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Jüdische Rundschau · 1905-05-19 · Heft 20 (19.5.1905) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 238 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 20 / Jüdische Unsauberkeit Die ״Unsauberkcit der Juden” hat nach der Feststellung der antisemitischen ״Gelehrten” die Juden den Germanen von Jeher unsympathisch gemacht und bewirkt solches auch heute noch. Audi Juden hört man oft über ״jüdische Unsaubcrkeit” im Gegensatz zu christlich-germanischer Reinlichkeit Klage iühren. Wie immer sind cs besonders die Juden, die noch an Uebcrwindung des Gojtis au sich zu arbeiten haben. Demgegenüber haben wir immer aui die ins einzelnste spezialisierte Reiiiheitsgesetzgebimg des jüdischen Altertums und Mittelalters bilgewiesen, haben als eins von hundert Beispielen das Hilicis angeführt, der das Beten für Gottesdienst erklärte. Interessant ist cs nun, was Karl Jcntseli in der ZUKUNFT vom 22. April 1905 (Jahrg. 13, Nr. 30 S. 12-1 ff.) über den Schmutz und die Unreinlichkeit des europäischen und deutschen Mittelalters und der Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert hinein von Urteilen Tacitus bis zu denen Humes zusammengcstellt bat. Fs sei liier nur die von Jentsch zitierte Schilderung von Trocls Lund wiedergegeben: Kann man sich darüber wundern, dass eine Bevölkerung hinstarb wie Fliegen, wenn ihre Mehrzahl, hoch gerechnet, sich nur einmal wöchentlich wusch, wenn sie Jahre lang weder Hosen, noch Unterzeug wechselte, wenn alle mit schmutzigen Händen aus derselben Schussel assen und zu Haufen in demselben schmutzigen Bett lagen? .... Gründung war, geflissentlich hervorgehehen. Mit Mister Been hat der Orden viel verloren, viel besondere — von seinem | Judentum. Kleine Mitteilungen Fine bewährte Gesinmmgsgenossiii, Fräulein Dr. nied. Sophie Getzowa aus Nowogradek (Russland) ist 2um ersten Assistenten am Anatomischen Institut der Universität Bern (Direktor Prof. Dr. Strasse r) ernannt worden. Dem Vorstand der neugegründeten Jüdischen Bibliothek und Lesehalle ln Frankfurt a. M. gehört nicht nur ein Zknis; an, sondern es gehören ihm, wie uns niitgeteilt^ wird, vier Zionisten an und zwar die Herren: Schriftsteller S. 11. Goldmann, Dr. ir.ed. W. Hanauer, Redakteur S. Geis, Redakteur Fritz S 0 n d 11 c i m e r. Ausserdem wird voraussichtlich in der dieser Tage stattünJenden Mitglieder verdamm- 11111g unser Gcsinm.mggeiiossc Herr Dr. Jur. Schwarz- Schild in den Vorstand gewählt werden, womit dann die Zionisten die ׳Mehrheit unter den 9 Vorstanduiitgliedern bilden. Die Gründung der jüdischen Bibiiothek und Lesehalle ging von der Initiative unseres Gesinnungsgenossen 1 ritz S o 11 d h c i in c r aus. Persönliches Wir glauben wahrhattig mit Jentsch, dass hiermit 1»ocl1 nicht über das Mittelalter al gern teilt sei. Wir bringen diese Notizen auch nicht zum Abdruck, um gewissermassen Rache zu nehmen, hü'.misch zu rufen: ״Seht einmal, Ihr, die Ihr uns diese Vorwürfe macht, seid ja nicht besser.” Wir wollen nur an diesem kleinen Beispiele wieder einmal die ja an den Juden.noch mehr Fehler, als selbst das strengste Antisemitenauge. Diese Mitteilungen zeigen aber auch, woher die Juden im Mittelalter ihre Unsauberkeit hatten und woher sie die östlichen Juden noch heute haben, dass sie einzig und allein von der Verwahrlosung ihrer arischen Umgebung 11errühren, deren angeborene Sauberkeit man nicht genug rühmen kann — Tacitus sagt von den Germanen; ac sordidi. Erinnert seien unsere lieben Brüder im Westen auch an die Mahnung Jcntschs, über diesen unangenehmen Seiten nicht die Kulturlcistungen dieser Zeiten zu vergessen. Muss man ja doch oft genug, wenn matt von der kulturellen Eigenart und dem geschlosscnen Innenleben der östlichen Juden erzählt, die Autwort hören: ״Ach die polnischen Juden sind doch so schmutzig." u. o. B. B. mw. Unser Schwesterorgan THE MACCABAEAN;11 New- York bringt in seiner April-Nummer folgende die Bnei-Britli I ogen betreffende Notiz: Wir lenken die Aufmerksamkeit derjenigen Zionisten, die Mitglieder des unabhängigen Ordens Bnei-Brith sind, auf einen Verbesscruugsvorschlag zu den Ordensgesetzen, worin die Worte: ״Jüdische Rasse" und ״Jiidischer Stamm” durch ״Jüdischer Glaube” ersetzt werden. Diese Abänderung ist auf der Konferenz in New-Orleans be: raten worden und einstimmig zur Annahme gelangt. THE MACCABAEAN will vorerst seiner Meinung