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Jüdische Rundschau · 1905-01-20 · Heft 3 (20.1.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«*#י- Seite 32. No. 3. t f 1 1 I י 1 י! ׳! 1 % i J! » t ן; 1 i i »i < i I ו 1 .־ ו r 4 ן j; \ % ך ' i 1 1 3't _ ■*Ja■ JÜDISCHE RUNDSCHAU aufforderte, einmal eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und sodann eine Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gewalttätigkeiten gegen einander darstellten. Das sind beides keine leichten Vergehen, sind solcher Art, dass sie in aufgeregten Zeiten unter besonderen Rechts- Zuständen mit den schwersten Strafen belegt werden, die das Strafgesetz kennt, und dass sie auch in normaler Zeit nicht gerade milde angesehen zu werden pflegen. Es musste daher im höchsten Grade befremdlich erscheinen, dass h:er ein Mann fortwährend in den rohesten und widerwärtigsten Redensarten sich nach beiden Richtungen strafbar machen konnte, und dass die Gerichte, die sich mit ihm befassten, seine Redeweise nur .bildlich“ nehmen zu sollen glaubten, Nun scheint doch eins unzweifelhaft: entweder ist der Mann wirklich geistig •nicht intakt - was er selbst energisch bestreitet, was wir aber dennoch mindestens für sehr wahrscheinlich halten — dann gehört er in ein Irrenhaus zur Beobachtung und eventuell lebenslänglichen Internierung wegen seiner Gemeingefährlichkeit, oder aber er ist normal und verantwortlich, dann gehört er dorthin, wohin jeder andere, der sich ähnliche Reden leisten tvürde. erbarmungslos gleichfalls geschickt worden wäre, ins Gefängnis So sa-!te man allgemein, und doch blieb Pückler im Wesentlichen unbehelligt, sodass er selbst sich für immun halten musste und jetzt in seiner Verteidigungsrede erklären konnte, was sein Verteidiger bereits am Beginn der Verhandlung in einem An־rag ausgedrückt hatte, dass genau dieselben Ausdrücke, die jetzt zur Anklage standen, berehs der Prüfung der Gerichte unterlegen und zur Freisprechung des Angeklagten geführt haben, sodass dieser des Glaubens sein konnte, dass solche Aus* drücke unbeanstandet gebraucht werden können. Konnte er sich doch auch darauf berufen, dass die sonst so gestrengen übetwachenden Polizeibeamten ihm stets mit grösster Liebenswürdigkeit entgegengekommen seien, und er infolgedessen glaubte, durchaus recht zu handeln. Nun, dieser schöne Glaube wird ihm jetzt abhanden gekommen sein, aber das ändert nichts an der höchst wunderlichen Tatsache, dass es Jahre dauerte, bis diesem Grafen von Pückler, Doctor juris und gewesenem Referendar, deutlich klargestellt wurde, dass die Gleichheit aller Preussen vor dem Gesetz auch auf die Juden sich bezieht, und dass es gesetzlieh dasselbe ist, ob man zum Totschlägen der Juden oder der Junker auffordert — natürlich nur gesetzlich, aber diese Gesetze existieren nun einmal, und der Herr Graf wird auch durch die von ihm eingelegte Berufung gegen das letzte Urteil an diesem Zustande nichts ändern. Verurteilt sind mit dem Grafen nun aber vor allem diejenigen, die ihn jahrelang als Werkzeug zur Hetzarbeit und — zum Füllen ihrer Kassen benutzt haben, sie sind, wie die BERLINER ZEITUNG treffend bemerkt, jetzt ״vor aller Welt als Subjekte der gewissenlosesten und niedrigsten Art gebrandmarkt worden“. Aber er bleibt ein eigenartiges Kapitel in der Kultur- und Rechtsgeschichte Deutschlands am Anfänge des 20. Jahrhunderts, dieser Fall Pückler, und er sollte unseren Juden immerhin einiges mehr zu denken geben, als nur für einen Ulk am Biertisch zu dienen. Gegen das Urteil hat Pückler Revision eingelegt, und bereits beginnt er seine Laufbahn mit Brandreden und Lorbeerkränzen von neuem. Er scheint also der Energie der Behörden nicht viel zuzutrauen. Warten wir ab.... Rundschau der Presse. DIE WELT enthält in Nr. 2 unter dem Titel ״Der Exodus der Verteidiger der Juden im Homclcr Prozess‘־ eine Zusammenstellung von russischen Zeitungsstimmen über den bekannten Fall, dass sämtliche Verteidiger der Juden im Homeler Prozess, nachdem sie in zwei Monaten vergeblich versucht hatten, mit Hilfe des Restes von russischer Justiz zur Klärung der Verhältnisse der Homeler Excesse beizutragen.lhre Aemter niedcrgclegt und den Verhandlungssaal demonstrativ verlassen haben. Am kürzesten und treffendsten kennzeichnet wohl das Journal NASCHA SHISN'J (Unser Leben) den Eindruck dieser ganzen Farce, die sich da in Home! ״Prozess“ nennt: ״Der Homeler Prozess wird die Illusionen der Juden nicht zerstören, weil sie schon längst keine Illusionen mehr haben. Die russische Gesellschaft aber verliert in dem Prozess eine ihrer besten und letzten Illusionen. Wie an einem Strohhalm hielt sie fest an dem Glauben, dass sogar in einem rechtlosen Milieu die alte Göttin Themis ihre stolze innere Freiheit bewahrt hat. Das Gericht von Homel bedeutet den endgiltigen Bankrott dieses Glaubens. Der Prozess von Hornel ist kein Prozess über die Juden, sondern über die russische Justiz.