Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite -I5S JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 36 Der neue Riegel Die Fremdengcsetzvorlage ist durch königliche Sanktion am Tage der Palamentsvcrtagung Gesetz geworden. Der bczu gliche Passus der königlichen Adresse, die die Vertagung des Hauses verfügte, lautet: ..Ich habe mit Vergnügen meine Zu- Stimmung zu den Massregcln gegeben, die eine Linderung der durch die Frcmdenemwanderung verursachten ubelstftndc bczwecken.“ Schafft armen Hebräern ein Vaterland Das ״KORRESPONDENZ ־ BLATT־‘ des ״Zentrallnircaus für jüdische Auswandcrungsangelegcnhcitcn“ bringt in No. 6 vom August unter dem Titel ..Ein neuer Exodus” über die Einwanderung nach dem Orient folgendes: Aus Egvpten wird uns unter dem 22. Juli geschrieben: .Tausende von Juden, die infolge des Aufstandes;n Ycnieu aus dem Lande flüchten mussten, sind in Suez angekommen. Ihnen folgen andere Leidensgenossen in grosser Anzahl die in Aden auf Einschnung nach Egvpten warten. Alle diese Flüchtlinge bcfinden steh in einem bemitleidenswerten Zustande.” Jüdischer Antisemitismus Zu unserer Notiz ..Jüdischer Antisemitismus־‘ in No. 34 der J. R. wird uns aus Ratibor geschrieben, dass, wenn auch Herrn Cohn mit seiner Atusserung unzweifelhaft eine Entgleisuttg passiert ist. man ihn doch bei mehreren, Gelegenheiten und seit langer Zeit als guten, opferwilligen Juden kennt, und dass ihm prinzipieller Judenboykott jedenfalls lern liegt. Rundschau der Presse In der WELT kommentiert der neue Chefredakteur J. Uprzintny den Aufruf der Leitung” und verlangt im gleichen paläsfinatreueit Sinne wie wir erst einmal die Unter- Ordnung des eigenen Sonderwiüens unter den des Parteiwillens und der Leitung: Mit inhaltlich scharfer Klarheit hat der Präsident des A.-C. in seinen! Aufrufe die Endergebnisse des VII. Kongresses herausgehoben und zu einen! unzweideutigen Programm der Leitung verdichtet Mit hoher Genugtuung entnimmt jeder Zionist aus dieser Kundgebung des Präsidiums, dass der Schluss der verwirrenden Schwankungen seit Uganda gekommen ist: die Nebentür. die der vorige Kongress aufgerissen hat, ist wieder geschlossen, den Auslegungen und Randkommentaren des Baseler Programnies ist der Boden entzogen. Mit geschlossener Front haben wir wieder zur Treue gegen uns selbst zuruckgeiundeu. Wir sind wieder der natürlichen Politik zugekehrt, dem natürlichen Streben nach dem Lande, wo unser Volk körperlich und geistig gestaltet wurde, das die Stätte unseres Glanzes war und wo wir mit Unterstützung des Glückes und unserer Arbeit unsere rühmreiche Geschichte, unsere natürliche Entwicklung dort fortsetzen können, wo sie durch die Katastrophe aes Oolus unterbrochen wurden. Das Baseler Programm mit seiner Reinheit und Einheit ist wieder hergestellt und bleibt weiter dio Feuersäule auf dem Wege, der unser Volk aus seiner seelischen und körperlichen Not herausführen wird. Unser altes Ziel ist ja so bedachtsam gwälilt. dass es in seiiur Erffdlung sowohl unserem Hunger nach moralischer Erhöhung als auch dem nach LebcnSmöglichkeiten glänzend entsprechen wird. Und die Zionisten, das heisst üie Juden mit dem heissen Herzen und tktn kühlen Kopfe, haben auf den! Kongress entschieden, dass sie sich mangels jedes anderswohin lockenden Tatbestandes jedes leeren Streites um Ansichten begeben und mit geduldiger vra!t an ihre ursprüngliche', gegen alle Anfeindungen stets siegreich gewesene Aufgabe machen wollen. Im AMERICAN 1SRAELITE in Cincinnati ist dem Baseler Kongress ein kurzer, aber sehr entschiedener Aufsatz gewidmet, in welchen! über die Ablehnung des Uganda- Projektes gesagt wird: ..Ein Ding ist sicher. Ostafrika ist nicht mehr Zionismus, ebensowenig wie es Amerika sein würde. Der Kongress hat weise gehandelt, das Anerbieten nicht anzunehmen, denn das angebotene Gebiet ist nach dem einstimmigen Urteile der Kommission nicht zu einer Siedlung geeignet und es wäre nutzlose Eucrgieverschwendung. ein Projekt zu beginnen, das so ungünstige Aussichten bietet.” fn der JÜDISCHEN VOLKSSTIMME propagiert Herr N. Syrkin unter dem Namen des sozialistischen Zionismus den Territorialismus. Den bisherigen Zionismus nennt er den der Kleinbourgeoisic, Herz! u!k! Pinsker ..Ideologen“. Beachtenswert sind folgende Sätze: ..In der Klelnbourgeosie ist das Ideal des jüdischen Genieinwcsciis zu einem Streben nach der Wiederherstellung des alten Judentums in dem Lande der Väter" entwürdigt wurden.”