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Jüdische Rundschau · 1905-10-06 · Heft 40 (6.10.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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TOTO«? ץיי| ט m miib Abonnementsprelo (Zusendung Inbegriffen) »ierteljlhrflcb: 1. <8rct» di« Expedition* c) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus> Wirts I,— Mark, c) für das Ausland!,SO Mark. t. ta P«1Ubonnemenl 1,25 Mark. Insertloasprels die?Iergcspaltene Petit*Zeile oder deren Raum 2S Pfennig. Organ der Zionistischen Vereinigung für Adresse für Geldsendungen aad Bestellungen: Vtrtag IQdlteh« Rutidtchxa, E. 0.m.b.HL, Barfla M.64, AugutUlr. <01. OeschifUttuadea der Expedition 1 täglich (ausser Sabbat und Sonntag) roe* mittags 10—1» nachmittags 3—7 Uhc. Deutschland Adresse der Redaktion: Berfla N W. 62, Metueltbo&stm*• 4 Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDtSCHEM RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet Nummer 40 Berlin, 7. Tischrt 5666 6. Oktober 1905 X. Jahrgang Einmal im Jahre .... Einmal im Jahre kehrt der Tai׳ wieder* der wie ein gewaltiger Turm im Festiahre hervorragt, der Tag, der auch dort nicht ganz seine Weihe und seinen Wert verloren hat, wo man sc ist bemüht ist, den: Judcutuntc den (iaraus zu machen. Das ist der Versöhnungstag. An diesem Tage findet sich so mancher Jude wieder in dem Versamnilungshause der jüdischen Gemeinde ein, der im ganzen Jahre am liebsten gern vergessen machen möchte, dass er Jude ist. Zwar gibt er auch an diesem Tage nur eine Gastrolle,, damit nur ja die christlichen Dienstboten im Mause nicht merken, dass der Liberalis* 11ms doch noch eine, wenn auch ganz schwache Grenze hat, aber dieser dünne Faden verbindet ihn noch immer mit seinem Volke und gibt ihm die Möglichkeit zurückzukehre)!. Es ist nicht einmal ein religiöses Band, das ihn an diesem Tage in die Synagoge zieht, denn er weiss von keiner Religion oder bemüht sich wenigstens von keiner zu wissen, sondern ein nationales Band. Denn gerade die Familieniibcrlieferung, die hier eine so grosse und unschätzbare Rolle spielt, hat ehe wichtige Quelle im nationalen Gefühl und bildet ihrerseits wiederum die wichtigste Quelle für das doch wieder erwachende nationale Bewusstsein. Die Totenfeier, die zur Syna* gogc führt, ist in ihren letzten Gründen eine Folge und eine Quelle nationaler Gefühle. Sie hangt auts innigste! zusammen mit einer Familienliebe, die das bczeichj nendste und zugleich mächtigste Moment im jüdischen Stammeslebcn bildet. Einen weit tieferen Einfluss übt der VersGhnupgstag dort aus, wo er noch in alter Weise die Weihe auf sich hat, die kein anderer Tag im Jahre besitzt und wie es in ähnlicher Art kein Fest gibt in irgend einem Volke und bei irgend einer geistigen Gemeinschaft. Da ist er der Tag der Einkehr und Selbstläuterung, der Tag, an welchem 1na|1 mit sich selbst ins Gericht geht, wie man es im ganzen Jahre nur mit den andern zu tun gewöhnt ist. Man empfindet, dass man das. was man sich selbst ins Lcbcnsbiieh gesell rieben hat, an diesem Tage selbst besiegelt. Mit den alten gewohnten Melodien beginnt der Tag nach morgcnländiseher Sitte mit Anbruch der Nacht. Die Gemeinde versammelt sich zu 'ל נדי:, Die wunderbare Weise ertönt, die auf jedes Gemüt einen so tief ergreifende! Eindruck macht, und die der Jude nie vergisst, die in ihm selige und wehmütige Erinnerungen wachruft, wenn er sie vernimmt, nachdem er längst nicht mehr gewöhnt war, ihr zu Häuschen.כל נדרי die viel geschmähte und viel angegriffene Formel, die mau aus Furcht vor feindlichen Nachreden vielfach verleugnet, bedarf keiner Entschuldigung. Denn jeder, wer sic versteht und nicht böswillig ist, vermag nicht.* von dem zu finden, was man in ihr suchte und was man in sie ,’ineii.deutet, weil es nicht aus ihr herauszudeuten ist. Auch wir Zionisten können mit aller Andacht an diesem Jom-Kippur das alte Kcl-Nidre atiirichtig mitsprechen. Denn haben wir nicht alle uns oft genug im Jahre, an unserm Ideale, und das heisst am Judentumc schwer versündigt, wenn wir Gelöbnisse auf uns nahmen für den Zionismus, die wir nicht auszuiiihren imstande waren, oder die wir verabsäumt haben, ein* zulösen. Wir haben uns selbst verboten im Sinne des Zionismus in geeigneter Weise zu wirken und dadurch unserm heiligen Ideal Schaden getan. Wir haben Ver* Sicherungen abgegeben, ׳die wir nicht immer aufrecht zu erhalten imstande waren, haben den Bann ausgesprochen über Personen und Dinge, ohne die innere Berechtigung dazu. Da sprechen wir in Kol-N'idr«* keine leere Formel um der schönen und ergreifenden Melodie willen, wenn wir verstehen, dass diese Gelöbnisse niehtig waren, diese Verzichtleistungen und Sclbstverbotc nichtig sein müssen. Diese Gelöbnisse ward) keine Gelöbnisse und diese Verbote dürfen nicht die Geltung voi Verboten behalten. Wir haben uns übereilt, haben unser fdeal ge• schädigt und müssen jetzt beim Anhören von בל בדרי aus tiefstem Herzen mit emstimmen: diese Gelübde und Verzichtleistungen, diese Schwüre und Bannformehi waren falsch und sollen deshalb nichtig sein. Was wir uns vorgeuommeii haben, wovon wir eine Schädigung unseres Volkes erwarten können, war kein Gelübde, sondern ein Irrtum. Wenn wir alle in dieser Gedankenfolge den Jom* Kippur auf uns wirken lassen, so werden wir cs ver stehen, dass wir immer leichter den Splitter im Auge j eines etwas differierenden Gesinnungsfreundes zu finden imstande sind, als den Balken im eigenen Auge. Der Versölmuugstag mit seinem ungewöhnlichen Ernste und mit der weihevollen Stimmung, die von ihm ausgeht, ist vielleicht gerade darum berufen, auch uns Zionisten zur Einkehr bei uns selbst aiifzuriifeii und uns zu veranlasscn, endlich alles Trennende in den Hintergrund zu schieben und das einigende Band, das uns alle um•

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