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Jüdische Rundschau · 1905-12-08 · Heft 49 (8.12.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 49 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I TT 1« T >1 I I MUX Abonnementsprolg T (Zusendung Inbegriffen) »lerleljihrtleb: 1 dufth di• Etptdltlan: •) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus• wirtt 1.— Mark, c) lür das Ausland 1י5״ Mark. L Im P«*l*b»nn*menl 1.25 Mark. Insertionspreis 41• »lergespaltene Pciil-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. All« Rechte »nrbehalten. & Organ der Zionistischen Vereinigung für Adresse für Geldsendungen and itestellungen: VarltB JCditch• Rundschau. E. O. m. h. K. B«rtln N. 54. Augmtitr. 40a. Oe«chZ(Ustand«B dar Exp• ditto• ו tiglich (ausser Sabbat und Sonntag) rocmittags 10—I, nachmittags 3—7 Uh*. Deutschland *Adresse der Redaktion: *artla ii Vf. Q, Mataaefctkuatraa•• 4. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei »oller Quellenangabe gestattet. Nummer 49 Berlin, 10. Kislevv 5666 — 8. Dezember 1905 X. Jahrgang Beschluss des Aktions-Komitees Es sind Anfragen an 'das Aktions-Komitee gelangt, ob es zionistischen Vereinen gestaltet sei, sich als solche der .Jto" (Jcwish Territorial Organization) anziisclilicssen. Das Aktions-Komitee ist der Ansicht, , dass dies dem Geiste der Beschlüsse des letzten Kon- grosses zuwidcrlänit und deshalb von der Leitung der zionistischen Bewegung nicht gestattet werden kann. Berliner Schutzjudentum? Wenn i!n Mittelalter ein Delinquent zu Busse verdonnert worden war, so durfte er in hiesigen Landen drei Tage lang seinem gepressten Merzen Luft machen und *ungestraft so viel auf die Richter schimpfen als ihm beliebte. Es liegt ein tiefer Sinn in diesem kindiseliheiteren Spiel. Der mittelalterliche Richter fühlte sich durchaus als Rartci und machte kein Hehl daraus. Er vertrat die Ordnung und die Gerechtigkeit, die ihm als dem Machthaber genehm war. Er war die Quelle des Rechts, das er ״zu finden“ hatte. Er war sich daher bew usst, dass im allgemeinen dem U n - recht geschah, dem er Recht sprach, wenn er nicht von seiner Farbe, von seinem Glauben und von seiner! Partei war. Also warum nicht schimpfen lassen, wenn cs vorüber war? Ist doch schimpfen der Protest des Machtlosen, ist doch Protestieren das Recht der Unterdrückten, so lange sie noch protestieren können. t Den Juden war freilich dieses Schimpfen nicht gej stattet. Sic mussten in Geduld hinnehmen, was ihnen die Faust des Unterdrückers brachte. Zwar waren auch sie einmal wehrfällig gewesen. Aber das war zu einer Zeit, wo man den Juden noch gebrauchte, wo er noch unentbehrlich war, und da konnte man es sehr wohl mit seiner Ueberzeugung in Einklang bringen, die Mörder des Herrn mit Liebe zu dulden. Aber als ein Bürgerstand unter dem Einflüsse und der tätigen Mit- Wirkung der Juden erwachsen war, als der Jude nicht mehr als Nachbar, sondern als Konkurrent empfunden wurde, da nahm die Liebe eine audhrc Gestalt an und man folgte der mythischen Gans, die in das Judenviertel voranlief, um zu zeigen, wo die Feinde Gottes und des Glaubens wohnten. Da wurde in ähnlicher Weise in Deutschland gesengt und gebrannt, wie jetzt im heiligen Russischen Reiche, und die Menschenopfer wurden dem (Ritte der Liebe angezündei, wie sie jetzt in Russland : auffiauimeu, wenn mau auch die heutigen Errungen-! schaiten der Kultur noch nicht erreicht haue und deshalb eben selbst im schlimmsten Mittelalter hinter den Ausbrüchen der freilieitsdiirstendcn curopäisch-cliristlieben Zivilisation, wie sie in Russland an der Tagesordnung stehen. Zurückbleiben. Dia Welt schreitet ■:־ben fort, und mit diesem Fortschritt vervollkcmmnet sie die technischen Mittel der Kultur. In jener Zeit, wo die Juden von Mainz und Köln, am Rhein und in Franken gezwungen' waren, Selbstwehren zu bilden, um wenigstens die Ehre ihrer Nation zu verteidigen, wenn cs ihnen nicht gelingen solltq, Leben und Blut ihrer Kinder aus den Händen der Mörder zu retten, wurde die jüdische Bevölkerung aus Deutschland, wo sie damals verhältnismässig zahlreicher wohnte, als heute irn Osten, durch das entstehende deutsche Bürgertum, das damals seine grosse soziale und politische Evolution durchmachte, herausgedrängt. Ein kleiner Rest von Schutzjuden blieb zurück, die Nachkommen derer, die sich am besten ducken und verstecken konnten, und solche, die in kleinen Herrschalten der hohen Judensteuer wegen gern liebevoll geduldet wurden. In diesen schweren Zeiten haben die Juden Protcstversaiiimhmgen und Kundgebungen aller Art veranstaltet, um der Welt Zeugnis zu geben dass sie nicht gewillt seien, das schwere Unheil, das von Menschenhand über sie gekommen war, als unabwendbare Schicksalsschlage, als von Gottes Hand, als Naturkatastrophe anznsehen. Man erinnere sich nur des ״Turniers von Wcissenfels“, wo der Rest der deutschen Juden in Wehr und Waffen Zusammenhang um vor de/n Kaiser zu protestieren und an seine Gerechtigkeit, mehr noch an seinen Niitzlichkeitssiuu zu appcllie.ren. und der Welt zu erklären, dass Blut an den Händen der Kulturträger klebe, das dadurch nicht abgcwasclicn würde, dass die Kulturmürder mit Liebe und Frömmigkeit, mit Patriotismus und Adelphrasen um sich würfen. War es auch nutzlos, man hatte das Gefühl, das getan zu haben, was man seiner Ehre schuldig wäre, was man der jüdischen Ehre schulde. Kleine Gemeinden und entlegene Judenschaften konnten das nicht tun. Ihnen blieb nichts übrig, als i!1 den Gotteshäusern T־׳auergottesdienste abzuhalten und der Märtyrer zu gedenken, die für die Ehre des Volkes und für Weib und Kind den Heldentod gefallen waren. Memorbücher. die hierdurch entstanden, sind I 1 I! t » | i i ו i 1 i" יי«י 'י'י W)T. I^| T ייי יי• i

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