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Jüdische Rundschau · 1905-03-03 · Heft 9 (3.3.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 9. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 97. r ü c k s i c 111 i g 1111 g des türkischen Orients abgehalten werden. Mit dieser neuen Leistung unserer Palärtina-Kommission wird unserer gebildeten zionistisehen Jugend endlich ein sehnlicher Wunsch und eine seit langem schwer empfundene, dringende Notwendigkeit in Erliilltng gehen. Wer da will dass aus unseren T1äumc>» Wirklichkeit werden so!!, wird Ernst mit dem Palästina-Studium machen müssen. Hier ist eine glänzende Gclcgcnhc.t dazu geboten, wahrhafte und fruchtbriugcnoc ..Innenarbeit‘’ zu leisten. W i r hoffen, dass kein zionistischer Student, den nicht eine allzuweite Entfernung von Köthen trennt, zu diesen Kursen f e 111 c 11 wird, zumal das geringe Vorlesungshonorar, t Mark für sämtliche Vorlesungen, der Beteiligung keine wesentlichen Opfer auferlegt. Die Vor* tragenden sind zumeist Lehrer der technischen Hochschule Köthen und die Mitglieder der Palästina-Kommission. Die Räume der Hochschule und ihre technischen Hilfsmittel \vcrden den Kursen zur Verfügung stehen. Also: auf nach Köthen! Vorlesungsverzeichnis: Dr AL Blanckc.ihorn: Fhys’sche Landeskunde von Palästlna, 5-6 Stunden. Literatur (Bücher und Karten). Allgeme ne Lage Ausdehnung, natürliche Grenzen. Namen. Geologie (mit Vorlagen). Obcrilüehojibeschattenheit. Klima. Dr. jur. B. Blau: Rcchtsiurmen der Kolcnisatia.1. 2 Stirnden: Pacht. Erbpacht. Rentengut Genossenschaft etc. Dr. jur. A. Klee: Stadtverwaltung und Recht des osmaiusehen Reiches Ausgcwählte Kapitel. •1 Stunden. Dr. med. A. Sandler: Krankheiten des vordere.1 Orients. -L 5 Stunden. Wesen der Krankheiten und ihre Bekämpfung. Persönliche Prophylnve. Dr. Franz Oppenheimer: Genossenschaftliche Koluim ־־tion. •»Stunden; kommunistische Kolonien, genossenschaftliche K־•׳ lonien der \ ergangenheit. Sied!11ngsge11«:se1!s:l1aft. Dr. S. Suski.1: 0.2 wirtschaftlichen VerhültnLse Palästinas. •4 Stunde!!: Verkehr (Eisenbahnen. Schiff::Verbindungen und Strassen) »<־d Verkehr (Ein- und Ausfuhr). Landwirtschaft, natürliche und rechtliche Grundlagen. Ackerbau und Viehzncht. Plantagen- und Gartenbau. Verbreitung der Rnhstoifc. Die Vorträge der K ö 111 c 11 e r Herr e n Dozenten teilen wir in nächster N 11 m m er n»: t. Die (ienrieind׳ stubs Itt der letzten Berliner Rcprüscntantenvcrsaum.luug werden die Rcchtiungsabschl ü s s e der alten und 11011211 Synagoge, sowie der Synagoge der Kaiserstrasse und Linden- Strasse genehmigt, deren jeder einen Minderverhrauch von ungefähr fünftausend Mark aufweist. Ebenfalls genehmigt wurden dm Rcchmmgscliscliliisse der K«mmissi<:» zur Beschaffung des Koscherfleisches mit einem Minderverhrauch von zweitausend Mark und der Qucllbald-Verwoltung mit einem Mehlverbrauch von 294 Mark. Aus den Mitteilungen der genuinten Kommission ist zu entnehmen, dass der Verbrauch von Kescherfleisch in konstantem Rückgänge befindlich ist. Eine längere Diskussion über den Verkauf der. Mizwohs. dessen Abschaffung von Geheimrat B 111 m e 11111 a I beantragt worde!