollen. Ich hoffe, dass die jüdische Presse darauf aufmerksam machen wird. Ritter vom Kreuz; Hs wird niemanden wundern, dass die edcle KRHUZ- ZEITUNG cs fertig bringt, die furchtbaren Metzeleien an den russischen Juden zu rechtfertigen. Das ist gewiss mit dem Christentum, das in st) grossen Lettern auf ihrem Banner prangt, schwer• zu .vereinen, aber doch erklärlich. Die KREUZZEITUNG schwärmte von Jeher für Russland und russisches Regieren, unJT^ver die Grossgrundbesitzer Ostclhicus aus häufigerem Verkehr kennt, weiss.־ dass sie damit in ihrem Leserkreise viel Verständnis dan und noch findet. Absolutismus. Leibeigenschaft, Knute! wie sollte sich ein Junker dafür nicht begeistern! So sehen wir. dass das Junkertum in Zeiten, wo es im Staate die erste Rolle spielte und sich mit intimeren Gedanken nicht zu genieren brauchte, z. B. in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, einen wahren Kultus mit dem Kaiser Nikolaus I. und seinem Reiche trieb, obschou ihre Sympathien bekanntlich durchaus nicht erwidert wurden. Theodor v. Bernhardt berichtet in seinen Tageblättern aus den Zeiten der Reaktion, dass die Kreuzzeitungs- Partei einen förmlichen Überwachungsdienst bei jeden! Regimente organisiert hatte, um jedem Offizier zu schaden, der nicht kreuzritterlich und russisch gesinnt war. Beim Tode des Zaren fanden allenthalben Traiten'cierlichkeiten statt, die Gardcoiiiziere trugen Denkmünzen und sonstige Trauerab- Zeichen. Unterm 15. Mai IS54 heisst es: ״Feier in Brandenburg: die Uniform des Kaisers Nikolaus ist in Prozession in die Kirche zu Brandenburg getragen worden, zur höchsten Entrüstung aller Verständigen. Manteuiiel, der dabei sein musste, gestellt, dass er innerlich empört war. Einer der Führer der katholischen Partei in der Kammer äusserte laut: Da Inittcn die Protestanten einen grossen Lärm gemacht über den heilige־•» Rock, und nun trieben sie selber Abgötterei mit den Kleidern des Kaisers Nikolaus.“ Ferner heisst es vom 13. März 1S5-1: ״Der M o b i 1 m a c 11 u n g s p 1 a n der preussischen Armee ist Russland verraten, dem Kaiser Nikolaus mitgeteilt worden — und die KREUZZEITUNG hat cs fertig: gebracht, diesen Verrat in Schutz zu nehmen und zu erklaren, dergleichen sei gar nicht von übel!“ Natürlich, weil es ein Dienst für Russland, das geliebte, war! Wenn die Liebe der KREUZZEITUNG für Russland sow'cit geht, den Verrat am eigenen Vaterlande zu beschönigen, dann können wir es dem frommen aristokratisehen Blatte ani Ende nicht verübeln, dass es sich mit dem russischen Mördcrgesindcl identifiziert. Es bleibt damit nur sich selber treu! . » ■י ־ - . * Christliche Referendare Ja, es gibt solche Leutchen! In der schlesiscjicn Metropole Breslau! Und sie haben ein Lied, das von ״Christlieber Liebe“ und ״deutschem Gemüt“ förmlich trieft. Hier eine Probe aus diesem Perlcnschrnuckstück christlich-germanisclicn Geistes: . : » , Strömt herbei in dichten Scharen, Feiert froh die gut׳• Stund’, Da vor fünfundzwanzig Jahren Ward geschahen dieser Mund. Haben nicht die wack’ren Kämpfer Reichen Segen ausgestreut, Ais sie drückten einen Dämpfer Auf den Schwall von u n s’re Leut'? Wie zum Segen keines Landes Wird der Fremden Aberwitz, So zum Nachteil unsres Standes Eine \osch ere Justiz Hält die Augen fest verbunden Themis gegen die Gefahr. Hat die Abwehr nun gefunden Doch der Deutsche Rcf’rcndar. Da־s nicht vor der fremden Rasse Weich' der rcchtsbefliss’nc Christ, Dass nicht deutsche Treu erblasse ז Vor der orientai'schen List, Dass nicht mit der Nasenlänge Glänze untere Justiz, Brachte vor aus