Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Abonuementsprels (Zusendung Inbegriffen) *itrtel]Ibri!el: 1. darcb dis Expsdltfsn: ■) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus- Wirts 1,— Mark, c) IDr das Ausland 1,50 Mark. 1 |m Pettabonnenent!,25 Mark. Inscrtlonsprels 41•?!«,gespaltene Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig. & Organ der Zionistischen Vereinigung für Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Varia! Jüdisch• Rundichau, E. O. m. b.tt, Birila N.64, Au3**trtr. 40a. dcschifustuadca der BxpedltJoal täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—I, nachmittags 3—7 Ute. Deutschland Adresse der Redaktion: Birila N W. 62, Mriaatetbsaatra*•• 4 Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet Nummer 43! Berlin, 28. Tischrf 5666 — 27. Oktober 1905 x. Jahrgang Vertrauen Am Sonntag wird in Berlin die erste Sitzung des unmittelbar vor dem Kongresse gewählten Zentral- Komitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland tagen. In überaus stürmischer Zeit, in den detn Kon grosse unmittelbar vorangehenden schweren Tagen, wurde das Komitee gewählt, das nun zum ersten Male Zusammentritt, uin die Resultate des Kongresses zu nutzen zum Besten der Bewegung. Die Zionistische Partei befindet sich auf dem Marsche. Sie stellt eine Bewegung, keinen Stillstand dar. Sie hat ihr unverrückbares Ziel vor Augen, über das kein Zweifel ist, — Palästina. Es ist das A und O, das eine Ziel, das wie der Polarstern die Richtung angibt, wenn wir in der stürmischen Wettemacht politischer Not und nationalen Missgeschicks dem Hafen zusteuern, von dem 'die Reise einmal ausgegangen ist, die Reise zur Heimat. Die Mannschaft des Schiffes, das unter schweren Orkanen dem Strudel der Wellen entrennen ist, steht auf dem Fahrzeug, das zum Wrack zu werden drohte. Mitten während der schlimmsten Wut des Wetters wurde der Schiffsfiihrer durch ein plötzliches Geschick den Seinen entrissen, er, der den Weg kannte, wie kein zweiter, der in der schweren Sturmnacht selbst das Steuer geführt hatte. Und das Schifisvolk erkor sich einen neuen Führer, einen Mann, der bisher in ihren Reihen gestanden hatte l und einer der Getreuen gewesen war, die dem toten Kapitän treu blieben, bis über das Grab hinaus. Der neue Mann steht vor einer schwierigen Situation. Er sieht die wilde Windsbraut um das Schifflein toben. Er hört den Orkan heulen und hört — was ihn! gefährlicher für das Wohl des von ihm geführten Schiffes erscheint, — auch das Murren der Leute, die in ihm nicht den geborenesn Führer erblicken. Gestern war er noch einer von uns, der zwar beim Kapitän drinnen mit in die Schiffskarten sah, der aber doch nur einer war wie wir, und nicht mehr versteht, wie irgend einer von uns. Wir haben ebenso das Zeug dazu, wie er, das Schiff zu führen. So murren sie heimlich in sich hinein. Ein anderer Teil des Schifisvolkes sieht einander scheel an und im besten Glauben meinen sie, dem Hauptmann am besten dadurch zu 'dienen, wenn sie ihren Mitstreitern und Mitarbeitern nicht über den Weg trauen. Das ist nicht der richtige Weg, um zum Hafen zu gelangen. Um unser Ziel zu erreichen, dürfen wir kein Mittel, das wirklich zum Ziele führt, als falsch verwerfen. Kein ehrliches Mittel, das im Wesen der Bewegung begründet ist und in seinem Programm einen Raum finden kann, ist unserer Führung verwehrt. Die Anwendung dieser Mittel liegt ausschliesslich in den Händen de: Leitung. Aber das erste und hauptsächlichste Mitte!, das unsere. Parteileitung gebraucht, ist eine starke zionstische Partei, die stark ist durch ihre Zahl, durch die Treue und Hingebung ihrer Anhänger und durch Einigkeit. Nicht schwerer könnten wir uns am Zionisinus versündigen, als wenn wir die eherne Phalanx lockeni wollten, die die Scharen des Zionismus trotz aller kleinen Differenzen Zusammenschluss!. Wie ein Wunder mutet es uns an, wie die verstossenen Söhne des Jüdischen Volkes sich nach beinahe zweitausendjäliriger Trennung von der heimatliehen Scholle in Liebe zu ihr vereinigt finden. Diese Liebe zu Zion hat die verschiedensten Elemente zu einem ganzen, untrennbaren Einen zusammengeschweisst. Sie hat es bewirkt, dass die lange getrennten russischpolnischen Juden mit den westeuropäischen und insbesondere den deutschen Juden Zusammengehen und sich als eine einzige einige Schar fühlen. Der konservative Beobachter des Gesetzes und der Freidenker, deren beider Gesinnungsgenossen noch im wilden Kampfe gegeneinander begriifen sind, den sie schon ein ganzes Jahrhundert lang kämpfen, haben sich in der Liebe zu Palästina zusammengefunden und stehen im Zionismus geeinigt neben einander, ohne dass der eine ein Titelchen seiner freiheitlichen Gesinnung, der andere auch nur das Geringste seiner ehrlichen Gesetzestreue aufzugeben brauchte. Die trennenden Momente sind in den Hintergrund getreten. Die Einmütigkeit, mit der sich Juden aller Parteien und aller Länder, aller Anschauungen und aJIer Kulturkreise im Zionismus zusammengefunden haben, hat der Welt den Beweis geliefert, den wir ihr schuldig waren, den Beweis der absoluten Sicherheit, mit der wir unser Ziel trotz einer Welt in Waffen gegen uns erreichen werden. Diese Einigkeit war es, die uns die Sympathien der Völker verschafft hat, und sie ist es auch, die allein uns zum Ziele führen wird. Sie ist das erste und unentbehrlichste Mittel zur Eireichung des zionistischen Zweckes, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte zu schaffen für das Jüdische Volk in Palästina. Dieses Mittel aus den Händen zu geben, i