Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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י)! rn r Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich■ I. darob dlo Expedition! a) In Berlin M. —,9a b) nach auswärts M I,— c) fOr das Ausland M. 1,5a 1• lm Poatabonnemont M. US laaaMto die viergespaltene Petitzeile 29 PI. Inaeratenbel!a0OD 15 M. י•*« k k k *V Organ der für Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Perlag Südlsdie Rimdsdiau, E. Ql m. b. H. Berlin Q 54, Buguslslrass• 01. II c Sprectstundcn: v. 4—5 Uhr nachmittags. - Redaktion: Br. Heinrich üoewe, Berlin HW. 52, metandilhonsfrasss 4. ®ri* tcrbehatlcn. Bbdrudi cus der «Südismen Rundschau» nur bei voller Quellenangabe gestattet No. 51. ' Berlin, 23. Dezember 1904. — 15. Tebeth 5665. ix. Jahrgang. ^rartvat An unsere Leser und Freunde j Die vorliegende Nummer ist die vorletzte des vierten j Quartals. Im neuen Jahrgang werden wir Gelegenheit haben, den Inhalt des Blattes mehr wie bisher niannigfaltig auszugestalten und besonders auch für den Feuilleton in geeigneter Weise zu sorgen. Das gcsamte Gebiet jüdischer Interessen und jüdischen W;isscns soll in der weitgehendsten W'eise in die Zeitung cinbezogen werden. Ganz besonders werden wir unser Augenmerk den inneren zionistischen Fragen und der.Propaganda nach aussen zuwenden. Dazu wird aber unser enger Raum nicht immer ausreichen und wir werden die Zeitung oft in grösserem Rahmen erscheinen lassen müssen. Hierzu bedürfen wir der ausgiebigen Unterstützung aller unserer so zahlreichen Freunde. Wir bedürfen ihrer geistigen Mitarbeit ebensosehr wie ihrer W erbekraft für das Parteiblatt. An alle unsere Freunde ergeht daher bei Abschluss des Jahres der Appell, ihre regste Mitarbeit unserem Blatte zuzuwenden und aus ihrem Freundeskreise ihm recht viele neue Freunde und Abonnenten zuzuführen. Jüdische Rundschau. Frankfurt — Basel Es ist eine Strecke, zu der die guten Schnellzüge auf beiden Ufern des Rheines etwa sechs Stunden brauchen. Und die Konkurrenz der Badischen Bahnen und der Reichs-Eisenbahnen in Elsass-Lothringen tut alles,, um die Fahrzeit auf eine Minimaldauer zu verkürzen. Auf derselben Strecke, auf der man so oit Gelegenheit hat, wegen, der willkürlichen Stellung der direkten W'agen diese Konkurrenz zu bedauern, darf mau sich doch atidererseits ihrer Vorzüge erfreuen, die sie in der ständigen Verringerung der Falirtdaucr aufweist. Gute und schlechte Seiten der Konkurrenz: ein Thema, das die Naticnalökonomen, nachdem sie es fast überwunden glaubten, doch immer wieder nicht zur Ruhe kommen lässt und jetzt in der Vereinigung grosser früherer Konkurrenzbetriebe zu Kartellen und ^Trusts neue grosse Probleme ihnen auf den Weg wirft. Aber, was die Nationalökonomen und die Soziologen bisher nicht beachtet haben, es gibt Konkurrenz auch ausserhalb der . vom Erwerbstriebe beherrschten Sphären. Konkurrenz sogar ־ hier iiberbricht sich das Paradoxon beinahe - in der Wohltätigkeit. Dort, wo w ie bei uns Juden, jeder eine gew isse Verpflichtung in sich fühlt, doch ,.auch etwas zu tun“ für die bedrängten Glaubensgenossen. Stamme sbrüder usw.. dort muss natürlich über kurz oder lang eine Verschiedenheit sich geltend machen, nicht nur in der Auffassung von der Grösse, dem Umfang der Hillsverpflichtung, sondern vor allem in der Tendenz der zu leistenden Hilfe. Einer hat sein gutes Herz völlig befriedigt, wenn er eine Schncrrerkassc eingerichtet hat und am Stammtische erzählen kann: ״Bei mir bekommt, auch wenn ich nicht da bin, jeder polnische Jude iünizig Pfennige“; der aridere hält nichts von der individuellen Wohltätigkeit, durch die nur Bettler gezüchtet würden; er tritt also mit anderen zu einem Wohltätigkeitsverein zusammen, durch den ganz nebenbei die Töchter mehrere Male im Jahre Tanzgelegenheit erhalten: ein dritter giebt überhatipt kein Geld ־ dadurch demoralisiert man die Leute nur - - sondern er lässt die armen W anderer irgend eine Arbeit verrichten, zwei, drei Tage oder eine Woche lang, und gibt ihnen daiür Essen und etwa nötige Kleidung! Das begründet er mit der nicht gerade von tiefer sozialer Einsicht zeugenden Hypothese, w enn jeder Jude so ha״- delte. so .wären diese Leute ihr ganzes Leben lang versorgt. So gibt es der Typen noch eine Reihe. Und jeder Typ hat seine Vertretung gefunden in einer oder sogar in mehreren Organisationen, die jede auf ihre Art Wühltätigkeit üben. Selbstverständlich, dass solche Art von Wohltätigkeit eine Danaidenarbeit furchtbarster Art ist, ein ew iges Schöpfen in ein bodenloses Fass mit einem tausendlöcherigen Siebe. Noch schlimmer. Wirkliche Abhilfe wird dadurch überhaupt nicht geschaffen, wohl aber häufen sich die schlimmen Konsequenzen solchen W'ohlttins. Es werden wirklich Schnorrer gezüchtet, und w irklich werden die Leute, die längere Zeit von Almosen leben, ohne Gegendienste zu leisten, schwer demoralisiert. Das sahen denn auch die verschiedentlichen Vereine ein, die von der radikalen Lösung des Zionismus aus den allerdifferentesten Gründen nichts wissen wollten, und einer der jüngsten, aber an Bedeutung . seiner Mitglieder und Energie seiner Arbeit hervorragendsten, der Iliiisverein der deutschen Juden, ergriff die Initiative und lud im Verein mit der Grosslogc "?ff