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Jüdische Rundschau · 1905-12-01 · Heft 48 (1.12.1905) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 638 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 48 kommen seien, der noch vor dreissig Jahren unter den süd* deutschen Studenten als selbstverständlich galt. NacITdicseti ausgezeichneten Ausführungen kam wieder der Referent Herr Ohm an die Reihe. Der Vortrag war eine Anhäufung von verbrauchten chauvinistischen Redensarten. Es ist bezeichnend, dass gerade diese Auffassung von nationaler Gesinnung unter der Masse der anwesenden Studenten auf Bei* fall zählen konnte, während die weite und freie Auffassung, wie sie Herr Professor Linck vertrat, offenbar nur bei einer bcstimmten, aber an Zahl ganz geringen Minderheit Verständnis und offene Zustimmung fand. Nicht so viel Spielraum wie Herrn Ohm wurde den Rednem der Minderheit gewährt. So wurde dem cand. phil. v. Qreycrn nach kurzer Zeit das Wort eutzoRen, als er sich gegen die Art und Weise wandte, mit der die Eingabe der Studenten begründet worden sei. Oege» die Bestrebung, den ausländischen Studenten das Studium durch c*twas höher gestellte Eintrittsbedingungen zu erschweren, sei nichts einzuwenden, wohl aber gegen die p h a r i sä i s c h e A r t, mit der sich der deutsche Student in seiner Sittlichkeit über die Russen erhaben fühle und glaube, über sie ein abfälliges Urteil fällen zu. können. ״Sind wir wirklich so viel sittlicher als die Russen?” fragte er und erinnerte daran, .dass auch die studentischen Trink- Sitten einen Teil der allgemeinen Sittlichkeit darstellen. In der Erwiderung des ,.Referenten*’ wurde die Herkunft des Vorredners aus der deutschen Schweiz dazu benutzt, uni bei den Anwesenden ein rechtes Entsetzen zu erwecken über das Land, das ein Hort für Anarchisten und Nihilisten aus allen Ländern sei!!! Es sorachcn dann weiter stud, nat. Hackel, der besonders betonte, dass die S.c I b s t e r z i c h u n g der deutschen Studenten, eine Hanptbedingung des Ocd.ihens eines Standes, nicht so allgemein verbreitet sei. wie man aus den hohen nationalen Reden s:l1!ies$en könnt.-. Nach einem eigenartigen Wortgefecht über Professor Abbe, den der Referent Herr Ohm als ״Ede’.-Anarchisten“ bezcichnete. wurde die nochmals vorgelesene Resolution angenommen. Achtzehn Studenten hatten dagegen gestimmt. Also: achtzehn Menschen unter einigen hundert-deutsehen Studenten! Wie tief ist der Typus der letzteren doch gesunken! Wir ersparen uns jede Kritik des Vorgehens der Jenenser Herrchen *— wenn sie nicht selber ihre eigene Lacherlichkeit ifihleu, dann werden sie’s wohl auch nicht mehr besser Irnen. Kleine Mitteilungen Ein russischer Auswanderer, der sich auf dem Wege von Amerika nach seiner Heimat befand, ist aut der Fahrt zwischen Hamburg und Eydthkuhnen versehenen. Die betrübten Eltern bitten, ihnen Nachricht zu geben von ihrem Sohne, der vielleicht infolge einer Geistesstörung den Zug Hamburg-Edythkühnen verlassen haben mag und seit dieser Zeit umher irren mad. Signalement: Leib Bort, früher wohnhaftim Städtchen Bcresino. Gouv. Minsk. Kreis Igurnen. Russland. Alter: 22 Jahre, Wuchs: mittelltoch, Körperbau: schlank und hager, Haar: dunkel blond. Augen: blau, Hautfarbe: weiss, Sprache: Jüdisch-deutsch, er ist talmudkundig und versteht die hebräische Sprache vollkommen: spricht auch etwas Englisch. Gefl. Mitteilungen möge man an das Zentralbureau fiir jüdische Auswandiingsangelegenheitcn gelangen lassen Aus B i c 1 i t z . 20. November, telegraphiert man der Wiener ZEIT: Von den hier stationierten Dragonern wurde telegraphisch eine Abteilung nach dem Kolilengrubcnortc Jaworzno beordert, da dort unter den streikend.