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Jüdische Rundschau · 1905-08-18 · Heft 33 (18.8.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kongress heiingekehrten Delegierten fällt für die kommende Zeit eine Aufgabe von schwerer Verantwortung zu, über deren Tragweite jeder, auf dem sie ruht, sicli sorgsam klar werden möge: cs gilt, eine Verwirrung in) den eigenen Reihen zu klären, wie sie bisher nie bei uns geherrscht hat. Eine winzige K!o!!kressgruppe, die v 0!1 vornherein mit der unverhohlenen Absicht umging, den Kongress zu terrorisieren oder ihn zu sprengen, hat es — versteht sich: gegen ihren Willen — zuwege gebraent, sehr verschiedenartig ׳differenzierte andere Gruppen zu einem Block zusammenzuschweissen und es selbst denen, die sich diesem Block nicht anschlicssen konnten, unmöglich zu machen, eine scharfe Opposition gegen die Majoritätsparteien zu treiben. Aus dieser eigenartigen Konstellation heraus, die man .sich recht gut klar machen möge, sinkl die Kongress- Beschlüsse, ist der äussere Verlauf dieses Kongresses zu erklären. Es kamt dem objektiven Beurteiler der Sachlage, der Gewissheit über die tatsächlichen Verhälfenisse der Bewegung und nicht angenehme Selbsttäuschung sucht, n ich äs daran gejegen sein, zu verschweigen, dass bei einem normalen Lauf der Dinge wohl dem Wesen nach dieselben Beschlüsse mit recht erheblieber Majorität gefasst worden wären', dass aber eine ansehnliche — der Zahl wie der Bedeutung nach aiiselmliehe — Minorität deutlich in die Erscheinung getreten wäre״ die ihren von 'den angenommenen Resolutionen abweichende Standpunkt in aller Schärfe, aber in vollster Loyalität gekennzeichnet und bei Abstimmungen zur Geltung gebracht hätte. Man hätte dann hach dem Kongress ein klares Bild von den verschiedenen Anschau־ iiiigen iitierhalb der Bewegung und der ungefähren Stärke ihrer Bekenner gehabt. Die herzlich ungeschickte und politisch ־— seien wir milde — tölpelhafte Haltung jener Syrkinschcn Gruppe, die im Bewusstsein der Schwäche von aclituhdzwanzig noch so kräftigen Lungen sich ans den ärgsten Feinden des Zionismus einen Sukkurs auf die Galerie gesc.tzt hatte, verhinderte diese klare Scheidung. Sic machte es allen denjenigen ihrer eigensten Gesinnungsgervossen, die nur erst einmal Zionisten waren and einigen parlamentarischen Ansta.'id besassen. zur Umöglichkeit, ihre׳.! Protest gegen irgend etwas deutlich vorzubringen. In dem wüsten Geschrei und Gejohle einer Gruppe, die nur dem Namen nach zionistisch und auch in Wirklichkeit nicht sozialistisch ist, wurde die Einigkeit aller derer, denen ain der Erlialtung der Organisation lag, wie im Feuer gehärtet. Und nachdem sie alle Rücksichtnahme durch immer masslosere Forderungen verscherzt hatte, die immer deutlieber die terroristische Absicht erkennen Hessen. hatte diese Gruppe selbst die eiserne Energie geschmiedet, die schliesslicli ohnegrosse Anstrengung sie niederzwang, und die — wenn sie vornherein zur* Anwehuung gekommen wäre — .dein Kongresse die Szenen erspart hätte, die ihm nun zu einer peinlichen Berühmtheit verhelfen haben. Aus dieser Situations-Zeichnung, der niemand die objektive Richtigkeit wird abstreiten können, erhellen bereits zwei für die Beurteilung des VII. Kongresses und selber Folgen sehr wichtige Momente, die hier Letrachtet werden sollen. Vorerst das mehr äusserliche: dass der Vorwurf der parteiischen Geschäftsführung, der vielfach in der Presse von Leuten, die der Situation nicht folgen konnten, dem Präsidium gemacht wurde, absolut ungerechtfertigt ist. Nicht nur, dass einer um ein vielfaches kleineren Minorität die gleiche Zahl von Generalrednern zugestanden wurde, dass ihnen schliesslich nicht nur die gleiche sondern eine erheblich längere Redezeit gewahrt wurde, als die Majorität für sich beanspruchte — das Präsidium ist auch gegen die gröbsten Ordnungs-Störungen, die stets nur von einer kleinen — im Notfälle leicht zu beseitigenden — Zahl von Delegierten ausgingdi, überaus nachsichtig gewesen. So nachsichtig, dass mit mehr Recht der natürlich nicht ernst gemeinte Vorwurf in Basel privatim laut wurde, man wolle diesen Skandal zulasscn, um die anständige Opposition dadirch zum Schweigen zu zwingen. Wie weit die Duldung des Präsidiums ging, ersieht man am besten daraus, dass erst am Schluss des ausserordentlichen Kongresses, in der Schntag-Mittag-Sitzung, vor der Abstimmung die Drohung aus dem Munde des Präsidenten Dr. No du u fiel, die schon am ersten Tage fällig gewosen wäre: dass man nämlich der von« einer Gruppe ausgeübten Gew׳alt aucli Gewalt entgegensetzen werde. Ernster un'd sachlicher ist ein zweites Moment, wenn auch der darin zum Ausdruck kommende Vorwurf ebenso unberechtigt ist Eine Anzahl Gesinnungsgenossen glauben in der Annahme der Koiigressrcsolutionen ein Verlassen des politischen Ziönisnuis zu erblicken. t r״ I I i י * r 1 | I 1 , I י ti 1 ג י; 1 . f I * f I II f t. V

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