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Jüdische Rundschau · 1904-10-28 · Heft 43 (28.10.1904) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 43 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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r ־ 1 * * No. 43. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 367. Die jüdische Handwerkerschule in Lodz hat beschlossen, einen Absolventen der Sclilossereiwerkstatt nach Berlin zu senden, lim daselbst die Anfertigung orthopädischer Instrumente aus eigener Anschauung praktisch zu erlernen; dazu überweist das Komitee 300 Rubel. Nach Absolvierung dieses Kurses soll der betreffende junge Mann die in Lodz eröffnete Werkstatt für Anfertigung von orthopädischen Instru* * # menten verwalten. Dr. A. S. Yahudah hat einen Ruf als Dozent für semitische Philologie und Exegese an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin erhalten. Dr. Yahudah entstammt einer sehr alten und vornehmen Familie Bagdads und hat seine Universitätsstudien unter Nöldeckc in Strassburg absolviert. Die exegetischen Arbeiten des jungen Gelehrten, insbesondere die Herausgabe des arabischen Originals des Choboth hallebaboth des Bachja Ibn Pakodah haben in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit der gelehrten Kreise aut Dr. Yahudah gelenkt. Dr. Yahudah ist Zionist. ' Eine antisemitische Debatte im österreichischen Landtag. Ein Antrag des Gewerberorderungsausschusses betreffend dje Errichtung von nieder-österreichischen Landesstipetidieu iür christliche Zöglinge der Exportakademie in Wien ruft eine grosse Debatte hervor. Abg. Handelskammerrat Strobl wendet sich entschieden gegen die Bestimmung, nach der die Stipendiaten christlicher Konfession sein müssen. Bür die Verleihung des Stipendiums müsste einzig die Balligkeit und Würdigkeit massgebend sein. Nehme der Landtag die fragliche Bestimmung an. so würde man die Stipendiaten von vornherein als Antisemiten Stigmatisieren, was ihrem Fortkommen nicht förderlich wäre. Bs lasse sich nicht leugnen, dass sich die Juden um den österreichischcn Export grosse Verdienste erworben haben, und cs wäre daher eine Ungerechtigkeit, wenn man die jüdischen Zugänge der Exportakademie von der Erlangung der Stipendien ausschliessen würde. Der Redner beantragt schliesslich, den fraglichen Passus aus dem Antrag des Ausschusses zu eliminieren. Abg. Placli bemerkt, es gehe nicht an, von einer Einrichtung, die aus von Bürgern ohne Unterschied der Konfcssion aufgebrachten Mitteln geschaffen wurde, eine bestimmte Konfession auszuschliessen. Man könne nicht jemandem Pflichten auferlegen, ohne ihm Rechte zu gewähren. Abg. v. Lindenheim spricht sich in gleicher Weise aus. Abg. Bielohlawek erklärt, dass sich der Antisemitismus keineswegs gegen die Religion der Juden richte. Er selbst hätte niemals einen Juden provoziert und werde niemals einen provozieren. Wenn die Religion den Juden vorschreibe, sich auf den Kopf zu stellen, so hätten die Christen auch nichts dagegen. (Heiterkeit.) Dagegen machen sich die Juden über die Gebräuche der Christen fortwährend lustig. Also nicht gegen die Religion richte sich der Kampf, sondern gegen die unheimliche Solidarität des Judentums. Diese zeige sich hei allen Gelegenheiten und werde sich natürlich auch beim Export zeigen. Der Jude werde immer das Judentum vertreten. Redner bespricht die Affäre Drcyfus, dann den Prozess Hülsner. und sagt, man könne es scre: Partei nicht verübeln, wenn sie nach all dem den jüdischen Exporteuren keine Stipendien geben wolle. Die Christlicbsozialen sagen das oifen heraus. Redner kenne genug Liberale, die im Herzen Antisemiten seien — siclts aber gar nicht zu sagen trauen, weil sie irgend ein Mandat haben oder haben wollen. (Heiterkeit.) Er bittet um Annahme der Vorlage. __ Abg. Kolisko gibt den Vorwurf des nur fakultativen Amisemitismus den Christlichsozialen zurück. Abg. Bielohlawek: Wer hat den Dr. Schacherl gewählt. Landniarschall: Ich bitte, keine Zwiegespräche zu führen. . Abg. Bielohlawek: Der oben hat schon wieder Angst. (Grosse Heiterkeit.) Abg. Kolisko stellt schliesslich den Abänderungsantrag, dass die Stipendiaten deutscher Nationalität sein müssen. Abg. Steiner kritisiert die Vertretungen der Monarchie im Auslande, die in jeder Beziehung