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Jüdische Rundschau · 1905-09-01 · Heft 35 (1.9.1905) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 441 No. 35 denn wo immer man überhaupt 'lausende von Juden Rcrncin• schaftlich hinbringt, da ist die Gefahr des Absp'itterns nicht so gross ,wie sic in den Westeuropa sehen Ländern seit über hundert Jahren berc ts ist. Jedenfalls aber hat mit einer Hills aktion der territoriale Teil unseres Prog'ramms mehr zu tun, und er gehört dem Weset! der Sache nach eher dazu, als der politische. Denn die selbst freiesten Juden des Ouasso Ngischu-Platcaus sind in jedem Falle für unser Zcl weit weniger wertvoll als die unter englischer, ägyptischer oder türkischer Herrschaft stehenden Juden irgend e'ites Nachbarlandes von Palästina. Der ganze w rre Knäuül dieser Fragen löst sich aber sofort wem man einmal׳' eine präzise Scheidung fordert zwischen augtui/ick teilen 11 i i f s a k t i o 11 e!! und Mitteln zur Erreichung unseres /.des. Mener Meinung nach sollen bei erstuen w-uh! cventucH zionistische Gesichtspunkte berücksichtigt, nicht aber nationalpolitische Forderungen gestellt werden. Dieses niessc nichts anderes, als sich selbst einen Knüppel zwischen die Bef ne zu schleudern. Und ausserdem wäre es verwertlieh, den Hungernden warten zu lassen, bis Forderungen erfüllt sind, an denen dun vielleicht momentaii blutwenig gelegen »st. — Handelt es sich dagegen um Mittel zur Erreichung unseres Zieles, so dürfen wir in ihrer Durchführung nicht behindert sein durch de Rücksicht aui die .,üegemvartsarbeit für die jüdische Massennot". Diese Aktionen haben e neu grundverschiedenen Charakter und sind deshalb auch in praxi streng zu trennen. Durch ihre Verknüpfung ist die ganze heutige Verwirrung entstanden. Und es will nicht scheinen, dass der skizzierte Standpunkt, zunächst einmal negativ, dem politischen Zionismus näher stehe als die Verquickung von zionisti- Seher Palästina-Politik mit noch so ״autonomen“ Judensiedeluugen in Afrika, Australien oder einem neu zu entdeckenden Erdteil. W'.ie aber Abhilfe der Judeunot durch Errichtung jüdischer Siedelungen — ohne das erschwerende und in diesem Falle weniger wichtige Anhängsel der .,Autonomie‘‘-Forderung. deren Gewährung übrigens in gleicher Weise wie bei dem Uganda- Angebot in jedem englischen Territorium selbstverständlich wäre! — w־lc das mit dem politischen Zionismus in Zusammenhang gebracht werde« könnte: diese Frage hat der VII. Kongress beantwortet, ohne dass merkwürdigerweise gerade die davon Notiz nehmen w01׳lene. die dem Tcrritorialismus — so oder so — anhüngcn, und die darin, wenn s:c nur Zionisten sind, eigentlich d׳ic Antwort auf ihre Forderungen scheu sollten. Ich meine die Anerkennung der Einbeziehung der nächsten Nachbarländer Palästinas in den zionistischen Begriff ״Palästina“* was zweifelsohne in jeder Hinsicht zulässig und gerechtfertigt war. Einen Territoriaäismus, der sich nach dieser Richtung tvn programmatisch festlegen würde — also irn Sinne der Konzentration des Jüdischen Volkes in Palästina — könnten wir vielleicht als ein Mittel zur Erreichung unseres Zieles anerkennen. Und es wäre damit huch den einstweilen zu sehr platonischen Palästina- Beteuerungen der Tcrrftoriatisten aller Schattierungen eine reale Basis gegeben, zu der man einigermassen Vertrauen haben könnte. Denn was wir unbedingt und in jedem Falle — in welcher Nuance immer es sich äussern mag — bekämpfen müssen, das ist der Irgendwo-Tcrritoriaiisinus, für dessen Anhänger Heinrieh L o c w e die treffende Bezeichnung ״Landsuche r“ gefunden hat Land zu suchen haben wir nicht nötig — wir müssen nuT das Land durch unsere Arbeit erwerben, das war haben. Julius Bickcr. Der achte Kongress . Neu, es ist kein Druckfehler. Wir handeln heute hier über den achten Kongress. Wir wollen absichtlich den