Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 347 No. 29 Wichtig werden in Palästina auch die K ul tu rarbei teil, vcn denen wir uns durch keine Gegenminen( niehrzuruckschreekcn lassen dürfen. So schreckhaft schon das Wort Kultur für alle die ist, die das Licht des hellen Völkertages scheuen, so mfuiscn wir doch zur Verbreitung dieses Lichts in echt jüdischem Sinne Hand ans Werk legen. Für Palästina kommen dabei hauptsüchlieh zwei GebVetc in Betracht. Das erste ist die Nationalbibliothek, über die wir Gelegenheit haben! werden, dem Kongress und der zionistischen Oeifentlichkeit noch des näheren unsere Wünsche zu unterbreitet, dann aber ganz besonders und vor allem die intensive Pflege der hebräischem Sprache. Auf diesem Gebfcte geschieht viel zu wenig. Und doch ist das Hebräische nicht nur für Palästina der Lebensnerv unseres Werddns zu einem Volke. Bei aller Hochschätzung der jüdischen Volksdialekte rnfissch wir alle unsere Energie auf den Ausbau und die Verbreitung unserer uralten Stammessprache legen1. Es wird darauf ankommeh, aus den theoretisferenden Versammlungen der Baseler Hebraisten praktische Arbeit herauszuci twl’ckeln, Vorschläge zu Lehr- und Lernbiichcrn, zu Märchenbüchern für unsere Kinder, zu hebräischen Spielen für unsere Jugen'd, zu Kihderliedem und zu Elemcntarbüchem in den historisch-kulturellen und exakten Wiscnschaiten zu •schaffen. Mab lege die erste Grundlage zu einem Wörterbuch, das dem Europäer die Handhabung der neuhebräikchen Umgangsspräche in seiner Familie ermöglicht, und man schaffe Ausdrücke für die fehlenden Begriffe und Gegenstände des täglichen Lebens in Küche und Haus, damit Kinder, die nur hebräisch als Muttersprache reden, nicht ausserhalb des palä;>tini$ehhebräischcn Milieus geistig verarmen müssen. Denn; dann würden nur die geistig ntüaderwertigen Kinder das Hebräische wirklich beibehalten. Also es harret unserer auf dem Kongress Arbeit, lauter Gegenwartsarbeit, die noch mehr Kräfte erfordert, als wir Leute unter uns haben, die über den Mangel an Gegenwartsarbeit klagen. Aber wenn wir diesen Arbeiten auch im Grossen wie im Kfcindi und Kleinsten! unverdrohen nachgehen müssen, so ׳dürfen wir nicht den Zug ins Grosse verlieren, der mit lener Hoheit zusammenhf<ngt, die Herzl so eigen war. Darum müssen wir auch unter jeder Bedingung eine grosse und freie Presse haben. Wir sind wohl kaum schlecht unterrichtet, wenn wir annehmen, dass es noch lange vor dem ersten Kongrosse Herzls Gedanke war, in grossen Hauptstädten wie Berlin und Wien wenigen? je eine grosse Tageszeituing zu haben irti dass er sich bei dem Wochenblatte nur ,deshalb beschied, weil die Mittel zu Tageblättern fehlten{. Aber in jeder solcher Hauptstadt müssen wir eine grosse .Wochenschrift haben oder schaffen, und wir müssen uns immer vor Augen halten, dass eine grosse Bewegung auch ein grosses Zentralorgali haben muss. Damm wollen wir nicht vergessen, dass DIE WELT eine Schöpfung Herzls ist, die nicht einer Laune sondern seinem weitschauenden politischen Blicke ihre Entstehung verdankt. Und wenn es Zeiten gegebeh hat, wo sie vielleicht vielen von uns zu lau untf zu schwach war, so hat das seinen Grund darin, dass Herzl schliesslich ihrer Redaktion nicht immer so nahe zu bleiben vermochte, wie er es getan hätte, wenn nicht alle Lasten der Partei ausscU'tiess־ lieh' auf ihm geruht hätten. Nur muss auch DIE WELT wieder mehr den Zug ins Grosse an nehmen als ein Erbe von Theodor Herzl. Mehr als je ist in der