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Jüdische Rundschau · 1905-01-27 · Heft 4 (27.1.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 42. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 4. hauptsächlich um die Frage, ob man die Angelegenheit einer besonderen Deputation aus Mitgliedern der Versammlung und des Schulvorstandes (Antrag B3gins>ki) oder aam Ausschuss III überweisen solle. Beschlossen wurde die Ueberweisung an den Ausschuss III. Aus den weiteren Beschlüssen ist hervorzuheben die Bewilligung der Ausgabe von 600 Mk. für die Nernst-Lampen-Beleuchtung der Synagoge Kaiserstrasse. Menrere Vorlagen über Anstellungen und üchaltsfestsetzungen werden in geheimer Sitzung erledigt. Zentrum und Antisemitismus Es ist noch nicht lange her. dass in M ii neben e'ui dem Zentrum angehörender Stadtverordneter einen Antrag, die Judeneinwanderung zu verbieten, einbrachte. Seme anderen achtzehn Fraktionskollegen unterstützten ihn hierbei. Nun ist gar für den nächsten bayerischen Parteitag der Zentrumspartei ein Antrag clngebracht worden, die Partei solle in ihr Pro- Kranint den ״Kampf gegen den zersetzenden Einfluss des Judentums auf das Volksleben aufnehnien.“ In einer Artikelserie in den TRAUNSTEINER NACHRICHTEN begründet nun der Herausgeber dieses Blättchens. Frhr. von Schorl einer, die von ihm und einem Trausteiner Rechtsanwalt c'ngebrachten Anträge. Er steht aut dem Standpunkte, dass ..die ge:, ctzliehe < 11 e! c h s t e 11 u n g der Juden mit den Staatsbürgern christlicher Konfession ein übereilter, durch nichts gerechtfertigter Schritt war. der für jeden Staat, wo er erfolgt ist. die verhängnisvollsten Wirkungen gezeitigt hat." Davon ausgehend, verlangt er nun ..eine Beschränkung inbezug aui die Zulassung zu gewissen staatsbürgerlichen Aeuueru und Funktionen, eine Beschränkung inbezug auf die gewerbliche Tätigkeit, d. h. eine vdll ge Umgestaltung jener Gesetze, die es den! Judentum ermöglicht haben, den Ruin des christlichdeutschen Mittelstandes unaufhaltsam herbeizuiiihreu." Wir s'nd neugierig, was der Parteitag zu diesen niedlichen Anregnngen sagen wird. Vielleicht wird er in Rücksicht aui die bevorstehenden bayrischen Landtagswahlen das bischen Anti-! scnvtismus mit als Zugkraft benutzen, oder wird er sich der besseren Vergangenheit seiner Partei erinnern und daran denken, wie Ausnahmegesetze schmecken? Der Kronprinz im V. D. St. Die BERLINER ZEITUNG berichtet am 20. u. Mts.: ״Der I Kronprinz hat gestern an dem Kommers des Vereins j Deutscher Studenten tcilgenommen und hat dabei j eine Rede gehalten. Mit scharfer Stimme, wie ein hiesiges! Blatt besonders hervorhebt. Auch die Herren Stöcker. J Krösell und andere antisemitische Grössen! waren anwesend. — Der Verein Deutscher Studenten be- ' steht bekanntFch aus jungen Leuten, die durch keinerlei po'.ij tische Sachkenntnis beschwert den nationalen Phrasendrusch : mit jugendlicher Ueherschwänglichkeit betreiben. Als die Ziele des Vereins bezeichnete gestern einer der kon!mcrs:erenden Jünglinee die Bekänipiung der Juden, der Sozialdemokratie und ihrer Jüdischen Führer. Der Kronprinz wünschte den Herren in ihrem natonalen Streben vollen Erfolg. - - Um eine politische Haupt- und Staatsaktion handelt es sich hier sicher nicht, denn der Verein Deutscher Studenten hat politisch nichts zu bedeuten und auch der Kronprnz ist nicht zur Teilnahme an •der Politik der Regierung berufen. Ueberdies ist aus de־׳ Tatsache, dass der zukünftige Träger der Krone sich an den vorn Verein Deutscher Studenten veranstalteten Festivitäten be teiligt. poch• nicht zu schlicssen. dass er sich zu der Richtung dieses Vereins bekennt. Gesetzt aber auch, das wäre der Fall. So wäre immerhin noch zu hofien. dass er m t zunchmeu dem Alter und zunehmender Lebenserfahrung sich von dieser Richtung entfernen wird. Sein Vater hat gegen die Jude!1 durchaus nichts. Im Gegenteil, er hat wiederholt bekundet, dass er. Leute wie Baltin. Rathenau. Simon u. a. m. sehr hochschätzt. Aber wie gesagt; alles das ist nicht besonders aufregend. Die Welt hat heute andere Sorgen.