- ״Nach dem Muster der Radau-Antisemiten überschäumten auch die Z i o n i s t e n von schmutzigen Huldigungstelcgrammcn. Adressen und patriotischen Kundgebungen allen ״Mächtigen“ der Welt gegenüber, vom Deutschen Kaiser, in dessen Lande die Juden wie Bürger zweiter und dritter Klasse behandelt werden, bis zun! König von Spanien, jenem Sprössling Ferdinands und Isabellas. der in Ermangelung von Juden den spanischen Freiheitskämpfern ein permanentes Kischinew׳ und Schitomir anriclitct“ — — — ״Nch verschweigt und fürchtet die jüdische Bourgcosic und der reaktionäre! Zionismus die Existenz des sozialistischen Zionismus, wie zur Zeit der Uranfänge des Christentums die hellenisierten jüdischen Aristokraten Josephus Flavius und Philo, die Existenz und das Wesen der kommunistischen Essäer vor der zivilisierten Welt zu verheimlichen suchten. Aber so wie aus der armen kommunistischen Gemeinde Galiläas der Erloser der Menschheit hervorgegangen ist, so liegt auch in den Proletarischen Gemeinden des Ostens und der Ghettl der europäischen Grosstädte die Zukunft und die Erlösung der Judenlieit geborgen. 5Fi Sprechsaal r־F FOr die Mitteilungen an dieser Steile, übernimmt die Redaktion nur die pressgesetillchc Verantwortlichkeit - ■ — . . - am 1. El!״!. _ Sehr geehrter Herr דז״ד־י aus Hamburg! Für Ihre sehr interessante Ergänzung des Hamburger offiziellen Berichtes sei Ihnen gedankt. Es iiegt im allgemeinen zionistischen Interesse. wer.;1 ich Sie auf folgendes aufmerksam mache: Es ist unzulässig, dass die Ortsgruppe ein Verband wird, wie nach Ihrer Angabe vom Vorstandstisch aus verkündet wurde. Die Ortsgruppe als solche hat nichts mit dem Unding des ..politischen Verbandes" noch mit sonst einer Fraktion zu tun. Sie hat die Zionisten aller Schattierungen zu umfassen. Protestieren Sie dagegen beim Zentralbureau. Treten Sie keinesfalls aus der Ortsgruppe aus. Innerhalb der Ortsgruppe propagieren Sie Ihre Ideen und sorgen für einen Vorstand, der die offiziellen Anschauungen vertritt. Ihr jetzt so oppositionellcr Vorsitzender war es, der vor gar nicht langer Zeit in einer anderen deutschen Ortsgruppe den Versuch machte, deren Vorsitzenden hinauszugraulen. weil dieser damals bei weitem nicht so oppositionell war wie heute Ihr Vorsitzender, und es fehlte nicht viel, so hätte er damals durch sein Vorgehen die Sprengung jener Gruppe IierbeigciührL alles im Interesse des offiziellen Zionismus. Treiben Sie keine Obstruktion, wie es die Freunde Ihres Vorsitzenden, die Herren Dr. Citron und Dr. Jeremias, hei der General-Versammlung der Ko’j>nia!bank taten. Sie haben loyale Mittel gej'ug zur Verfügung. Um! dann fragen Sie Ihren Vorsitzenden, ob er sich erinnert einmal diese Zeilen geschrieben zu haben: ״Mehr wie je ist mir durch die Ereignisse der letzten Wochen % . . klar geworden, dass wir westeuropäischen Juda! Opfer zu bringen haben, üiq in erster Linie geistiger Art sind: Wir müssen uns untcrordnen und. was uns als Fehler erscheint, nicht, wenn er gemacht ist. als solchen hervorsuchen .... Wir haben das geduldige Zuwarten, das Vertrauen ln die langsam-organische Entwicklung der Dinge im Drange des Nomadenlebens verlernt. Selbstcntüusserune tut uns not. militärisch.-• Zucht, bedingungslose Hingabe.“ Das schrieb Ihr Vorsitzender allerdings schon vor längererZeit. aber ich wusste bisher nicht, dass er. der sonst so konservative, sich inzwischen in anderer Richtung fortentwickelt hat. Eins könnte höchstens der Fall sein: Und der König absolut, wenn er unseren Willen tut. Ben-cherus. -׳ — Nationalfond —. Sammlungen tür den Nadonattand und ander« zionistische Zwecke sind lediglich zu senden an den Schatzmeister des Zentraibureaus, Herrn M«x Wollstelner, Berlin NW. *j, Holsteiner Ufer 10. .. - L. Moritz, Breslau, Lebewohl an A. S. W i n t e r , Halberstadt. 0,50 Mk. Anlässlich des Jahrzcittages von J. J. H o r n, Breslau 10,— t Tina Loebmann, Zabrze, gratuliert ihrer 1. Kusine A mall * zucn Geburtstage, desgleichen Vetter Max Schönfeld. Frau Tiida, aus der gleichen Veranlassung . . 0,50 I