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Jüdische Rundschau · 1905-03-10 · Heft 10 (10.3.1905) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 1u2. überbietende Komik frömmelnder Politikasterei zu )!alten. Aber bei gewissen Zeitungen sind der Komik in Ideal• konkurrent mit anderen weniger löblichen Dingen keine Schranken gesetzt. Und so fährt das treffliche Blatt fort: ״Ganz besonders ist unsere Armee eine erminent christliche Einrichtung. Sie «oll in Friedenszeiten eine Erziehungsanstalt sein, die dazu berufen ist, unsere männliche Jugend zu christlichem Gehorsam und deutscher Treue zu erziehen. Und auf dem Christliehen Gebot der Nächstenliebe beruht auch das feste Band der Kameradschaft, das alle Mitglieder dieser grossen Familie umschliesst.‘־ Wie gesagt stammen diese Sätze aus einem vor einiger Zeit bereits erschienenen Artikel der STAATS- BÜRGERZEITUNG, und nicht etwa aus einer der jetzt kursierenden Eascl1ingsnumme.ru. in die sie allerdings als Satire erheblich besser gepasst hätten. So also begründet der antisemitische ״kriegerische Nazarener“ den ,.christlichen Staat.“ Die christliche Armee ist einer seiner Haupttriimpfe. In diese Armee Juden als Unteroffiziere oder gar als Offiziere hineinzu־ lassen,!misste in der Tat den von christlicher Nächste״- Hebe gehegter, und gepflegten Geist des kriegerischen Massenmordes und der friet!heilen Soklateiisdiindcrei auf das Schwerste gefährden. Welches Glück also, dass wir in einem Staate lei en, der zwar unter unlogischster Verdrehung des klaren Wortlautes der Gesetze und :!״!er ständiger Umgehung ihrer Vorschriften doch — trotz allem — als ein Christliclier Staat deklariert werden kann. W as tut's, dass die Gesetze es anJers wollen; was tut's, dass der eine der beiden genialen Brüder, die Je vor die Pforten der hauptstädtischen Alma mater gesetzt haben, dass Wil• heim von Humboldt schon im Jahre 1791 schrieb, ״dass alles, was die Religion betrifft, ausserhalb der Grenzen der Wirksamkeit des Staates liegt!“ Es muss traurig sein für einen deutschen Juden, der den Emanzipationstratuu noch immer träumt, zu sehen, wie solche überwundene Gedanken heute da,י deutsche Bürgertum wieder beherrschen — denn die autisemitisehen Zeitungen machen ja nur den Vers auf die Meledie, die im Lande gespielt wird. Und gehörten w ir zu diesen, so würden wir in die desperate Klage Lassalles cinstimincii über ״diese absolute geistige Versimpelung des Bürgertums — in dem Lande Lessings und Kants, Schillers und Goethes, Fichtes, Schellings und Hegels,“ würden mit ihm fragen, angesichts der Herrschaft mittelalterlicher Theoreme: ״Sind diese geistigen Heroen wirklieh nur wie ein Zug von Kranichen über unseren Hfiuptern dahingerauscht?“ Aber w ird sind keine liberalen Träumer. Die's immer noch sind, mögen erw achen und sehen, dass, währenddem sie liberale Ideen säliten von der Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz, ein alter verdorrter Stamm sich wieder mit neuem Satte zu füllen .beginnt, der ״christliche Staat.“ Ueber *dessen ernster zu nehmende Vertreter vielleicht ein andermal mehr. ib. Mitteilung des Aktionskomitees Das Zionistische Aktionskomitee hat die Demission des Sekretärs des Kongressbureau,;, Herrn A. H. R u ic h, genehmigend zur Kenntnis g e n o m m c n. Im Aufträge des A.-K. Dr. Leopold Kahn. O. Marmorek. W i c 11, 28. Februar 1905. * No. lö. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen^Vereinigung für Deutschland.!.Die badischen Parteigenossen w erden daran! aufmerksam gemacht, dass im Jahre 1905 in Baden Ablösimgsmarken misgegcben werden. Wir bitten sie diese Marken überall für den Nationalfond zu sammeln, da sie später jedenfalls wertvoll sein werden.