Partei der Geist der Fraktionjen nbd Fraktionellen an die Oberfläche gekommen. Es scheint beinahe, dass wir zu einer Zeit, wo uns der Führer fehlt, allzuviele Führer haben. Ja, gewiss, der Zug ins Grosse fehlt, der Zug zur Allgemeinheit. Jeder möchte seinen Ltjeblingsgau! reiten wie zur Parade, und nur die wenigsten merken, dass es ein Steckenpferd ist, auf dem sie einherstolzierch. Da haben wir Ugandistcn und Neinsager, Tcrritorialiste'n und Zione-Zion, Erweiterer von Palästina und Kleftikolonisatorcn. — Ja freilieh, warum soll es dehn auch nicht in einer grossen Partei Meinungsverschiedenheiten geben und Unterschie'de! Aber was uns dabei nicht fehlen dürfte, das ist eben der Zug ins Grosse, der Zug zur Allgemeinheit. Das war ja einer der ungeheuren Vorzüge Herzls, dass er alles nur von dem einen Gesichtspunkte des Gesamt volkes ansah und anfasste, dass aller kleiner und kleinlicher Fraktionen- und Fraktiönchefngeist vor ihm Halt machen musste. Von Herzl müssen wir lernen, uns gegenseitig zu dulden, zu glauben, dass auch der Gegner in der Partei von ebenso ehrlichen Absichten sich leiteji lässt, wie wir selber. Der Zug bis Grosse muss wieder kommen, der Zug zur Allgemeinheit. Hinweg mit den kleinen. Unterschieden und Streitigkeiten! Legt Hand an zum gemeinsamen Werk! Wir sind Söhne c i n e s Volkes, Kinder einer Mutter, geboren von demselben Judenvolk, aufgewachseu in derselben Judennot, und sehncri uns nach demselben Judenglück. Und wir alle weinen uni einen Vater, um unsern Fürsten Theodor Herzl. Seien wir einig im Andenken an ihn, der uns vermisch ritt im Kampfe für unser Volk. Wie er unser Vater war, wollet.* wir uns ehren, indem wir treu und wahr seme Kinder sein wollen. E f n Erbe hat er seinen Kindern hUtcrlassen, die Liebe zu seinem Volke und die Liebe zu unserm Lande: תשנה אש אשכהך ירדעלם ימיני. In diesem Sinne wollen wir ihm über das Grab hinaus folgen, wollen einig kämpfen für die Wiederher: stellurfe unseres Volkes in seinem ebenen Lande. Die Liebe zu unserer Nation(, die Arbeit für unscifi Stamm, Oer Lebens- und Sterbenskampffür unser Volk, das ist, was uns blieb als das Erb״ von Theodor Herzl. Heinrich Sachse. ו ___ Bericht des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland über das erste Geschäftsjahr vom 1. Juli 1904 bis 30. dun? 1905 Das Zentralbureau ist auf uem Hamburger Fielegiertentag vom Mai 1904 mit dem Aufträge gegründet worden, die Agitation *der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu leiten und das Kassen wesen zu verwalten. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass diese beiden Gebiete von der sonstigen inneren Verwaitung der Vereinigung nicht zu trennen sih'd. und so liegt denn auch die Ordnung der Organisation tatsächlieh in der Tätigkeit des Zentralbureaus begründet, wenn auch alle dahingehenden Anordnungen auf Be- ־Schlüssen des Zentralkomitees beruhen. Dagegen hat sich das Zentralbureau nicht mit der äusseren Politik der Vereinigung, dass heisst mit ihrer Stellungnahme gegenüber 'der Zentralleitung der Partei, gegenüber anderen zionistischen Landesorganisationen, sowie gegenüber den nichtzionistischen jüdischen und de!1 nichtjiidisehen Orgahistaionen zu beschäftigen gehabt. Ailk diese Punkte unterliegen ausschliesslich der Kompetenz des Zentralkomitees. Auch innerhalb der dem Zentralbureau somit gezogenen engen Grenzen musste seine Tätigkeit in dem nunmehr abgelaufdnen ersten Geschäftsjahr eine sehr vorsichtige seM, da ihm •53► % זד־י־ייי