Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 572 JÜDISCHE RUNDSCHAU No; M herrsche. Es sei Pflicht der Juden, insbesondere der Zionisten, in Russland zu dieser Bewegung Stellung zu nehmen und an der Besserung der russischen Verhältnisse mitzuarbeiten. Redner besprach eingehend die wirtschaftliche Lage der Juden Russlands und ihre politische Gliederung, wobei er ein besondercs Kapitel dem Verhältnis des Bundes und der russischen Sozialdemokratie zum Zionismus widmete, und sprach zum Schluss die Hoffnung aus. dass aus den Stürmen der Revolution die zionistische Organisation in Russland unversehrt hervorgehen möge. An der Diskussion 'beteiligten sich die Herren Dr. M i e h e 1 soh n . Dr. H a I p c r n und E s te r m a!1 n. Ober 150 Mitglieder waren zur Versammlung erschienen und folgten der Besprechung des aktuellen Themas mit grösster Aufmerksamkeit. Würzburg. Die hiesige Zionistische Vereinigung begann ihre Wintertätigkeit durch zwei Vcreinsvcrsamm’ungen. in denen am 17. Oktober Herr Dr. G. Blöde-Nürnberg, am 24. Oktober Herr H. Oppenheimer- Laudenbach über den VII. Zionistenkongress referierten. Während Herr Dr. Blöde den Standpunkt der Zione-Zion vertrat, erklärte Herr Oppenheimer seine Zustimmung zum Programm der politischen Zionisten. An beide Vorträge knüpfte sich eine lebhafte Dis- ,.:׳ission. deren Ergebnis In folgender Resolution zum Ausdruck kommt: ..Die Zionistische Vereinigung Würzburg bat sich durch die Argumentationen des VII. Kongresses nicht davon überzeugen können, dass die B.siedelung ausserpalästinensisdier Territorien auf autonomer national-jüdischer Grundlage dem Geiste des Baseler Programmes widerspricht, sofern Palästina als letztes Ziel zionistischer Politik beihchalten wird. Die Zionistische Vereinigung Würzburg begrüsst daher freudig die Tendenzen d.r ״politischen Zionisten־‘ und vermag i!1 deren Agitation kein Vergehen gegen die Parteidisziplm zu sehen.‘‘ Diese Reso!uti׳m w urde mit allen gegen eine Stimme gefasst. P. Frankenthal. Während überall im Zionistenlager noch Uneinigkeit und Zwietracht herrscht, geht die rührige Ortsgruppe in Ma nnhcitu unbesorgt weiter und versucht iimncx neue Anhänger für unsere Sache zu gewinnen. So wurde am 24. Oktober in Frankenthal (Pfalz), einer Stadt mit etwa 100 jüdischen Familien, ein Vortrag über den Zionismus veranstalt!t. Herrn Dr. Julius Moses- M a n 11־ h e i in gelang cs in einer begeisterten Rede die Zuhörer iörmlich hinzureissen. so dass sich viele Herren soiort unseren Bestrebungen anschlossen. Dies muss umsomehr wunder nehmen, als noch nie in Frankenthal irgend etwas Jüdisches gcpilegt wurde. An den mit grossem Beifall aufgeiiommetie״ Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an. die der Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe Ma: nlieiin. Herr Julius Simon. leitete. A. B. * Hannover, den 23. Oktober 1905. An die Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU Berlin. Sehr geehrte Redaktion! In einer Versammlung der Rerliner Zionistischen Vereinsgung ist jüngst, wie ich höre, ein Brief des Herrn Dr. Friedemann verlesen, in welchem erwähnt w ird. dass von vcrschicdenen Seiten versucht ist, Herrn Dr. Fricdemaim zu voranlassen, seine agitatorische Tätigkeit ciuzustdlcii. Herr Dr. Fricdemaim teilt mir auf meine Anfrage soeben mit. dass unter den Herren, welche eine derartige Einflussnähme versucht haben, sich kein Mitglied des Aus- Schusses des Verbandes politischer Zionisten befindet. Er ermächtigt mich zur Veröffentlichung dieser Erklärung. Ich bitte Sic. in gecign.tcr Weise dies Ihren Lesern zur Kenntnis zu bringen. Ich glaube, dass damit dem allgemeinen Frieden gedient ist. Hochachtungsvoll mit Zionsgruss G r 011 e in a n n. Leider erhielten wir den obigen Brief, von dem auch wir wünschen, dass er dem allgemeinen Frieden dienen möge, erst, nachdem die vorige Nummer bereits gedruckt war. ' Die Redaktion. Wir erhalten die folgende Berichtigung: Duisburg. 