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Jüdische Rundschau · 1905-03-31 · Heft 13 (31.3.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 146. ־ JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 13 Jung Juda zog ein! — . Die Aufiüh ringen verdienen alles Lob. Man kann überhaupt nur im Superlativ von der ganzen Feier reden. Viel Eindruck machten u. a. zwei Darbietungen im Jargon, ein Solo mit Chor aus Goldfadens Oper, und ein Lied ,.Im Cheder“, bei dem das Bild sehr fein gestellt war. Mancher, bei dein das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem jiidi• sehen Osten wirkt, hatte feuchte Augen. Nach dein ersten Teil des Programms: Prolog, Begrüssung der Kinder. Melodrama nach dem Neuhebräischen des Malte, Festspiel. Üd 10 owdo und jenen Jargon-Liedern wurden alle Kinder mit Chokolade und Kuchen bewirtet. Dazwischen lustige Purinigesänge. Musikpiecen und Bünkel- Sänger, die grosse ,.Moritat“ von Hantan kündend und im Bilde zeigend.dann, zum Schluss, eine mächtige Polonaise mit Cotillon. von 600 gegangen. Ad iniinitnm. Das Komitee blieb noch Tange beisammen, bei frohen Reden imJ noch fröhlicherem Tanz. Jeder konnte sich nur schwer treuneu, die lieben Kleinen am schwersten. Es war ein jüdisches Fest, ln seinem ganzen Auibau und nach seinem ganzen Inhalt. Reich und Arm war in frohem Gleichklang zusammen; voll Feingefühl wirkte gerade da das Komitee. Darüber wird man nicht reden, aber man wird allerwärts gut tun. sich ein Beispiel daran zu nehmen. Von all den Vielen, die voll Hingebung iür die Sache• wirkten, muss neu z.wei Namen nennen. Frau Dr. Moses, die das ganze äussere Arrangement und den Kartenverkam leitete. Und mit soviel (kschick und was noch mehr ist - mit solcher Selbstverständlichkeit, dass ihr nicht _getmg zu danken ist; D r. Kal Iner. der überhaupt die Seele des Ganzen war. Das ganze Programm hat er eingeübt. .zum wesentlichen Tcis selbst gedichtet etc. etc.: man weiss. was es heisst, solch Fest harmonisch ein- und ausklingen zu lasse;!. Es liegt viel Tröstliche.־ in solchem Feiern gerade jetz:. in den Tagen, da so viel Kleinmut unter uns gedeiht, weil in Wien ein frischer Grabhügel ist. der unseren Besten birgt, der unser Stolz war und unser Führer. Wir sind die Kommenden! Da ist ein Häuflein Zionisten: in ihnen wirkt stark wieder die ״Jiidisehkeit“, angeregt, befestigt, geklärt durch den Zionismus. Und sie veranstalten das prachtvolle Fest. Und bringen einen ganz anderen Ton herein in ein derartiges Fest. Ich will nicht sagest, einen vornehmeren Zug. obgleich ich’s fühlte: jedenfalls einen stolzereit, ächte reu. selbstbewussteren: kurz, einen jüdischen Zug. Das waren nur die Mansche!«, die ganz zu Hause blieben. Natürlich ist das nicht wörtlich zu nehmen. Man kann doch wohl nicht gut unsere offiziellen Rabbiner derart apostrophiercn. Die blieben nämlich weg. In denen aber, die kamen, war’s ein Klingen und S agen. Schön und hofinuugsiroh. Jüdische Jugend war’s ja, in dcr's jubilierte. Aber auch die ״Grossen" konnten erst und wollten dann nichts anderes, als geradeso zu fühlen. Und das war der Grundton: Hie gut jüdisch allewege! J. S. Der VII, Kongress Zu unserer Notiz in voriger Nummer wird uns aus Basel geschrieben, dass das