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Jüdische Rundschau · 1905-05-12 · Heft 19 (12.5.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 222 JÜDISCHE kUNDSCHAU No. 19 heilkräftigen Sooibüder im Juni und August völlig unentgeltlich, im Juli zu halbem Preise zur Verfügung, und der Badearzt, Herr Dr. Fricke, führt seit dem Jahre 1894 mit dankenswerter Uncigcnnützigkeit trotz seiner grossen Praxis die ärztliche Aufsicht über die Kinder. Vom Verein ״Jüdisches Gencsungsheim**, welches i!1 Bad Kimen ein siebe.. Morgen grosses Terrain erworben hat und die dort zu errichtende Anstalt im nächsten Jahre zu eröffnen gedenkt, wurden in Kimen ferner 111 Kinder aufgeuommen uml für Rchnung des Kindcr-Sparvcreins verpflegt. In iMisdroy waren im Vorjahre 80 Mädchen in gemieteten Räumen uutcrgcbracaht. Der Plan des Vereins, an der Ostsee ein eigenes Haus zu bauen, für das seitens der Berliner Logen U. O. B. B. der Betrag von 10 WO Mark schon bereitgestellt ist, hat bisher noch nicht zur Ausführung gebracht werden kviumen, doch hofft der Verein bereits im nächsten Bericht eine entsprechende Anzeige machen zu können. In der Waldkolonic Schackshaidc bei Ziillichau haben im Vorjahrc 30 Knaben Aufnahme gefunden und in den von hochherzigen Familien gewährten Freistellen 117 Knaben und 82 Mädchen. Allgemeines Archiv für die Juden Deutschlands Im letzten Doppelheft der ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums'’ mache Dr. K. Zivier, der als Archivar des Pürsten Pless bekannt ist.!Mitteilung von seiner ersten archivaiischen Informationsreise durch einen Teil SiidJeutschlands. Die Reise wurde im Auftrag des von den Bnc ■Brith Logen und dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gemeinsam begründeten ,.Allgemeinen Archiv für die Juden Deutschlands" unternommen. Besucht wurden die Orte Worms. Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim, Heidclbcrg. .Mosbach, Speyer, Karlsruhe, Bruchsal, Strassburg, Sulz, Stuttgart, Ulm, Augsburg, Regensburg. München, Nürnberg, Kiirth, Frankfurt a. M. Die genannten Gemeinden gehören zu den ältesten Gemeinden Deutschlands, die Krwartung war also nicht unberechtigt, dass sich hier ganz besonders wertvolles arehivaiisches Material finden werde. Aber — wenn der Berichterstatter auch vor Verallgemeinerungen von diesem ersten Befunde aus w:arnt, so darf man doch sagen* dass sich im allgemeinen die Befürchtungen, die Kundige diesem Archiv gegenüber hegten, bewahrheitet haben. Im wesentlichen ist bisher unbekanntes Material nur für die neue und neueste Zeit — also etwa von 1650 bis zur Gegenwart — ermittelt worden. Indes erscheint cs von grosser Bedeutung, für die Erhaltung — welches Schicksal solche Akten erwartet, zeigt der Bericht allen klar — und wissenschaftliche Verzeichnung auch dieses Materials zu sorgen. Akten, wie die Kotariats- und OemQindebücher von Frankfurta. M., die im 17. und teilweise auch schon im 16. Jahrhundert begonnen wurden, werden für die Verwaltungsgeschichte der jüdischen Gemeinden und auch die so dringend erforderliche Wirtschaftsgeschichte der Juden reichen Ertrag bringen. Auch die Ernanzipationskämpfc und die Aufklärungszeit werden unter Bcleuchtung solcher Gemeindeakten, beispielsweise der Sitzur.gsprotokollc des ״Konsistoriums des unteren Elsasses" in Strassburg, intimere Schilderung fördern. Mit einem Wort in dem Archiv kann wirklich das Material für eine künftige Geschiehts- Schreibung über die deutschen Juden in der Neuzeit gesammelt werden. Wann diese Geschichte geschrieben werden wird, ist im Augenblick nicht so wichtig, als die Erhaltung des noch vorhandenen Materials für sie in die Wege zu leiten. Die jüdische Wissenschaft wird ja doch von der Kompendien- Schöpfung und Wissenschaftsgründung zur bescheidenen, gewissenhafteji, opfer-, aber auch freudereichen Que'lcnarbcit ihrer Begründer zurückkchren. So kann auch die jüdische Wissenschaft die Schaffung dieses zunächst für praktische Zwecke gegründeten Archivs nur freudig begrüssen. Jüdische Bürgermeister Da der bisherige Bürgermeister in Czernowitz, Freiherr von Kochatiowski, infolge hohen Alters auf das Amt verzichtete, musste für die restliche Funktionsperiode ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Zwei Kandidaten kamen in Betracht. Der Kandidat der Christlich-deutschen — wie sich hier die Dcutsch-volklichcn nennen — Felix Baron Fürth und der bisherige Vizebürgermeister, Regierungsrat Dr. Ed. Re iss, der zw׳ar von keiner Partei kandidiert wrnrdc, aber von den Juden als der ihrige auf ihr Schild gehoben wurde, von den Juden als der ihrige auf den Schild über 19 von 50 Sitzen. Keine Gruppe hat daher die Majorität. Das Ziinglein an