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Jüdische Rundschau · 1905-05-19 · Heft 20 (19.5.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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. iL. ... Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) vferieijlkriieh: 1. durch die Expedition: ■) In Berlin —,90 Mark, b) nach auswärts I,— Mark, c) fSr das Ausland 1,20 Mark. 2. Im Pestabonnement 1,25 Mark. Insertionspreis die viergespaltene Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig. 2£s Organ & der Zionistischen Vereinigung für Adresse!Qr Geldsendungen and Bestellungen: Verlag JQdltcht Rundschau, E. O.m. b.H, Berlin K.54, Auguitstr. 49a. GetchitUstunden der Eipedltloai täglich (ausserSabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Uht. Deutschland. Adresse der Redaktion: Berlin N W. 62, Melanchlbomlrassa 4, Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 20 j| Berlin, 19. Mai 1905 — 14. ijjär 5665 I X. Jahrgang Shitomir Mit Kisch in e\v und Home! begann in Russlar.d das zwanzigste Jahrhundert — mit Shitomir und Mclitopol, mit Trojan und Minsk wird es würdig fortgesetzt. Russland ist und bleibt dalei das befreundete Reich, bleibt der ״christliche Staat“, und die Geschichte geht weiter ihren Gang. Dass in dieser Freundschaft mit einem Barbarenlande ein Verbrechen an der eigenen Kultur begangen wird von denen, die als die Hüter dieser nationalen Kultur bcrufen sind — wen regt das noch auf in einer Zeit, da die Phrasen von der Wcltpolitik selbst in die klarsten Köpfe manchmal eine heillose Verwirrung bringen; dass dieses Christentum im Munde bestechlicher Intriganten und hundertfältiger Mörder eine der widerwärtigsten von den vielen Heucheleien unserer Zeit ist — wen soll das empören in dem Zeitalter, da Religion und Kunst und Dichtung längst willige Mägde ״höherer“ Zwecke geworden sind! Diese sogenannte Freundschaft und dieses sogenannte Christentum, das sind ja lange nur Phantome, die Keiner mehr ernst nimmt. Aber die Tatsachen reden die Sprache, die trotz aller Verdrehungsversuche gehört werden wird, und dietse Taten werden ihre Spuren ziehen. Nach ihnen wird die Geschichte ihren Gang gehen, nicht nach Parlamcntsphrasen und Bankettreden. Was in Shitomir geschah und den andern Orten, an denen man wieder einmal die Juden schlug, das ist bekannt. Diese kurzen Depeschen mit einigen wenigen Zahlen: soviel Getötete, soviel Verwundete. Seit über einem Jahre lesen wir ja aus dem Kriege, den dieses selbe Russland zu seinem eigenen Verderben führt, solche Depeschen mit weit, weit höheren Zahlen. Die furchtbarste Schlacht der Weltgeschichte hat dieser mit wahnwitziger Leichtfertigkeit geführte Krieg gezeitigt; und was uns speziell angeht, uns Juden, so sind in ihm wohl schon tausendmal so viele unserer Stammesgenossen gefallen als da in Shitomir. Kriege fassen wir in unserem beschränkten Untertanenverstande wie Naturcreiguisse auf, und solange die Volker noch nicht reif sind, ihr Schicksal selbst zu führen, solange werden sie uns auch wie Naturereignisse treffen. Und das macht abgestumpft gegen die Folgen. Auf der Strasse angefallen und ermordet, vergewaltigt und geschunden zu werden — das sind in unserer Zeit doch «sogar die Juden nicht mehr gewöhnt. Und deshalb sind wir erbittert gegen eine Regierung, die das niemals vorhindort, obwohl sie die Macht dazu hat, die das nicht verhindern will, die cs begünstigt, offen und insgeheim, die cs nachher beschönigt und entschuldigt und sich noch obendrein als die Verhüterin grösseren Unheils anpreist. Natürlich hat man in Petersburg eine wohlbestallte ־ Nachrichteniahrik, und die sorgt dafür, dass das Ausland mir sehr unvollkommen erfährt — trotz der Privatkorrespondenten der grossen Zeitungen — in wie offener Rebellion sich das ganze russische Volk befindet. Die sorgt auch dafür, dass die ab und zu nötigen Judenhetzen, nötig ״um sich über einige schwierige Tage hinwegzuhelfen“, in der entsprechenden Bearbeitung in die Oeffentlichkcit kommen. Empörend — lächerlich musste man es nennen, wenn cs nicht so bitter ernst wäre — ist das offizielle Communique der Regierung über die Ereignisse von Shitomir. Da heisst es bezüglich der-Tatsachen w'örtlich: ״Die Unruhen begannen an! 6. Mai, indem auf Israeliten, welche auf dem Tetercw Boot fuhren, von Christen mit Steinen geworfen wurde. Die Israeliten antworteten mit Schüssen, durch welche einige Leute verwundet wurden. Das Gerücht von dem Geselleheuen verbreitete sieh sofort in der Stadt. In der Vorstadt Pawlikowka kam es zu Ansammlungen der Israeliten einerseits und der Christen anderseits. Die Unruhen wurden jedoch sofort unterdrückt. Ein Israelit wurde zufällig vom einem Pferd getötet. Am 7. Mai wurden bei einem Zusammenstoss von Christen und Juden auf dem Hauptplatze der Stadt zwei Christen und einige Israeliten getötet. In Podola sind gleichfalls einige der Erschlagenen und Verwundeten Israeliten. Die Menge wurde durch Truppen zerstreut, welche dabei mehr als vierzig Christen festnahmen. Am 8. Mai führten kleinere Hauten des niedersten Volkes einige Mordtaten aus und zerstörten den Juden gehöriges Eigentum, namentlich an der Stadtgrenze. Am 9. Mai war die Stadt ruhig; es wurde nur ein Jude leicht misshandelt und zwei jüdische Häuser im Vororte Kroscbna wurden zerstört. Die Garnison von Shitomir besteht gegenwärtig aus drei Regimentern Infanterie, einer Batterie reitender Artillerie und zwei von auswärts herbeigezogenen Schwadronen Dragoner.“ ״Ein Israelit“ und ״einige Israeliten“ und ״einige Mordtaten“ und ״nur ein Jude“ — das sind zusammen fünfzehn getötete Juden. Rührend naiv in seiner 1 > r י v ״nrvt!

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