Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 21 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. Seite 21 JÜDISCHE RUNDSCHAU Kleine Mitteilungen Deut$ch*lsraelltfscher Gemeindebund ■: Ende Dezember des vergangenen Jahres erschien Ko. 63 der Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Oemeindcbunde. Von allgemeiner Bedeutung ist die Ankündigung des X. ordentliehen Oeme.nüetages, der au! vicliachcn Wunsch diesmal in Frankfurt a. M. abgcJiatten werden soll. Das Datum, 12. und 13. Juni (2. und 3. Pfingstfeicrtag) dürfte sich besonders für eine zahlreiche Beteiligung eignen. Die vorläufige Tagesordnung laute*!:' 1. Formalien und Bericht; 2. Gründung eines Gesamtarchivs der deutschen Juden; 3. Religionsunterricht und die damit zusammenhängenden Fragen; 4. Bezirksrabbinate, 5 Wanderbettelei und Arbeitsstätten; 6. Fürsorge für geistesschwache Kinder; 7. Satzungsänderungen; S. Zusammenschluss jüdischer Handwerkcrvcrcine. 9. Propaganda; 10. Religiöse Fürsorge für jüdische Strafgefangene; 11. Wahlen. Es steht den Mitgliedern frei, bis spätestens 6 Wochen vo! dem Sitzungstermin Anträge für die Tagesordnung za stellen. Im Interesse einer gründlichen Vorbereitung ist es aber erwünscht, dass neue Verhandlungsgegenstände dem Büro des Gcmcindcbundes früher bekanntgegeben yerden. Erfreulich Ist die in:t einem Grundstock von 4000 Mark durch die Eheleute Brünn begründete Stiftung für jüdische Lehrer, da sie sich die wichtigste vom D..-1. G.-B. längst, wenn auch mit unzulänglichen Mitteln erfüllte Aufgabe stellt, die Erteilung des Religionsunterrichts durch qualifizierte Lehrer in den kleinen Gemeinden zu fördern. Koch einige andere Zu- Wendungen sind dem D.-I. G.-B. gleichfalls zugeflossen. — Von den Rechts- und Verwaltungsfrage:!, mit denen der D.-I. G.-B. zur Zeit beschäftigt ist, seien erwähnt die Sammlung des Materiais über die einer grossen Anzahl von Gemeinden zugegangenen Aufforderung, sich in das Kataster der Fleischerei- Berafsgenosscnschaft cintragcn zu lassen, und die Ausarbeitung einer Musterfriedhofsordnung. — Die Angelegenheit des Allgemeinen Archivs der deutschen Juden ist aus dem Stadium der theoretischen Erörterung in das der praktischen Bearbeitung übergelcitct worden. Die Kommission setzt sich zusammen aus mehreren, teils der Gemeindeverwaltung, teils der jüdischen, teils der Archivwissenschaft angehörigen Herren. Auch der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin ist der Frage näher getreten. Bereits hat der Vater der Archiv-Idee, der Fürstlich Plcss’sche Archivar Dr. Zivier. eine Informationsreise durch Süddeutschland angetreten. Die Bearbeitung der im Mai 1903 zu erwartenden Neuauflage des Statistischen Jahrbuchs hat der Verband für Statistik der Juden übernommen. Die vom D.-I. G.-B. begründeten Fürsorgc-Erziehungs-Anstalten in Repzin und Piötzensee haben sich weiter entwickelt. Beide Institute sind vielfachen amtlichen und privaten Revisionen unterzogen worden. Die zweite General-Versammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat am 26. Dezember v. Js. im Saale des Logenhauses hier stattgefunden. Weit über 100 Personen waren anwesend, die Mitglieder zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilt. Der Vorsitzende, Herr Professor Dr. Martin Philippson gab an der Hand des gedruckt vorl egenden Jahresberichts ein Bild von den Leistungen uu-J erfolgender Gesellschaft. Zum ersten Male sind .n diesem Jahre Werke erschienen, die sie herausgibt, so Cohens. Ethik und Religionsphilosoplte in ihrem Zusammenhang, so die Einladung zu den ״Herzenspflichten“, dem Hauptwerk des grossen mittelalterlichen Religionsphilosophen Bachja Ibn Pakuda, von Yahuda. Andere Schnftcn sind in kurzer Zeit zu erwarten, so ״das Wesen des Judentum“ von Bäck und ״Judentum und Christentum“ von Eschelbacher. Wie in ihren Leistungen, so ist auch in ihrer Entwickelung die Gesellschaft ein gutes Stück weiter, gekommen. Die Mitglicderzahl ist erheblich ge- St egen, desgleichen die Summe der Beträge und auch 2 grosse Stiftungen, die im vergangenen Jahre gemacht wurden, erleichtern, der Gesellschaft die Erfüllung ihrer Aufgaben. Der Jahresbericht wurde dcbattelos genehmigt, die Mitglieder des Ausschusses einstimmig wiedergewählt. Den Flöhepunkt der Sitzung bildete c'n Vortrag, in dem Herr Rabbiner Dr. Bloch, Posen .,Die Kabbala auf dem Höhepunkt