Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 41& JÜDISCH2 RUNDSCHAU No. 33 Gesetz? Der Advokat Blumetithal setzte im Namen Zenkers auseinander, dass nach der rumänischen Verfassung von 1866. die nach dem Berliner Vertrag im Jahre 1878 modifiziert wurde, de Israeliten in Rumänien als Ausländer gelten. Ihre persöitliehen Verhältnisse werden also n i c 111 geregelt durch das rumänische bürgerliche Gesetzbuch. Da sie aber keine andere N a t i o n a l i t ä t haben, so fallen sic 11 o t g c ־ druiigen unter das talmudisclic Gesetz, ganz genau wie zu der Zeit, als Rumänien noch einen Bestandteil des türkischen Reiches bildete. De erste Zivilgerichtskanuner sch I o s s sich diesen! Standpunkt an und erkannte, dass die Ehescheidung des Herrn Zenker als in Frankreien giltig angesehen werden müsse. — Es gibt kaum sobald ein Bildchen aus dem Leben, durch das die Lage der Juden so illustriert würde wie durch dieses. Hoffentlich ist die Zeit nicht allzu lern, wo die Juden nicht deshalb nach jüdischem Recht beurteilt werden. weil sie keine andere Nationalität haben, sondern positiv deshalb, weil sie eben jüdischer Nationalität sind. Des Dreschgrafen Knüttel-Attacke Die berühmte Rcitcrattackc des Grafen P ii c k I c r auf eine Dampfmaschine auf dem Vorwerk Kropusch der Guts- Herrschaft Schönau war kürzlich Gegenstand der Verhandlung vor der Glogaucr Strafkammer. Graf Puckler, der mit seiner ..K I e i n * T s c h i r n e r Reiterbrigade“ manchen tollen Ritt in der Umgebung seines Herrensitzes vollnihrt hat. kam mit seinen ״Mannen" zu jener Zeit in die Näne einer Scheuer, d'c zu obengenanntem Dominium gehörte. Da er von dort aus Rauch aufsteigeu sah. so schickte er eine Patrouille ab. um diese verdächtige Erscheinung zu rekognoszieren. Es stellte sich heraus, dass der Rauch von einer Dampfdresduuaschiue ausging, an der unter Aufsicht des Vogtes Pauii mehrere Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt waren. Das Auftaucnen der Piicklersclien Patrouille rief unter diesen eine lebhafte Panik hervor. Die Leute flüchteten sich vor dem Angriff unter die Maschine, und nur Vogt Pauli iand den Mut, sich den Scherz auf das entschiedenste zu verbitten. Er hatte dabei aber die Rechnung ohne den Herrn Grafen gemacht, der inzwischen selbe!* herangesprengt kam und nunmehr den ״verwegenen" Vogt persönlich angriff. indem er gleichzeitig dessen Unwürdigkeit durch eine Reihe nicht misszuverstehender landwirtschaftlicher KraÜausdriicke näher illustrierte. Auch dem Vogt Pauli blieb schliesslich nichts übrig, als sich unter die Dampfdrcsciunaschinc zu retten. Graf Piickler zog nun zwar mit seinem Heerbann ab, am I. Oktober aber liess er durch eine neue Patrouille den Vogt Pauli suchen, als diese! im Felde eine Reihe von Arbeiter tuten beim Kartofrelgrabei! beaufsichtigte. Mit .,Hurra“ ging man zum Angriff über, allen voran mit geschwungenem Knüttel Graf Pückler. Zwar suchte sich der ahnungslos Uebcrfallcnc mit einer Kartoffelhackc zu wehren, er musste aber schliesslich hinter einen Kartoffelwagen flüchten, wobei er we'terlun in arge Bedrängnis geriet, so dass ihm die Mütze vom Kopfe geschlagen wurde. Die beschäftigten Arbeiterinnen wurden durch den