Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) vierteljährlich: 1. durch die Expedition: •) In Berlin —fiO Mark, b) nach auswlrts Mark, c) för das Ausland 1,50 Mark. 2. Im PotUbennemeat 1,25 Mark. Insertionspreis die viergespaltene Petit *Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Alle Rechte Vorbehalten. Organ 2§2 der Zionistischer; Vereinigung für Deutschland. Abdruck aus der JUED1SCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag jüdische Rundschau, E. O. m. b.H* Berlin N.54, Auguststr. 491. Geichiftsstuadea der Expedition täglich (ausserSabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Uhr. Adresse der Redaktion: Berlin N W. 62, Mefanehthomtram 4 Nummer 19 Berlin, 12. Mai 1905 — 6. Ijjär 5665 X. Jahrgang Der siebente Kongress Der siebente Zionisten - Kongress findet laut Be• kanntmachung des A.-K. am 27. Juli d. J. und den folgenden Tagen in Basel statt. * * * Dio Vorbereitungen zum siebenten Kongresse sind bereite im Gange. Die Verhandlungen werden wie bisher im Baseler Kasinogebäude stattfinden. Den Teilnehmern, resp. den einzelnen Landsmannschaften werden eigene Beratungssäle zur Verfügung stehen. Auch für die anderen Atiforderungen wird gesorgt werden. Im Kasino soll, wie bei den früheren Kongressen, eine eigene Post- und Telegraphenstation errichtet werden. Es werden wie bisher Delegierten-, Journalisten- und Galleriekarten ausgegeben werden. Um Unordnungen beim Zutritt zur Gallerie des Kongresssaales vorzabeugen, hat das A.-K. beschlossen, zum siebenten Kongresse numerierte Galleriekarten auszugeben, und zwar: für einzelne Sitzungen gültige & Frcs. 3, für die ganze Kongressdauer gültige k Frcs. 20. 1 Das gesamte Erträgnis fliesst dem Nationalfo n d zu. Schon jetzt worden Vormerkungen für Galleriekarten vom Kongressbureau, Wien, IX., Türkenstrasse 9, entgegengenommen. Englands Fremdengesetz Am 2. Mai hat das englische Unterhaus in zweiter Lesung die sogenannte Antialien-bill, das Gesetz über d. b. gegen die Einwanderung, mit l\\ gegen 59 Stimmen angenommen. Die Annahme in dritter Lesung ist! auch gesichert, und wir werden also das Jahr 1905 in der Geschichte als das Jahr zu verzeichnen haben, in dem der alte Freistaat England — neben der Schweiz das einzige europäische Asyl für die Vertriebenen und Verfolgten der Alten Welt — eine Wendung seiner Politik eintreten lässt, die ihn dieses Charakters allmählich entkleiden wird. In Anbetracht der Wichtigkeit, die der Gesetzentwurf für die Tausende unseres Volkes hat, die, aus Russland und Rumänien verjagt, in England Arbeit und eine neue Heimat suchten, und angesichts der verschiedenartigen Au!- fassung, der die Antialien-bill in Deutschland begegnet, ist es von Interesse, sich die wichtigsten Daten aus der Entstehungsgeschichte dieses Gesetzes kurz zu vergegenwärtigen. Vor etwa drei Jahren war es, als in einer Debatte im Unterhause der Abgeordnete Major Evans G 0 r d 0 n den Antrag stellte, der Einwanderung bedürftige,־ Ausländer gewisse Schranken zu ziehen. Er wies darauf hin, dass in Stepney allein 50000 Ausländer wohnten, während das Eastend einen Zuwachs von 26000 Russen erfahren habe. Die Folge davon sei natürlich eine Verdrängung der englischen Arbeiter. Hunderte von englischen Familien wären dadurch auf die Strasse geworfen. Gleichviel ob dieser Antrag und seine Begründung aus konservativem Parteiinteresse oder aus wirklichem Interesse für die englischen Arbeiter entsprang, jedenfalls rief er grosses Aufsehen hervor, und bereits am 2E März 1902 wurde in der LONDON* GAZETTE bekannt gegeben, dass eine königliche Kommission eingesetzt worden sei, um zu untersuchen, welche Missstände die unbegrenzte Einwanderung mit sich bringe. Am 10. Juli 1905 wurde vor dieser Kommission als Experte auch, wie bekannt^ Theodor H e r z 1 vernommen. Er versuchte vor allem, die Gründe der Einwanderung, den Zwang der .Not, die die Juden nach England treibt, den Mitgliedern der Kommission, zu denen u. a. Lord Roth- Schild und auch Major G 0 r d o n gehörten, darzulegen. Die Kommission veröffentlichte das Resultat ihrer umfassenden Untersuchungen am 12. August 1903 und brachte ein Gesetz gegen die unbeschränkte Einwanderung in Vorschlag, das am 29. März 1904 im Unterhause zur ersten Lesung gelangte. Im Juni desselben Jahres wurde das Gesetz dem grossen Komitee für Gesetzgebung überwiesen, wo es aber seitens der Liberalen einen so heftigen Widerstand fand, dass die Regierung sich genötigt sah, es am 7. Juli fallen zu lassen. Am 18. April dieses Jahres nun brachte der Home Sccretary Akers Douglas das neue Fremdengesetz zur Erörterung im Unterhause, dem die Liberalen nun keinen allzu heftigen Widerstand mehr entgegensetzen