Kongressgebäude (Stadt-Kasino) nicht der Stadt Basel, sondern der privaten Kasino-Gesellschaft gehöre. Das Gebäude wird auch nicht umgebaut vielmehr erhält nur der grosse Musiksaal. in dem die Sitzungen der Kongresse stattfandeiu eine neue Zentralheizung. Diese Arbeiten, die bereits begonnen haben, werden :iir die Dauer des Kongresses, bei dessen Beginn sie bereits ihrer!Beendigung nahe sein dürften, unterbrochen, sodass also der Kongress in. Basel ittt alten Gebäude stattfinden wird. Aus Petersburg wird gemeldet: Der Minister des Innern empfing eine Deputation angesehener Juden, welche ihm nahelegte, dass das Reskript über die Einberufung einer Volks- Vertretung die Juden uuvorbeteitet getroffen habe. Weder durch die Semstwos, den Adel oder d e Bauernschaft stände ihnen der Weg zur Volksvertretung offem höchstens durch die Städte. Sic baten deshalb den Minister, bei bevorstehende» Konferenzen auch die Juden zu berücksichtigen. Bulygin entliess die Deputation, ohne ihr Versprechungen zu machen. Herrn Böcklers Hochachtung Eine Militär Jebatte, die zu einer Judendebatte wird, ist im Deutschen Reichstage nichts Ungewöhnliches mehr. Die Juden haben das Unglück, verteidigt zu werden von Nichtjuden. denen es natürlich nur darauf ankommt, die Juden zu entschuldigen. Die jüdischen Abgeordneten schweigen sich mit dem Mute aus. der an ihnen bekannt ist, soweit sie nicht schon früher diesen Mut in der Art des Herrn Mugdan bewiesen haben der ״aus der äthiopischen Rasse at sgeschiedett" ist. Sic werden dafür gelegentlich wieder durch ihre Schärfe und Gehässigkeit gegen die Krone den niclitjiidischen Blättern Gelegenheit geben, sic an ihre Zugehörigkeit zur Judenheit zu erinnern. Diesmal hat sich der nt:t Hüte iiucra'cr Jude.׳! gewählte Ritualmordautiseniit B ö c k 1 e r in hervorragender Weise beteiligt tmd Witze gemacht, die dem ..feinen Geschmack" der slavischen Landjmiker auf der Rechten den großbäuerlichen Gaumen k't/elten. Eine Stelle aus der Rede dieses Musterabgcordneteii ist es. die uns veranlasst, auf sie zurückzukommen. Im Hinblick a־.!i E i c k 11 o i i und K o p s c 11 sagte er: ..Wir sind es gerade gewesen, die nicht wünschen, dass die Religion in die Rassenfragc hineingemischt wird. Wenn wir vor einem Juden überhaupt Achtung haben sollen, so könnte es nur ein Jude sein der treu dem Glauben seiner Väter aniiättgt tmd ihn nicht wechselt wie ein getragenes .’iemd." Warum aber hat ■denn das ganze Antiscmitentum kein Wort gefunden als kürzlich fest gestellt wurde, dass der Herr Dr. Rappaport. der trotz seiner ga!!zischen Abstammung es zum Angehörigen des preussischen Oifizlerkorps gebracht hat. schon seit seiner Jugend Christ sei. Warum haben sie damals geschwiegen? Nur weil Herr Dr. Rappaport auch durch seine Taufe iakt'sch die Berechtigung des Antisemitismus zugegeben hat! Der arme Rappaport tut uns freilich direkt leid. Grade wo er seine jüdische Abstammung so gern ganz vergessen machen möchte, wird er immer wieder als beginnender Stude;:t. als jung gebackener Doktor und jetzt als glücklich arigenomineller Reserveoffizier an seine Verwandtschaft mit den Familien Rappaport in Lemberg. Tarnow und Brody erinnert. Und wie nahe• steht er doch Herrn Lieberniann von Sonnenborg inder von Otto Erich H a 11 ז c b e 11 so treffend gezeichneten Gesinnung? Aber es ist nicht wahr, dass die Antisemiten vor den Juden Achtung haben, die mit St■ 17׳. ihr Judentum bekennen. Sollte cs aber der Fall seht dass wir zu dem Telle der Juden gehören. üe־:ic:; Herr ,Bock le r eventuell seine Hochachtung ausdrücken würde. 