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Jüdische Rundschau · 1905-05-26 · Heft 21 (26.5.1905) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 25Ö % JÜDISCHE RUNDSCHAU No. äl Zöglinge zu Menschen zu bilden, die sich überall im Weltverkehr eine Stelle erobern können, wichtige politische Bedenken sich dagegen erheben, die Alliance in den Ruf zu bringen. ein die französische auswärtige Politik fördernder Faktor zu sein, — im HinbKck darauf, dass bei diesem Verfahren die gegenwärtige Konstellation der Grossmiichtc Europas die anerkannt kulturelle Tätigkeit der Alliance ungünstig beeinflussen könnte. — im Hinblick darauf, dass jeder Jude guter Vollbtirger sein muss des Landes, in dem er wohnhaft ist, und dass die Förderung von spezifisch franzüsisch-politischen Interessen durch Juden von Holland. Belgien, Deutschland. England usw., mit dieser Voraussetzung sich nicht gut vereinbaren lässt. — im Hinblick darauf, dass, falls z. B. die J u d e n F rankre ich s mittels der Alliance den spezifisch französischen Intercsscn im Osten, dienen möchten, den deutschen Juden das Recht gegeben werden soll, das ihrige zu tun zur Förderung der Interessen Deutschlands usw., dies ein Anlass sc.n müsste, zu einer Zersplitterung der jüdischen Arbeit, die die Alliance gemäss ihrer Tradition und Aufgabe, fördern und stärken soll: auf Grund dieser Erwägungen fasst die Abteilung Amsterdam der A. I. U. den folgenden Beschluss: a) das Coniitc Central hüfliclist cinzuladcn. eine Untersuchung vorzunehmen, in wie weit durch d:c Organe der Alliance specifisch französische Interessen bei der kulturellen Arbeit vertreten werden; , b) die Resultate dieser Enquete durch sein Bulletin Mensuel mittcilen zu wollen; c) dem Cotnite Central zugleich den Dank auszusprechen für seinen K.icr in der Förderung der sittlichen und materiellen Interessen der noch nicht emanzipierten Israclitcn * d) diesen Beschluss und die dabei angeführten Erwägungen in ex.cnto behufs etwaigen Anschlusses zur Kenntnisnähme der Augio-Jewish Association, der Wiener .,Alliance“ und der anderen Landessektionen der Alliance israelitc Universelle zu bringeu.“ — , . ״ Wir bemerken, dass der Verfasser dieser Rcso Ultimi.Herr Dr. Isidore Hen, der Herausgeber \on Dh JOüDc'UlL WÄCHTER ist. der gleichzeitig den Zionismus und die Alliance vertritt. Jüdische Sozialdemokraten Ende April hat sich innerhalb der polnischen Sozialdemokratie Galiziens, wie gemeldet, cm Komitee gebildet, das die Gründung einer besonderen i ü d i s c hen sozialdemokratischen Partei zu tu Ziele hat. Die Konstituierung der neuen Organisation so auf einem liir den 9. und 10. Juni nach Przemysl einberufencu Kongress erfolgen. Das Komitee hat von seiner Absicht die Gesamtexekutive der österreichischen Sozialdemokratie verständigt und um Anerkennung ihrer besonderen nationalen Organisation — die österreichische Sozialdemokratie zerfällt seit dem Brünner Parteitage in einzelne nationale Parteien — angesucht. Die polnische P«־.rtei Galiziens, der die jüdischen Sozialdemokraten bisher ai gehörten, bekämpfte die Separation mit dem Hinweise darauf, dass die in der polnischen Bevölkerung zerstreut lebenden jüdischen Proletarier identische Interessen mit den polnischen Arbeitern haben und dass die besondere Sprache und Sitte der jüdischen Arbeiter in einer Differenzierung der Organisations- und Agitationsformen genügend berücksichtigt werden könnte. Die polnische Partei weist darauf hin, dass in keinem Lande die jüdischen Proletarier besonders orgamsiert seien. Die Gesamtexekutive hat nun in ihrer dicswöchigen Konferenz beschlossen, die ״J ü d i s c h ־ s 0 z i a Idemokratische Partei Galiziens" nicht anz u e r k e n 11 e 11. Sie wird daher auch den Przemysier Kongress nicht beschicken, sic betrachtet die Veranstalter der Separa’ion als nicht inehr zur sozialdemokratischen Partei gohörig. Vielleicht werden nun daraus die jüdischen SozialdemokriPcn die Einsicht schöpfen, die in der Resolution der polnischen Sozialdemokraten implicite ungewollt ausgesprochen ist, wenn es da heisst: ״Selbst d:e Anhänger einer besonderen Jüdischen sozialdemokratischen Partei erlichen keine posit i v e n jüdischen nationalen Forderungen und können es auch nicht tun; dadurch aber benehmen sic einer solchen Partei jede reelle Existenzberechtigung und machen aus ihr ein leeres Spiel der Formen." N'achgeliinkt kommt dann der Satz: ״Der gesunde Instinkt würde eben solche Fordcrurigen direkt unmöglich machen." Nun, hoffentlich wird der ..gesunde Instinkt“ diese jüdischen Arbeiter bald auf d e 11 Weg führen, auf dem allein sie als Juden und als Arbeiter ihr Recht erkämpfen können! Kleine Mitteilungen Deutsch-Ismeiltlscher Gemeindetag. Der zehnte Deutsch- Israelitische Genieiudetag wird am 12. und 13. Juni im Saale der Frankfurt-Loge unter dem Vorsitz von Prof. Dr. M. Ph i I i ppso n ־ Berlin abgehaiten. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Gründung einer• Gesamtarchivs der deutsche» Juden, Religionsunterricht und die damit zusammenhängenden Furagen, Bczirksrabbinate, Wandcrbcttclci und Arbeitsstätten. Fürsorge für geistesschwache Kinder, Zusammenschluss jiidischer Handwcrkervercinc, religiöse Fürsorge für jüdische Strafgefangene. Jüdische Ausländer! Jüdische Arbeiter! Der Konkurrenzkampf mit Kuren Beruisgcnosscn ist für Euch doppelt schwer, wenn Ihr die deutsche Sprache in Wort und Schrift nicht vollständig beherrscht. In Anbetracht dieses Umstandes und der Tatsache, dass gegenwärtig der Zustrom ausländischer Juden auch nach Berlin verhältnismässig gross ist. haben jüdische Studenten im Wiritc.־!.alhjalir zum erste» Mal den Versuch gemacht. Euch in der Erlernung der deutsehen Sprache bcliil'lich zu sein. Die Kurse waren v־o:t gutem Erfolg begleitet, sie sollen daher jetzt erweitert werde;’. Dr Unterricht wird in einer Schule in Abteilungen, je nach den Kenntnissen der einzelnen erteilt in jeder Abteilung zwei- bis dreitna! wöchentlich, abends und Sonntags vormittags. Jüdische Volksgenossen! DieKen11t11i> der dcutscheiiSprache ist eine unerlässliche Vorbedingung, wenn Ihr hier eine Existenz finden wollt. Wir!‘ordern Euch daher aui, unverzüglich Eure Adresse an M. Exilier, \Y., Blunientlialstr. 13 1, autzngebeu oder, besser noch, Euch persönlich an uns zu wenden. Annioldiiügcu werden jeden Sonntag zwischen 11 1 Uhr im Lokal des Vereins Jüdischer Stüde m. Gipsstr. 12A II, tatgcgengenonmicn. Die KomuiLsion für Yolkskurse der Freien Vereinigung Hasnioitaca und des Vereins Jüdischer Studenten. I. A.! E '!!! e r , W,, Rlmiiemlmkfr, 13 1. NB. Jüdische Studenten, die sicli aktiv an den Volkskurseit beteiligen wollen, werden gebeten, ihre Adresse an den oben Unterzeichneten aufzugeben. Sprechsaal Für die Mitteilungen an dieser Slelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetzüche Verantwo-Jir.hkeit Im Spreclisaal׳ der letzten Nummer der J. R. protestiert ״Demokratcs" gegen die Erhebung einer Gebühr zu Gunsten das Nationalfonds für Tribünt-nkarten des Kongresses. Wer nicht gerade dem Prinzipe der Demokratie ohne Ein- Schränkung huldigt, wird die Anordnung für nicht so verfehlt halten, xvie es den! Herrn Einsender scheint. Wer dein letzten Kongresse beigewohnt hat. wird zugehen, dass ein grosser Teil der Unruhe während der Verhandlungen infolge der UcberfiUlung der Tribünen entstanden ist. Eine Bekanntmachung des A.-K., es würden verhältnismässig wenige Karten ausgegcbcti, wird nicht viel nützen. Trotzdem auf dem letzten Kongresse genügend Aufsiehtsheanite vorhanden waren, traf man doch (namentlich in den letzten Tagen) viele Leute au ohne Karte (ja sogar unten im Sitzuugssaale). Wir sind im Stadtkasino noch nicht so weit wie im Reichstag, wo eine geschulte Beamtcnschar die Ordnung aufrecht erhält, wo der Präsident jede Beifalls- oder Missfallsäusserung der Galerie mit Räumung derselben bestrafen wird. Welches ist nun das Publikum, aus denen sich die Zuhörerschaft zusamuicnsctzt? Ein grosser Teil sind Nichtzionisten, die sich gerade auf der Erltolungs- oder Vcrgniig1u1gsrei.se befinden und die sieh, da sie ja doch ein oder zwei Tage nt Basel Rast machen, auch diese ,.interessante Sache" auseltcii wollen. Wenn diese Leute jetzt z. T. ferngehalteu werden, wird es nicht viel schaden. Aber auch ein Zionist kamt diese Besteuerung nicht für unbillig und drückend halten. Diejenigen, die so gern ״dabei sein“ wollen, die etwa von London, Berlin. Warschau oder Wien zum Kongress fahren, also mindestens 100 —200 Mark ausgeben, werden durch eine Gebühr von 2.-10 Mk. bezw. 16 Mk. nicht beschwert, die meistens wohl nicht 10 Prozent ihrer Gesamtkosten betragen wird. Allerdings möchte auch icli aimelunei!, dass § 25 der Geschäit-ordnung die Gebühr ohne weiteres nicht zulässt. Hier könnte das A.-K. aber so verfahren, dass cs zunächst die Gebühr erhebt und dann beim Kongress eine Genehmigung nacbsuclit. Sollte diese versagt werden, so kann das A.-K.

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