18. Oktober 19115. Au die verehr!. Redaktion der Jüdischen Rundschau . Berlin. Wir bitten Sic höil.. in der nächsten Nummer Ihrer geschätzten Zeitung folgende Berichtigung bringen zu wollen: ״In der Nummer 41 vom 13. Oktober berichten Sie Uber die am 3. d. M. stattgefundene Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe, dass in derselben ein Antrag angenommen worden sei des Inhalts, dass die Ortsgruppe sich gegen jede zionstische Organisation innerhalb oder neben der bestehenden zionistischen Organisation, insbesondere gegen die Gründung eines ״Verbandes politischer Zionisten Deutschlands“ erkläre. Dass dieser Antrag von der Versammlung (akzeptiert worden sei. ist wohl nur auf eine irrtümliche Auffassung■ des Berichterstatters zuriickzufiihren. denn für den Antrag erklärte sich nur die Hälfte der Anwesenden, und da er mithin nicht d:e Majorität der Stimmen auf sich vereinigte, wurde vom Vorsitzenden mit Recht die Ablehnung des Antrags proklamiert. Ängcnomcn wurde von der Versammlung nu. der von der Rundschau bereits veröffentlichte Antrag, der sich inhaltlich mit der Resolution des ״Verbandes der politischen Zionisten Deutschlands“ deckt.“ Hochachtungsvoll! Zionistische Vereinigung Duisburg. Der Vorstand: $ i g m u 11 d L c v y. S a I o m 0 11 L e v y. Eduard Gelber. Hierzu bemerkt unser Berichterstatter Herr Dr. H. I: p - s t e i 11: Idi war zum Bericht vom ־ Vorstande ii u s d r ü e k I i c 11 beauftragt. Er ist durchaus richtig. Die fragliche Resolution ist angenommen. Dafür haben gestimmt die Herren: 1. Lurya. 2. Lewen, 3. Löwe und4 ״. ich. Dagegen die Herren: 1. S a 1 o m o!1 I. e v y. 2. S i e g ־ m u 11 d L e v y . 3. Eduard Gelb c r. Der Stimme enthalten hat sich Herr Arthur Gelber. Die Resolution ist also mit 4:3 angenommen. Die Aufgaben jüdischer Turnvereine. Der Stettiner jüdische Turnverein hatte die beteiligten Kreise nach dem Saale der Randowcr Molkerei eingcladen. Die zahlreich besuchte Vcr- Sammlung wurde durch den Vorsitzenden des Vereins, Herrn G r eif c nh a g en. mit einer Bcgrüssung der Erschienenen eröffnet, in der er gleichzeitig darauf liinw ics, dass dieses erstmalige öffentliche Auftreten des Vereins bezwecke, die von der jüdischen Turnerschaft vertretene Idee der geistigen und körperlichen Regeneration weiter auszubreiten, in dieser Hinsicht jedoch nicht nur tatlose Zustimmung zu finden, sondern auch Mitglieder zu werben. Sodann erhielt der Vorsitzende der Jüdischen Turnerscliafr. Herr Theobald Sc hole m- Berlin, das Wort zu dem angekündigten Vortrage: ״Die Aufgaben der jüdischen Turnerschaf t“, in dem er etwa folgendes ausführtc: Die markanteste Erscheinung in der jüdischen Kulturbewegnng sei das besonders von der jüngeren Generation gepflegte Bestreben der körperlichen und geistigen Regeneration des jüdischen Stammes. Diese kärperliehe Regeneration find!•• Ihre Mittel in der Förderung der Bodeukuiuir und der jüdischen Turnhcwceung. Wie die deutsche Turnbewegung zur Zeit der Befreiungskriege eiligesetzt und den Anstoss zur Regeneration des Deutschtums gegeben habe, so basiere die jüdische Turnbcwcgung auf der Idee der Stammcsvcrwurdtschaft. Die jüdischen Turnvereine wollen das Turnen unter Beibehaltung ihrer Stammeseigentfimlichkeiten pflegen, ohne den in christlich-germanischem Sinne geleiteten Vereinen der deutschen Turnerschaft Gelegenheit zu geben, die Aufnahme von Juden in ihren Kreis abzutehnen. was jenen Vereinen im übrigen bei vorurteilsfreier Beurteilung der Verhältnisse an sieh durchaus nicht verdacht werden solle. Der andererseits in der deutschen Turuerschaft!herrschende Antisemitismus müsse die Juden darauf hiinveisen, in jüdischen Turnvereinen sich zu vereinigen, ein Standpunkt, der auch im Prinzip au leitender Stelle von der deutschen Turnerschatt anerkannt wurde. Abgesehen von diesem jüdisch-nationalen Gesichtspunkte, •spreche ferner die hygienische Bedeutung* des Turnens auch für die jüdische Jugend iür sich selbst. Redner schloss mit der Bitte. d!e Bewegung der Vereinigung zu jüdischen Turnvereinen durch Beitritt zu dem bereits hier hcstehenden Turnvereine dieser Art zu unterstützen. Seine Aus* fiihruiigen fanden lebhaften Beifall. Generalversammlung der Genossenschaft Jüdische Rundschau. Auf Sonntag, den 20. Oktober 1905 war eine ausserordentliche י Generalversammlung der Jüdischen Rundschau (G. in. b. H.) aut Antrag der Herren Dr. Jeremias. R.*A. Koüciischer (beide 1 Posen), Dr. Klee, Dr. Zlocisti. Dr. Simonson (Berlin) sowie Dr.