50 müssen wir ihn! tmd seinen Zugehörige!! deutlich und klar und unzweideutig erklären, dass sie uns beschimpfen dürfen, so oft und so viel sie wollen. Es wird uns nicht rühre:״ Aber was wir uns auf’s aHerentseliiedetme verbitten, das ist ihre Hochachtung! Rundschau der Presse In der WELT setzt Dr. P a s m a 11 i k - Genf seine Ausfühnmgen über ״Zeit- und Streitfragen im Zionismus־• fort und beschäftigt sich mit dem Territorialismus als einer Weltanschauung (?). Fr weist sodann den Einwurf der Territorialisteu zurück, dass Palästina zu klein sei. Palästina habe allerdings nur noch für Millionen Menschen Platz, ln mittleren Kulturstaude, dagegen ..können die Nebenländer Palästinas die Kleinigkeit von DK) Millionen Seelen aufnehmen .־. . Wenn wir auch im Beginn nur Palästina kolonisieren wollten, so würde die weitere Entwickelung ganz natürlich zur Kolonisatiou der Nebenländer füll reu. Wir werden nachzuweisen suchen, dass die Idee vom ״greater Palcstinc” gerade jetzt, in Anbetracht des Tcrritorialismus. zu einer Lebensbedingung der normalen zionistischen Entwicklung geworden ist.” . . .,Es genügt nicht, zu sagen: Zurück nach Palästina! Wir müssen uns auch über das ..Wie" im klaren sein. Kurz gesagt:*Das. was mau billigerweise vom Ugar.Japrojekt erwartete, müssen wir wenigstens in gleichem Umfange und in gleich langer Zeit in Palästina mit den Neben hindern zu realisieren suchen." ־ Ein Brief ״Aus England" Berichtet von der Rückkehr Zaugwills aus Amerika. Während Z a!1 ׳g will die Ansicht äusserte, dass die ostafrikanische Bewege:u eine Stütze der paTIstinensisclicn sei. sprach sich der Führer der deutschen Zionisten. Dr. B o d e 111: c i m c r in einer Londoner Versammlung dahin aus: ..Die ostafrikanisclic Frage war blos eine Episode in der zionistischer. Bewegung." In der OESTERREICH ISCHEN WOCHENSCHRIFT, sagt Oberlehrer Dr. B a u m dem berüchtigten antisemitischen ..Literarhistoriker" Adolf Bartels einige von den vielen Grobheiten, die der Edle reichlich verdient hat. Von der B.’sehen Literaturgeschichte sagt Baum: ״Ein perfideres, miserableres charakterloseres Schundwerk ist mir noch nicht zu Gesicht gekommen.־' Freilich sind das eigentlich Höflichkeiten gegenüber Bartels Ton. Das JÜDISCHE VOLKSBLATT (Wien) beschönigt sich in einem Artikel ״Die Kreuzbewegung" wieder mit den ,.Magyaren mosaischer Konfession", d. 11. mit den ungarischen Juden. Es heisst da u. a.: ..ln Ungarn müssen die Juden schon aus taktischen Erwägungen heraus, wenn es sich ihnen nicht um epheme re materielle Vorteile, sondern um dauernde Erfolge, um eine absolute Sicherung ihrer Position handelt, nicht Magyaren. Slowaken Deutsche oder Rumänen sein wollen, sondern nur Juden, nationale Juden. Wie wollen sic denn ihre Position nun den magyarischen Parteien gegenüber, die siel! zu klcrikalisieren beginnen, wahren, da sic verabsäumt habe״ ebensowohl

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