Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 23 J U_p!S CHE RUNDSCH A U Seite 273 zweckmässig, dass sich die Ortsgruppen und damit die Delegierten auf bestimmte Erklärungen fcstlcgcn. Metz, 1. .«uni 1905. Im Saale des Restaurants ״Bürger- Bräu“ fand gestern abends eine Versammlung statt, zu welcher Einladungen an Ercu. dc und Anhänger der Bewegung ergangen waren. Die hiesigen Gesinnungsgenossen, Damm und Herren, waren fast vollzählig anwesend. Dr. K. Dannenberg hielt ein mit grossem Beifall angenommenes Referat üoer die Lage der Bewegung, die Kölner Konferenz, dis letzten Beschlüsse des grossen Aktions-Komitees und die Auigaben des bevorstehenden Kongresses. In der Diskussion ergab sich, dass die Mehrzahl der Metzer Gesinnungsgenossen nicht mit dem Programm des Deutschen Zentral-Komitees einverstanden war. Mau hielt die Beschlüsse der Kölner Konferenz für verfrüht. Im übrigen sprach man sich gegen die Zer- Splitterung der Kräfte, hervorgerufen durch Gruppcnbildungen, aus, und erwartet, dass auf dem Kongress eine harmonische Einigung zum Segen unserer guten Sache bewirkt wird. Der Vorschlag des Aktions-Komitees, betreffend Leitung der Bewegung durch Dr. Nordau, Wolffsohn und Prof. Warhurg hat allgemeine Begeisterung hervorgerufen. Die gleichzeitig vorgenommene Wahl des Vorstandes der hiesigen Ortsgruppe hatte folgendes Resultat: Dr. Dannenberg. Vorsitzender, Max Lin gen. Schriftführer. A. Woiii, Kassierer, E. Engelstein und S. (!ersten!!aber, Beisitzer. |. Rundschau «=== Aus Russland Selbstverteidigung Der Schriftsteller G. Starzcw beweist in einem Artikel in den NOWOSTI die Notwendigkeit der S c I b s t v c r t e i d i g u n g. Wenn die Juden von vornherein, so sagt er u. a., mutig und kategorisch erklärt hätten, dass sie auch, wie alle anderen, das Recht zu leisen haben, wenn sic erklärt hätten: ..Wir wollen nicht mehr getreten und gepeinigt sein, wir wollet: nicht mehr die Ehre unseres Volkes entweiht sehen.“ so hin ich sicher, dass Russland die Schmach von Kischiuew. Hornel und Shitomir nicht erlebt lullte. M a n schlägt nur Schwache, die wehrlos dastehen. Die Juden beginnen jetzt, ihre Schwäche zu erkennen, die ganze Schmach, welche in der Sklavenangst steckt, und sie haben bereits an manchen Plätzen bewiesen, dass sie nicht mehr Mord und Schändung dulden werden. Die oiiene Ei r ־ kiärung der Juden Odessas, so sciiliesst Starzcw, dass sie mit Waiien den Ei x 7. e d e n t c n entgegentreten werden, hat genügt, eitt Po- R rom zu verhindern. ץ Aus Shitomir In den NOWOSTI berichtet ein Augenzeuge aus S 11 i t 0 ־ nt i r einige Tatsachen, die ein grelles Licht auf die Shitomirer Behörde in ihrem Verhalten zu den Exzessen werfen: Als die Exzesse begannen, ging ein Offizier namens Sinkowitsch zu dem Gouverneur, um eine Bevollmächtigung, gegen die Exzedenten vor/.ugehen, zu erhalten: Der Bediente: ..Seine EixzeÜenz schläft!“ Der Offizier: ...Meine Angelegenheit ist• so dringend, dass man Sc. Exzellenz, wecken darf.“ Der Bediente: ״Soll ich Se. Exzellenz also wecken?’ Der Offizier: ״Jawohl, ich befehle es dir!” Der Bediente entfernt sich und kehrt nach einigen Minuten zurück. Der Bediente: ,Se. Exzellenz ist krank und kann Sie deshalb nicht empfangen. Falls etwas Dringendes vorliegt, möchten Sie sich an den Polizeime'ster wenden.” Der Offizier: ..Wenn der Gouverneur krank ist. dann hat er sein Amt djtn \ ize-Gotiverneur zu übergehen und das he- Kaimt zu machen Mit dem IMizcimeister wünsche ich nichts zu tun zu haben. Sage dem Gouverneur, dass ich sofort den Generalgouverncur telegraphisch davon in Kenntniss setzen werde, dass ein Pogrom gegen die Juden begonnen hat und der Gouverneur nicht dagegen cinschreiten will." Der Gouverneur blich trotz dieser Drohung bei seiner Krankheit und Untätigkeit: wahrscheinlich wusste er sich mit dem Generalgouverneur eines Sinnes. Und wirklich blieb das lelegramm des Offiziers au den (leueralgouverncuf ohne Antwort. — Galiläische Eisenbahn Aus Haifa wird vom 11. Mai gemeldet: Heute wird die trecke Jo r d a n b r ü c k e — Sa m a c h (SiiUende des Galilaisciicn Meeres) der g a I i 1 ä i s c 11 e n Eisenbahnlinie uetn öttcntlichcn Verkehr übergeben und somit die Balm Haifa —Deraa ihrer Vollendung näher gebracht Bei Deraa soll sich die Linie Haifa—Deraa der grossen Mekkabahn anschlicsscn. die von Damaskus in der Richtung der alten Pilgerstrasse g*!gcn Mekka geführt wird. Die Bahnstrecke Haifa—Deraa soll bis zum 31. August, dem Thronbestcigungstage des Sultans, ft rtiggcstellt werden. Deutsch-Israelitischer Gemeindetag Die am 11. Mai erschienene Nummer 61־ der MIJTEILUNGEN des Deutsch-Israelitischen Gcmcindebundcs cntlüUj,.ausser d.n üblichen Jahresabrechnungen des Deutsch-Israciltischcn Gemeindebundes und der von ihm ressortierenden Anstalten und Stiftungen, vor allem die definitive Tagesordnung des am Montag und Dienstag, den 12 und 13. Juni in Frankfurt a. M. stattfindenden X. Deutsch-Israelitischen Oemcindetages. Der reiche Arbeitsplan umfasst folgende 12 Bcratuugsgegcnstünde: 1. Eormal.cn und Bericht: 2. Gründung eines Gcsuiularcluvs der deutschen Juden: 3. Religionsunterricht und die damit zusammenhiingemien Fragen; 4. Bczirksrabbinate: 5. \\anderbettelci und Arbeitsstätten; 6. E'iirsorge für geistesschwache Kinder; 7. Satzungsänderungen; 8. Zusammenschluss jüdischer Haudwerkcrverciiie: 8. Propaganda; 10. Religiöse Fürsorge für jüdische Strafgefangene: 11. über die Verwendung der Zur.z-Stiftung des D. I. G. B.; 12. Wahlen. Der sich an* schliesscr.de Bericht des geschäftsführenden Vorsitzenden über die Vorgänge in der Zeit vom Frühjahr 1902 bis zum Frühjahr 1905 entrollt ein Bild von der bedeutsamen Entwickelung des bi.ndes während diesesTrienniums auf fast allen Gebieten seiner vielverzweigten Tätigkeit. Eine grosse Zahl hervorragender Männer des Gemeiiiddobens ist in das Kollegium des Aus- Schusses und des Dclegiertenkörpers eingetreten. Der Bund zählt <X>7 Bimdesgemeindcii. gegenüber 730 im Eebruar 19 '2. Die Zunahme verteilt sich auf fast alle Gebiete des Reiches und der preussischcn Provinzen: ein kleiner Rückgang ist nur in der Riieiimrovinz zu verzeichnen. Der grössten Anhängerschau erfreut sich der Bund in Hessen, nämlich in der Provinz Hessen-Nassau (125), im Grossherzogtum Hessen (53). Beachtenswert ist die Zunahme der Bundesgenieiiiden in den Reichslanden (15) gegenüber 6 im Frühjahr 1902. Die Gesamtzahl der persönlichen Mitglieder beträgt 529, wfivo« 377 auf Berlin entfallen. Das gesamte Ver1r.