Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) vierteljlhrfleli 1 1. durch die Expedition: ■) In Berlin —,90 Mark* b) nach auswlrts 1,— Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. 1 |1fl PoiUbonnement 1,25 Mark. lnserliotisprels die vtergcspaltene Petit• Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. & Organ 2£ der Zionistischen Vereinigung Kr Deutschland Adresse för Geldsendungen and Bestellungen: Verlag iOdfsche Run dich tu, E. a.m.b.ft, Berlin N. 54, Auguitstr. 49*. QeachStustundeu der Expeditioet täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—I, nachmittags $-7 lihr. Adresse der Redaktion: Berlin N W. 52, Hefanckthentträte« 4. Alle Rechte »orbeMlen. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei »oller Quellenangabe gestattet Nummer 38 jj Berlin, 22. Ellül 5665 — 22. September 1905 X. Jahrgang Gegenwartsarbeit 11. Weit mehr umstritten als die im zweiten und dritten Punkte des Baseler Programmes festgelegten Dinge sind die an .erster und letzter Stelle angegebenen Mittel zur Erreichung des zionistischen Zweckes. An sie knüpft der Kampf an, der seit dem ersten Kongress sich Kegen die Führung im Zionismus richtet und der in seiner jetzigen Form das zionistische Leben zu vergiften droht, wenn man nicht bald beginnt cinzuschcn, wohin der Streit und seine Methode führt, und endlich einmal reinen Tisch macht. In der Propaganda und bei der Organisation hat es kaum je grösseren Prinzipienstreit gegeben, es sei denn die stärkere Betonung des Nationalen oder die vorsichtigere Tonart, die bei der Propaganda bessere Erfolge erzielt der Zahl nach, um nachher im Zionismus mehr Arbeit für die Gewinnung der Schekelzahler für die wirkliche zionistische Idee zu lassen. Das war und ist nur eine Frage der Methode, die aber von geringerer Bedeutung bleibt. Denn über die Notwendigkeit der Propaganda waren wir immer gleicher Meinung, wenn auch häufig dieienigen am wenigsten ihrer Pflicht genügten, die die ausführlichsten Berichte über ihre Erfolge zu schreiben pflegten. Anders ist es bei den Punkten, die das Baseler Pro- «ramm gleichsam cinrahmcn. Gleich bei dem Punkte der Erlangung der Regierungszustimmungen setzte der Kampf sich fort, der eigentlich als persönlicher Streit gegen Herzls neue Leitung bereits kurz vor dem ersten Kongress begonnen hatte. Nicht die Chowewe- 2i*»n, wohl aber ihre Berliner Vertreter waren es, die hier cingrifien. Der Relativsatz ״welche nötig ist“ bezieht sicli bekanntlich auf die Erlangung der Regierungszustimmungen. Der winzige Umstand, dass nur von einer Erlangung die Rede sein kann, gab einer kleinen Minderheit die Gelegenheit in die Hand, davon zu sprechen, dass nur von einer Regierungszustimnuuig die Rede sein könnte, nämlich von der türkischen. Hiermit wollten sie das Politische im Zionismus besei- %eu. Ihr Wortführer Willy Bambus glaubte desliab den Text des Baseler Programnies grammatisch korri- *deren zu müssen und um den» Relativsatz eine stüistischere Beziehung zu geben, vei wandelte er die Regieru11gszusti1nmunget1 in eine Regierungszustimmmig. Aber es gelang ihm nicht, seinem neuen Baseler Proüniiiun weitere Geltung zu verschaffen, da die Berliner Zionisten, aut die er in erster Linie sich stützen zu können glaubte, seiner ״zweiten Ortsgruppe“ sich nicht anschlossen und die meisten Mitglieder von dort in nicht zu langer Zeit den Anschluss an den politischen Zionisums fanden, zu dessen Bekämpfung sie gegründet war. Ihre Mitglieder gehören seitdem zu den eifrigen Kämpfern gerade des politischen Oedaukens im Zionismus. Uebcrhaupt fand Herzl in seiner eigentlichen Arbeitssphäre, der diplomatischen Arbeit stets ungeteiltes Vertrauen und allseitige Unterstützung von allen Zionisten, bis auf den einen Fall, wo ein grosser Teil seiner besten und allerergebensten Anhänger deshalb ihm die Zustimmung zur Entsendung einer OstafrikaexpeJition versagte, weil sie verstanden, dass ein allzugrosser Teil von Zionisten diesen von Herzl klar genug als einen politischen Schachzug gedachten und getanen Schritt für den Versuch einer wirklichen Kolonisation in einem nichtpalästinischcn Lande halten w׳ürde. Seine deutlichsten Versicherungen, die er auf dem Kongress, privatim un'd im Streite mit Ussischkin abgab, dass es sich nicht um eine Ablenkung zionistischer Tätigkeit sondern lediglich um eine notwendige politischdiplomatische Aktion ohne einen Oedanken der Kolonisation handele, mussten missverstanden werden, weil ein anderer Teil von Zionisten der Herzischen Politik dadurch dienen zu können glaubte, dass sie gerade das, was er nicht.wollte, aufnahnien, nämlich den Qedanken einer wirklichen Kolonisation in einem Lande, von dem Herzl sicher erwartete, dass kein günstiger Bericht seitens der entsendeten Expedition zuriiekkotnmen würde. Hier haben Missverständnisse Herzl einmal Steine in den Weg gebaut, während sonst seine diploniatische Arbeit stets die volle Beachtung bei allen Zionisten fand. Aber auch in dieser wichtigen diplomatischen Arbeit, die einen Teil des politischen Zionismus ausmacht, müssen wir den' Blick von der Vergangenheit in die Zukunft wenden. Diese Arbeit ist die auswärtige Politik des Zionismus und damit der organisierten jüdischen Nation. Aber auswärtige Politik will mit einer ganz besonderen Delikatesse behandelt weide«, und es kann leicht sein, dass w ir mit täppischen Fingern sehr feine dünne Fäden zerreissen, die einmal ein feines und festes Gewebe werden sollen, wenn wir zur Unzeit hineinfassen. Wann es aber nicht Unzeit ist, kann nur der wissen, der alle Fäden kennt und weiss, w0׳ sie befestigt sind. Daher sollen unter voller Aufrechterhaltung der Grundsätze des ersten Kongresses, wie