ungenügend seien, wie er bei seinen eigenen Ausland reisen eriahren habe. Es lasse sich auch nicht leugnen, dass die jüdischen Exporteure das Vertrauen in das österreichische Fabrikat durch unreelles Gebaren tief erschüttert haben. Er wünscht, dass vor allem für eine bessere Vertretung im Auslande vorgesorgt werde. Abg. Sturm schlägt vor, statt ״christlicher Religion“ ״arischer Abstammung" zu sagen. Der Ausdruck ״deutscher Nationalität besage nichts, denn auch der Dr. Schatherl sei heute ״deutschnational“. Der Berichterstatter Abg. Schneider zeigt verschiedene angeblich von österreichischen jüdischen Exporteuren nach England exportierte Waren vor, die durch ihre schlechte Qualität den österreichischen Export tief geschädigt hätten. Der Redner macht nun eine geschichtliche Exkursion um die Berechtigung des Antisemitismus nachzuweisen. In Spanien hätten die Juden jahrhundertelang alle Vorrechte gehabt. Schliesslich habe sich das Volk aufgerafft und die Juden vertrieben. _ Abg. Blach: Ist’s dann den Spaniern besser gegangen? Abg. Schneider: Na natürlich! Die Juden sind ja erschlagen worden. Da wa־׳ dann Ruh’. Taufen nützt ja nichts — ausser mit Schwefelsäure! (Grosse Heiterkeit im Saal und uui der Galerie.) Es gehe jetzt ein grosser Sturm durch den Blätterwald, weil der Bürgermeister auf eine Beschimpfung des Abg. Seitz antwortete, dass diejenigen, die am 1. Mai in den Prater gehen, Lumpen seien. Das sei doch richtig! übrigens werden in den Judenblättern Kaiser undT Papst, der Bürgermeister und der Ministerpräsident beschimpft, ohne dass sich jemand ereifere. Nur über die Juden dürfe nicht geschimpft werden. Der Ausschussantrag wird mit der vom Abg. Sturm angeregten Abänderung (״arischer Abstammung“) angenommen. Alle anderen Abäiideruiigsanträge werden abgelehnt. MellccpoL Der Kurator des Odessaer Lehrbezirkes hat. wie die ״Petersburgskija W’jedomosti" melden, den vor einigen lagen gefassten Beschluss des Gemeindcrates, in das Kurato* rium des Mädchengymnasiums zwei jüdische Mitglieder zu berufen, annulliert. Er beriet sich dabei auf eine Verfügung des Unterrichtsministeriums. Kiscltensw. Der letzte Prozess in den Massakers von Kischinew wurde in dieser Woche gegen Kyrill Martynesco durchgeiiihrt. welcher den jüdischen Synagogendiener Schumi Urtnan neben dem Thoraschrein bestialisch ermordet hatte. L'rman biisstc bekanntlich sein Lehen bei der Verteidigung des Thoraschreincs gegen die unreinen Trunkenbolde ein . . . Der Gerichtshof sprach den Mörder Martynesco selbstverstandlieh völlig frei. ==“ Nationalfond. — S«mmtunj׳en (Dr den N'ationalfond und andere zionistische Zwecke sind nur noch an Jen Schatzmeister des Zentralbfiros, Herrn Max Wollstetaer, Derlin NW. aj, Hol.trmrr yjir 01ן zu senden. ־—------ (L.) Dr. Heinrich L o e w e für 4 Palästina Zigaretten ״Jordan“. (L.) Dr.^ Max Jungmann, statt eines Telegrammes zur Verlobung Grone in ann-Dr. Bcrgel . . Dr. T ü t z e r für eine von Dr. א a m » o t erhaltene 5 Pf. Marke. EinSchlemichl... Samuel Blum, Berlin, gratuliert Herrn Dr. S t e r n zur Brith Milah seines Sohnes.. . Frl. Edith Lewin, Berlin, SammJung im Cafe Monopol. DerjüngsteZionistLudwig Müller, Berlin Sammlung in der »Hasmonäa*. R. A., Berlin, für ein Theater-Programm I . . . . H. B, Berlin, Zweifelhafte Forderung an J. S. und anderes.,. Jarotschiner Zionisten. Der »einjährige* Hans Eberhart, Berlin, Schiffbauerdamm 30, dankt herzlichst für die Geburtstags-Gratulationen. Z., Berlin, in den Winzerstuben von gemütlichen Leuten am 21. October gesammelt als ״Sektsteuer* . . . John de Haas, Wandsbeck, Scatgewinn .... G B, Wandsbeck, Seatgewinn. G. B., Gleiwitz. Fritz Epstein, Duisburg, gratuliert Frl. Gronemann, Hannover ............. Maria Epstein, Duisburg, Spielgewinn E n g e*l - bert?. Zionistische Vereinigung in Duisburg, Sammlung nach der Rede des Stud. jur. PaulLoewe über Herzt und die studierende Jugend. G. B.f Wandsbeck, anlässlich einer aussergewühnlichcn Einnahme... Spenden beim Aufrufen zur Thora im Beth-Hamidrasch zu Ra witsch: Jsmar Dienstfertig, 0,50, H. Paget, 0,60, 1,50 Mk. ״ 0,50 * 0,30 . (0,3 . 0,50 , 3,50 ״ 0,50 י 1,50 . 0,20 י 0,60 c>, ~ »!0,- , ״ 0,60 * 0,40 _<׳ «״* , 0,50 ״ 1,60 4,90 B 3,05 » I : I I I I 1 •r: די■

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