“ — In der ÖSTERREICHISCHEN WOCHEN- SCHRIFT wird ein Interwiew mit Oskar Marmorek veröffentlicht, in dem dieser erklärt, es sei in der A,-K.־Konferenz zu den erwarteten Verständigung gekommen in allen Hauptfragen, die jetzt die Zionistische Welt in Atem halten. Sollte sich Uganda für eine Ansiedelung eignen, so wird die Zionistische Partei Mittel und Wege zu finden suchen, um aus dem ganzen Judentum heraus eine Körperschaft zu bilden, welche mit der Exploitierung des von der englischen Regierung grossmütig zur Verfügung gestellten Landes sich befassen soll. Der Zionismus als solcher hat dann mit der Sach׳, weiter nichts zu tun. denn für diesen gibt es nur ein Streber! und ein Ziel: Die Gewinnung des Heiligen Landes für das Jüdische Volk. - Die MITTEILUNGEN aus detn Verein zur Abwehr des Antisemitismus bringen in Nr. 2 einen Artikel ..Die Juden und Weihnachten in Amerika“, dessen einleitende Sätze lauten: ״In Amerika, wo inan trotz grösseren religiösen Eifers unser antisemitisches Gehetze nicht kennt, wird das Weihnachtsfest so allgemein und so gründlich auch von den Juden gefeiert, dass einige Rabbiner sogar bereits eine die jüdische Religion benachteiligende Wirkung befürchten. Das hat aber nicht gehindert, dass eine der besten Weihnach tserzählu ngen, eine der künstlerischsten, von einem Rabbiner geschrieben worden ist. Es ist dies die Erzählung ״W e i h n a c h t s z e i t und 0 r a n g e b l üten“ von dem Rabbiner A. J. Messing, die in dem MONTGOMERY ־ JOURNAL erschienen ist.“ So herrlich weit haben wir’s nun allerdings noch nicht gebracht, aber unsere Rabbiner werden hoffentlich nächste Weihnachten das Versäumte pachholen. Auch Ostern würde eine ganz hübsche Gelegenheit geben! Und bei alledem stehen die amerikaniscb.cn Juden,!'ach Zangwill, an der Spitze des Jüdischen Volkes. So erhebend Weihnachten feiern wird man allerdings in Uganda besser können als in Palästina. Jüdischer Orden für Schiller Auf unseren Redaktionstich fliegt heute zufällig der Bericht der Grossloge für Deutschland U. 0. B. B. No. 9 iiir Dezember IQä-I. Da wird aus dem Protokoll der H7. Ausschusssitzung folgendes rnitegeteilt: ..Die Petenten in Metz haben für die dort zu errichtende Loge den Namen ..L o t h r i n g e n - L o g e“ gewählt. Mit Rücksicht darauf, dass gegen Logennamen, die einen geographischen Begriff darstellen, vielfach innerhalb unseres Distrikts Klagen geführt werden, soll den Petenten in Metz nahegeleet werden, der dortigen Loge lieber einen anderen Namen vielleicht den eines deutschen Dichters wie Goethe oder Schiller beizulegen, besonders den SohTlers, dessen 100 jähriger Sterbetag demnächst allerorten begangen werden wird.“ W’ir freuen uns aufrichtig über diesen schönen patriotischen Logenzug und möchten noch weiter in Anregung geben, zur feierlichen Logeneröffnung Schillers Sendung Moses in neuer Prachtausgabe als dauern.de Erinnerungsschrift drucken zu lassen. Für die einzige französisch-sprechende grössere Stadt im Reich hat tatsächlieh der d eu tsc he Dichter Schiller mehr Anspruch und Aussicht in einem illustren Logennamen geehrt zu werden als ein Maimonides. dessen gleichzeitiger 700 jähriger Todestag doch die Bne-Berithloeen nicht interessieren ka״״* 'Var er dDC^ weder ein Deutscher noch ein Dichter, sondern nur ein Jude. Allerlei. ■יי —- Die Juden in der Sage des deutschen Volkes Der Judenmord ln Eger. Metr. von Fr. Rödiger in Sagenklänge des oberen Voigtlandes. Seite 64. Am Abend des Gründonnerstages im Jahre 1350 schlich sich der ewige Jude durch die öden und menschenleeren Strassen der Stadt Eger. Als er an die Judengassc kam, schrieb er ein Warnungszeichen für seine Brüder in den Sand und wanderte im düsteren Schweigen w׳eiter. In der Kirche der Stadt aber hatte ein Franziskanermönch den Predigtstuhl bestiegen und laut donnerte er gegen den Auswurf der Menschen, der für ihn das Volk Israel war. Fanatischer Glaubenshass wurde in seinen Zuhörern angefacht und als ein Kriegsknecht ein Kruzifix vom Altäre riss und es dem wütenden Volke entgegenstreckte, da johlte und heulte dasselbe im wildesten Racheton und forderte von dem Pfaffen Gottes Segen. Der Haute schwur den Juden Hohn und Tod, und der Kriegsknecht mit dem Kreuze überschrie alle, indem er sie aufforderte, ihm nachzufolgen und Jesu Leiden zu rächen. Aus dem Tempel zog die Menge nach der Judengasse: in den Händen aller blitzten Waffen mancherlei Art, die man er- 1 I ■pvakivm יי??׳ ״*■*» in.1 «די *►י יי־׳־"" יי י #1»11«ll «ו^7.!^ןי«מיווייוי3יו^ י^י.««ו1«י)1ו

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