Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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w ö\::jo duuüb j|f Abonnementsprels (Zusendung Inbegriffen) vferfsljikrficb: t. durch di« Expedition: t) In Berlin —,90 Mark, b) nach auswlrts 1,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. Z. ha f«*t»b«nnement 1,25 Mark. lnsertlonsprels die »lergespaltene Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Organ der Zionistischen Vereinigung für Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: VaHag )Qdltch« Rundicbau, E. O.m.b.K, Berlin N. 54, Aujuxtxtr. 48a. Oeschiftsstundea der Expeditloat tüglich (ausser Sabbat und Sonntag) tot* mittags 10-1, nachmittags 3—7 Uhc. Deutschland Adresse der Redaktion: Berlin N Vf. 12, ll«ta«ckUMutruM 4 AHe Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 41 Berlin, 14. Tischri 5666 13. Oktober 1905 | X. Jahrgang Hüttenfest Die jüdischen Feiertage haben alle einen nationalen Hintergrund. Es gibt keine noch so religiöse jüdische Feier, die nicht in ihrer Fcstmelodie den nationaj^n (irundakkord ertönen Hesse. Jene unendliche Liebe, mit der das Jüdische Volk noch beute an seinem äuge• stammten Hoden hängt. mit der״cs noch heute an seinen Trauergedenktagen blutige Tranen um das entrissene Zion weint und in seine Zionslieder das ganze Weh er giesst, das ein Jammer von einer zweitausendjührigen Leidensgeschichte auigespeichcrt hat, lässt sogar den Tag im Jahre, der durchaus ein Pest des religiösen Gemüts sein w.ll, den Jöm-Kippür, in ein ^לד:ד.ה:א'ו גירד־^ל ausklingen. So hat auch dieses Pest die nationale, und das ist die zionistische Weihe. Pfir das Jüdische Volk ist die Liebe zu seinem Lande und die auf das Volk selbst gerichtete Liebe eben so tin ■ trennbar wie Leib und Seele. Und wenn cs einen Monisnius gibt, der in den Tatsaeluyi gegebeji ist. so ist es die untrennbare Einheit von Volk und Land Israel. So wenig wie es möglich ist, das Jüdische Volk von seinem Willen loszubringen. fortzuexistieren und weiter leben und wirken zu wollen, so wenig ist .es möglich, ihm seine eingeborene Liebe zu Palästina zu entreissen, zu dein Lande seiner Jugend und seiner Zukunft. Und wenn der Jüdische Stamm in heisse,״ (ieheten aus dem Unglück sich nach einer Rettung uinsali. so dachte und denkt er sich diese Zukunft nur und einzig mir in Palästina. Wenn aber diese heisse Ziousliebe das ganze Wesen des Jüdischen Volkes durchdringt, so weit es sich selbst treu geblieben ist, so wird es doch immer am meisten an solchen Posten und Peiertagen empiimden, die in ilirer Eigenart an die alte Herrlichkeit im Lande Israel erir.nern. Wenn die Jünglinge und Jungfrauen hinauszogen zu den Höllen von Zion und Morijah mit den Palmenzweigeu in der Hand, mit den Myrtheustrüusscn und den Ethrogäpfeln, da zog der tiefempfundene Nachklang des Pessachgelmrtsfcstes durch die jüdischen Lande. Da feierte das ganze Volk die Zeit, "wo Israel aus Mizrajim zog, das Haus Ja'akebs aus dem Laude. dastUmtremd war, Jehudah zu seinem LleiVigtumc, Israel zu seiner Herrschaft.‘‘ In wunderbaren Poesieen gedachte das erwachsene Volk dieser seiner herrlichen Jugend: ״Das Meer sah es und floh. Der Jarden wandte sich zurück, die Bet ge hüpften wie Widder, und Hügel wie die fröhlichen Lämmer . . . ״“ Eine jetzt •schon in ihrejn Strome gehemmte Assitnilatioiisbewegung glaubte die Ziousliebe aus dem Herzen des Volkes reissen zu können, ebenso leicht, wie es ihren Wort- und Zeristirstiftfülirern wurde, die Stellen \on Zion und Jeruschalajim aus den Gebetbüchern zu streichen. Denn sie verstand nicht, dass es der Todesstreich gegen das Jüdische Volk gewesen wäre, wenn es dahin gekommen wäre, dass es seines Zion vergessen hätte, jenes Zion, das allein der Hontuingsstcrn war im Leid, wie es die schönste Erinnerung war, die Israel auf seinen Leidensweg mitgenommen hatte. Es hätte sich ja zuerst seihst vergessen müssen, wenn es seines Zion hätte vergessen wollen, jenes selben Zion, das die jiklisehe Laute zum Liede stimmte, das freilich so oft eine Leidenstnclodie wurde. Zion war und blieb das Herz des Jüdischen Volkes, und keine Nation, die auf ihrem eigenen Hoden sass. konnte mit mehr Liebe an ihrem angestammten Vätererbe hängen, als e> dieses Jüdische Volk tat. das in alle Winde zerstreut war und doch nur die eine Liebe in allen seinen Liedern und Leiden wiederholte, die Liebe zu Zion. An solchen Feiertagen, die aufs innigste mit dem alten Lande Zusammenhängen, die itn Lande und aus dem Erwerb des Landes hervorgewachsen sind, da quillt die Ziousliebe in jedem jüdischen Herzen neu hervor. Und mehr als alle 'andern jüdischen Feste wirkt ein solcher Landfeiertag. der mit den Früchten. Zweigen und Blumen des Landes in der Hand gefeiert wird. Es ist bezeichnend, dass ausser dem Rösch-hasch-schan-ihbeste kein anderes Pen sieh im Ausgange des Tischgebetes einen besondere״ Platz fiir sich gesichert hat. ausser dem Hiittcnfest. In dieses nationalste und zu mimischste aller hebräischen Gebete, hat sich der <atz eingeschobcn: י*:* א*,-::: דוד הגפיית z*~' .־ז־דנון ד.*א ״Der Barmherzige, er möge uns die Hütte Davids wieder errichten, die dahin gesunken.•* Man konnte sielt ja kein Hiittcnfest denken, das nicht in die nationale Hoffnung des Jüdischen Volkes ausklänge, in dqn Gedanken, dass einst unser Volk so auf eigenem Hoden wieder geeinigt sein würde, w ie es durch das w idrige Geschick zersplittert \n\ü 7,erstreut worden war. Man erwartete sehnsüchtig die Zeit w׳o das Banner de? Jüdischen Stammes wieder stolz flattern sollte über den Bergen Zions. Diese Liebe zu Zion, die das ganze Wesen des Voikes dtirclidrang. hat es in seiner Zerstreung erhalten, hat es aufrecht erhalten. I da״s cs nicht verzweifelte. Denn es wusste, dass alles