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Jüdische Rundschau · 1905-11-24 · Heft 47 (24.11.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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pp p ן pp c~ao ÜM j^i r-1/ \ /ך־אי ו %—1...... .י״ r*r M..wt“* I m v -/ Abonnemeatsprets (Zusendung Inbegriffen) «UrttfiiMleb: I. tfwrcb die EipedStlia: t) In Berlin —,90 Mark, b) nach auswlrts I,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. t. Im NtUbenntmaot 1,25 Mark. lasertlonsprets <1• Tiergespaltene Pellt-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. ג$ Organ & der Zionistischen Vereinigung für Adresse fßr Geldsendung«« and Bestellanger : Varia! Jüdisch« Rundschau, &. Q, m. b. H, Berfln K.54, Aojuttstr. <9a. aaschlftsatundea der Espedltf•«! tlgllch (ausser Sabbat und Sonntag) rot• > mittags 10—1, nachmittags 3—7 Ute. Deutschland Adresse der Redaktion: Berfln N W. 62, Mtlaeeitteaefrtm 4. Alle Rechte torbehalten. Abdruck aas der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bd soUer Quellenangabe gestattet Nummer 47 Berlin, 26. Cheschwan 5666 — 24. November 1905 x. Jahrgang Des Buss- und Bettages wegen ge־ langt diese Nummer etwas verspätetzur Ausgabe! Drei Versammlungen Mordbrenner hatten im heiligen Russland wieder einmal gegen unser Volk gewütet, hatten ihm einen Schlag versetzt, schwerer als einer der vielen Schläge, die es seit Jahrhunderten trafen. So schwer, dass auch die Glaubensgenossen der westlichen Länder trotz aller Geigereien und alles antinationalen Internationalismus sich mitgetroffen fühlten und ihrer Solidarität wenigstens durch Geldspenden Ausdruck zu geben begannen. Uns Zionisten freilich traf der tödliche Schlag, den die tierischen Horden im Verein mit ihrer verbrecherischen Behörde gegen unsere Brüder geführt, fast so, als hätte er uns selbst gegolten. Und konnten wir schon nicht selbst unseren Brüdern zu Hilfe eilen, konnten wir ihnen auch nicht ersetzen, was sie an Geld ׳und Geldeswert verloren, ja was sie an der dringendsten Notdurft des Alltags brauchten, so wollten wir ihnen doch moralisch die Hilfe ange'deihen lassen, deren sie für die nächste Zukunft vielleicht mehr bedürfen als alles anderen. Wir wcSlten ,das Gewissen unseres ganzen Volkes wachrufen, wollten an die vielgerühmte Humanität und Moral des ganzen Westeuropa appellieren, damit ein einmütiger Ruf der ganzen Menschheit, die sich die zivilisierte nennt, asiatischem Barbarentum zum Bewusstsein bringe, dass seine Rolle ausgespielt sei — am Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts nach der Geburt Jesu Christi von Nazareth, den sic als Schöpfer ihrer ״Religion der Liebe“ vorehren, während sie täglich und stündlich seinen Lehren ins Gesicht schlagen. Die Berliner Zionisten beriefen eine Versammlung ein, die Protest ejnlegen sollte gegen die allen angetane Schmach״ Protest auch gegen die träge und feige Untätigkeit aller derer, die sich gern die ״Fortschritts- Parteien“ nennen, und mm Uir die Juden, ihre besten Kämpfer, keinen Finger rührten, kaum zum Niederschreiben eines Aufrufes zu Hilfsaktionen. Und die Ver- Sammlung wuchs sich aus zu einer mächtigen Kundgebung von Tausenden Berliner Juden. Wenn man etwas bedauern konnte, so war es nur der Umstand, 1 dass es eines solchen Anlasses bedurite, um diese i jüdische Masse an ihre Solidarität zu erinnern, die da! den Rednern in stürmischem Beifall zustimmte, dass! jetzt die Hauptaufgabe liege in der Wchrhaitniachung I der jüdischen Jugend Russlands! Fs war eine Mani- | festation des jüdischen Selbstgefühls und Volksbewusstj seins, die selbt dem Pessimisten ein wenig Mut gab für \ die ungewisse Zukunft. 1 __________ ___ | Am selben Abend war es, da noch eine Versamm- | lung von Juden stattfand. An anderer Stelle, in etwas kleinerem Kreise. Und cs waren mir russische | Juden, die sich da zusammenfanden, Studierende der Berliner Hochschulen zumeist. Diese, die das nationale | Unglück doch am allernächsten berührt, die haben nun I gewiss da eine Trauerversammlung abgehalten? 1 Waren doch eben erst die Schreckensnachrichten in ihrem ganzen Umfange bekannt geworden! Nein, trauern wollten diese Tapferen gleichwohl nicht. Sie wollten zeigen, dass sie es verständen — ä Ia guerre ccmme ä la guerre, und dass sie nur die eine grosse Sache der Befreiung der Menschheit kennen. Und so sprachen sie denn über den ״Sieg des russischen Proletariats“. — Bravo! Und sie gedachten gewiss nun der Juden als der heldenmütigen Kämpfer für diesen Sieg und erwiesen den auf dem Felde der Ehre Gefallenen ihre stille Ehrfurcht? Waren es doch zumeist J u d e n, die da zusainmensassen und Referate in russischer, polnischer, jüdischer und das eines christlich-deutschen Sozialdemokraten in deutscher Sprache anhörten. Ja, in vier Sprachen wurde dort von russischer Revolution, vom Siege des Proletariats, von der Autonomie Polens gesprochen, und in vier Sprachen wurde dort von den Juden — geschwiegen! Die Protestversanimlung der‘Zionisten hatte aber in der Grossartigkcit ihrer Demonstration doch auch bei den übrigen Berliner Jaden Eindruck gemacht. Man wollte wenigstens nicht zurückstehen. So wurde für eine kurze Zeit später von Vertretern wohl sämtlieh er jüdischen Organisationen Berlins zu einer Protestversammlung eingdaden, die ln einem der giössten Säle stattfinden sollte, die es in der Metropole gibt. Das musste ein ganz gewaltiges Meeting werden, eine von jenen Massenversammlungen, wie man sie in Deutschland nur sehr selten erlebt. Und auch das Interesse, dem diese Veranstaltung allenthalben

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