hierüber nicht Ausdruck geben, well die Gründe für eine solche Abänderung bisher nicht bekannt gegeben worden sind. Herr Simon Wolf (der Grosspräsident des Ordens) tut dieses Faktums in einem Brief an den AMERICAN HEBRhAV wohl Erwähnung, kommentiert dasselbe aber nicht mit einer Silbe, woraus geschlossen werden kann, dass ihn das Wort: ״Glaube" für Rasse" erwünscht sai. Uns genügt aber nicht die nackte Tatsache, wir wünschen hierfür eine Erklärung. Der Orden umfasst doch Männer, die nicht im strikten Sinne Glaubensbrfider sind, er hat ferner Zionisten zu Mitgliedern, die um ihre Zugehörigkeit zum Orden eingekommen sind a u f Grund der alten Ge sc tzc, die den Orden Bnei-Brith zu einer Brüderschaft von Juden gemeinsamer A bstam 111 u n g stempeln. Wenn es aber in der Absicht des Ordens liegt, diese Gesetze fallen zu lassen, die so vielen Juden Gelegenheit geboten haben, sich ihm anzuschliesscn und ihm ihre Kräfte v.u widmen, so hätte eine dahingehende Erklärung sofort erfolgen müssen. Als rein religiöse Organisation fiir die sittliche Vervollkommnung der Juden hat der Orden keinen Platz im Judentum." Auch der verstorbene langjährige Grosspräsident, Mister Beeil, hat namentlich bei seinen Versuchen, Jugcndlogcn zu gründen, um dem alternden und greisenden Orden junges Blut zuzuführtn, stets das Stammestfnnlichc in der Grundverfassung des Ordens, der ja ursprünglich eine nationaljüdische Herrn 1-uuaru 1o e w e 1;;u1 1 r.ui, Sohn geboren w« rdeit. W'ir ׳gratulieren unserem verehrte; Gesinnungsgenosse;. hcrzlicbst ui.J fügen unsere besten Win!■ sehe fiir eien jüngsten Sehekel/.ahlcr und seine' Eltern hei. Sprechsaal n L J Für die Miucüungch an dic'C- Stet!«* üSerntmrr*: c Redaktion rar die pressgcsc:zäche Verantwort! cr.V; Sehr geehrte Redaktion! Es ist mir unbegreiflich, wie Sie, die Sie sonst immer das demokratische Grundprinzip unserer Bewegung hochhalten, in voriger Nummer einen Beschluss des Aktionskomitees ohne jedes Wort der Kritik veröffentlichen können, der nicht nur dieses Prinzip verlässt, sondern der geeignet ist, unsere Bewegung!׳.och mehr als bisher als eine ״Bourgeoisbewegung” erschei- |!.ei! zu lassen. I Sic werden bereits verstehe״, dass ich den Beschluss meine, die K o 11 g r e sss i t z u n g e n gegen Entreeb i11 e ts von 20 Franken z ugä n g Ii ch zu mache 11. Die Entrüstung über diese ״Tat" ist bereits eine so allgemeine, dass es vieler Worte nicht bedarf. Ich versage es mir, Ihnen Stellen aus mir zu gegangenen Briefen zu zitieren, weil Sie diese ja doch streichen würden, aber Sic und die Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU frage ich dieses: Im gegenwärtigen Zeitpunkt grade, wo in Russland viele, viele Tausende unserer Brüder mit den Andcrsnationalen gemeinsam fiir ihre primitivsten Menschenrechte kämpfen, wo wir ״ä la veillc d'unc revolution" sind, die in ihrer, Wirkungen nicht nur fiir unser Volk von unabsehbaren Folgen sein wird — welche Wirkung wird wohl in einem solchen Augenblick, dessen ganze Schwere unsere russischen Brüder besonders empfinden, unser neuestes Plakat haben, das da lautet: Jüdische N a t i o n a I v e r s a m m I u n g, Eintritt 20 Franken. ״Um Unordnungen vorzubeugen” hat unser Aktionskomitee in angestrengtem Nachdenken kein besseres Mittel finden könneu, als diese Reservierung der Gallericsitze für die Sommerkäste des Vierwaldstätter Sees und des Berner Oberlandes? Etwas mehr Orgar.isationskunst traue ich den Herren des A.-K. denn doch noch zu, als sie sieh damit selbst z.usprcchen! In jedem!*alle aber hätte ihnen das Gefühl fiir die Würde unseres Kongresses, der nach einem Wort unseres verstor- Denen Fiihrcrs immer ״ernst und hoch” sein soll, sagen müssen, dass dieses Mittel, ״um Unordnungen vorzubeugen” unanwendl ar ist. Will man Ordnung haben, so braucht man nur bekannt zu geben: ״Es werden x Gaileriekarten ausgegeben (soweit der Platz reicht). Es bemühe sich niemand nach Basel, ohne vorher vom Kongressbureau chic Karte erwirkt zu haben.” Freiwillige Gaben können auch dann entgegeugenommen werden. . Sollten aber diese Erwägungen und andere ähnliche, die ich aus gewissen Rücksichten nicht öffentlich anstellen möchte, nicht verfangen, so protestiere ich f ü r ni 1 i c h gegen den Beschluss des A.-K. unter Berufung auf § 25 der ״Geschäfts- Ordnung der Zionistcn-Kongressc’ der lautet: ״Die PJenar-

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