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Jüdische Rundschau · 1905-03-17 · Heft 11 (17.3.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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No. II. Seite 122. JÜDISCHE kurrierenden deutschen Industrie, soweit ihr Absatz in üa- Jizicn dadurch betroffen wird. Sodann ist zu befürchten, dass durch die Ausfuhr deutschen Oeldes nach Galizien die dortigen Juden immer mehr Lust bekommen, nach Deutschland auszuwandern. Bei ihrer skrupellosen Verschlagenheit gelingt es ihnen nicht selten trotz aller Vorbeugungsmassregeht. sich in Deutschland sesshaft zu machen und ihre Praktiken zum Sc 11aden des deutschen Volkes zu betätigen. Die deutschen Oerichte wissen davon zu erzählen. Haben doch die galizischen Juden auf Grund der Meistbegünstigung des Handelsvertrages ein Recht, •»ich in Deutschland niederzulassen! Ja. sie haben sogar in Deutschland mehr Rechte, als in Oesterreich selbst: hier müssen sie den Befähigungsnachweis erbringen, wenn sic ein selbständiges Handwerk austYben wollen, in Deutschland dagegen wird dieser Befähigungsnachweis nicht gefordert." Auf einmal wird also ein Unterschied gemacht zwischen deutschen und anderen Juden, d. h. freilich nur hinsichtlieh ihres Oeldes. Und dafür, dass man in Deutschland den deutschen Juden ihre Rechte verkürzt, sic tagtäglich beschimpft und sie gesellschaftlich ächtet, dafür verlangen diese konservativen Antisemiten oder antisemitischen Konservativen noch, dass die Juden nur ja nicht ihre zölluerischen Kreise stören sollen. — — — Die KREISZEITUNG würde das hei Juden ..jüdische Frechheit" nennen, und das Hauptwort aus dieser antisemitischen Vokabel ist liier zweifellos das allein zutreffende. Aber dieser• Zumutung folgt noch das klipp und klare Dentin* zütiönchen: . Unter diesen Verhältnissen erscheint es notwendig, das? die Tätigkeit des Hiltsvereins der deutschen Juden e: 1er g •- wissen Aufsicht unterstellt wird, damit die Unterstützung d׳.r osteuropäischen Juden, die sich der Berliner Verein zur Aulgäbe stellt, nicht etwa eine Beeinträchtigung oder Schädigung deutscher Interessen zur Folge hat." Und so was nennt morgen, wenn's gerade passt, eine:: anderen jüdischen Verein ..Penun/iatiten-Yerein"! Die Abfuhr Die akademischen Freihcitsheldeu. deren Frelhcitsbegrii! bekanntlich höchst subjektiver Art ist. haben sich eine ״Abfuhr" geholt -- um im Jargon der Herren zu bleiben — wie sie kräftiger nicht ausfallen konnte. Sie hatten einen Studententag nach Eisenach einberufen, zu dem mit drei Ausnahmen alle deutschen Hochschulen ihre vom Geiste dieser modernen akademische 1 Freiheit erfüllten \ erlreter sandten. Was da herauskam? Nun, was eben herauskommen kann, wenn Leute den edlen Namen der Freiheit missbrauchen für ihre recht wenig freiheitlichen Zwecke der Unterbindung der Freiheit anderer, wenn sie den Mund voll hoher Worte nehmen zum Ausdruck einer Gesinnung, die mau als hoch nicht eben bezeichn kann: tönende Phrasen und wieder Phrasen. Aber eine Pilicht vergassen sie natürlich auch in Eisenach nicht, den Kaiser anziitelegraphicrcn. Und Wilhelm II. antwortete 1'n einer Depesche, die'wie keine seiner Depeschen zuvor den Beifall aller wirklich freiheitlich Gesinnten in Deutschland finden wird. Die denkwürdige Antwort an jene wenig denkwürdige Versammlung lautet: Ich habe den Htildigungsgrtiss aus Eisenach gern entgegcngenonimtvi in dem Vertrauen, dass unsere Studenten stets bestrebt sein werden, die deutsche Geistesfreiheit auch durch de Achtung vor der Überzeugung Andersdenkender hochzuhalten. W i 111 c 1 tu I. R. Das heisst ein rechtes Wort am rechten Ort! Aus Uganda Das Retttersche Bureau berichtete unter dem 10. März aus M o m b a s s a . dass 9000 Somalis die Stadt M erka au der Küste von Benadir angegriffen und die Eviwohner der Stadt umgehricht hätten. — Die eventuelle jüdische Siedchmg würde sich also, abgesehen von anderen Schwierigkeiten, auch noch einer ziemlich unangenehmen Nachbarschaft zu erwehren haben. Rundschau der Presse DIE WELT enthält in No. 10 beachtenswerte Ausfiihru:!