Blick voa der Vergangenheit mit ihren Schattenseiten zum Lichte der Zukunft wenden. Und wir glauben an den achten Kongress, und noch an eine unendlich lange Reihe von späteren Kongressen, die sich ihm anschbesscn werden, bis endlich der Kongress im Parlament endigt, das nirgends anders als in Jerusalem tagen wird. Ja, wir glauben an den achten Kongress, der einheitlicher und erfreulicher sein wird, als der siebente, ohglq'ch sogar eine Person es gewagt hat, das Andenken unseres Merzfi zu beschimpfen, Inden! er ihm In den Mund die Acusscrung legte, er glaube, dass der siebente Kongress auch der letzte sein würde. Dieser •Sagrnbildting, die uns das Andenken an die schönste Lichtrestalt des wiedererwacher.den Judentums verunreinigen soll, müssen wir von vornheren mit allem Nachdruck entgegentreten. Der achte Kongress wiru tagen wie der siebente im Sinne Herzls und Zions. Denn Her/.I und Zion sind und bleiben in alle Ewigkeiten untrennbar verbunden. Also was kann der achte Kongress uns bringen? Er wird uns das bringen. wras wir bis dahin säen und pflanzen: Wenn wir w'eiter die Eigenbrödelei und die Fraktiönchenbikiung pflegen, so wird er uns ein Stück weiter zurück in der Entwicklung bringen, und wird ums ein gutes Stück vorwärts schaffen, wenn w,r inzwischen den Gemeingeist pflegen und das Trennende nach Möglichkeit unterdrücken. Dazu gehört ireilich. dass wir nicht alle grade in der Leitung sein müssen und es vertragen lernen, uns auch leiten zu lassen. Es kann ja nicht jeder im Zentralkommitee oder gar im Aktions־ komitee sitzen, und wir haben das Vertrauen zu den Männern, de der Kongress in die Leitung berief als. Grosses und als Engeres Aktionskomitee, dass sic nn Sinne der Einigkeit nac!1 innen und aussen gemeinsam tätig sein werden. Was der neue Führer in diesem Sinne will, wissen wir bere ts aus seinem eigenen Munde. Aber wir ireucn uns, dass sogar in der engsten Leitung der Partei zwei Männer neben und miteinander stehen, deren gegensätzliche Anschauungen von der Taktik der Partei sie iveht hindern, Hand in Hand zum Wohlc der Nation einheitlieh zu arbeiten. Der erste — das versteht ein jeder — ist unser Greenberg. Das ist der Mann, den sich Herz! zur Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten mit gutem Blick ersehen hatte, ein Mann, dessen ganze Grösse man verstent, wenn man steh vergegenwärtigt, dass er der einzige auf dem Kongress war. der sich gern einer anders stimmenden Majoritat unterwarf und dadurch zeigte, dass er freilich imstande ist zu leiten. Dam an ihm bewährte sich das Lykurgischc Gesetz, dass wer befehlen wolle, erst einmal gelernt haben müsse, sich unterzuordnen. Ein weises Wort, dessen tiefen Sinn wT jetzt täglich Gelegenneit haben immer aufs neue zu bewundern.- Der andere ist sein Widerpart Ussischkin, der seit, zwanzig Jahren immer in der vordersten Reihe der zionistischen Kämpfer stand, der Mann, dessen eiserne Energie zur politiselten Besonnenheit und Klugheit Grecnbergs gepaart, dem Zionismus noch unendlich viel leisten wird. Es wird viel von einem Druck gesprochen, der auf den Kongress ausgeübt worden sc:. Ein solcher Druck Ist tat* sächlich von einer kleinen Gruppe gegenüber der Lammes• geduld der ungeheuren Mehrheit und des Präsidiums geübt, die vor dem Kongress ilui durch antizionistische Sozialdemokratische Umzüge blamierte und den Kongress sprengen zu wollen versprach, wenn er gegen sie beschlossen sollte. Hierbei hat Ussischkin zu einem Teil das wieder gut gemacht, w׳as er durch seinen grossen und immer unverzeihlichen Fehler verschuldet hatte. Sein unentschuldbares Vergehen war cs, dass er als treuer Zionist sich dem gütigen Beschlussdes 6. Kongresses widersetzt hat. Er hat es zum teil wieder dadurch wett gemacht, dass er auf alle die von sozialistischer

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