ögcn_ des Bundes, seiner Anstalten und Stiftungen ist von ■165 578,57 Mark auf 612 062.75 Mark, also um 146 4S4.1S Mark gewachsen. Der Hauptanteil dieser finanziellen Verstärkung entfällt auf 2 neue Stiftungen der Eheleute Bezirksrabbiner Dr. Silberstein in Wiesbaden und Siegiried Brünn in Berlin mit 30 000 bezw. 40 000 Mark einmaliger Zuwendungen. Die Beiträge der Bundesgemcindeu sind von H 906,10 Mark aui .34 076,-11 Mark gewachsen, hauptsächlich infolge der Ausführung des Be- Schlusses des IX. Gcmciudetages, den Beitrag zum D. I. G. B. tunlichst auf 1 des Steuersolls zu erhöhen, dem 155 Gemeinden Folge geleistet haben, wodurch ein Zuwachs von 17 7-15 Mark entstand, der Rest entfällt auf die neu hinzugekommend! Gemeinden. Andererseits sind aber die Aufgaben des D. 1. G. B. und seiner Leistungen noch bedeutender gestiegen. So ist denn der Spezialfonds des D. I. G. B., der sich nur von 1(:S 751.15 auf 191627 vermehrt hat. mit einem Ausgahenctat von 96 915 Mark belastet, der nicht völlig durch die Einnahmen gedeckt ist. Einen grossen Arbeitsaufwand hat die Durchführung der Beschlüsse des letzten Gemeinde- und des Verbandstages erfordert. Was seitens des Ausschusses möglich war. ist geschehen. Dass die Einführung der Bez.irksrabhinate in Altpreusscn und dem Königreich Sachsen schnell gelingen würde, haben wohl seihst die Optimisten nicht erwartet, darum steht die Frage wieder auf der Tagesordnung des X. Gemeindetages. Ein Normalvertrag für die Anstellung der Kultusbeamten ist ausgeaibeitet worden; eine ״schwarze Liste” der WanderKuelvi liegt vor: die Arbeiter-Kolonie ist in blühendem Zustande und hat in den drei erste״ Jahren ihres Betriebes schon über 10011 Insassen beherbergt: zu der Rcp/.iner Fürsorge-Anstalt fiir Knaben, die in der Berichts- Periode erst recht in Betrieb gekommen ist. wurde die Plötzensceer Anstalt fiir Mädchen hinzugeiiigt. Beide Anstalten zusammen haben in den 3 Jahren einen Zuschuss von 32 000 Mk. aus dem Fonds des D. I. G. B. erfordert. Die erstere Anstalt hat seit ihrem Bestehen (סי Zöglinge, die letztere 21 gehabt. Alle bisher vom Bunde bearbeiteten Gebiete!iahen eine Erweiterung erfahren: so ist die Zahl der Gemeinden, die eine Beihilfe zu den Kosten des Religions-Unterrichts empfangen, von 121 auf 201 gestiegen. Die Vorlesungskiirse für akademisch gebildete Lehrer sind neu atugenommen, Kantorenfortbildungskurse irt den Jahren 1902 und 1901 abgehalten worden. Ein Katalog der Bibliothek des D. I. G. B. befindet sicli in Arbeit: das von weiten Kreisen sehnsüchtig erwartete Statistische Jahrbuch wird in nächster Zeit in einer den Forderungen der statistischen Wissenschaft wie der praktischen mmn . \ 4 KP•