Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1905)
- Date
- 1905-03-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) vierfefjihrtfch: 1. durch die ExpeiiUon: a) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus• wirts 1,— Mark, c) fCr das Ausland 1,53 Mark. 2. In PosUbonnement 1,25 Mark. Insertionsprels die vlergcspaltene Petit*Zeile oder deren Raum 25 Pfennig Organ der Zionistischen Vereinigung für Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vertag JOdiiche Rundschau, Berlin M. 54, Auguststr. 491. Oeschüftsstunden der Expedition! täglich (ausserSabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Uhr, Deutschland Adresse der Redaktion! Berlin N W. M, Melansbtheeilrasa« 4. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 13 Berlin, 31. März 1905 — 24. Adar Scheni 5665! Jahrgang An unsere Leser Die vorliegende Nummer ist die letzte des ersten Quartals vom zehnten Jahrgang unserer Zeitung. Wie wir wohl ohne Selbstüberhebung sagen dürfen, ist der W eg der JUEDISCHEN RUNDSCHAU immer nach voruärts gegangen. Und diese Richtung soll er auch weiter beihehalteii. Wie bisher soll auch weiter die JUEDISCHE RUNDSCHAU ein Organ sein, dem nichts Jüdisches fremd ist; wie bisher soll sic auch fernerhin der Ausbreitung und Vertiefung unserer erhabenen Idee dienen, soll sie d a s Programm vertreten, das wie kein jüdisches zuvor, einzig ist in seiner historischen und kulturellen Geschlossenheit und Einheitlichkeit, das Baseler Prograrnni der Zionistischen Bewegung. Aber wie die Bewegung zur Erreichung ihrer Ziele der Mitarbeit aller bewussten Juden bedarf, so ס rauchen wir die Mitarbeit aller ihrer Ziele sich bewussten Zionisten. Deshalb appellieren wir von neuem an alle deutschen Zionisten und an alle die zahlreichen Leser und Freunde unseres Blattes in anderen Ländern, uns ihre AAitarbcit, sowohl für die Verbreitung wie für die Ausgestaltung unseres Blattes, in reichstem Masse zuteil werden zu lassen. Nur im ständigen Zusammenwirken mit unseren Lesern werden wir auch weiter das Vertrauen rechtfertigen können, das uns bisher in so dankeuswerter Weise entgegengebracht worden ist. JUEPISCHE RUNDSCHAU Ohnmächtige Minister Nun hat auch der Reichstag seine Judendebatte wieder mal weg. War es im preussischen Abgeordnetenhause der Justizminister Schönstedt, der sich gegen den Vorwurf der Verfassungsverletzimg dadurch schützte, dass er sieh tapfer hinter die ״Prärogative der Krone" verkroch und der dem zweiten noch präziseren Vorwurfe derselben Art fast noch tapferer dadurch entging, dass ei überhaupt nicht antwortete — so hatte im Reichstage Herr von Einem, Kricgsminster und Generalleutnant, den Angriffen des liberalen und des sozialdemokratischen Abgeordneten Stand zu halten, die Uirerscits zum soundsovielten Male die alte Geschichte vortrugen, dass zu der verfassungsmässigeil Gleichberechtigung aller Staatsbürger in einem etwas auffälligen Gegensätze die Tatsache stehe, dass gerade alle jüdischen Staatsbfirger zu den höheren Chargen der Armee, vom Unteronizier angefangen, keine Befähigung hätten. Aber der Verlauf im Reichstage unterschied sich doch ein wenig von jener Debatte, in der Herr Schönstedt die stumme Hauptrolle spielte. In der preussischen Gesetzfabrik an der Prinz Albrechtstrasse kann sich ein Minister nachgerade alles erlauben. Die Herren dort sind beinahe der von Christus gebotenen Feindesliebc praktisch ergeben. Anders im Reichstage. Da schwillt selbst den Liberalen ab und zu einmal der konstitutionelle Kamm, und sie tun so, als wollten oder könnten sie einen Minister, einen leibhaftigen Minister zur Verantwortung ziehen. Natürlich tun sie blos so — ״teils dieserhalb, teils ausserdem“. Sie w issen ja genau, dass doch alles beim alten bleibt. Aber die Antisemiten halten bei dieser Gelegenheit ihre Wahlreden im Reichstage, warum sollen es die Liberalen nicht? Dagegen lässt sich, wenig einwenden. Nur sollten die Juden sich nicht dem schönen Traum hingeben, dass durch diese Debatten der bestehende Zustand auch nur um ein Titelehen geändert würde. Nicht einmal um ein einziges Offizierstitelchcn. Herr von Einem also antwortete Herrn Eickhoff, der sich wieder der undankbaren Aufgabe unterzogen hatte, die bekannten Sachen in der bekannten Weise vorzu-, bringen. Er antwortete; ganz anders als Herr Schönstedt. Das ist schon anerkennenswert, wenn man hescheiden ist. Und das zu sein, wurden wir Juden in Preussen-Deutschland ja bereits gewöhnt. Aber diese Antwort ist eine höchst merkw ürdige Verlautbarung für einen preussischen Minister. Herr Schönstedt hatte in nicht eben vornehmer und sicher nicht gesetzmässiger Weise die Schuld an der behaupteten Vcrfassungsverletzung, die er nicht einmal bestritt, der Krone zageschoben, d. h. seine eigene Ohnmacht über sein Ressort erklärt. Der Kriegsminister kam zu einer ähnlichen Ohnmaehtserklärung. Nur begründete er sie ganz, anders. Und da wird die Sache auch für den rein prinzipiell Betrachtenden interessant, der es im übrigen für wenig weltbewegend hält, ob ein Jude aus Berlin W., der sich seines frommen Grossvaters wegen nicht t •ufeii lassen kann, Reserveleutnant wird oder nicht.