Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1904)
- Date
- 1904-10-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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■r, י ־"י־ •י Abonnementspreis «Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich 1 I. durch die Expedition: 8) in Berlin M. -,9a b) nach auswärts M l,— c) fOr das Ausland M. 1,5a f. lm Fostabonnemont M. 125 innorato die riergespaltene Petitzeile 25 Pf. Inaeratonbollagon 15 M f k 9 I f l 9 s£x Organ der Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vertag 3üdlsd1e Rundschau, E. a m. b. H. Berlin II54, Sugusfstrasse Ilr. 19 a Sprechstunden: *. 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Br. Heinrich troewe, Berlin HW. 52, tnelanchlhonslrasss 4. Alle Rt dife wrt«hatfcn. Bbdmät cus der '3ödisdun Rur.dstf־ct!» nur bei voücr Ooelleocnscte, gesrcttcT No. 43. Berlin, 28. Oktober 1904. 19. Cheschwan 5635. ix. Jahrgang. Die Dorfschule in Palästina.! Von Dr. Mein rieh Loewc.*) j So wie inan in Palästina kolonisiert hat. ohne vorher! die Bedingungen der Siedelitng zu studieren, so hat man das Schulwesen in diesem jüdischen Kolonialgebiete eingerichtet und fortgeführt, ohne vorher das Ziel der Schule genau icstzusteckcn und die Wege dahin sorgfaltig zu bestimmen. Von einem einheitlichen Lehrplan, der an den Erfahrungen anderer Nationen gelernt hätte, konnte keine Rede sein. Das eine war gewiss: man; wollte eine nationale Schule und suchte diesen Willen auszuführen, soweit nicht andere Einflüsse von ausser- : halb und oberhalb in anderer Richtung wirkten. Erst in : jüngster Zeit hat eine palästinische Landeskonferenz in; Sichron-Jacob dem Bedürfnis nach einem einheitlichen. ' auf allgemein pädagogischer und jüdisch-nationalen Grundgesetzen aufgebauten Lehrplan Ausdruck veri liehen. \ Es ist aber selbstverständlich, dass die Vereinheit-; lichung des Lehrplanes nicht so weit gehen darf, die durch die Verhältnisse uaturgemäss gegebenen Verschiedcnheiten ganz verschwinden zu machen. Man wird nicht umhin können, den Unterschied zwischen Dorf- und Stadtschule beizubehalten und sogar mehr als bisher zu betonen. Denn wir müssen uns darüber klar sein, dass die Dorfschule zwar durchaus nicht niedriger stehen darf als die Volksschule in der Stadt, dass sie aber anders organisiert sein und die Lehrgegenstände anders verteilen und anordnen muss entsprechend den veränderten Bedürfnissen, denen sie dient. Denn auf der Volksschule der Stadt, die von vornherein die gewerbe- und handeltreibende Bevölkerung mit dem geistigen Rüstzeug für ihre Berufe versehen soll, werden wir die höhere Schule auibaueu. die iiir Palästina für absehbare Zeit nur eine Art von Real- und Gewerbeschule sein kann. Die gehobene Landwirtschaftsschule muss sich dagegen auf der Dorfschule gründen. Wenn wir nun in einigen grossen Zügen das Ziel umgrenzen, das der Volksschule auf dem Lande gesteckt wird, so gewinnt dies erst Gestalt und realen Wert, wenn wir später die Unterrichtspensa feststellen und auf die Kurse der vcrschiedenklassigen Schulen verteilen. Dagegen muss grundsätzlich daran festgehalten werden, dass die Dorfschule in unserem Kolonisationsgebiet, mehr noch als die Volks- und Bürgerschule der Stadt, unter keinen Umständen eine Sprachschule sein darf. Das schliesst natürlich nicht aus. dass der Muttersprache *) Aus ״Altneuland". eine intensive Pflege zuteil werden muss. 1111 Gegenteil können wir 1:111 so leichter auf fremde Sprachen verzichten, um wie reicher der Wort- und Gedankenschatz ist. der unseren Zöglingen in der Muttersprache zu Gebote steht. Es ist daher aus pädagogischen Gründen ebenso sehr die tieigehendste Pilege des Hebräischen geboten, nicht nur als Unterrichtssprache, als vielmehr auch rein als Sprache an sich betrachtet, wie nationaljüdische Erwägungen zu dieser .gleichen Forderung kommen. Sämtliche Schulen des Orients, mit alleiniger Ausnahme der rein islamischen Anstalten, haben das tiefstehende Niveau ihrer Zöglinge und deren äugenscheinliche Oberflächlichkeit dadurch verschuldet, dass sie von dem in seiner Verallgemeinerung überwundenen pädagogischen Leitsätze, dass Sprachen bilden, zu dem falschen Schlüsse gekommen sind, dass Sprachen Bildung seien. Dazu kommt, dass ihre Verbreitung auf die Gebiete verschiedener Sprachen sie von der liebevollen intensiven Pilege der Muttersprache, die zur Bildung wirklich unumgänglich notwendig ist, in gleichem Masse ablenkt, wie auf die extensive Pilege verschiedener Sprachen Zeit und Mühe verwendet wird. In diesem Grundfehler aller orientalischen Lehranstalten dürfen wir die hebräische Volksschule nicht stecken lassen. Aber wir dürfen darum nicht in den entgegengesetzten Fehler verfallen, um die hebräische Sprache in diesen Schulen in dem Sinne zu pflegen, dass neben ihr reale Fächer keinen oder nur geringen Platz haben. Denn das Ziel ist nicht, hebräische Schriftsteller zu erziehen, sondern jüdische Bauern mit hebräischer Muttersprache. Darum soll die Sprache aus dem ländliehen Vorstellungskreise entwickelt werden. Denn die Sprache des Schülers soll nicht an dem bilden, was er * um sich sieht, wenn auch dann auf dieser Grundlage sein geistiger Horizont über den engen Dorfkreis hinaus erweitert werden soll. Die hebräische Sprache des jüdischen Bauern muss den frischen Erdgeruch Palästinas haben. Aber so sehr wir aus Gründen vernünftiger Volkserziehung gegen die Pflege fremder Sprachen in der Dorfschule sein müssen, so können wir es doch nicht übersehen, dass das jüdische Kolonisationsgebiet inmitten einer arabisch sprechenden Bevölkerung sich deren Ein- Wirkung nicht entziehen kann. Der Araber kommt als Tagelöhner und als Beamter, in Handel und Wandel täglich mit dem Juden in Berührung^ und ein natürlicher Sprachaustausch findet dauernd statt. Es ist eine Tat- Sache, dass jeder jüdische Bauernjunge in unseren Dörfern mehr oder minder Arabisch versteht, und dass diese Kenntnis mit den Jahren wächst. Ohne daher den 0