« war. endete mit der Verweisung dieses Antrages an den Vorstand zur gutachtlichen Acusserung der Synagogen- Vorsteher, fn uie gemischte Deputat«!! zur Vorbereitung des Krankeiihuusbauts wurden delegiert <J׳e Repräsentanten B a g i 11 s k y. BI u 111 e n t h a I. Senator, W e i g ח r t. Hirse h und M a n n h e » m e r. Zu einer mehr als eins tim Jigen Diskussion führte der Antrag des Oemeindevorstar.des auf Befreung der Ccmeüdemitglicder mit ch׳em Jahreseinkommen von neunliuncert Mark und darunter v*»11 d«‘r Beitragspflicht. Die Diskussion drehte sich natürlich wesentlich um die schon von den Referenten B i a s. c h k c u״d B I u 111 c n 111 a l behandelte Fiage der nnt der Steuerbefreiung verbundenen Entziehung des Wahlrechts. Während nun der Gemeindcvorstanu de Ansicht vertrat, dass mit dem Antrage nichts neues geschahen sondern mir ein tatsächlich bereits bestehender Zustand legalisiert würde, hielt der Korreferent des Ausschusses III. Bhmienthal. d־>׳sn Wahlrcchtsciitzichuug für ein Um echt und beantragte cs mit der untersten Steuerstufc so zu halte» ,wie die Stadt Berlin es seit Jahren tut. sie nämlich zu veranschlagen, aber von der Erhebung der Steuer durch aUiäUrlich zu wiederholenden Beschluss abzusehen. Dadurch verbleibe diesen Gcmeiudcmitgliedem das Wahlrecht, das ihnen zukomme, auch wenn sic!ficht in der Lage seien die Steuer zu entrichten. Justizrat Simon hält den gegenwärtigen Zustand überhaupt für statutarisch unzulässig, da nach $ 59 des Statuts die Steuerveranlagung nach der Staatssteucr zu erfolgt!» habe, diese aber erst bei 900 Mark Jahreseinkommen beginne. Keiner der cingebracjiten Anträge iai'd aber schliesslieh eine Majorität. ־ Danach wurden mehrere Vorlagen über Austeilungen etc.,?her auch eine Vorlage betreffs Bewilligung dies Beitrages an den Verband für Statistik der Juden, in geheimer Sitzung erledigt. Akademische Freiheit Der Liberalismus witterte Morgenluft ־ aber es war nichts damit. Man hörte aus der Mitte der seit Jahrzehnten in einen grenzenlosen Indifferentismus, in kleinlichstes Strebertum und absolute fdcallosigkcit verfallene» deutschen Studenten• schalt plötzlich den Ruf: ..Schützt die akademische Freiheit!” Aber wie mau näher hinsah handelte‘cs sich in W ahrheit um einen Kampi gegen die akademische Freiheit, den diejenigen kämpfen, die das Schlagwort im Munde führen. Man will den katholischer Korporationen das Leben versauer.» oder unmöglich machen, weil sie angeblich politische Ziele verfolgten. Hat man je eine schnödere Denunziation gesehen? Treibt denn der in letzter Zeit «h <c sein Verdienst so vielgenannte ..Verein Deutscher Studenten" vielleicht keine Politik? fst sein Ziel nicht ein ausgesprochen politisches, während man es den katholischen Korporationen nur substituiert? Hütten die akademischen Behörden vc.schiedener Hochschulen nicht so offenbare Missgriffe begangen, wie es z. B. die Relegation zweier Studenten in Hannover war. hätte ein. Universität:־ richter sich begnügt, weiter nach seiner Gesinnung zu handeln. statt sie in die unvorsichtige« Worte zu kleiden: ..Den Begriff einer akademischen Freiheit kenne ich ficht” - es hätte kein Hahn aus der Studentenschaft nach dieser akademischen Freiheit gekräht. Denn was die Initiatoren dieser Bewegung, die ja rein als Bewegung gegenüber der bisherigen Stagnation erfreulich ist. wollten, das war dort dv Freiheit, die Katholiken in ihrem Korpuratinnsreeht zu beschränken und hier