ihrer Enge Die um StiWrled-RaUonitz. Und diese edle Gesellschaft hat den Mut, sich ״V e r e i n christlicher Referendare“ zu nennen, wahrlich, es muss mit dem Christentum schlecht bestellt sein, w’enn eine solche Bande ungestraft es wagen darf. Jesus Lehre in dieser Weise zu profanieren! Aber das sind die Edelsten der deutschen Nation, sind die ״Rechtsbeflissenen“ — Allmächtiger! — des deutschen Volkes, die cs einst in kommenden schweren Tagen als Minister und Richter führen werden zur Höhe der Kultur! - ־ * ׳ Kleine Mitteilungen Karlsruhe L B. Der Grossherzog und die Grossherzogin haben gemeinsam eine namhafte Summe für die russischen Juden gezeichnet. Auch Prinz Karl, der Bruder des Grosslicrzogs, befindet sich unter den Spendern. Wollstein. 20. November. Der Besitzer der Herrschaft Wroniawy, Generalkonsul Max von Goldschmidt- Ro t h sch! 1 dt hat ausser dem Betrage von 130000 Mark zum Bau eines Kreiskrankenhauses in hiesiger Stadt, auch der jüdischen Gemeinde hierselbst eine Zuwendung von 10000 Mark zur Renovierung der Synagoge gemacht. Golusblüte Wer treibt Antisemitismus in Frankfurt a. M.? In den Nummern 38-«-11 (August—September 1905) der DEUTSCHEN ZAHNÄRZTLICHEN WOCHENSCHRIFT, Organ des Vereinsbundes deutscher Zahnärzte, befand sich folgende Annonce: Tüchtiger Zahnarzt oder catid. mcd. dent. (Christ) für feine Praxis sofort als Vertreter auf unbestimmte Zeit gesucht. Off. m. Zcugn., Gehaljsansprächen und Bild erb. an Fei husch D. D. S. Frankfurt a. M., Gocthestr. 19). Der Name ..Fei husch“ ist bekanntlich.die dialektische Form von Phocbus im Jüdischdeutschen. Sapiqiti;sat. H. Sch. ...-I ־.ב-.-. > E3 I . Briefkasten der Redaktion Ph. Ch. Ccsjnan in B r ü s s e 1. Wenn Sie den Zionismus. weil Ihr Musikstück nicht den Beifall gefunden hat, den Sie erwarteten, ״bfagiie’’ nennen und die Zionistische Partei ״bandc d’amb'teux’*. so Erwarten Sie wohi selbst von uns keine ernste Antwort. Die Besprechung Ihres Musikstücks in unserm L1TERATURBLLATT wurde Ilinen seinerzeit zugesandt. G. S. Wir bestätigen Ihnen, dass der im ״Sprechsaal“ voriger Nummer abgedruckte ,״Aufruf’ des PastorsToeniessen nicht der WESERZEITUNG, wie irrtümlich gesagt war, sondem der BUDJAD1NGER ZEH UNO vom Einsender entnonnnen war. Herzlichen Zionsgruss! ׳ ♦ Alle Zusendungen für die Zeitung, soweit s!c nicht geschäftlich sind, sind ausschliesslich an die Redaktion, Berlin NW. 52, Mclanchthonstrasse 4 zu richten. Alles Geschäftliche richte man an die Expedition Berlin N. 54, Auguststrasse 49a״ : ■■■■ — Nationalfond — - Sammlungen für den Nationalfond und andere zionistische Zwecke sind lediglich au senden an den Schatzmeister des Zentralbureaus, Herrn Max Wolifteiner. Berlin NW. 1j. :.---.- Holsteiner Ufer 10. ״..- Frau Dr. Ida Goitein, Karlsruhe, aus ihrer Samtaelbüchse. . ־־ ..20 ,— Mk. Eri und Laszfo Fürst, Charlottenburg.5,— ״ Dr. Theodor Zlocisti, Berlin, gratuliert zur Hochzeit Sonnenberg — Cilly Rosenblum.0,50 ״ Dr, Theodor Zlocisti, Berlin, gratuliert zur Verlobung seines Freundes Dr. Wilhelm Lewy, Neustettin 0,50 ״ Dr. Theodor Zlocisti, Berlin, gratuliert zur Verlobung von Dr. Paul Melchiker mit Frl. Ella Jacobsohn 0,50 ״ Aus derN'ationalfond-Büchse No. 1187, Reutlingen 15,— ״ Nathan Wolfsohn, Köln, für ein Geschenk von louric? durch Rabe! Winter.2,— ״ Salo Translateur, Berlin, dankt Frau und Fräulein Else David, Hamburg, für Grüsse aus Bad Schwalbach (verspätet)..0,50 ״. Salo Tran slateur'grüsstSiegfriedLevy-Hohenbostel und bittet ihn um •eine Adrcare.0,50 ״

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