Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1905)
- Date
- 1905-03-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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I I ג= Abonncmentsprels (Zusendung Inbegriffen) vierteljährlich I durch dl« Expedition: t) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus wirts 1,— Mark, c) für das Ausland tjn Mark. Z in PoiUbonnemtnt 1,25 Mark. :! Insertionspreis die viergespaltene Petit-Zelle oder deren Raum 25 Pfennig. Alle Rechte Vorbehalten. Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Adresse der Redaktion: Bwfla N W. 5% Iftlanehihenstmt• 4. Abdruck aus der JUEDISCHEM RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Vtriag Jaditche Rund»eh»u, E O. m. b.lL, Berlin N. 54, AugustiV. 491. Cleschättsstssdca der Cxpcdlttoai tiglich (ausserSabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Uhr״ Nummer 9 Berlin, 3. März 1905 — 26. Adar 5665 X. Jahrgang Zionismus und Deutschtum Deutsche Q e 1 g e r p h a n t a s i e n. Grade wir Zionisten wünschen freie und ehrliche Meinungsäusserung. Wir sind immer Gegner jener pseudoliberalen Gesinnung gewesen, die Mcimmgsäiisscrting nur denen gestatten will, die der liberalen Partei- Orthodoxie angehören. Wir sind also keineswegs dazu geneigt, dem Gegner das Wort zu verbieten. Im Gegenteil wollen wir ihn ruhig mit anhören, und wenn er noch so verrücktes Zeug gegen uns vorbrächte. Wir würden daher wünschen und haben diesem Wunsche wiederholt unzweideutig Ausdruck gegeben, dass Herr Prof. Ludwig Geiger, der Mann, der den Beruf in sich fühlt, den Zionismus zu töten, in unseren Volksver- Sammlungen aufträte, um uns zu zerschmettern. Kr würde jene Redefreiheit erhalten, die es in seinen iudeiiliberalen Wahlversammlungen für Zionisten und andere freisinnige Männer nicht gibt. Wir würden ihn mit solcher Ruhe anhören, als man den Zionisten mit Lärm in den Wahlversammlungen des Liberalen Vereins für die Interessen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin entgegentritt und das will doch wahrlich viel sagen. Herr Geiger hat es aber annoch immer vorgezogen, von fern seine Pfeile gegen den Zionismus zu richten und aus der sichern Weite die Kunst Gutenbergs zu Angriffen gegen den Zionismus zu missbrauchen, die nicht ziu solchem Zwecke erfunden ist. In einem merkwürdigen Jahrbuchc, das soeben erscheint, und wo nach einer Reklame alle Führer der Zionisten im Bilde zu schauen sind, und Herr Dr. Alfred Nossig (sic!) das erste Konterfei abgegeben hat, unter dem Namen STIMME DER WAHRHEIT, hat Herr Geiger sein neuestes Kuckticksei atisbriiten lassen. Unter dem Titel ״Zionismus und Deutschtum“ ist cs dort in einem kurzen Aufsatz von nicht ganz vier Oktavseiten Herrn Geiger gelungen, dem Zionismus den Todesstoss zu versetzen. In diesem kurzen Aufsatz ist alles übertroiien, was bisher von gegnerischer Seite gegen die Zionisten vorgebracht ist. Seine Anklage gegen den Zionismus geht davon aus, dass der Tod Herzls in der ganzen Judeuheit tief beklagt wurde. Das kann Herr Geiger nicht verwinden. Darum findet er neue Veranlassung, sich auf sein Deutschtum zu besinnen, dasselbe Deutschtum, aus dein h... us ungarische, in Deutschland naturalisierte Reformrabbis seinerzeit es für nötig befanden, jenen Protest gegen den Zionismus loszulassen, der unseren Patriotismus, die wir seit Generationen in deutschen Landen wurzeln, in schmählicher Weise verdächtigte. Freilich mussten wir zugestelicn, dass wir solche Talente im Patriotismus nicht sein können, wie jene Gemeindeführer, die schon inj dritten Vaterlande treue Hurrapatrioten wurden. Das patriotische Talent hat Herrn Geiger so sehr imponiert, dass bei einer Berliner Gemeindestelle, wo sein Einfluss ein ganz gewaltiger ist, seiner Zeit nur ein Mann ankommen konnte, der bereits im dritten Vaterlande Beweis von seiner patriotischen Fähigkeit ablegte. Während aber unsere Reformrabbis bei ihrem Schwelgen im Deutschtum immer noch eine Saite in ihrem Herzen fanden, die klang bei den Leiden ihrer Bruder im Osten, wenn sie an freilich unfruchtbaren Aktionen teilnahmen, um wenigstens äusserlieh sich an der Fiilic für die unterdrückten ״Glaubensbrüder“ zu beteiligen, so will Geiger den Zusammenhang mit den ausscrdeutschen Juden zerreissen und eifert gegen die Bestrebungen seiner liberalen Gesinnungsgenossen, die ihrem Deutschtum Abbruch tun, indem sie deutsches Kapital für Judenschulen ins Ausland ausführen. Die fromme Mitleidsbcmerkung, die Herr Geiger dabei macht, und die in ihrer Allgemeinheit grade das Gegenteil des mitleidigen Herzens bedeutet, hätte er sich besser ersparen sollen. Jeder anständige russische und polnische Jude verbittet sich sicher, wenn er jemals von der Existenz des Herrn Professors gehört haben sollte. ן sehr energisch sein Mitleid. Herr Geiger möge bei seinem eigenen Ausspruch bleiben und als ״Deutscher vor seiner eigenen Tür kehren!“ Die russischen Juden, Herr Geiger; — aber das versteht kein liberaler Mann von echtem Schrot und Korn — wollen kein Mitleid, sondern kämpfen im Zionismus den Kampf um die nationale Ehre, wie ihn die Athener aui Salamis und bei Platää kämpften, wie ihn Schill und Hofer gegen die fremdländische Herrschaft iiihrten. Herr Geiger ist Professor. — Wenn trotzdem die russischen und überhaupt die ausländischen Juden seinen Namen nicht kennen, so ist das keineswegs ein Mangel an Bildung. — Aber er ist kein Historiker, wenn er auch in seinem kurzen Aufsatz eine Notiz zum Ueberdruss wiederholt, die er ebenfalls zum Ueberfluss in der leider von ihm seinerzeit redigierten Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland bereits atisführlieber gedruckt hat. Denn wenn er die historischen Tat- Sachen kennen würde, würde er nicht die ungeheuer* liehe Behauptung aufstellen, dass der Zionismus ein