Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 37 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite Ali, — wenigstens ich nicht — sich unterfangen. Artikel zu schreiheu. ohne d*c hierzu nötige Eignung zu besitzen. Aber mau kann deswegen doch mit der Leitung eines Parteiorganes nicht ganz zufrieden sein und■ sieli einem diesbezüglichen Proteste anschlicssen. ohne deshalb abjektiv Uuwahres sagen zu müssen. '•;־ ׳•■ 3־ * Pass die JÜDISCHE RUNDSCHAU in Berlin'erscheint.'ist uns bekannt und ■ bedarf es hierzu nicht des besonderen Hinweises der Redaktion, d'ftfcs ganz gut w'erss. warum das bewusste Schreiben nach Köln gerichtet wühle. — ־׳" Es wird gerade •durch die Art, wie die Vcrchrl. Redaktion ihre Erwiderung gibt.* bewiesen, dass sic durch die. vielleicht ungewollte. Brnskierung. mehr das trennende, als* das einigende Moment hervorbringt. — Auch gelegentlich einer Sitzung des deutschen Delegiertentages, hat es ja dem Herrn Chefredakteur beliebt, diejenigen Kongressdelegierten, di. von Südafrika ihre Mandate hatten, uuasi als inferiore Zionisten hiiizustellcn.' weil sie - wie er sich ausdriiekte sonst von ihren eigenen Ortsgruppen gewählt worden wären. So •etwas muss verletzen; und wenn die gleiche Tonart nur zu oft in den Artikeln der verehr!. Redaktion zum Ausdruckt kommt, ruft sie die Unzufriedenheit vieler Ortsgruppen hervor. —־ ' Portiter in re. suaviter in medo. das glaube ich, sollt, unser Motto sein. Hochachtungsvoll Alois Natzlcr. ־ *• Zur Diskussion über die Hamburger Streitfrage. «*־■ ־־*־* Sehr geehrte Redaktion! Da ich erfahre, dass iib.r die Urheberschaft des Ben- C 11 e r 11 s gezeichneten Briefes im Sprechsaal der JÜDISCHEN RUNDSCHAU falsche Vermutungen bestellen, wollen Sie bitte bekanntg.ben. dass ich der Autor des Briefes bin. und ihn selbstverständlich auch volhnhaltlicli vertrete. Mit Zioitsgruss! Breslau. ’’ Hugo Schachte I. * ' * Hamburg, den 10. September 1905. Von בדרבי היהודי heisst es am Schlüsse der Mcgillah: ודבר שלוש לבל זרעו (und er redete zum Heile (Frieden) aller seiner Nachkommen. Nun, es waren gerade keine Fricdeusworte, die im Sprechsaal der vorletzten Nummer der jüdischen Rundschau zu lesen waren. Der mutige, a n onyme Verfasser, der vermutlich — Nvie auch der Einsender dieser Zeilen — auf zionc-zionistischem Standpunkt steht, ist jedenfalls, wie das für einen unentwegten Paiästinenscr sich von selbst versteht, mit der Resolution der liamburg-Altonacr Ortsgruppe nicht einverstanden. Nun gut! Aber er darf sich durch den Aergcr über das Ergebnis einer ihm nicht genehmen Beschlussfassung nicht zu persönlichen Angriffen hinreissen lassen, die— mögen sie im Sprechsaal stehen oder ■an einer and.ren Stelle des Blattes — geeignet sind, unser offizielles Partclblatt in Misskredit zu bringen, wenn es überhaupt solche rein persönliche Auseinandersetzungen aufnimmt. Der Acrger über die Annahme der Resolution ist es vermutlich auch, der den Herrn Einsender die Tatsachen in ganz anderem Lichte &.hen und schildern lässt, als sie in Wirklichkeit cs verdienen. Sachlich hat ihm Herr Beu-cherus bereits die Unausführbarkeit des Anschlusses einer Ortsgruppe an eine Partei innerhalb des Zionismus nachgewiesen: hier y>H nur betont werden, dass die Hamburg-Altonaer Ortsgruppe gar nicht daran denkt, sich an einen .,politischen Verband" aiizuschliesseii. und dass von» Vorstandstische aus nur erklärt wurde, dass die Ortsgruppe, d. di. die Majorität oder die auf dem Standpunkte des ..politischen Zionismus" st.-henden Gesinnungsgenossen* in loyaler Weise es versuchen würde, auf dem VIII. Kongress eine Revision der Beschlüsse des VII. herbeizmühren. Man mag dazu stehen, wie man will, man mag das als EjgcnbrÖdelei auffassen oder eine solche Revision überhaupt für uu'diskutab.l erachten, jedenfalls kann man es den ..poIit׳scT1en Zionisten" nicht verwehren, ihren Standpunkt in loyaler Weise zu vertreten. Und loyal hat gerade in der Versammlung vom 24. August der Vorsitzende gehand.lt. Die Resolution wurde zur Diskussion gestellt, aber es begann nur eine belanglose Oescliäftsorduungsdebatte. Den Zione-Z io nisten ist absolut nicht die Möglichkeit zu sprechen genommen wordu'ü; es meldete sieh eben feiner zum Wprt, wohl in der richtigen Erkenntnis, dass, das Ergebnis der Abstimmung absolut feststelle. Die Resolution kcnnzciehnet nur den politischen Standpunkt der überwiegenden Majoritat der Hamburg-Altonaer Ortsgruppe und ist von euer Schärfe, wie sie in den Resolutionen der Casselcr