der Wage bildeten die 7 Rumänen, da die Übrigen kleinen Gruppen erklärten, für Dr. Reiss, einen anerkannt tüchtigen und objektiven Mann zu stimmen. Es gelang Abg. Dr. Straucher ein Kompromiss mit den Rumänen zustande zu bringen, indem er ihnen die freiwerdendc 1. Vizcbiirgermcisterstelle zur Verfügung stellte. Damit war die Wahl Di. Reiss gesichert. Diese Wahl hat für die Juden im Lande eine ziemliche politische Bedeutung. Damit ist die von den Deutschen in der Bukowina im Jahrc 1S97 cingeschiagcne judeufeiudliche Taktik, sich von den Juden zu sondern, anfs Haupt geschlagen. Die Juden sind in diesem Kampfe erstarrt, zum grossen Teil durch die Führung Dr. Stranchcrs. Die Deutschen flöten schon heute Frieden, während sic bisher versuchten, die Juden politisch zu erdrücken und bei Seite zu setnehen. — Ausser in Czernowitz sind noch jüdische Bürgermeistcr in Rädautz — Dr. Dürnstein, Storozynetz — I)r. Ratz und Wiznitz — Larisch, überdies noch in vielen Marktilccken und Dorfgemeinden der Bukowina. : Die Enkel Heinrich Heines Aus Wien melden die Zeitungen: Demnächst findet auf Schloss Schönkirehen in Niederösterreich, einer Besitzung der Familie Heine, die VcrmähÜn eines Grossneffen und einer Grossnichte voif Heinrich Heine statt. Beide sind Enkelkinder des Freiherrn Gustav v. Heine-Geldern, des Bruders des Dichters. Der Bräutigam ist der k. u. k. Seekadett Heinrich Freiherr v. Heine-Geldern: die Braut ist Alix Ereiiit v. Heine-Geldern. — Man sieht, die Enkel haben es weiter gebracht, als der Ural:!!. Der war freilich auch bloss ein Dichter, und der Enkel ist ein — Seekadett. Von der Wiener Hofoper An der Wiener Hofoper, einem Institut, an dem hekanntlicli ein getaufter Jude die allererste Geige spielt (Arnold Rose), das unter der Leitung eines ebenfalls getauften Juden (G usta v M a 1! 1 e r) steht, spielten siel! jüngst harte Kämpfe ah. Ein Jude aus dem Orchester, lumci.s R i e s e n f c 1 d , der den Sprung zum Wasser noch nicht getan, war streberisch genug, nach Chopinscheu Tänzen cm Badet zu komponieren, über dessen Wert man ja nicht allzu!:011er Meinung zu sein braucht. Sonntag war die Erstauhührung. Mahler wollte dem Komponisten eine aufmuntenide Ehrung zu teil werden lassen, indem er ihm die musikalische Direktion für die Aufführung übertrug. Er hatte aber seine Rechnung ohne das Orchester, das zu einem Teil aus Konscrva.oriums- Professoren besteht, gemacht. Die Herren des Orchesters weigerten sich nämlich, unter der Leitung eines u 11 g e t a u f - ten Juden zu spielen. Denn sie spielen sehr gern unter dem Taktstock von Brutto Walter, der vor seiner iieiitestnmentarischcn Zeit Schlesinger hiess, und natüilich auch unter Gustav Maliter. Aber schliesslich durfte de,־ Komponist doch die bescheidene Genugtuung erleben, dass sielt Mahler seiner annahm und die Herren doch unter Riescufelds Leitung spielten. Ja, Kunst veredelt! Rundschau der Presse DIE WELT enthält in No. 17 eine Besprechung der Ussischkinsclien Broschüre ״Unser Programm‘‘ aus der Feder Professor Warburgs, der sie bezeichnet als ״picht das zionistische Programm als solches, sondern ein kolonisatorisches, vorwiegend agrarisches Gegenwartprogramm der Zionisten im Sinne des Herrn Ussischkin, aber als solches ein nicht unwichtiger Markstein in der Geschichte der Bewegung. Israet Zaugwill setzt seine:.׳ Artikel fort ״Der Zionismus und das Angebot Englands‘‘, der weniger für das letztere als gegen Palästina Stimmung zu machen geeignet ist. Zwischen ..Ugandisnuis, Territorialismus, Palästinismus. Zionismus" sucht Dr. J e r e m i a s eine mittlere Linie zu ziehen. In No. IS enthält DIE WELT einen Artikel ״Schiller und das jüdische Volk“ ׳von Oskar Frankl, der u. n. die ungerechte Behandlung der Juden in der ״Sendung Moses" ans der rationalistischen Deutungsweise Schillers erklären will. Kleine Mitteilungen Zweiter indischer Turntag in Berlin. W'ir erfahren, dass ausser den Berliner Herren an den Beratungen des Turntages■ je ein Delegierter aus Wien. K r e n! s i c r . M ä h r i s c 11- Os trau und Köln als stimmberechtigte Delegierte teiluahinen. Ausserdem wohnten noch zwei zufällig in Berlin weilende auswärtige Herren den Beratungen bei. Der Hiltsvcrcln der deutschen Juden hielt in Tilsit und M cmel Versammlungen ab. denen sich Besichtigungen der Institutionen für Auswanderer »!!schlossen. Der Hiifsverein hat eine Anzahl neuer Mitglieder gewonnen. In Frankfurt a. Ma’n ist kürzlich ein Vc r ein zur Errichtung einer jüdischen B'bFothck nud Lesehalle gegründet w״rden. Derselbe soll die jüdische und hebräische Literatur, insbesondere auch die periodische, unter Berücksichtigung

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