״ Cirubenarbeitern und Landleuten Exzesse gegen die J uden ausgebrochen sind. Wie durch die Tageszeitungen bekannt geworden ist. hat das Leben des Kommerzienrat N. Israel ein plötzliches Ende gefunden. Er war einer der Inhaber des infolge früherer testamentarischer Verfügung am Sabbath ׳geschlossenen grossen Geschäftshauses N. Israel, in dem es bekanntlich jüdische n j'ungen Leuten jetzt ausserordentlich schwer ist. Stellung zu finden. Die Todesanzeigen, lange Inscratenspalten. stehen in der KREUZZEITUNG, einem, vielleicht dem giitigsten jud-.nfciiidlichen Blatte in Prcusseii. Persönliches Unser Gesinnungsgenosse Dr. phil. Paul M e I c h i k e r in Hagen i. W. hat sich mit Erl. Ella Jacobsohn in Leopoldshall in Anhalt verlobt. Die Redaktion schliesst sich den zahlreichen Glückwünschen herz liehst au. Das Mitglied des Zentralkomitees. Herr Dr. K. Jcremia. in Posen wurde durch die Geburt einer Tochter erfreu Gratulationen sind ausschliesslich durch Nationalfondspenden erbeten. ככר Sprechsaal ElF FOr die Mitteilungen an dieser Stelle, übernimmt die Redaktion nur die pressgesctzlichc Verantwortlichkeit Ein Aufrui zu Gunsten der notleidenden russischen Juden, der tu der WESERZEITUNG von Rabbiner Dr Rosenak und Herrn Abraham erlassen wird, trägt die Unterschrift: ״Diesen Aufruf befürworten aufs ,Iterzlehstc: Pastor Biittner. Pastor Er, Kaitbofi, Pasor prim. B. Schenkel, Pasor Dr. We:ss. Pastor prim. Völker. K. Baron LJcxkiill.” Um einen Ausgleich zu schaffen hat dann Herr Pastor Tocnni essen einen Sprcclisaalartikcl in derselben W ESER- ZEITUNG geschrieben, von den! wir. weil w.T uns ke'11 Urteil darüber anmassen. was wahrhaft christlich ist. annciimcn. dass in ,!1111 der wahrhaft ׳christliche Geist zum Ausdruck kommt, und den wir hier zur Kenntnis bringen: Von Bremen aus wurde kürzlich angeregt, sich der aus d.r russischen Kriegsgefangenschaft zurückkchremleii japnn - sehen Soldaten aiizunehmeu und ihnen beim Purcl1pass;orc.!t Deutschlands noch besondere L’chenswürdigkeiten zu erwe'sen. Ob d es.־ Anregung Früchte getragen hat. ist mir nicht be- Kaimt .geworden. Jetzt wird durch c'iien besonderen Aufruf in den Zeitung. 11 zu Sammlungen für die Hinterbliebenen der in Russland gemorderi;1 Juden aufgefordert. Jeder Menschenfreund wird die Grausamkit, mit der dabei (!) zu Werk gegangen ist. verurteilen, zumal auch gewiss mancher Unschuldige getroffen ist. Zu bcdenken .:st aber, dass nach allgemeinem Urteil — mit Ausnahme der von Juden geleiteten oder von Juden beeinflussten Blätter -- die Juden, vor allem de jüdischen Studenten, die Urheber der Revolution in Russland shid. und dass der Volksliass sich gegen die Friedensstörer in dieser blutigen Weise Luft gemacht hat. Mich dünkt wir Deutsche haben Nähcrliegend^s zu tun. als augenblicklich iiir d’!c Opfer der Judnihetze zu sorgen: dafür kann die aliiancc israölitc (die jüdische Voremiguiig) mit ihren unbegrenzten Mitteln ausreichend Sorgt tragen Besser wäre es, wenn unser deutsches Volk sich seiner in Südwestafrika unter den grössten Entbehrungen kämpfende״ Soluie, mehr erinnerte. Zu e:r.er Wcihnachtsgabc wird cs zu spät sein, aber auch nach Weihnachten sind Liebesgaben jeder Art angenehm. Um dem Beispl:l der Gcme'nde Stcllliamm zu folgen, möchte 3:11 die Gemeindevertretungen Butjadingens (weltliche und kirchliche) bitten, zu erwägen, ob cs nicht angebracht sei, Sammclstellcn in den einzelnen Gemeinden zu errichten, de die Gaben in »Empfang nehmen und au eine Zentralstelle abspnden. Für die Gemeinde Esenshamm erkläre ich mich zur Annahme von Gaben bereit. Esenshamm. 17. Nov. 1905. T 0 e n n i s s e 11, P. Ist es nicht der wahre Geist der ״Liebe“, der aus jeder Zeile dieses Seclenliirtcn spricht? .־־ ״־״.—״־־ ״ —1 מ ל .. ־—־- , , Briefkasten der Redaktion ..— ־־.י י ..־.״־־־־ן ן״ן ו...•־״״־...—.־־* N. in Gross-Strelilltz. Ihre Mitteilung war wohl iiir das Zcntralbureau bestimmt, wohin w'r sie wd.ter gesclrekt haben. Sie dürfen natürlich auf einem Bogen der Manuskript iiir die JÜDISCHE RUNDSCHAU enthält, wenn auch ״ur Berichte, nicht Mitteilungen irgendwelcher andwrer Art schicken. Bitte Manuskript nur einseitig zu schreiben. Ziousgrtiss. -r?-׳ Nationalfond — Sammlungen für den Nalionaifond und andere zionistische Zwecke sind lediglich zu senden an den Schaizmdster des Zentralbureaus, Herrn Max Wollsteloer. Berlin NW. aj. 1— =.׳ ׳—■===;= Holsteiner Ufer 10. Siegmund Lazarus, Mainz, au seiner Büchse . . 14,— Mt, N. א., Berlin. 1,10 . Dr. Richard Loewe, Berlin, für Porto-Auslagen Dr. Jungmanns. 0,50 ״ Isaak Rothenberg, Halberstadt, gratuliert Frl. Alice Michaelis zum bestandenen Examen.0,50 ,

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