Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 16 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 2. SeftQ 16. י".דר ähnliche Aeusserung über Herzls Roman aus dem Munde mehr oder minder enrangterter Gegner des Zionismus vernommcn hätte! Und nun die Gegcnrechnong! Es ist mir rrcht bekannt, dass Jemals ln der ZUKUNFT über HerzL den Zionismus, dee Kongresse — abgesehen von jenem Art'kel des Herrn Dr. Rafeef Landau, de rvor Jahren in der ZUKUNFT erschien — etwas zu lesen gewesen wäre. Nach dem Artikel von Landau durfte sich der Leser der ZUKUNFT bei der Vorstellung beruhigen, dass der Kongress eine Versammlung jüdischer Idioten und Rowdys sei -1־ ohne sch je veranlasst zu sehen, seine Ansichten auf Grund weiterer Belehrungen zu revidieren. Wo ist je in der ZUKUNFT die Idee Herzls gewürdigt oder bekämpft worden? Wollte. Jemand annehmen, dass einem Harden die Bedeutung Jenes Mannes, das Geniale und Kraftvolle se'ner Ideen nicht aufgegangen sei? fUnd das Bravourstück $c:ncr Scinvcigekur.st! Morris de Jonge hat in seinem offenen Brie konstatiert, dass die ZUKUNFT und zwei antisemitische Zeitungen von allen deut* sehen Blättern die einzigen waren, die den Tod Herzls mit keinem Worte zu erwähnen für nötig hielten; er wisse, dass Harden mehrere Art'kel über Herz’, zum Tei! recht brauchbare, angeboten worden se'en. Der Artikel vor. Landau zur Orientierung über die zioJsttschen Kongresse, das Totschweigen Herzls, seiner Lehre, seiner Bedeutung, seines Todes — was soll uns Berlin, D. \V o! f s o h n - Köln, Dr. Alexander Marmotek- Paris, J. Co wen-London, L. J. G ree n be 1g-London, Dr. Goldwasser•Krakau, A. Stand-Lemberg Karl Resek-Prag, Dr. L Kahn-Wien, Dr. 0. Koke sch־ Wien, Jngenieur J. Kremenezky -Wien, Architek: O. Marmorek-Wien. Die geringe Zahl der anweset den A.-K.-Mitglieder aus Russland erklärt sich wohl durch die gegenwärtige Lage genügend; bedauerlich bleibt natüfiiu» trotzdem die geringe Präsenz bei einer so ausserordentlich wichtigen Sitzung. Die Lösung der Frage des Sitzes der Zentralleitung machte grosse Schwierigkeiten. Die russischen Mtiglieder sind entschieden gegen eine Verlegung nach London, da sie von einer solchen Verlegung eine Stärkung des Territorialismus fürchten. Der Kongress soll im Hochsommer, etwa Ende Juli oder Anfang August d. J stattfinden. Dem Dreizehnerkomitee wurde die Fest- Setzung "des genauen Datums überlassen. An den Kongress wird sich unmittelbar ein ausserorde ntlicherKongress anschliessen, der über die Ugandafrage entscheiden wird. Zur Redigierung des Berichts der, Expedition wurde ein Komitee gewählt, in dem sich u. a. G ree nb erg-London und Alexander Marmorek* Paris befinden. 0 א r d a u hat die Wahl ins Dreizehnerkomitee abgelehnt, und zwar aus Gründen, die nicht auf politischem Gebiete!:egen. da die liebevolle Rezension eines Hcrzlschc.i Romans? Man sieht: gerade wir Z'onistea. die wir aiierdings dem Streben eines konsequenten Ass'nvlr.ntsn wahres Verständnis und aufrichtige Hochachtung entgegenbringen müssten, haben am allerwenigsten Orund, uns für das Martyrium eines Harden zu begeistern. \ Breslau. ‘ Dr. Sar! die r. f __ - _ —I Aus der Bewegung ן— Die Sitzung des Grossen Aktions-Komitees. Am vierten Januar trat in Wien das grosse A.-K. zu einer Sitzung zusammen. Anwesend waren Dr. Bernstein- K o h a n - Charkow, Rechtsanwalt J. Jasinowsky - Warschau, Dr. Jelski-Lodz. Dr. M Scheinkin-Balta, Dr. E. W. Tschlenow -Moskau, Jngenieur M. Ussischkin- Jekaterinoslaw, S. P i n e! e s ־ Galatz, Dr. ßedenheimer- Köln, Dr S. S o s k i n ־ Berlin. Professor Dr. O. W a r b u r g - BerFn. Mo״. den zweiten Januar, hielt Dr. Bodenhe im er-Köln einen ״.