die Freiheit, durch nationalen Phraseiidrusch atisiä ldischen. o. h. zumeist jüd scli-rmsisclieii. Kommilitonen das Studieren unmöglich zu machen. Das »st. was das akademische Jung- Deutsdilaiul enter Freheft“ versteht "o Begriffe fehlet», d*s stellt ein Wort zu: rechten Zeit sich ein": Die Herren Studenten befinden sic!!!:׳ idealster Seeleoharnioifie m t ihren Behörden, und die ganze, fetzige Bewegung erscheint uns als aus einem Missverständnis erwachsen. Vielleicht, dass sie noch e'nmaf Gutes!ordert; vielleicht, dass uer Stein nun weiter rolU. Al er viel Vertrauet! in die Nackensteifbeit der deutschen Studenten unsere! läge haben wir nicht i.nd vorläufig sehen wir keinen Anlass, uns für eine Bewegung zu begeistern die alles andere nur keine Freiheitsbewegung ist und noch dazu den edlen Kamen so missbrauebt. Wenn der ..eicutsche NationaUsmus” der Studentenschaft unter saufen ta d Mensurenschlagen der tätigen Arbeit anderer zu unterliegen droht, wie sie behaupten, so sollten es die deutschen Herren vielleicht einmal au! anderen Wegen versuchen, aber 11'cht im Namen der ’j k a J e m 1 s c h e 1׳ Freiheit nach dem a k a - d e m i s c 11 e n Büttel rufe n. Das will uns ein wenig klüglich dünken! ־ Juden in der Türkei In den Ländern, die jetzt zur Türkei gehören oder früher zu ihr gehört haben, leben gegenwärtig nicht ■weniger als 2 180 U»X) Juden. Davon befinden sich auf dem Balkan 223 77»». in Klcinasien 51 270 in Armenien und Mesopotamien 53 251». in Arabien -15 000. in Tripolis 17 5!»». in Ägypten 21 800 und in Pal״s4ina und Syrien 89 612. Von de־! Balkanstaate» zählt Serbien 6500. Griechenland 90»»׳» und Bulgarien 33 063 und die europäische Türkei 18-1637 Juden. Ferner wohnen auf den Inseln Cypcrn und Rhodos 3S6S Juden, über die Zahl der Juden in Paläst in a Fegen »!euere Daten nur aus Jo Städten vor. I!» Jerusalem bilden die Juden 'mit 28 83S Seelen 62.5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die meiste« Juden weist demnächst Saicd auf. 71 -4d 56 35 Proz. der Gescannte völkerung. An dritter Stelle steht Tiberias mit 3205 63.J6 Prozent. In Jaffa wob.nen 2870, in Chaifa 2375 und in Hebron 113!» Juden. Es folgen Akka mit 13». Ramie mit 99. Ga/.a mit 75 und Nablus mit 31 Jude!» und HO Samaritanerii. In» ganzen wohnen in den I'• Städten Palästinas •15 000 Juden unter 2! 889 Christen und 117 833 Muhamodancr. Von diesen ■45 (HM) Juden, zu denen noch 800(» jüdische Kolonisten und zerstreut lebende Juden hiuzugcrcclmct werden dürfen, sind 2-4-138 Aschkenasim. 15 331 Sephardim. Der Rest besteht aus 2-431) Marokkinern. 1228 Yemenite ׳. je 530 Persern tind Buchareru und 670 (irusicr;!. Plectuniur Achivi? Der jüdische Optimismus ist bereits am Werke, aus den Vorgängen und den bevorstehenden Veränderungen 11־ Russland neue Hoffnungen für die Zukunft des jüdischen Volkes zu schöpfen. Assiiniiationsgläubige Sanguiniker sehen schon das Morgenrot der jüdischen Gleichberechtigung im freien Russland am Horizont auftauchen. Andererseits machen sich aber bereits Sturmzeichen bemerkbar, ü'c in eine ganz andere Entw'.ckelungsnchtung deuten. Einem Interviewer der BERLINER ZEITUNG hat ein hoher russischer, durch Berlin reisender Bcander unumwunden seine Ueberzcugung dahin geäussert. dass t

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