unerwarteten Ucbertal) derart in Schrecken versetzt, dass eine der Frauen in Krämpfe verfiel. Für diese Heldentaten wurde Piickler zu 85»» Mark Geldstrafe verurteilt. — Der edle germanische Graf kämpfte also mit der ihm eigenen edlen Waffe, dem Knüttel, nicht nur gegen Juden und Judengenossen. sondern auch gegen seine deutschen Volksgenossen. Wenn er das noch lange treibt, dürften ihm die Scherze doch bald einmal gelegt werden — er soll also lieber bei dem Verdreschen der Juden bleiben. Die Bevölkerung Russlands Angesichts der gegenwärtigen Lage Russlands und des speziellen Interesses, das wir Juden durch die in diesem Lande schmachtende Hälfte unseres Volkes an Russland haben müssen, ist eine Zusammenstellung der iranzösschoii Zeit- Schrift MOUVEMENT GEOGRAPHIQUE interessant, der wir das folgende entnehmen: In völkerkundlicher Hinsicht gebührt dem russischen Reich die Eigenschaft, das bunteste und in seiner verschiedenartigen Herkunft interessanteste Völkergemiscl. zu enthalten. Russland hatte bei der letzten Zählung 125 640021 Einwohner. Obenan stellen au Zahl die eigentliehen Russen mit 83 933 567, die bekantlich aber auch noch in Gross- und Klein russland. in Weis s- und R o t russland unterschieden werden. Dann kommen an zweiter Stelle die Polen mit 7 931 307 Seelen, an dritter die Juden mit 5 063156. Erhebliche Teile der Bevölkerung stellen ausserdem noch dar die Kirgigen und Kasaken mit 4 081139־. die Tataren mit 3737 027, Deutsche mit 1 790 489, die Baschkiren, Tegtjahren mit 143S136. die Letten mit 1435 937. Georgier. Immeretier und Mingrelicr mt 1 336 448. Littauer mit 1210510, Armenier mit II73 0S6, Moldavier und Rumänen mit 1 121669, Morduantcn mit 1 023 841 und Esten mit 1 002 738. Mit geringeren Zh'i'ern. unter einer Million, tre• teil hinzu die Sarten mit 968 655. die Chuwaschen mit 843 755. die Tschetschenscu mit 819 576. die Karakirg sei! mit 802 S07. die Usbeken mit 727 034. die Kalmücke:! und Buriütcn mit 469 311, die Scl.nuiden mit 448 022, die Tatetea u!1J Tadschiks mit 445 453. die Wotjakcn nit 420 970. die Tselteremisscu mit 375 439, die Finnen und KorcleiL_ »nit 351 169. _die Turkmenen mit 281 357, die Kurden und Osseten mit 271665. die Sirjancn und Peruijaken mit 258 309. de Jakuten mit 227 384, Türken mit 208822. (!riechen mit ISO 925. _ Bulgaren mit 172 72(). die Kabardiner und Abcliasier mit 170 572. die Kumiks und Nogais mit 147 488. endl ch 66270 Turguseii und 50 385 Böhmen. Das ergibt 48 einzelne Volksstämme, wozu noch 632 667 Vertreter verschiedener ganz kleiner Völkerschaften treten, deren besondere Aufzählung nicht lohnt. Man ersieht aus dieser Uebersioht, welch schwierige Aufgaben die Eutwir* rung der russischen Völkerkunde der \\ isscnschaft noch vorbehält, denn selbstverständlich ist die Abstammung der einzclnen Stämme und ihre etwaige Verwandtschaft untereinander mich weitaus nicht genügend erforscht. Uebrigcns cnvullcii von jener Gesamtzahl von J25'A Millionen fast /׳, genauer. 97 Millionen auf d e ländliche Bevölkerung, 14 Millionen sind städtische ״Bürger“. 1220!69 gehören zum erblichen Adel. 040 »>00 sind Beamte. 589 000 Ackerbürger. 640 000 Geistliche. 