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Jüdische Rundschau · 1905-09-01 · Heft 35 (1.9.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 446 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 35 folgungen gegen die Juden für immer aufhören. Amerika hat Sich bereits geweigert. Russland Geld zu leihen, und zwar wegen der unerhörten und grausamen Gemetzel in Kischinew und Shitomir und wegen der 650 Strafgesetze, die speziell gegen de Juden gerechte» sind. — Daran! setzte Herr Witte die Gründe auseinander, welche ihn verhinderten, die Ernanzipation der Juden zu dersell׳en Zeit durchzusetzen, als er den Sektierern und Ketzern Erleichterung, letzte Ostern verschaffte. Die Behörden würden damals keine Rctormmassrcgehi. die Juden betreffend, ratifiziert haben. Darum verwies er de Frage an die Repräsentativversammhmg, die noch in diesen! Jahre zusammentreten wird. Präsident Rnosevclts Interesse an der Konferenz zwischen Herrn Witte und den jüdischen Repräs.utanten ist sehr gross. -- Fs wird in Oyster-Ba geglaubt, dass auch dfe Frage einer Anleihe in der Konferenz berührt wurde-, Frömmigkeit ist das nicht New-York, 10. August. Infolge des Streiks der j ü d i ־ sehen Bäcker im Ostvierte• kostet das Pfund Brot dort jetzt 16 Cents und dürfte weiter auf 20 Cents steigen. Dm WORLD erklärt, 75 pCt. der ausständigen Bäcker litten all der Schwindsucht, die sie sich durch die ununterbrochene Einpferchung in den schrecklichen Kellerwerkstätten wCi-zogen haben. Leute, die nicht daran gewohnt seien, könnten es m dem Schmutz und Dunst dieser Atmosphäre nicht eine Stunde lang aushalten. Die ebenfalls jüdischen Arbeitgeber habendes bisher durch ihren religiösen und politischen Einfluss zusfhnde gebracht, die Gesundheitsbehörden zu Initergehen. Die Arbeit* geber liessen heute Gebete abh alten, um die Ausständigen zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. — Eine Lohnerhöhung wäre besser am Platze gewesen, als diese ge* schmacklose proianation. Rundschau der Presse DIL WELT enthält m No. 33 die Mitteilung ihres langjährgen Redakteurs Julius Uprimnj׳, dass er mit der Leitung des Blattes betraut worden ist. Wir wünschen dem tiichEgen. in! Dienste der zionistischen Pubüz’tät erprobten Kollegen dass ihm aus seiner Tätigkeit volle Befriedimmg erwachse:! möchte, und wir sind überzeugt dass DIE WELT unter seiner Leitung' s'cli zu ihrem und zum Vorteil unserer Bewegung weiter entwickeln wird. - Aus einem Artikel IJpriinnys .,Das Urteil" zitieren wir folgende Steilen: ״Man will uns durchaus keine Zelt lassen für unsere historische Aufgabe, zu der wir —* ohne Absicht auf einen kriegerischen Endeffekt — von den Hellenen und noch vielen anderen Völkern ermuntert worden sind. Heisst es nicht ganz einfach angesichts des historischen Sch. cksals viel schwächerer Völker als wir es sind, der Wahrheit ehrlos ns Gesicht schlagen, wenn man den Zionismus eine Utopie nennt? Auf der flachen Hand, mit der wir angefangen haben, <"st uns schon manches Kornfeld gewachsen, wenn cs auch zum Erntetest des ganzen Volkes noch geraume Zeit braucht. Aber mit Bienenfleiss mit glühender Liebe für unser Volk, mit bpd ngungsloser .Ergebung an Moral und Recht arbeiten wir auf unsere ’ historischen Ziele unentwegt hin. Sollte man nicht glauben, dass man uns. den Freiheitskämpfern, überallher unter die Atme greift? Statt dessen trüben gewissenlose Individuen das Fahrwasser des Zionismus und stemmen ihre Schultern gegen die Hoffnung eines ganzen Volkes. Eine» ganzen Volkes — auch wem! politische Rechen- Künstler mit Zahlen jonglieren, um uns das Gegenteil zu beweisen. Denn die Kinder zählen doch wohl '•!1 einer poltisehen Bewegung nicht mit und die Frauen der Zahl nach nur wenig. Von den ührigblcibenden Männern aber haben wir einen so starken Bruchteil dass wir wonl behaupten körnten, in unseren Reihen fast alles zu haben was Im Judentum noch denkt und lebt. Gewisse tcluahmslnsc Schichten gibt es in jedem Volke, dfe für keinen Herold zu halxai. die vom Alltag allzustark befangen und nur fiir Erfolge, nicht für Mitarbeit zu haben sind. Ist es nun wahr, dass Arbeit und Erfolge durch den letzten Kongress in Frage gestellt wurden? Das gerade Gegenteil st richtig. Wohl war der Kongress unruhig, ja stiiimisch. Es •laßen ihm aber auch gewaltige Fragen vor. gewichtige. Erregung tragende Probleme, bei denen eine schläfrige Uebercinstmmiung nicht möglich war. Kein Parlament der Welt hätte relativ so schwere Fragen in kühler Vornehmheit erledigt. Wohl hat de Oppositioa die zulassgc Grenze einmal; überschritten: aber schon am nächsten Tage kam die Form wieder zu Recht und als nach all den bewegten Stunden Woltfsohn