“ Die Stelle des Assistenz-Arztes am Heslgen jüdischen Krankenhause wird am f. April d. J. frei. Das Gehalt beträgt bei vollständig freier Station 900 Mark jäh rieh. Meldungen sind bis zum!5. Februar 1905 unter Beifügung von Zeugnissen an den mterzeichneten Vorstand zu richten. Vorgezogen werden Be- Werber, welche die mikroskooisclien Untcrsuehu.igsmetl.odeu beherrschen und schon in anderen Krankenhäusern tätig gewesen .sind. ״ Po sen. den 9. Januar 1905. Der Vorstand der Synagogen-Getnelnde. ^f־־i Sprechsaal i־־F Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetzlichc Verantwortlichkeit. Berlin N. 58, den 10. Januar 1905. Sehr geehrter Herr Redakteuri Gestatten Sie mir. Ihnen die folgende Angelegenheit zu unterbreiten mit der ergebenen Bitte, sie wenn es Ihnen irgend angängig erscheinen sollte, im Sprechsaal Ihres geschätzten Blattes zu veröffentlichen und sie damit vor das Urteil Ihrer Leser zubringen. An den Arbeiten des an Mai 1902 gegründeten Verein‘׳ für jüdische Statistik habe ich von Anfang an. wie Ihnen sämtliehe Mitglieder dieses Vereins bezeugen werden, einen regen Anteil genommen; ja. ich darf wohl behaupten, dass der grösste Anteil der damals zur Ausführung gelangten wissenschaftl eben Arbeiten auf mich entfällt. Im September 1902 fragte ich bei Dr Alfred Nossig, dem Vorsitzenden des Vereins, an. ob ich nicht eine Stellung als besoldeter Beamter des Vereins erhalten könne, worauf der gelaunte Herr mir schrieb; ,Der Verein wird an die Anstellung entsprechend besoldeter Funktionäre erst dann gehen können, wenn seine Publikation erschienen ist. was unmittelbar hevorstcht. Natürlich ,würden S.t hierbei in erster Linie in Betracht kommen, da Sie von Anfang au au den Arbeiten des Vereins sich, beteiligt haben." In! Dc/ember 10 •2 erhielt ich fur eitle* besondere statistische Arbeit 20 Mark. Im .la'.uar 1903 ward ich ermächtigt, die K״rrcs;;:md11.׳z des Vereins, deren Führung mir nunmehr als E h r e n a m t übertragen wurde, als G e!1 e r a 1 se k r 0 t a r zu zeebnen. Im März 191*3 waid mir au! einem Briefbogen des Vereins von Herr Dr. Nossig attestiert, dass ich noch im Frühjahr 1903 mit einem festen! Gehalt als Generalsekretär des Vereins angestellt werden wurde. Unausgesetzt war ich nun von Januar bis Juni 19A3 iür den Yercu tätig (Korrekturlesen. Mitarbeit am I. Baud seiner Publikation etc.), wofür ich im März 1913 ein Darlehen von 50 Mark erhielt, das •ich nach meiner Anstellung in nionatlicben Raten wieder zurückzahlen sollte. Im September 1903 ward zwischen •Herrn Dr. Nossig und mir vereinbart, dass ich vom I. Oktober ab ein Monatsgehalt von 30 Mark erhalten seile. In der Tat habe ich dieses am 1. November und!. Dezernber 1903 erhalten; aber schon am 1. Dezember 1903 ward mir erklärt, dass mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage des Vereins i c 11 wieder unentgeltlich für d e 11 Verein tätig sein müsse; sobald der Verein finanziell sichergestellt sei. würde ich mit einem festen auskömmlichen (lei alt angestellt werden. Am 20. Januar 190-i fand im Monchshof (Charlottenstrisse) eine grosse .Mitgliederversammlung des Vereins statt, zu der ich gleichfalls die Vorbereitungen hatte treffen müssen. Ich ward hier wieder als Generalsekretär (aber ohne Ent- Schädigung) gewählt. Nachdem dam! iineh mehrere Vorsruidssitziuigcu über die Wahl von besoldet e 11 Yere!esiunktin1üirn1 stattgefunden * Latten, erklärte mir Herr Dr. Nossig in! Juli, dass bereits zwei Herren angestellt worden seien, und zwar mit einem Monatsgc'ialt von 200 bezw. 120 Mark. Ich würde zu gelegentlichen Hilfsarbeiter! herangezogen werden. Als ich dam! Her! 11 Dr. Nossig interpellierte wie es käme, dass zwei Herren als besoldete Funktionäre angestellt worden seien, von denen der eine bisher uni jndichem Gebiet noch gar nichts geleistet habe erwiderte er mir ganz einfach, au! die AnstcTung habe nicht er. sondern das neugebildete Kuratoritim den entscheidenden E iitluss; ich würde aber bei den dcmnäcl stigen Arbeiten des Vereins ganz bestimmt als Hilfskraft verwendet werden. Diese Handlungsweise des Vereiis. der zwei Jahre lang meine Arbeitskraft unter fortwährenden Vertröstungen auf meine zukiinit'ge Anstellung ausgemitzt hat. überlasse ich Ihnen, sehr geehrter Herr Redakteur, zur geil. Beurteilung. Mit vorzüglicher Hochachtung Louis Leopold. Wir geben diese Auslassung des Herrn D r. Leopold wieder, die. wenn sie der Wahrheit entspricht, die denkbar schwerste Anklage gegen die Leitung des Vereins für jüdische Statistik wäre. Wir hoffen aber, dass es Herrn Dr. Nossig. der jetzt nicht schweigen kann. r.n I.eiclites sein wird, diese schweren Vorwürfe zu cntkrüiten. Die Redaktion. I t» v ryff 1uf. *9W

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