- gen über ..Die Politik gegenüber den Juden in Russland”. die vor allem vor durchaus unberechtigtem Optimismus in Bezug atif die nahe ..Konstitution” warnen. Der GENERALANZEIGER FÜR DII: GESAMTEN IN- TERHSSEN DES JUDENTUMS bringt in Nr. 11 aus der Feder Dr. Max J u n g m a n 11 s einen längeren, aber frisch und scharf geschriebenen Artikel ״Der Zionismus und Prot'. Ludwig Geiger." Zunächst erörtert der Autor die Stellungnahme'Geigers zur zionistischen Literatur (vcrgl. J. R. Nr. 5) taid schreibt da u. a.: ..Wenn schon die jüdischen Poeten der älteren Zeit ihre ganze dichterische Tätigkeit in den Dienst RUNDSCHAU.; einer verstaudesmässigen Tendenz, stellten, so kann man na-! tiirlich nicht erwarten, dass die christlichen Dichter, die es 1 mit den Juden gut nuinten, mehr als Mitteid und ücrcchtigkeit zum Ausdruck brachten. Vielleicht konnte sich der eine oder der andere für das Volk der Bibel begeistern. Die zeitgenössische Judcnhcit 1bcsass ausser ihrem Leiden nichts Grosses, das in der dichterischen Phantasie eine klingende Saite hätte anschlagen können. Wie gigantisch aber ist der zionistische Gedanke! Ein Volk, das man längst für tot und begraben hielt, ist nach vielhuudcrtjührigcr Lethargie wieder aus der Asche erstanden imc! beginnt das Leben eines Kindes, ein neues Leben mit neuer Kraft und neuer Hoiinung. Aus schleichenden Schacherern ist über Nacht ein Volk von Idealisten geworden, aus verkrümmten Duckmäusern ein freies Menschengeschlecht mit fröhlichem Mut und freiem Blicke. Ja. vom Zionismus ging etwas Grosses aus. das auch nichtjüdischen Sängern die Laute in die Finger zauberte.” Auf die neueste Leistung Geigers, der den Zionisten die Staatsbürgerrechte entziehen will und so beiläufig üi dürren Worten erklärt, die deutschen Juden hätten sich garnicht tun die ausländischen Juden zu kümmern — diese sollten ruhig zu Grunde gehen, wenn sie sich nicht selbe! hellen können — erklärt Jungmann: ״Die einzige Antwort auf diese Leistung ist ein kräftiges Pfui! und Raus aus der GemeinJestul>e! Gerade die Liberalen haben ein Interesse daran, sich des Mannes, der sie und die ganze Judenheit fortgesetzt kompromittiert, möglichst bald zu entledigen. In der Vertretung der Berliner Juden- Schaft wollet! wir Juden haben und keinen ־ Geiger." | Au derselben Stelle wird!ungeteilt, dass Protcstver- : Sammlungen gegen den famosen Profess«»;• abgehaltcn werden » sollen, deren Resolutionen dem Vorstand und der Repräsentanz | der Jiidschen Gemeinde Berlins vorgelegt werden. Als l charakteristisch wird dort noch IicrvorgehoHe:!. dass! ״die gesamte jüdische Fresse mit Ausnahme der RUNDSCHAU zu diesem Geigerschen Prommciamento schweigt.“ Wir unsererseits können dieses Schweigen gut begreifen - die Herrschaften haltet eben die Sprache verloren, als sie den neuesten Geiger la>cn. Nur wir hartgesottene ILebrüer waren ruchlos genug, von dem jüdisch-professoralen Geiger übe ralismtts alles und noch verschiedenes ausserdem zu erwarten, und daher;bilden wir sogleich den Mut. ihm die verdiente Portion zu verabfolgen, die ja nach Ansicht mancher Leute noch zu mager war. Da es Purim zu feiern gilt, sei auch au dieser Stelle einmal des SCHLEMIEL gedacht, der sich überhaupt diesmal ..fer a Tiger varstellt hot", indem er uns ..littcrarisch” kommt. Aeusscrst gelungen sind die Dichtungen ..nach" Zloeisti. Fried-!ander. Klausner. Salus. Loewe. Münchhausen. Dolorosa: und der ״Judenschmerz" wird manchem ein intjiges Behagen verursacht haben, das hoffentlich keinem d.'urch d'e seltsame Geschichte ..Bei einem Wirte wu.tdermild . . . getrübt worden ist. Wie kann mau aber auch.! Und unter einem romantischen Titel.! So einem SCHLEMIEL ist doch wahrhaftig nichts mehr heilig —.- unser »Mainzer Tugendwächter sollte sich der Sache mal energisch annel1me׳a! Offene Stellen Da manche jüdische Verwaltungen sieh •׳och immer bei Ausschreibung offener Stellen mit Vorliebe nicht-jüdischer Zeitungen bedienen, so machen wir ab und zu auch den Lesern einer jüdischen Zeitung von solchen vakanten Stellen Mitteiluug. indem wir dem betreffend»!י Inserate gratis Aufnahme gewähren. Hier sind zwei solcher Inserate, das erste aus dem B. 1’.. das andere aus der VOSSISCHHN ZEITUNG: An d»*r israelitischen Taubstummenanstalt zu Wei-scnsee sind d:c Stellen eines jüdischen- Lehrers und Erziehers, einer jüdischen Lehrerin und Erziehern! zum I. April zu besetzen. Fis ist für die Reflektanten Aufsicht, eine pe11sio!1si;ereehtigte Stell» ׳g nt erlangen. Schriftliche Meldungen ml: Le!>cu>la1׳.■ u״d Zcugn.isahschritten erbeten au den 1 ייr. M. Reich Weisse.asee. Parkstrasse!8 Die hiesige jüdische Gemeinde beabsichtigt die Anstellung eines Predigers, der zügle;-.•!! eine Religsonsschule leiten soll. Reichsaugehdrige. welche die Oualitikation als Rabbiner besitzet!, werden ersucht ihre Meldungen »•tcr Beifügung von Zeugnissen bis s p ät es teil sät. d. Mts. hei dem Unterzeichneten Vorstand ein/ure:ehen. Berlin, den 8. März 19ר\י. Der Verstand der jüdischen Gemeinde

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