ihrer Entwickelung und ihre Meister" zu schildern unternahm. Der Redner bezeichnete die Kabbala als den Ausdruck jenes tiefen Dranges, in'dem das Menschcnhcrz alles Vergängiche als ein Gleichnis einer höheren, ewigen Welt schauen möchte. Er entwarf packende Bilder von Luria, von Vidal und ihren Schülern. Gegenüber den Angriffen auf die Kabbala wies er am Schluss eindringlich darauf hin, wie diese viclverlästcrte Gehcimlchrc einst die Gemüter erheben, wieviel sie zur '•'erinncrlichung des Lebens beigetragen hat. Reicher Beifall lohnte Herrn Dr. Blochs schöne Ausführungen, mit denen die anregende Ver- Sammlung ihr Ende fand. . Der Gedanke, ein Heim für Jüdische. Lungenkranke zu gründen, ist seitens einiger Mitglieder der Armen-Kommission der jüdischen Gerne'nde von neuem in Anregung gebracht worden. Man will vorerst ein Provisorium für 2Q—30.Belten schaffen und die Aufnahme auf männliche Patienten ,bcschränken. Eine Unterkommic-sion ist mit den ersten Vorarbeiten betraut worden, und sind Offerten von geeigneten Grundstücken in Berlins näherer oder weiterer Umgegend an den Vorsitzenden des Komitees. Herrn Hugo Heümann. Oranienburgcrstr. 33, einzusenden. Mülhausen I. Eis. Sonntag, den 7. d. Mts. hielt im hiesigen jüdischen Litcraturverein Chemiker Dr. Leon Bloch einen höchst interessanten Vonrag über: ״Dr. Theodor Herzt, sein Leben und seine Werke“ (Dr. Th. Herzl. sa vie ct son oeuvre). Der Vortraag. der im grossen Börsensaale stattfand, erfreute sich eines guten Besuchs und wurde mit grossem Beifall aufgenommen.׳ . A. H. Dwinsk. ln einer hiesgen Mädchenschule, die 400 Schulerinnen — worunter die Hah'tc Jüdinnen — zähit, wurden in. Gegenwart einer Lehrerin mehrere Ma'.e jüdische Schülerinnen von einigen christlichen Kolleginnen beleidigt. Diese warfen den Jüdinnen die Rechtlcsigkeit der Juden vor und sagten ihnen, auch sie würden bald ausgep!ü::dert werden. Da die Direktion auf Beschwerden der Eitern nicht e'nscbritt, ver Hessen 60 jüdische Schülerinnen der oberen Klassen demonst ra ti ץ d i c S c 111 ת e. Radiutz (Bukowina!. Die hiesigen Zionisten haben einen grossen Sieg zu verzeichnen, indem ihre Gesinnungsgenossen Dr. Samuel Josef B i e r e r und Dr. M cntzel zu Kultusvor- Stehern gcwähjt wurden. Phillppopel (Bulgarien), in dieser Woche fand in Sofia ein vom ürossrai/uincr Dr. M. Ehrenpreis ins Leben gerufener Kongress der jüdischen Gemeinden Bulgariens statt.' Das Ziel dieses Kongresses ist die Organisation aller jüdischen Gemeinden in Bulgarien. Dem Bemühen der Präsidenten des hiesgen zionistischen Vereins. Dr. M. Romano und Jakob C a I c b ist es hauptsächlich zu verdanken, dass fast a l U Delegierten der Gemeinden Zionisten sina. Der Kongress tagte Sonntag. Montag, und Dienstag, nachdem ihm Freitag, den 6. Januar, ein Vorkongress der Zionisten ,vorangegangen war. ...... j -־״ Lustige Ecke.—■״■ -.■—-j In der Nummer 1 der MITTEILUNnEN' des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus lesen wir im Leitartikel: ״Rückblick und Ausblick": .Die liberalen Juden sind ein Gemeingut aller Gebildeten, und sie gehören zu!r« eisernen Fond der Kulturwelt für alle Zeiten, nur müssen sie freilich nicht im Gleise erstarren und mehr Schwung und mehr Wärme zeigen. Sic müssen auch, ohne von ihrem Wesen einzubüssen, die Formen unserer Zeit annehmen und mit ihren Zielen wachsen.‘־ In dem letzten Wunsche sind wir durchaus mit Dich einig, verehrte Kollegm. und auch der erste Satz enthält vielleicht eine ,Wahrheit* aber so ohne weiteres ״liberale Ideen" mit ״liberalen Juden" zu identifizieren, das geht doch wohl nicht an! —■ י— Nationalfond. — Sammlungen für den Naiionalfond ti-d andere xionistische Zwecke sind nur noch an Jen Scha:2meister des Zeuratbüros, Herrn Max Wollatelncr, Berta NW. aj, HqMiinjr - -׳—-——-—— V<er 10, xu senden. ---• Samuel Blum, gratuliert Herrn Jtzkowski, Berlin, . zum 70 Geburtstage.0,50 Ge«chwister Majerowitsch, Berlin, gratulieren Herrn Assessor Dr. Lestynski, Berlin . . . . . 0,50 Beim Dibbuk Chawerim, gesammelt. 6, - Fritz Michel, gesammelt im Jüdischen Turnverein, Stettin. 2,— Chanukka-Kartcn-Gewinn bei May, Glehvitz 4,35 Aus der Nationalfondbüchse im Restaurant Müller* ' Ehrenreich, München. 3,—' Aus der Nationalfondbüchse Sichel, München 3 . . .־,—; Aus der Nationalfondbüchse Weigdrt, München für *" * ‘ * Dezember ....... . ... 2,— Mir.