sich zur Schlussrede erhob, da lauschten all die Vertreter unseres Volkes in altherkömmlicher, feierlicher Kongresstimmung. der Stimmung, die dem Bcwusstsen unserer hohen Aufgaben entspringt.". ..Wir wissen sehr gut. dass c'nc bloss ergebene, aber passive Gefolgschaft •wertlos bleibt, dass unser Fleiss immer gespannt bleiben muss. Die Kommissionen, denen eine bestimmte Arbet ii'ir die Zukunft /.»geteilt wurde, werden sich wohl in ganz kurzer Zeit mit ihren Forderungen au die Ortsgruppen wenden. Das nationale Bewusstsein unserer Umgcbuug. der Aufklärungsdiensl für die Oeffcutlichkeit und vor allem unsere natonalen Fonds bedürfen steter Fürsorge. Für den Rückgang des Zionismus ist wohl yichts zu fürchten, denn wer enmal in ihm und durch ihn das innere Gleichgewicht gefunden hat. geht nicht mehr verloren. Aber der schnellere oder langsamere Fortschritt hängt von der grösseren oder kleineren Menge der Teilchen'ab. die dir einzelne Zonist zum Wegbau unsere* Freiheit herbeibringt. ~ Wir werden weiter arbeiten mit der zähen Entschlossenheit, We'cbe <K Grösse unserer Sache erfordert. Zeigen wir tmseiei: schwatzen Propheten weiter den luteren Irrtum ihres Urteils, zeigen w;r •ihnen. dass sieh nach wie vor beim Anruf der Leitung in allen Erdteilen Männer zur Vollstreckung erheben werden. Nach dem Sabbatkongress wird mit voller Kraft in die Arbeitswoche geschritten — der Sabbat der iiidtsehen Freiheit wird folgen." ' In c'nem Brief an den Herausgeber des JEWISH CHRON'ICLE erinnert Jerome Jacobs an die Rede, die Zaugwil! :m Jahre 1904 auf dem grossen Schekeltage gehalten hat und in der cs liiess: .,Was •mmtr der nächste Kongross besclikcsst c in wahrer Vcrr ä t e־r »v i r d der sein, d c r d i cse u ,jesc hluss ni.cht Io v a 1 a k z e p - t i e r t und mit Herz und Seele mit der Majoritat zusammen arbeitet." Jacobs zitiert daun noch aus einer vor einigen Wochen gehaltenen Rede Zangwvlis in: JewtslrWorking Meifs Club den folgenden Satz: ..Was n<>u!1t. ist. dass die Minorität sieh vor der Majorität beugt: das ist Frieden." Jacobs spricht schliesslich die Hofimmg aus. dass ZangwGl seinen Standpunkt aufgebe!! s:ch der Majoritätsauffassung fügen und wieder ..der Zangwill der vorostafrikanischeu Periode" sein werde. Sprechsaal —11 1ן״׳ e־*« Lfci er Für die /'itteitun^ch an dieser Sielie übernimmt die Redaktion nur die press^esculiche VeranororUlchkeit. fiambu rg. den 25. Am»*- 1905. Am gestrigen Abend hielt unsere Hamburg-AUonaer Ortsnruppe eine Versammlung ab. mit der Tagesordnung: Berichterstattung vorn VII. Kongress. Unter anderen Referenten schilderte der Vorsitzende mit sichtlicher Begeisterung und eindrucksvoll die augenblickliche lg,ge des Zionismus im allgemeinen und trat der ocss'm'siiSvhen Auffassung, als sei der Zionismus ’dem Untergang nahe, entschieden entgegen. Aut das eigentliche Thema Übergehend, tadelte Redner mit scharfen Worten den Kougressbeschluss und von Worten, wie: Diktator. Knebelung und Ucberrumpe lunc der Minorität. Intoleranz u. dg!, regnete es so förmlich. Nebenbei wurde auch der Versuch gemacht, die engeren Gesinnungsgenossen, welche wüste Obstrukt'on trieben, von den Rockschössen abzuschiittcln mit der Motivierung: D esc seien eben nur ..Russen", denen zu Hause der Mund geschlossen sei und die auf dem Kongress, w o sie sich heimisch und frei fühlten, die ungewohnte Freiheit missbrauchten. Nun sollte man meinen, dass die Herren nun ze gen würden, wfe ״deutsche“ Bescheidenheit aussehe und was man unter Toleranz und Rücksichtnahme auf die Minderheit zu verstehen habe. Ja. Bauer, das ist was anderes. Auf dem Kongress glänzte man allerdings vielleicht durch ..bescheidene" Schweigsamkeit, aber, wo nicht zu befürchten ist, eine imposante Mehrheit gegen sieh zu haben, fühlt sich mancher als Allcinscligmacher und einzigen Retter des Judentums. In Anbetracht der vuentigen Niederlage in Basel allerdings etwas wutidcriich. Aber diese vermutlich von Posen her importierte Methode (;st doch Posen nie nt weit von Russland) ging noch viel weiter: Es wurde vom Vorstände eine Resolution eingebracht, «n der nicht nur gegen den Besenluss des Kong;esscs Stellmu,׳ genommen, sondern gleichzeitig die Ortsgruppe zu einer Oppositionspartei offiziell proklamiert wurde. Diese Resolution wurde von allen Anwesenden (etwa ein Drittel oder etwas mehr der gesamten Mitgliedcrzahl) gegen acht Stimmen angenommen. Wo bleibt da die Rücksichtnahme auf die Minderheit? Diejenigen Mitglieder, die aus ehrbcher Ucberzeugung hegeisterte Verfechter des Kongressbcschlusses sind und keine Oppositionspolibik treiben wollen, s'nd naturgemäss aus der

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