* 2. Seit dem 1. Januar 1905 erscheinen in Wien die .JÜDISCHEN ABENDE“ Vorträge aus der Literatur der ostjiidisclieu Volkssprache. Die Mitteilungen erscheinen von November bis April monatlich einmal und kt.sten pro Jahr 2 Mk. Sie sind von .1. Sc 11 in ul, Wien 8., Lange Gasse 51 zu beziehen. Wir weisen 1111־ sere Parteigenossen auf diese Zeitschrift ganz besonders Hin. da sie geeignet erscheint, unter den westetiropäischcn Juden das Verständnis für die osteuropäische Judeuheit zu stärken. lüdische Kolonialbank Am 26. i'e .bruar a׳: C. fand eine Sit־:״.:::g des Direkt•■ ritnrs kiu> Jcwish C< iloiüal T: rust (Jii Jhch. : Kolonialbank) Lid.. -־•“.! 1:־׳d . in Kol:: stau, an welcher io'. gende Herren teikiaii ir.el): D. \Y o 1: i s o 1:!!. Kol!!. Vors i'ZCad er. Joseph C o w e : und 1.. J. Gr e e n 1) c r g. London. J. H. Kann, flaug: s•״ utens des Aufsc'r.:sr; *.tcs: Dr. Bode n 1t e :;11 e r. Köln. Dr. 0. K 0k e sei!. . Dr. A . Mar m o r e k, Paris; der Ma: mg er Th. Hirsch und der sekret." ir 11. N e 1111t a n »». Ati.s der hier folge:,den Bilanz per 1901 geht hervor, dass nach Vornahme der erforderlichen Abschreibungen und Rück* Stellung von L. 700.— als Reserve 1;ir voraussichtliche \ erlöste, ein Netto-Gewinn von L 633s.2.S bleibt. Das Dsrektorium hat beschlossen, der Generalversammlung vor/u>ch!agen. eine Dividende von 2'- Pro/״ iiir das Jahr 1901 zu vorteilen und k. 2׳.aus dem Gew innvortrag 1903 zur Bildung eines Reservefonds zu benutzen und den Gesamtrest au: neue Rechnung vorzutragen. Die Generalversammlung wird mit Rücksicht auf den im Juli—August stattiimlende•» Kongress auf dieselbe Zeit in Basel einberufen werden. Von dem Direktorium des Trustes erhalten wir noch folgende Mitteilungen: In der ersten Hälfte des verflossenen Jahres war das Geschüft recht befriedigend. Dann begann der russisch-japanisclie Krieg seine Wirkung auszufiben. und die Verschied»- teiung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Russland brach.te es mit sich, dass wir bei der Auswahl unserer Geschäfte noch vorsichtiger waren als bisher und viele Geschäfte ablehnten, welche wir unter normalen Verhältnissen unbedingt gemacht haben würden. Auch unsere Rcmissiers in Russland schränkten das Gesciuiit ganz erheblich ein - rat einzelnen Plätzen wurde es fast gänzlich eingestellt. Das Hieb natürlich, da unsere Haupttätigkeit in Russland lag. nicht ohne Wirkung auf unsere Einnahmen. Trotzdem können wir mit dem Abschluss zufricden sein, da der Nettogewinn eit bedeutend höherer ist, als der des verflossenen J alt res. Der Bruttogewinn beträgt L. 1690 1־ gegen L. 12 015 im Jahre 1903: Spesen und Unkosten waren in PAG um ca. L. S50 geringer als in 1903. Der Gcwinnvortrag ex 1903 beträgt: ca. L. 23•״Das Aktienkapital hat sich durch Nettverkäufc und Restzahlungen um L. 2s78 vergrössert und beträgt per 31. Dezember 1903 L. 239 915. Wir halten es für angebracht, wiederholt zu betone־», dass unsere Bank nicht zum ausschliesslichen Gelderwerb, wie manche irrtümlich glauben, gegründet worden ist. Wenn uns auch durch unsere Statuten die weitgehendste Befugnis zur Eiihniug von Bankoperationen aller Art eiugerüumt ist. so ist der eigentliche Endzweck unserer Bank doch mir, wie die Statuten das auch ausdrücklich besage ׳. eine, öffentlich-rechtlieh gesicherte Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina zu schabe»». Wir sind zwar auch bestrebt. Gewinn für unsere Aktionäre zu erzielen, aber unsere Haupt uifgabc bleibt doch immer, das finanzielle Instrument der zionistischen Bewegung zu sein, um derselben d e Durchführung ihres letzten Zieles zu ermöglichen. Demgemäss bestehen unsere Aufgaben in der Verwaltung der Finanzen sämtlicher zionistischen Institutionen, wie z. B. des Nationalfonds. der Schekelgelder usw.. in der Begründung von Unternehmungen in» Orient, wie 7. B. der A n g 1 0 - P a 1 e s t i n e Companv. deren Aktien siel» fast zun» Gesamtbeträge in unserem Besitz befinden, der Heran- Ziehung und der Ausbildung geeigneter Hilfskräfte, um sie I % i 1\! r,) ני 11 I tii G י! 4# 'f u» i \ 11 1 i 3 JÜDISCHE RUNDSCHAU 1

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