Ortsgruppe und des Vorstandes der Mainzer Ortsgruppe beispielsweise zum Ausdruck kommt, meilenweit entfernt. Es ist absolut nietnand .,aufs Tnrekcne gesetzt" worden. Es ist niemand aus der Ortsgruppe wecen der Resolution ausgetreten, und wir Zirm:׳-Zionisten werden weiter in der Ortsgruppe verbleiben, da. wo es gilt, unsere Anschauungen zu verteidigen, die Meinung der Majorität bekämpfen, aber stets in sachlicher Weise. W'er sich nach Lage der Dinge als ״brutal ausgeschlossen" betrachtet der mag der Ortsgruppe fernbleibeu. es ist ja schön, dass darin der Nationalfouds d.r tertius gaudciis sem soll. Also, nochmals, die Hamburg-Alt« uaer Ortsgruppe denkt nicht• i in mindesten an eine ..Bekämpfung der her rsehenden Richtung und L e i t u 11 g", sondern hat nur den Willen ausgesprochen, ihre Anschauung in loyaler Weise iti der des nächsten Kongresses zu machen, was ja hoffentlich verhütet werden wird. Es ist b.-dauerlich. dass der Herr Einsender Zione-Ziouist ist. ich dächte, wir sollten nach dem Siege unserer Anschauung auf dem Kongress uns einer massvollen Haltung heflcissigen. die es verschmäht. Spannungen und gereizte Empfindungen hervorzu rufen. Die iibrig.n Wendüngen des Herrn Einsenders sind viel zu persönlich, als dass mau darauf weiter cingelien soll. Nur das noch: Herr D r. Kalmus hat durchaus nicht Russen gegen Deutsche a u s g e s p i e 11. Wenn er davon sprach, dass naturgemäss die deutschen Zionisten parlamentarisch geschultu־ seien, als ihre russischen Gesinnungsgenossen, so wüsste ich nicht, was daran zu tadeln wäre. Man greife doch nicht zu einer so durchsichtigen Taktik! Nun tritt Herr Bcn-chcrus (seltsame Manier, aus sein e 111 Herzen keine Mördergrube und a 11 s seinem Namen ein Geheimnis zu machen), gewappnet mit dem Visier der A1!o!1\ mitüt mutig und kampfesfreudig auf den Plan. Man liest zwischen den Zeilen nur zu gut die innere Befriedigung über die ־ ־ ja ״leider" nun ialsehe — Nachricht von dem angeblichen faux pas des Herrn Dr. Kalmus, als dass man mit einer längeren Widerlegung beginnen sollte! Ich kann dem Herrn Ben-cherus versichern, dass Herr Dr. Kalmus eher ein Be 11־cherus ist als der IIerr Einsender, denn es darf und muss hier gesagt werden, dass gerade Herr Dr. Kalmus sich wegen seiner versöhnlichen Haltung, die manche Herren so gerne als Hang zu Kompromissen verschreien möchten, bei Freund und Gegner — Feinde sind mir hier nicht bekannt — gleicher Sympathien erfreut. Ich schrieb diesen Artikel im Einverständnis mit mehreren zione-zionistischen Mitgliedern unserer Ortsgruppe. Wenn er den Schluss der unerfreulichen Debatte über diesen Gegenstand herbeiführen sollte, wäre sein Zweck erreicht, denn — das gilt für alle Zionisten, für alle jüdischen Verbände —: Concordia parvaeres ernennt, discordia maximae dilabuntur. Nur Einigkeit macht stark! Damit niemand sich in massigen Kombinationen ergehe, zeichne ich mit vollem Namen, einer vcrclirliohcu Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU bestens dankend Oscar Nathan, stud. jur. Es ist ein Gebot politischen Anstandes, die Bekämpfung einer prinzipiellen Auffassung nicht mit persönlichen Angriffen auf ihren Träger zu verknüpfen, und wo es sich im Interesse der Sache nicht vermeid.n lässt, wenigstens mit offenem Visier zu kämpteu. Diese Forderung muss in der .zionistisehen Bewegung mit doppeltem Recht erhoben werden. Die überaus niassvolle und den Standpunkt der Minorität berücksichtigende Hamburger Resolution verautasste einen Anonymus in No. 35 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU, seinem Acrger durch die persönliche Beleidigung der Vorstandsntitglieder unserer Ortsgruppe Luft zu machen. Selbst das. was au sachlicher Polemik aus diesem Konglomerat von Schmähuugen herausgeschält werden kann, beruht auf so unrichtiger Darstellung der Vorgänge in jener Mitgliederversammlung, dass selbst einige Zione-zionistische Vereinsnutglieder ihrer cUttrüstung darüber Ausdruck gaben. Dem rterrn Artikel- Schreiber sei eine Frage vorgeiegt: Warum hat er. als die Resolution zur Diskussion gestellt wurde, sich nicht zum Worte gemeldet und offen und sachlich seinen Standpunkt vertreten? Angesichts der Tatsache, dass trotz der Aufforderung des Vorsitzenden niemand gegen die Resolution sprach, mag sich der Leser selbst ein Urteil über den Vorwurf mangelnder Rücksichtnahme auf die Minorität bilden. Ich erwartete nun einen Protest gegen einen derartigen Angriff aus dem Hinterhalt; statt dessen sieht in Nro. 36 der