282 000 Handelsleute, 605 50!» Fremde. Nur ein Drittel der eigentlichen russischen ״Bürger" können ihren Namen schreihon (!). kaum c'n Zehntel der eigentlichen russischen!־rauet! können lesen, aber, fügt der Bericht hi!zu. alle können trinken. ״Eisik Scheftel“ Eine Auiiührung dieses jüd sehen Arbeiter-Dramas vor. David Pinski findet (in iüdisch-doutschcr :spräche) am Sonntag, dem 20. August, in der ״Berliner Ressource". Kemmandantenstr. 57. stau. Da das Werk durch d e im .lud.- sehen Verlage erschienene übertcagmig Martin B u b c r s auch den deutschen Juden zugänglich geworden ist dürfte das .Interesse an der Aufführung um so grösser sein. Karten a I, 2. 3 und 5 Mark sind im Vorverkauf bei den im Inserat 15czeichneten Stellen zu haben. — W ir können den J'esuch der Vorstellung unseren Gesinnungsgenossen nur empfehlen. Rundschau der Presse DIE WEXT enthält in No. 32 eine M Heilung ihres leitenden Redakteurs, Dr. Siegmund Werner, dass er mit dieser Nummer seine Tätigkeit als Redakteur der WELT beende. Aus dem Rückblick auf den VII. Kongress, den Dr. Werner an leitender Steile der No. 32 veröffentlicht, geben wir iolgeade Absätze wieder, die sch an ein Resame über die vom Kongross gefassten Resolutionen anschlicssen: ״Durch diese Beschlüsse ist die zionistische Arbeit scharf umgrenzt worden. Sic sollen die Möglichkeit der ruhigen, zielbewussten Arbeit in Palästina und seinen Ncbenlütulern sichern helfen. Diese Arbeit aber kann nur von einer Organisation geleistet werd.11. deren Stabilität und Kontinuität auch durch die schwersten Unglücksfälle nicht in Präge gestellt werden darf.!Eine solche Organisation zu schaffen, war 3; > zweite grosse Aufgabe des siebenten Kongresses. Sie wurde allerdings nicht vollständig gelöst, aber wengstens in ihren Umrissen klargdegt und in ihrem momentan wichtigen, praktischen Teil auch erledigt. Freilich musste dem neugewälilten A.-K. der Auftrag erteilt werden, dem nächsten Kongress einen detaillierteren, endgültigen Entwurf vorzulegen. Durch diese Art des Vorgehens gelang es. eine Leitung zu schaffen und den Gang der Geschäfte zu sichern. Die neue Leitung, an deren Spitze unser bekannter und der zionistischen Bewegung se t ihrem Beginne treu ergebener Gesinnungsgenosse D. W o I f f s o 1111 berufen wurde, lässt in jeder Richtung das Beste erwarten. Als ir.timer Freund Herz.ls ist der neue Präsident in alle Pläne des verewigten Führers eingeweiht und durch genaue Kenntws unserer zionistischeu Institutionen auch zu einer guten Verwaltung befähigt, so dass die Übertragung der Leitung von Wien nach einer anderen Stadt nicht in dem Masse fühlbar werden dürfte, die mau sonst besorgen musste. Dass sieh die neue I.etung ihrer grossen Verantwortung wollt bewusst ist. erhellt aus den ernsten, würdigen Abscbiedsworten. mit denen der Kongress geschlossen wurde. Die Anordnungen der neuen Leitung gehen vorläufig dahin, dass bis zur endgültigen Bestimmung der Stadt, in welcher sie ihren stäruEgcn Wohnsitz und ihr Bureau haben wird, die rein a d m i 11 i s t r a t i v e n Agenden wie bisher von den vier Wiener A.-K.-Mitgliedcr!1 geführt werden, denen der Kongress durch die einstimmige, stürmisch akklanüerte Wahl in das grosse A.-K. seinen Dank und sein Vertrauen votiert