(entliehen Vortrag über Jüdische Zeit fragen und jüdische Politik״ in Draesels Fcstsälen vor etwa 500 Personen. Dieser Vortrag sollte offenbar glc:c״zeit:e einen Bericht über die Frankfurter Konfeicnz und die Motivierung der Stellungnahme der Zionisten zu derselben für die Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe darsteüen. Es hat etwas Missliches, einen öffentlichen Vortrag, der doch einmal propagandistische Tendenzen vcriolgen soll, mit einem Internen Bericht zu verquicken. Wie schon wiederholt, zeigte es sich auch dieses Mal, dass einige Zionisten daraufhin ihren von dem des Redners abweichenden Standpunkt vertraten, und dass diese Debatten sicherlich nicht werbend wirken. Rednct erörterte die Entstehungsgeschichte der verschiedenen jüdischen Hilrs- und Kolonisationsvereinc und wies ihre Unzulänglichkeit als symptomatisches Heilmittel nach. Er begründete ausführlieh, warum trotzdem die Zionisten sich an der Frankfurter Konferenz beteiligt hätten und beleuchtete dann die in letzter Zeit erschienenen Aufsätze von Bcnediktus Levita (in den GRENZBOTEN), Elias Jacob (in der ZUKUNFT) und Walter Ratenau (.Höre Israel") vom zionistischen Standpunkt aus. Zum Schluss gab er ein kurzes Bild von dem augenblicklichen Stand der Bewegung und der Stellung leitender Staatsmänner hatte rach wirklich Grund, unzufrieden zu sein. Sie war in alte, seidene Lumpen gekleidet, die fremden Schultern anzugehören schienen und so wenig ihrer eleganten Gestalt entsprachen. Aber wer mag sie wohl sein, diese geheimnisvolle Gärtnerin? Sie pflanzte das letzte Zweiglein, und indem sie mit einem sanftmütigen Blick das ganze Beet überschaute, wendete sie sich um und mir ihr Antlitz zu, und ich . . . 0, ich erkannte sie. Ich erkannte sie an ihrem schönen, ovalen Gesicht, an dem bräunlichen, aber durchsichtigen Teint, an der Adlernase, an dem brennenden, aber liebkosenden Glanz ihrer von langen Wimpern beschatteten, grossen, schwarzen Augen, an ihren dichten, bogenförmigen Augenbrauen, ד.פ den herrlichen, schwarzen, graumelierten Haaren, und an der über den blass-rosa Lippen eigentümlichen Falte, öle am meisten ihren reinsemitischen Ursprung verriet ... Ich erkannte sie, die rätselhafte Gebieterin meines Herzens, der ich einst all mein Sinnen, all mein Trachten weihte . . . Ich erkannte sie, diese ewig Schör.e, diese ewig Junge, diese ewig Verfolgte, diese ewig Unbesiegbare. Aber, Oott, wie hatte sie sich verändert! Ich sah sie nicht!סו Jungfräulichen, schneeweisser. Oewande mit einem Kranze aus Feldblumen auf dem Haupte; Ich sah sie nachher, eine verblühte Schönheit im Purpur und mit goldenem Diadem auf dem Haupte; ich sah sie späterhin, eine unglückliche Verbannte iin trauernden Busskleid und mit Asche beschüttetem Haupte — sie war immer und immer wieder dieselbe. Aber in djesen fremden Lumpen ...; Literaturbericht. BOcher der einschlägigen Utcra'ur, welche d׳*r Redaktion ... zugesandt *erden. (Inden eingehende Ucsp'cc'iung. » Der Tafraudbaucr. (Der Talmudbauer unterwegs. Erzählungen von Heinrich York-Steiner. Jüdischer Verlag, Berlin. (305 S.) 8. Seinen lieben Gastfreunden, den Kolonisten in Judäa, hat York-Sto ner sen Jüngstes und bedeutendstes Buch zugeignet. Diese Jüdische Kolonisten dürfen sich zu dieser Gabe gratulieren. Es sind Erzählungen, die aus der Tiefe des Jüdischen Gemütes kommen und selbst da, wo der Dichter in das Lehrhatte verfällt, immer noch ein Niveau erreichen, das weit über dem einer gewissen modern sein wollenden Ghettosehnsüchtele! steht, die sich gern für jungjüdiiehe Dichtung ausgeben möchte. York-Steiner ist ein Dichter, der zuweilen auf Abwege gerät, aber immer der Deuter biciot Und da liegt der